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Was ist drin,
1. FC Köln?
Der 1. FC Köln hat sich in der Vorsaison ins Tabellenmittelfeld der Liga geschoben. Kann die positive Entwicklung fortgesetzt werden? Der Zweikampf um die Torhüterinnen-Position, wo der Kader noch Lücken aufweist und großer Diskussionsbedarf beim Trikot – darüber habe ich mit Denis vom Podcast #trotzdemhier (@trotzdemhier) gesprochen.
Kommen und Gehen
Abgänge:
Aurora Mikalsen (Tor, noch unbekannt), Martyna Wiankowska (Verteidigung, noch unbekannt), Sylwia Matysik (Verteidigung, Hamburger SV), Sara Agrež (Verteidigung, Liverpool), Ella Touon (Verteidigung, Ajax Amsterdam), Adriana Achcińska (Mittelfeld, VfB Stuttgart), Amélie Delabre (Angriff, Club YLA)
Zugänge:
Pauline Nelles (Tor, ASU Sun Devils), Inga Schuldt (Tor, Hamburger SV), Elise Stenevik (Verteidigung, FC Everton), Beke Sterner (Verteidigung, Essen), Sædís Rún Heiðarsdóttir (Verteidigung, Vålerenga), Alina Kerschbaumer (Mittelfeld, First Vienna), Jil Schäfer (Mittelfeld, Köln II), Sophie Nachtigall (Mittelfeld, Freiburg), Laureta Elmazi (Angriff, Essen)
Vielversprechendste Verstärkungen?
Denis: Bei den Transfers hat Köln etwas mehr auf die Breite als auf die Spitze gesetzt. Für mich sticht Elise Stenevik heraus, die vom FC Everton aus der Womens Super League kommt. Und ich sage mal so: Wer in England in der Abwehr auf 51 Einsätze kommt, der bringt eine gewisse Qualität mit. Sie kann eine Verstärkung für die linke Abwehrseite sein.
Empor: Generell ist die linke Defensivseite sehr spannend. Sædís Rún Heiðarsdóttir spielt ebenfalls links und bringt für mich mit ihren 21 Jahren ein sehr interessantes Profil sowie Champions-League-Erfahrung mit. Mal sehen, wer dort den Vorzug erhält.
Denis: Sie soll auch sehr gute Standards schießen können. Das könnte ebenfalls ein Faktor werden.
Empor: Aus der Spielerinnenvorstellung klang ohnehin heraus, dass sie als Soforthilfe angesehen wird. Sie bringt als Linksverteidigerin – soweit ich das anhand von Statistiken beurteilen kann – auch viel Offensivpower mit.
Denis: Vielleicht baut Britta Carlson auch beide Spielerinnen ein. Sie lässt ja gerne einmal eine Defensivspielerin auf dem linken Flügel spielen. Also vielleicht in einem System, in dem Stenevik hinter Heiðarsdóttir spielt.
Empor: Das könnte durchaus eine Option sein. Gibt es noch eine weitere Verpflichtung, die für dich besonders heraussticht?
Denis: Sehr gespannt bin ich auch auf Sophie Nachtigall. Sie kommt aus Freiburg, und ich habe sie in der vergangenen Saison gegen Köln spielen sehen. Sie ist eine sehr interessante Spielerin für eine Position im offensiven Mittelfeld, die bislang im Kader nicht besetzt war. Deswegen hat sie, glaube ich, durchaus Chancen auf einen Platz in der Startelf.
Wie finden wir den Kader?
Empor: Grundsätzlich finde ich, dass Köln eine starke erste Elf hat. Allerdings fehlt es mir in der Breite an Optionen, wenn es ab der 70. Minute von der Bank Impulse braucht – beispielsweise auf den Flügeln. Gegen Saisonende spielte Sandra Maria Jessen auf der linken Seite, da Lydia Andrade ihre Chance in der Sturmspitze bekommen hat. Ich persönlich halte Jessen aber in der Rolle als Mittelstürmerin besser aufgehoben. Es ist aber immer eine Frage der Alternativen. Auf der linken Seite ist Anna-Lena Stolze eine Option, rechts die unermüdliche Pauline Bremer. Dahinter wird es aber schon dünn. Vanessa Leimenstoll ist bislang nicht über die Rolle als Einwechselspielerin hinausgekommen. Laureta Elmazi wird mit ihrem Kreuzbandriss noch lange ausfallen. Heiðarsdóttir könnte sich nun als weitere Spielerin für den linken Flügel anbieten.
Denis: Wir warten ja alle irgendwie noch auf den Durchbruch von Weronika Zawistowska. Sie bringt eigentlich alle Anlagen mit und wäre eine typische Flügelspielerin, gerade auf der rechten Seite. Lydia Andrade bringt ebenfalls das nötige Tempo für den Flügel mit, schien sich aber im Sturm wohler zu fühlen.
Empor: Ich denke dabei vor allem an den sehr intensiven Spielstil der Kölnerinnen mit einem hohen Pensum beim Anlaufen der Gegnerinnen. Das kostet Kraft. Deswegen würde mehr Breite in der Offensive dem Kader aus meiner Sicht durchaus guttun.
Denis: Nicole Bender-Rummler (Leiterin Frauenfußball in Köln, Anm. d. Red.) hat aber schon gesagt, dass man den Transfermarkt noch genau beobachtet. In der vergangenen Saison war der Erfolg auch stark mit der Personalie Jessen und ihren zwölf Saisontoren verbunden. Spielt sie noch einmal eine solche Saison, ist alles gut. Falls nicht, wird es schwierig, eine Spielerin zu finden, die in ihre Fußstapfen treten kann. Pauline Bremer könnte eine Alternative sein, wenn sie an ihre alte Form anknüpfen kann.
Empor: Wobei Andrade im letzten Saisonviertel die Position in der Sturmspitze für sich genutzt hat. Die Frage ist nur, ob sie sich nachhaltig in die Startelf spielen kann.
Denis: Ich glaube, Jessen war am Saisonende von den Abwehrspielerinnen etwas entschlüsselt. Da ist auch ihre Torquote zurückgegangen. Bei Andrade fällt mir auf, dass sie erst mehr Einsatzzeiten bekommen hat, als der Klassenverbleib so gut wie sicher war. Ich glaube, dass Britta Carlson das Anlaufverhalten von Andrade nicht so gut gefällt. Da muss Andrade noch ein bisschen an sich arbeiten, um sich besser in den Kölner Spielstil einzufügen. Daher weiß ich noch nicht, wie ihre Rolle zum Saisonstart aussehen wird.
Empor: Ein anderer Punkt ist für mich die Innenverteidigung. Mit Sara Agrež hat Köln eine absolute Konstante in der Abwehr verloren. Wenn ich mir die etablierten Innenverteidigerinnen im Kader anschaue, finde ich nur Marina Hegerin, Celina Degen sowie Amelie Bohnen.
Denis: Schade, dass Köln Agrež ablösefrei verloren hat. Sie war die Innenverteidigerin mit der meisten Spielzeit. Aber wenn der FC Liverpool ruft, hat Köln keine Chance auf eine Vertragsverlängerung. Dadurch ist die rechte Position neben Hegering in der Innenverteidigung jedoch vakant. Und Hegering ist in einem Alter, in dem man eventuell davon ausgehen muss, dass sie nicht alle Spiele bestreiten kann.
Empor: Ich halte es für etwas riskant, mit drei Innenverteidigerinnen in die Saison zu gehen. Eventuell bringt aber auch eine der Außenverteidigerinnen das nötige Potenzial für die Innenverteidigung mit. Die Testspiele haben in dieser Hinsicht bislang jedoch wenig Aufschluss gegeben.
Denis: Stenevik ist zumindest 1,74 Meter groß und Linksfuß – sie könnte die Position vielleicht auch bekleiden. Ich würde mich allerdings wohler fühlen, wenn noch ein Ersatz für Agrež käme. Zum Thema Neuzugänge: Es gibt drei Spielerinnen gibt, die in der Vorsaison verletzungsbedingt kaum zum Zug kamen: Taylor Ziemer, Zoe Hasenauer und Dora Zeller. Wenn sie fit sind, können sie für mehr Breite in der Offensive sorgen.

Mögliche Startelf
Redebedarf ... wer steht im Tor?
Empor: Carlson hat gewissermaßen ein Torhüterinnenduell in der Vorbereitung zwischen Irina Fuchs und Lisa Schmitz ausgerufen. Wen siehst du vorne?
Denis: Wenn es eine verdient hat, dann ist es Fuchs. Sie hat in der Vorsaison teilweise echt die Kohlen für das Team aus dem Feuer geholt – damals mit 19 Jahren. Inzwischen ist sie auch ins A-Nationalteam der Schweiz eingeladen worden. Ich finde, dass man bei zwei gleichwertigen Torhüterinnen immer auf die Jüngere setzen sollte – auch aus wirtschaftlichen Gründen. Wenn Fuchs ihren Durchbruch schafft, kann Köln sie später gut verkaufen. Für eine 34-jährige Lisa Schmitz gilt das nicht mehr. Klar, Fuchs wird auch Fehler machen, die Punkte kosten. Aber das muss man einpreisen. Sie bringt alle Anlagen für eine gute Torhüterin mit: die körperlichen Voraussetzungen, ihre Reaktionsschnelligkeit und ihre Stärken auf der Linie. Nur beim Herauslaufen muss sie meiner Meinung nach noch etwas an sich arbeiten. Aber wie gesagt: Sie ist noch jung.
Empor: Ich finde Fuchs’ Ausstrahlung bemerkenswert. Sie wirkt nicht wie eine 20-Jährige. Ich kann mich erinnern: Irgendwann zu Beginn der Rückrunde gab es einen Elfmeter gegen Köln. Da hat Fuchs erst einmal Trashtalk mit der Gegnerin betrieben – und den Elfmeter dann gehalten. Das ist schon enorm selbstbewusst.
Denis: Fuchs scheint im Team auch sehr anerkannt zu sein. Ich sehe eigentlich keinen Grund für Carlson, im Tor zu rotieren. Aber vielleicht hat sie den Zweikampf auch nur ausgerufen, um Fuchs ein bisschen zu pushen.
Empor: Diese Weitsicht kann ich mir bei Carlson gut vorstellen. Eventuell bekommt Schmitz dann im Pokal ihre Einsätze.
Was ist drin?
Denis: Das Mittelfeld in der Bundesliga ist sehr groß, da es nur wenige europäische Plätze und zwei Absteiger gibt. Irgendwo dazwischen wird sich Köln einpendeln. Es wäre schön, wenn sich die positiven Tendenzen aus der vergangenen Saison fortsetzen und verfestigen würden. Das Ziel sollte sein, die vergangene Saison zu bestätigen und kleine Schritte nach vorn zu machen – und sich dann in den kommenden Spielzeiten mit einem jüngeren Team weiter nach oben zu orientieren.
Empor: Die Transfers wirken für mich zunächst nach Konsolidierung. Nicht falsch verstehen: Das sind alles gute und sinnvolle Verpflichtungen. Ich sehe aber - mit Ausnahme vielleicht von Heiðarsdóttir - keine Verstärkung, die ganz viel Fantasie auslöst, wo es hingehen kann. Ich habe Köln auf Platz acht in meiner Tabelle. Gleichzeitig halte ich das Fundament in Köln für sehr stabil – daher mache ich mir auch keinerlei Sorgen, dass Köln in der Tabelle abrutschen könnte. In vielen Spielen der vergangenen Saison fand ich Köln herausragend in ihrem aggressiven Spielstil, wie sie Gegnerinnen teilweise dominiert haben. Aber diese Spielweise verzeiht nur wenige Fehler – und erfordert die nötige Konsequenz vor dem Tor, damit der Aufwand belohnt wird. Da fehlt es noch an Konstanz und gewissermaßen auch an Qualität. Die Entwicklung in Köln stimmt aber allemal.
Denis: Potenzial ist absolut vorhanden, aber du hast natürlich recht: Das ist alles wie ein gut geölter Maschinenraum – da muss jedes Rädchen ineinandergreifen. Es hängt viel davon ab, dass alle am selben Strang ziehen und die neuen Spielerinnen das schnell verinnerlichen.

Wie finden wir das Trikot?
Denis: Es ist das alte Lied davon, dass ein Sponsor ein Trikot kaputtmacht – zumindest beim Heimtrikot. Ich verstehe nicht, was die Telekom dazu bewegt, darauf zu bestehen, dass ihr „T“ in Magenta bleibt, wenn der Rest des Trikots weiß und rot ist. Das passt für mich nicht. Grundsätzlich ist das Heimtrikot ohnehin ein Adidas-Rohling mit sehr einfachem Design. Ich glaube nicht, dass in ein paar Jahren noch jemand von diesem Trikot schwärmen wird.
Empor: Das Heimtrikot ist furchtbar lieblos. Es sieht aus wie ein Standardtrikotsatz, wie es ihn für Breitensportvereine gibt. Es gibt die typischen Adidas-Streifen und rote Ärmelbündchen – aber ansonsten kein einziges Farb- oder Designelement, das heraussticht. Das Trikot fällt bei mir komplett durch.
Denis: Es gibt zig Trikots, die genauso gestaltet sind, nur in anderen Farben. Beim Auswärtstrikot ist der Andrang dafür umso größer. Das Trikot könnte in ein paar Jahren wirklich für viel Geld über den Tisch gehen. Das ist eine Investition in die Zukunft. 😉
Empor: Das Retro-Logo, die alte Adidas-Blume, die leichten Gitterstreifen – auch die Kragenpartie gefällt mir ausgesprochen gut. Warum ist das nicht das Heimtrikot, frage ich mich?
Denis: Adidas setzt bei den Auswärtstrikots vor allem auf ein Retrodesign.