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Was ist drin,
1. FC Nürnberg?
Der 1. FC Nürnberg hielt als Aufsteiger die Klasse, musste nach guter Hinserie am Ende aber gehörig zittern. Für die neue Saison braucht es eine Weiterentwicklung – mit Omar Adlani als neuen Trainer. Wie das aussehen kann? Darüber hat ich mit Matze vom Podcast „Sportsfrau Mittelfranken“ (@sportsfrau.mittelfranken) gesprochen.
Kommen und Gehen
Abgänge:
Abigaíl Chaves (Tor, noch unbekannt), Beatrix Fördös (Verteidigung, Inter Mailand (Leihende)), Klara Svensson Senelius (Verteidigung, FC Rosengard), Alina Mailbeck (Mittelfeld, Karriereende), Luisa Guttenberger (Mittelfeld, Racing Strasbourg), Aneta Polášková (Angriff, Viktoria Berlin)
Zugänge:
Rebecca Adamczyk (Tor, SC Freiburg), Keira Bednorz (Verteidigung, Eintracht Frankfurt), Marie Bleil (Verteidigung, SV Meppen), Alexsandra Lobanova (Verteidigung, Djurgardens IF) Charline Coutel (Mittelfeld, OL Lyonnes), Louna Lapassouse (Angriff, Toulouse FC)
Vielversprechendste Verstärkungen?
Matze: Für mich ist die wichtigste Meldung mit Blick auf die kommende Saison, dass Nastassja Lein verlängert hat. Sie hat auf jeden Fall Begehrlichkeiten geweckt. Dass diese Verlängerung geklappt hat, ist das wichtigste Puzzleteil für das Team. Denn viele Verstärkungen gibt es eigentlich nicht. Osman Cankaya hatte allerdings bereits im Winter angekündigt, dass einige Transfers für den Sommer vorgezogen worden seien – unter anderem die Verpflichtungen von Stürmerin Emöke Papai und Fany Proniez.
Empor: Torhüterin Rebecca Adamczyk ist für mich die einzige bekannte neue Spielerin. Zu ihr kommen wir aber gleich noch. Was ich beim 1. FC Nürnberg hervorheben möchte, ist die Art und Weise, wie neue Spielerinnen präsentiert werden. Der Verein hat ja das Image, bei der Verpflichtung neuer Spielerinnen sehr datenbasiert vorzugehen. In Cankayas Zitaten steckt zudem immer viel darüber, warum eine Spielerin mit ihrem Profil verpflichtet wurde. Bei Louna Lapassousse hieß es beispielsweise laut Cankaya, „dass es uns in den finalen Eins-gegen-eins-Situationen und im Bereich ‚Expected Threat‘ nicht immer gelungen ist, die nötigen Werte zu erreichen“. Daraus lässt sich stets gut ableiten, welche Überlegungen hinter einer Verpflichtung stehen. Das finde ich immer spannend.
Matze: Das stimmt. Nürnberg hat für mich wirklich eine gute Scoutingabteilung, die mit Datenanalysen arbeitet. Zum Beispiel haben die Nürnbergerinnen im Winter Leia Varley aus Australien verpflichtet. Wahrscheinlich ist es auf Dauer aber auch gar nicht anders möglich, in der 1. Bundesliga eine Rolle zu spielen. Die spannendste Verpflichtung ist für mich Alexsandra Lobanova. Mit 25 Jahren ist sie die einzige Spielerin, die schon etwas älter ist. Bemerkenswert ist, dass sie direkt in den Spielerinnenrat gewählt wurde. Das spricht für ein gutes Standing im Team.
Empor: Generell kann ich Spielerinnen wie Lapassousse oder Charline Coutel nur anhand der Pressemitteilungen einordnen – also im Prinzip gar nicht. Coutel ist für das zentrale Mittelfeld vorgesehen, kommt immerhin von OL Lyonnes (zwei Einsätze) und ist französische U23-Nationalspielerin. Das klingt zumindest nicht ganz verkehrt.
Wie finden wir den Kader?
Empor: Offen ist, wer künftig im Tor steht: Herausforderin Rebecca Adamczyk oder Lourdes Romero, die in der Rückrunde das Tor gehütet hat. Wie ist deine Einschätzung?
Matze: Für mich ist es Romero. Sie hat in der Rückrunde, finde ich, kein einziges Gegentor verschuldet. Es würde mich sehr wundern, wenn sie nicht die Nummer eins wird. Sie hat das überzeugend gemacht. Für mich wäre es auch ein wichtiges Zeichen an das Team, wenn man damit zeigen würde: ‚Hey, du kommst als No-Name-Spielerin hierher, bringst deine Leistung und hast es dir deshalb verdient zu spielen. Die externe Spielerin ist zunächst die Herausforderin.‘ Im letzten Testspiel gegen den FC Bayern München stand Romero im Tor – was vielleicht ein Hinweis sein kann.
Empor: Nürnberg hat an defensiver Stabilität und Qualität verloren: Kapitänin Luisa Guttenberger ist gegangen, und Beatrix Fördős kehrt nach ihrer Leihe zu Inter Mailand zurück. Bereits im Winter ist Oliwia Woś gegangen. Das hat sich meiner Meinung nach in der Rückrunde negativ in der Defensive bemerkbar gemacht. Wie blickst du nun auf die Defensive?
Matze: Das ist das große Sorgenkind. Varley bringt mit ihren 1,84 Metern natürlich Präsenz mit, aber ihr fehlt das Tempo. Ich könnte mir dennoch vorstellen, dass sie gesetzt ist, weil es in der Innenverteidigung nicht so viel Konkurrenz gibt. Lobanova könnte eventuell die zweite Position in der Innenverteidigung übernehmen, auch wenn ich sie eher als Außenverteidigerin sehe. Sie wäre auf jeden Fall eine Innenverteidigerin mit mehr Tempo und könnte dadurch möglicherweise Varleys Defizit ausgleichen. Pollak sehe ich auf der linken Seite gesetzt – auch, weil sie dort immer gut mit Lein harmoniert hat. Rechts hat Bleil in den vergangenen beiden Testspielen begonnen. Sie könnte eine Option sein. Es würde einige Leute allerdings etwas ruhiger schlafen lassen, wenn speziell für die Innenverteidigung noch jemand kommen würde.
Empor: Clara Fröhlich wäre ansonsten ebenfalls eine Option für die Innenverteidigung, befindet sich aber noch im Aufbautraining. Auf der rechten Seite hat in der vergangenen Saison häufig Franziska Mai gespielt. Marlene Lindler ist ebenfalls flexibel einsetzbar – sowohl innen als auch außen. Auch Proniez hat häufig als Rechtsverteidigerin gespielt. Die Breite ist also zumindest vorhanden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sich daraus eine dauerhaft stabile Defensive formen lässt.
Matze: Ich glaube eher, dass sich Proniez als rechte Flügelspielerin festgespielt hat. Sie hat die letzten beiden Spiele der vergangenen Saison auf dem rechten Flügel bestritten – das waren für mich ihre besten Auftritte als Gegenpart zu Lein auf links.
Empor: Was muss Nürnberg tun, um offensiv weniger von Lein abhängig zu sein?
Matze: Proniez hat die nötige Geschwindigkeit und ein gutes Anlaufverhalten, um Druck auszuüben. Damit wäre Lein auch etwas entlastet. Lein könnte eher als hängende Spitze spielen und weniger auf dem linken Flügel. Papai wäre dann die Mittelstürmerin, die mit ihrer Präsenz die Bälle festmacht. Lein käme dahinter als Unruhestifterin zum Einsatz. Es könnte einen fließenden Wechsel zwischen einem 4-5-1- und einem 4-4-2-System geben.
Empor: Mir fehlt in der Sturmspitze allerdings noch eine Alternative. Lapassousse bringt mit 14 Toren und sechs Vorlagen gute Werte aus der französischen Zweiten Liga mit. Sie soll sowohl als Stürmerin als auch auf dem linken Flügel spielen können. Ob sie diese Leistungen jedoch in die 1. Bundesliga übertragen kann, vermag ich nicht vorherzusagen. Falls nicht, gibt es im Grunde nur Papai.
Matze: Da bin ich absolut bei dir. Generell finde ich, dass der Kader an manchen Stellen etwas dünn besetzt und zudem sehr jung und unerfahren ist. Aktuell müssten viele junge Spielerinnen Schlüsselpositionen übernehmen. Das ist natürlich immer ein Risiko.

Mögliche Startelf
Redebedarf ... wie muss sich Nürnberg weiterentwickeln?
Empor: Ich werfe jetzt einmal den neuen Trainer Omar Adlani ein. In der vergangenen Saison stand Nürnberg sehr klar für einen konsequenten Konterfußball. Das brachte in der Hinrunde bemerkenswert viele Punkte, in der Rückrunde dann allerdings kaum noch. Dass Nürnberg mit 33 Prozent den geringsten Ballbesitz hatte, überrascht angesichts dieses Spielstils nicht. Auch die Passquote ist etwas differenzierter zu bewerten, da Nürnberg häufiger Risikopässe spielen musste. Eine Quote von 59 Prozent ist dann aber doch etwas mager. Auch bei vielen anderen statistischen Werten, etwa den Großchancen, stand Nürnberg in der Saison 2025/26 ebenfalls am Tabellenende. Wo muss Adlani ansetzen?
Matze: Ich kann zum Trainer bislang relativ wenig sagen. Ich glaube aber, dass es ähnlich wie im vergangenen Jahr aussehen wird. Hoffentlich wird das Spiel jedoch etwas variabler und ideenreicher, wie du schon sagst, insbesondere im eigenen Ballbesitz. Denn die Abhängigkeit vom Konterspiel war schon groß. Adlanis Hauptaufgabe wird es sein, dafür Lösungen zu finden. Es wäre nicht gut, wenn das Spiel mit Ball erneut ähnlich planlos abliefe und das einzige Mittel darin bestünde, irgendwie einen steilen Ball auf Lein zu spielen.
Empor: Im Ballbesitz lief in meinen Augen wirklich sehr wenig zusammen. Daher könnte auch Coutel eine größere Rolle spielen. Zumindest bin ich aufgrund dessen, was über ihre Stärken gesagt wird, gespannt darauf, was sie dem Spiel hinzufügen kann. Sie soll eine sehr spielintelligente Spielerin sein – also genau das, was Nürnberg theoretisch im zentralen Mittelfeld als Gestalterin braucht.
Matze: Ich bin ohnehin gespannt, wie sich das zentrale Mittelfeld mit Coutel, Lara Meroni und Laura Miller aufstellen wird und ob sich eine von ihnen als Spielmacherin hervortut.
Matze: Was ich noch interessant finde, ist das „Re-Branding“ der Clubfrauen im Verein. Bislang fristete der Frauenfußball in Nürnberg eher ein Schattendasein. In der Stadt war er kaum präsent, und auch die Zuschauerzahlen waren nicht besonders gut. Mit dem „Re-Branding“ soll nun die Eigenständigkeit der Frauen stärker betont werden. Es gibt jetzt ein eigenes Logo, sodass sofort ersichtlich wird, dass es um die Frauen des Clubs geht. Ich sehe das zunächst sehr positiv, denn in diese Richtung musste sich etwas entwickeln. Sollte es jedoch nicht gelingen, mehr Sponsoren sowie Zuschauerinnen und Zuschauer zu gewinnen, wird es für Nürnberg in der 1. Bundesliga schwierig.
Empor: Inwiefern ist das Max-Morlock-Stadion als Spielstätte ein Problem? Grundsätzlich ist es ja begrüßenswert, wenn Teams in den großen Stadien spielen. In Nürnberg ist das aber, glaube ich, eher eine Entscheidung mangels Alternativen. Bislang wirken die rund 1.000 Zuschauer im Stadion jedenfalls immer sehr verloren.
Matze: Du hast halt keine Chance, wie andere Vereine besondere Highlight-Spiele auszutragen. Stattdessen spielst du immer in diesem Stadion. Wenn dann 1.000 Leute kommen, verliert sich das total im weiten Rund. Es gibt noch das Trainingsgelände der Clubfrauen, aber das ist kein richtiges Stadion. Daher bleibt nur dieses große Stadion. Vorerst gibt es dafür keine andere Lösung.
Was ist drin?
Matze: Bestenfalls der Klassenerhalt. Alles andere wäre vermessen. Nürnberg muss Mainz hinter sich lassen und darauf hoffen, dass noch ein anderes Team schwächelt – dann könnte sich der Club auf einen Nichtabstiegsplatz retten. Ich lasse mich jedoch sehr gerne positiv überraschen.
Empor: Ich sehe sie auf Platz 13. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Aktuell sehe ich im Kader allerdings keine Verbesserung gegenüber der Vorsaison. Es handelt sich um ein sehr junges Team, bei dem abzuwarten bleibt, wie die Spielerinnen in ihre Rollen finden. Zumal die Konkurrenz stärker geworden ist. Hinzu kommt, dass ich noch den frischen Eindruck aus der Rückrunde vor Augen habe, in der Nürnberg nur sieben Punkte geholt hat.

Wie finden wir das Trikot?
Matze: Das Auswärtstrikot finde ich schön und sehr clean gestaltet. Es ist weiß, was mich freut. Besonders gut gefallen mir die beiden Bruststreifen. Das Logo fügt sich dort gut ein. Das Heimtrikot ist für mich allerdings eine absolute Katastrophe. Da wurde mir viel zu viel gewollt: zu viele Rottöne, dann dieser ineinander übergehende Farbverlauf und schließlich die Diagonalstreifen. Absolut nicht mein Fall.
Empor: Ich verstehe deinen Punkt. Das Trikot wirkt durch die vielen Designelemente etwas überladen. Grundsätzlich funktioniert für mich der dunkle Rotton mit den weißen Adidas-Streifen an den Schultern und den Ärmelbündchen. Das ist eine tolle Kombination. Dass der Rotton zusätzlich durch ein Ton-in-Ton-Muster aufgewertet wird, ist ebenfalls der richtige Gedanke. Aber ja, dadurch wird es etwas wild. Trotzdem kommt das Trikot für mich besser weg als andere Adidas-Heimtrikots. Beim Auswärtstrikot gehe ich mit. Die beiden Bruststreifen sind ein Alleinstellungsmerkmal. Das feiere ich.