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Was ist drin,
Bayer Leverkusen?
Die Vorsaison endete auf Rang fünf und bedeutete die beste Spielzeit der Vereinsgeschichte. Allerdings blieb das Gefühl hängen: Es wäre mehr drin gewesen. Wie hat sich der Kader verändert, was ist möglich und wo besteht Redebedarf? Darüber habe ich mit Lara (@larifarii) vom Podcast BayPod (@BayPod) gesprochen.
Kommen und Gehen
Abgänge:
Anne Moll (Tor, VfL Bochum), Friederike Repohl (Tor, Karriereende), Julia Mickenhagen (Verteidigung, VfB Stuttgart), Menglu Shen (Verteidigung, noch unbekannt), Juliette Vidal (Verteidigung, Deportivo Alaves), Ida Daedelow (Mittelfeld, VfL Bochum), Paulina Bartz (Mittelfeld, Hamburger SV), Katharina Piljic (Mittelfeld, VfL Wolfsburg), Kristin Kögel (Mittelfeld, Racing Strasbourg), Vanessa Haim (Angriff, noch unbekannt)
Zugänge:
Carolin Simon (Verteidigung, FC Bayern München), Marlene Müller (Verteidigung, RB Leipzig), Emily Wallrabenstein (Verteidigung, Eintracht Frankfurt), Justine Brandau (Verteidigung, Feyenoord Rotterdam), Paulina Platner (Mittelfeld, SGS Essen), Lumbardha Misini (Mittelfeld, Servette FC), Natasha Kowalski (Mittelfeld, SGS Essen), Maja Sternad (Mittelfeld, Werder Bremen), Lobke Loonen (Angriff, FC Utrecht), Paulina Tomasiak (Angriff, Gornik Leczna)
Vielversprechendste Verstärkungen?
Lara: Für mich stechen zwei Verpflichtungen heraus. An erster Stelle steht Carolin Simon. Sie ist ehemalige Nationalspielerin, hat sieben Jahre beim FC Bayern München gespielt und davor bis 2016 bereits in Leverkusen. Im Trainingslager konnte man schon sehen, dass sie, obwohl sie erst seit ein paar Wochen hier ist, direkt eine krasse Leaderrolle eingenommen hat. Sie war sofort die Kapitänin und hat auch die Ansprachen im Kreis vor dem Spiel gehalten. Allein mit ihrer Erfahrung kann sie dem Team vielleicht die Stabilität geben, die in der vergangenen Saison nicht immer vorhanden war.
Empor: Und der zweite Transfer?
Lara: Natasha Kowalski. Sie ist im Vergleich zu Simons noch sehr jung, war in Essen aber eine sehr kreative Spielerin im Mittelfeld. In den Testspielen ist sie auch gleich mit zwei direkt verwandelten Freistößen aufgefallen.
Empor: Ich bin sehr gespannt, wie sich Kowalski in Leverkusen entwickelt. Die vergangene Saison in Essen war jetzt nicht herausragend. Aber ich glaube, dass sie dort ihre Spielweise im Abstiegskampf auch nicht vollständig entfalten konnte. Ihr Potenzial ist groß. Ich habe zusätzlich noch Lobke Loonen auf dem Zettel. Ich habe mir aus den Niederlanden sagen lassen, dass sie eine absolute Strafraumstürmerin und sehr abschlussstark ist. Mit 1,79 Metern ist sie zudem vergleichsweise groß. Ihre Bilanz: 38 Tore in 74 Eredivisie-Spielen.
Lara: Mit ihrer Größe ist sie auf jeden Fall ein sehr interessanter Gegenpol zu Vanessa Fudalla (14 Tore in der Saison 2025/26). Denn in der Vorsaison gab es Phasen, in denen Leverkusen einen riesigen Chancenwucher betrieb. Eine Spielerin wie Loonen kann eine Art Dosenöffner sein.
Empor: In der Vorsaison hat Leverkusen die zweitmeisten Flanken geschlagen, allerdings ist nur jede vierte angekommen. Mit Loonen als Zielspielerin im Strafraum kann das zielführender sein. Und Simon ist ja auch als gute Flankengeberin bekannt. Allerdings muss immer berücksichtigt werden, dass die Umstellung von der niederländischen Liga auf die Bundesliga etwas Zeit benötigen kann – gerade wegen der sehr intensiven Spielweise und des hohen Pressings unter Roberto Pätzold.
Wie finden wir den Kader?
Empor: Pätzold hat den Kader als den besten bezeichnet, den er in Leverkusen bislang zur Verfügung hatte. Bemerkenswert finde ich vor allem, wie früh Leverkusen die Transfers über die Bühne gebracht hat – ein Großteil davon wurde bereits während der Saison verkündet. Das spricht für eine gute Kaderplanung.
Lara: Ich finde den Kader ausgeglichener als in der Vorsaison. Leverkusen hat für mich gut auf die Schwächephasen der vergangenen Spielzeit reagiert. Auch dass die Leihe von Raphaela Bockgräfe verlängert wurde, wird Leverkusen guttun. Ich finde die Mischung einfach superinteressant: Es gibt viele relativ junge Spielerinnen, darunter auch die 19-jährige Emily Wallrabenstein, aber ebenso viel Erfahrung. Der Abgang von Katharina Piljic tut natürlich sehr weh. Sie hat eine Bombensaison gespielt. Und mit Kristin Kögel ist eine Identifikationsfigur verloren gegangen. Simon ist nun jemand, der diese Rolle ausfüllen kann und eigentlich auch muss.
Empor: Zu Piljic und dem Mittelfeld kommen wir gleich noch. Grundsätzlich finde ich den Kader auf jeder Position auf dem Papier gut besetzt. Auf die Abgänge von Juliette Vidal und Julia Mickenhagen wurde positionsgetreu mit viel Erfahrung durch Simons und Marlene Müller reagiert. In der Innenverteidigung kämpfen Selina Ostermeier, Claudia Wenger und Lilla Turányi um die beiden Plätze. Auf der rechten Abwehrseite stehen Carlotta Wamser, Estrella Merino Gonzalez und die flexible Justine Brandau zur Verfügung. Und im Angriff ist Leverkusen ohnehin stark aufgestellt. Die einzige Lücke sehe ich links beziehungsweise halblinks in der Offensive – also auf der Position, die Kögel bislang ausgefüllt hat. Denn Loreen Bender und Neuzugang Maja Sternad sind bislang stets auf der rechten Seite aufgelaufen. In den Testspielen spielte Fudalla zeitweise auf der linken Zehnerposition …
Lara: Ich kann mir Fudalla schon auf dieser Position vorstellen. Sie ist wendiger als eine reine Strafraumstürmerin, kann sich aus vielen Situationen herauswinden und kommt trotzdem zum Torschuss. Wenn Loonen nun tatsächlich in der Sturmspitze spielt kann Fudala mehr über links kommen. Das wäre eine Möglichkeit, beide spielen zu lassen.
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Mögliche Startelf
Redebedarf ... Lücke von Piljic
Empor: Du hast Piljic bereits angesprochen. Das ist für mich ein entscheidender Punkt für die kommende Spielzeit. Ich fand, dass Zdedel und Piljic in der Vorsaison ein kongeniales Duo gebildet haben, das optimal aufeinander abgestimmt war. Wenn die eine vorne war, sicherte die andere ab – und andersherum. Ohne Piljic muss sich quasi eine neue „Statik“ im Mittelfeld finden.
Lara: Dieses blinde Verständnis – das war entscheidend. Das ist nun die Aufgabe: etwas Vergleichbares wieder aufzubauen. Deswegen ist Leverkusen auch sehr früh ins Training gestartet und war, glaube ich, auch als erstes Team wieder aus dem Trainingslager zurück. Im Mittelfeld müssen neue Abläufe einstudiert werden, damit alle auf einer Wellenlänge sind.
Empor: Für die Rolle neben Zdebel kommen die Neuzugänge Pauline Plattner, Lumbardha Misini und Kowalski infrage. Misini hat in Genf eine entscheidende Rolle beim Titelgewinn gespielt – ich habe sie allerdings noch nie live gesehen. Sie könnte womöglich eine reifere Spielanlage für diese Rolle mitbringen als Plattner. Der sportliche Leiter Achim Feifel hat sie als „Motor im Mittelfeld“ bezeichnet – das will schon etwas heißen. Plattner, muss ich sagen, halte ich für ein Riesentalent, aber sie braucht vielleicht noch etwas Eingewöhnungszeit. Das Spiel von Leverkusen ist intensiver und schneller als das in Essen. Kowalski wäre die offensivere Variante. Oder es wird Wamser. Immerhin hat Pätzold sie in den bisherigen Testspielen als zentrale Mittelfeldspielerin ausprobiert und sie als „Box-to-Box-Spielerin“ gelobt …
Lara: Bei Wamser könnte ich mir vorstellen, dass es funktioniert. Aber ich mag sie eigentlich lieber auf den Außenpositionen. Was sie ausmacht, sind diese Körperlichkeit, dieses Durchsetzungsvermögen und ihre Geschwindigkeit. Diese Stärken hat sie bislang als Außenverteidigerin gut eingebracht, weil sie damit das Spiel anschiebt. Testspiele sind aber dafür da, bestimmte Dinge auszuprobieren. Und mit Wamser im Mittelfeld ist Leverkusen vielleicht etwas schwerer auszurechnen.
Empor: Aufgrund ihrer Qualitäten als Antreiberin, ihres Spielverständnisses und ihres Offensivdrangs kann ich mir Wamser tatsächlich auch als Sechserin oder Achterin vorstellen. Ich frage mich dann nur: Wozu holt Leverkusen Plattner oder zuletzt Misini, wenn letztendlich Wamser auf dieser Position eingesetzt wird?
Was ist drin?
Lara: Das Ziel des Vereins ist Platz drei – das wurde ja auch ganz klar so kommuniziert. Ich fand es sehr interessant, dass es so offen ausgesprochen wurde. Für mich ist es aber auch der nächste logische Schritt. In der Vorsaison war Leverkusen schon nahe dran, hat sich aber immer wieder Schwächephasen geleistet. Deswegen bin ich der Ansicht, dass Platz drei mit diesem Kader und bei einer verletzungsfreien Saison realistisch ist.
Empor: Ich habe für dieses Format eine Schattentabelle entworfen und Leverkusen tatsächlich auch auf Platz drei gesetzt. Die Qualität dafür ist im Kader allemal vorhanden – nun auch in der Breite. Die Transfers sind für mich auf dem Papier allesamt klug und mit Blick auf die Kaderbedürfnisse getätigt worden. Da fast alle Transfers früh feststanden, konnte Pätzold vom Beginn der Vorbereitung an mit einem fertigen Kader arbeiten – ein Luxus, den viele andere Teams nicht hatten.
Lara: Ich würde mir auch wünschen, dass wir im DFB-Pokal dieses Mal etwas weiterkommen, denn darin sehe ich in den vergangenen Jahren wirklich verschenktes Potenzial. Es wäre einfach gut, die Doppelbelastung über einen längeren Zeitraum zu haben – auch mit Blick auf eine mögliche Europapokalteilnahme in der nächsten Saison.

Wie finden wir das Trikot?
Empor: Ich finde das Auswärtstrikot mit den blauen Schultern und Ärmeln wahnsinnig gelungen. Es ist optisch mal etwas Neues und ein absoluter Hingucker.
Lara: Das Blau hat sogar eine Bedeutung. Es soll eine chemische Reaktion darstellen – mit Bezug auf das Bayer-Werk und die Geschichte Leverkusens als Chemiestadt. Deswegen ist auch jedes Trikot durch die Marmorierung individuell. Das finde ich sehr cool, weil jedes Trikot einen Bezug zur Stadt hat.
Empor: Das Heimtrikot ist hingegen klassisch Leverkusen für mich. Ich finde allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, dass die schwarzen Streifen nach oben leicht zulaufen – auf mich wirkt das auf den ersten Blick ein wenig wie ein Zirkuszelt.
Lara: Ja, das soll tatsächlich die Dachstreben der Bayarena darstellen.
Empor: Ah, okay. Ich gehe aber absolut mit dem Auswärtstrikot. Das Heimtrikot hat für mich auf den ersten Blick keinen vergleichbaren „Wow-Effekt“. Da fehlen mir kleine Hingucker.
Lara: Das Auswärtstrikot finde ich auch schöner. Aber mit dem Heimtrikot bin ich ebenfalls absolut fein.