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Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten

Was ist drin,
FC Bayern München?

Den Supercup hat Bayern München zum Saisonstart standardmäßig bereits gewonnen. Die Meisterschaft 2026/27 ist fast ein Selbstläufer. Trotzdem gibt es bei den Transfers, dem Kader und den Perspektiven Redebedarf. Darüber habe ich mit dem Journalisten Florian Rümmele vom Blog „Miasanrot“ (@miasanrot) gesprochen. 

Kommen und Gehen

Abgänge:
Maria Luisa Grohs (Tor, OL Lyonnes), Anna Wellmann (Tor, SC Eibar (Leihe)), Carolin Simon (Verteidigung, Bayer Leverkusen), Georgia Stanway (Mittelfeld, FC Arsenal), Paula Rintzner (Mittelfeld, 1. FC Union Berlin), Natalia Padilla Bidas (Angriff, Tenerife)

Zugänge:

Regina van Eijk (Tor, Ajax Amsterdam), Anna Wellmann (Tor, CP Sporting), Sarah Mattner (Verteidigung, St. Pölten), Sophie Proost (Mittelfeld, Twente), Kassandra Potsi (Angriff, SGS Essen)

Vielversprechendste Verstärkungen?

Empor: Die Saison ist mit dem 3:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg im Supercup erfolgreich gestartet für den FC Bayern. Ich bin mir trotzdem unsicher, wie ich diese Transferphase bislang bewerten soll. Der Verein hat vor allem in die Zukunft investiert. Eine echte Soforthilfe, die den Kader unmittelbar auf ein höheres Niveau heben würde, wurde nicht verpflichtet.

Florian: Bayern hat insgesamt relativ junge und talentierte Spielerinnen verpflichtet. Von Sophie Proost kann man sicherlich viel erwarten. Sie wirkt ein wenig wie ein Klara-Bühl-Klon.

Empor: In den Niederlanden gilt sie laut Medienberichten als riesiges Talent. Wäre Proost für dich eine Spielerin, die sich sofort auf der rechten Seite als Pendant zu Klara Bühl festspielen kann?

Florian: Von dem, was ich bislang gesehen habe, ist sie eine hochveranlagte Spielerin. Sie wird sicherlich auf ihre Minuten kommen. Ob sie es gleich schafft, sich einen Stammplatz zu erarbeiten, da bin ich mir unsicher. In der Hinsicht unterschätzt man gerne Linda Dallmann. Sie hat sich vorerst zu einer unumstrittenen Stammspielerin entwickelt. An ihr muss eine Spielerin erst einmal vorbeikommen.

Empor: Ebenfalls gleich eine wichtige Rolle könnte Sarah Mattner zufallen, weil sie auf mehreren Positionen eingesetzt werden kann. Giulia Gwinn befindet sich noch im Aufbautraining, sodass Mattner als Rechtsverteidigerin direkt wichtig werden könnte. Zudem bringt Mattner das nötige Tempo mit, das Bayern auf den Backup-Positionen für die defensiven Außenbahnen zuvor oft gefehlt hat.

Florian: Mattner ist vor allem aufgrund ihrer Vielseitigkeit interessant. Spielt sie auf der offensiven Außenbahn oder als Backup für Gwinn auf der rechten Defensivseite? Grundsätzlich ist auf der offensiven Außenbahn nun für mehr Breite gesorgt. José Barcala hat bei seiner ersten Pressekonferenz ja gleich betont, dass er sich auf der rechten Seite gerne ein Pendant zu Bühl wünschen würde. Mit einem Jahr Verspätung hat der Verein mit Proost und Mattner reagiert. Bei Kassandra Potsi muss man abwarten, wie sie sich integriert. Talentiert ist sie auf jeden Fall.

Wie finden wir den Kader?

Empor: Hat der FC Bayern einen guten Zeitpunkt verpasst, um in der Innenverteidigung eine Verjüngung einzuleiten? Magdalena Eriksson, Stine Ballisager und Glódís Viggósdóttir sind aktuell Weltklasse-Abwehrspielerinnen, befinden sich aber womöglich bereits am Zenit ihrer Karriere oder kurz davor, diesen zu überschreiten. Beim Tempo gibt es eventuell auch spritzigere Innenverteidigerinnen.

Florian In der Innenverteidigung fehlt eine Spielerin zwischen 20 und 25 Jahren. Wenn man um die Tempoprobleme weiß und diese gezielt ausnutzen kann – was allerdings nicht viele Vereine auf internationalem Niveau beherrschen –, ist das durchaus ein Thema. Ich habe jedoch vor allem auf den Außenbahnen ein Geschwindigkeitsproblem gesehen. Das wurde insbesondere durch das Fehlen von Franziska Kett im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona deutlich. Carolin Simon hatte als Ersatz einige Probleme. In diesem Bereich haben die Verantwortlichen mit Mattner reagiert und sich verbessert. Und Katharina Naschenweng ist ja auch wieder zurück.

Empor: Wie siehst du die Leihe von Luzie Zähringer zum VfB Stuttgart? Immerhin gilt die als großes Abwehrtalent.

Florian Für mich ist es ein guter Schritt – sowohl für Zähringer als auch für den FC Bayern. Sie braucht Konkurrenz auf gutem Bundesliga-Niveau, um sich durchzusetzen. Schafft sie das in Stuttgart, kommt sie künftig auch für den FC Bayern infrage. Falls nicht, kann sie sich immer noch zu einer guten Bundesliga-Spielerin entwickeln – möglicherweise aber nicht mehr beim FC Bayern. Von daher bringt diese Leihe für beide Seiten wichtige Erkenntnisse.

Empor: In der Bewertung des Mittelfelds bin ich hin- und hergerissen. Georgia Stanway ist als Fixpunkt weggefallen. Wenn Sarah Zadrazil und Lena Oberdorf jedoch wieder auf das Niveau kommen, das sie vor ihren Kreuzbandrissen hatten, lässt sich ihr Verlust kompensieren. Gleichzeitig bleibt bei mir die Sorge, wie beide aus ihren Langzeitverletzungen zurückkommen und ob sie dauerhaft zur Verfügung stehen. Ich klopfe dreimal auf Holz, dass sie von weiteren Verletzungen verschont bleiben. Sollte es erneut zu längeren Ausfällen kommen, sehe ich im Zentrum allerdings Probleme – auch wegen der Dreifachbelastung.

Florian: Wobei ein Verein so nicht an seine Kaderplanung herangeht, dass er mit dem Ausfall von zwei oder drei Schlüsselspielerinnen rechnet. Insofern werden die Bayern-Verantwortlichen genau wissen, wann sie Zadrazil und Oberdorf wieder einplanen können. Das wird man entsprechend einkalkuliert haben und den beiden Spielerinnen nun das Vertrauen schenken. Mit Bernadette Amani wurde zudem im Winter ein Transfer getätigt, der überraschend gut funktioniert hat. Sie hat sich ohne große Anlaufschwierigkeiten in die Mannschaft eingefügt, ist sehr passsicher, aggressiv und geht keinem Zweikampf aus dem Weg. Insofern kann ich mir vorstellen, dass sich Bayern dazu entschieden hat, auf die Rückkehr von Zadrazil und Oberdorf zu setzen – in Kombination mit Amani und Arianna Caruso, auch wenn diese sich lieber auf der Acht oder der Zehn sieht.

Empor: Als Option auf der Sechs hat sich auch Momoko Tanikawa bewährt und eine herausragende Saison gespielt. Ich sehe sie allerdings lieber auf der Zehn, wo sie mit ihren Dribblings, ihrer Beweglichkeit und ihrer Ballsicherheit für mich noch effektiver für das Spiel der Bayern ist.

Florian: Und dann gibt es noch Alara Şehitler. Sie kann sowohl auf der Sechs als auch auf der Acht und auf den Außenbahnen spielen. In meinen Augen muss sie sich in der kommenden Saison steigern. Ihr Vertrag läuft aus, und aus meiner Sicht hat sie bislang noch nicht bewiesen, dass ihr Talent für einen Stammplatz beim FC Bayern reicht. Für sie wird es daher eine ganz wichtige Saison.

Empor: Wo siehst du ihre beste Position?

Florian: Im Zentrum – allerdings nicht unbedingt auf der Sechs, sondern eher auf einer höheren Position im Achterraum. Das hat Barcala teilweise bereits so spielen lassen: nicht mit zwei tiefstehenden Sechserinnen, sondern mit einer Spielerin, die etwas höher positioniert ist. Zudem gibt es noch Dallmann, die in der vergangenen Saison auf der für sie ungewohnten rechten Außenbahn einen sehr guten Job gemacht hat. Eigentlich liegen ihre Stärken auch im Zentrum.

Empor: Gut, ich bin erst einmal überzeugt: Das Zentrum ist insgesamt gut besetzt – wenn denn alle Spielerinnen fit bleiben. Wie bewertest du die Verpflichtung der Torhüterin Regina van Eijk? Immerhin war sie die Nummer eins bei Ajax Amsterdam. Ich sehe allerdings nicht, dass Ena Mahmutovic um ihren Status fürchten muss.

Florian: Ena Mahmutovic hat noch Vertrag bis 2027. Das macht die Personalie spannend. Mit van Eijk hat Bayern eine talentierte Torhüterin hinzugewonnen. Ob sie ein Upgrade gegenüber Marla Grohs darstellt, kann ich allerdings nicht abschließend beurteilen. Ich denke, dass beide Torhüterinnen wie in der vergangenen Saison ihre Einsatzminuten bekommen werden – auch, weil Bayern sich mit Blick auf Mahmutovics Vertragssituation möglicherweise alle Optionen offenhalten möchte.

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Mögliche Startelf

Redebedarf ... mehr erwartet auf dem Transfermarkt?

Empor: Bei etlichen Leistungsträgerinnen laufen die Verträge aus – und für mich ist keineswegs sicher, dass sie in München bleiben. Diese Transferphase wäre daher die Gelegenheit gewesen, für die Zukunft personelle Planungen anzuschieben - und auch eventuell innerhalb des Teams ein Zeichen zu setzen: Jetzt greifen wir voll an. Auch, um den Spielerinnen zu zeigen, dass der Klub ernsthaft mit den internationalen Topklubs mithalten will. In dieser Hinsicht ist bislang jedoch wenig passiert. Der Kader ist sinnvoll in der Breite, aber nicht in der Spitze verstärkt worden. Die Frage ist, ob überhaupt noch etwas passiert …

Florian: Du sprichst einen wunden Punkt an, wie ich finde. Bayern haben eigentlich ein „Win-now“-Fenster. In der Innenverteidigung ist keine Spielerin jünger als 30 Jahre, zudem laufen elf Verträge aus – darunter die von Klara Bühl, Franziska Kett und Giulia Gwinn. Nach dem knappen Aus im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona in der vergangenen Saison hätte der Verein nun die Chance gehabt, ein klares Zeichen zu setzen: Wir gehen All-in. Auch mit Blick auf das Stadion in Unterhaching. Denn selbst Pernille Harder, die noch bis 2028 unter Vertrag steht, wird – Überraschung – nicht jünger.

Empor: Da gehe ich mit. Ab dem Halbfinale der Champions League sehe ich den FC Bayern – gegen die dort üblichen Gegner – an seine Grenzen stoßen. Eine fitte Lena Oberdorf würde das Niveau der Mannschaft natürlich ungemein anheben. Durch den Abgang von Georgia Stanway sehe ich den Kader aber in Summe kaum besser als in der Vorsaison. Anhand der bisherigen Transfers bekomme ich irgendwie nicht den Eindruck, dass der FC Bayern international Klubs wie den FC Arsenal oder den FC Barcelona angreifen will.

Florian: Gerade im Sturmzentrum fehlt hinter Harder noch eine Spielerin von ähnlichem Format. Natürlich gibt es noch Jovana Damnjanović, die allerdings auch lange verletzt war. Für die Meisterschaft in der Bundesliga ist der Kader sicherlich stark genug. Um in der Champions League jedoch den nächsten Schritt zu machen, fehlt mir noch etwas.

Was ist drin?

Empor: Das Format richtet sich in erster Linie nach dem Abschneiden in der Bundesliga. Es kann aber wohl keine zwei Meinungen darüber geben, dass der FC Bayern dort der haushohe Favorit ist und den Titel im Normalfall verteidigen wird.

Florian: Sehe ich auch so.

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Wie finden wir das Trikot?

Florian: Ich finde das rote Heimtrikot tatsächlich ganz schick. Die Nadelstreifenoptik kann man machen, gibt dem Trikot eine edle Note. Ich habe es auch schon live gesehen. Gefällt mir gut.

Empor: Das rote Heimtrikot ist für mich auf jeden Fall ein enormes Update zum Heimtrikot der Vorsaison. Ich fand diese pixelartige Lätzchen-Optik unter dem Kragen total irritierend. Das Design habe ich nicht verstanden. Nun ist es das Trikot wieder deutlich klassischer und für mich auch wertiger in der Optik. Das Rot-Ton kommt so auch viel mehr zur Geltung. Die weißen Ärmelbündchen runden es ab.

Florian: Das weiße Auswärtstrikot gefällt mir hingegen nicht so gut. Ich finde es eher langweilig.

Empor: Da bin ich etwas anderer Meinung. Ich bin grundsätzlich ein Fan von Stehkragen. Das ist schon mal ein Pluspunkt. Außerdem gewinnt das Trikot für mich allein dadurch deutlich an Charakter, dass die Adidas-Streifen in Rot und Blau gehalten sind.

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