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Was ist drin,
Eintracht Frankfurt?
Eintracht Frankfurt beendete die Vorsaison auf Platz drei – wie in den vier Jahren zuvor auch. Über die Transferphase ist jedoch zu reden. Muss die Eintracht in der Saison 2026/27 einen deutlichen Qualitätsverlust hinnehmen? Darüber habe ich mit Julia und Frank vom „Adlerinnen Podcast“ (@adlerpodcast) gesprochen.
Kommen und Gehen
Abgänge:
Jella Veit (Verteidigung, 1. FC Union Berlin), Nadine Riesen (Verteidigung, West Ham United), Ilayda Açikgöz (Mittelfeld, SC Freiburg), Lisanne Gräwe (Mittelfeld, Union Berlin), Elisa Senß (Mittelfeld, Real Madrid), Eleni Markou (Mittelfeld, noch unbekannt), Pernille Sanvig (Mittelfeld, BK Häcken), Géraldine Reuteler (Angriff, FC Arsenal), Nicole Anyomi (Angriff, London City), Remina Chiba (Angriff, Juventus Turin)
Zugänge:
Paulina Krumbiegel (Verteidigerin, Juventus Turin), Jamilla Rankin (Verteidigerin, Hoffenheim), Larissa Mühlhaus (Mittelfeld, Werder Bremen), Hanna Bennison (Mittelfeld, Real Madrid), Sofie Lundgaard (Mittelfeld, FC Liverpool), Danique Tolhoek (Angriff, AFC Ajax),
Vielversprechendste Verstärkungen?
Julia: Nach den Eindrücken aus den beiden Qualifikationsspielen zur Champions League (8:0 gegen Nikosia, 2:0 gegen Malmö; Anm. d. Red.) könnten Larissa Mühlhaus und Paula Krumbiegel für mich den größten Einfluss haben. Insbesondere die Verpflichtung von Krumbiegel hat mich überrascht. Vor ihrem Wechsel von Hoffenheim nach Italien stand sie vor ihrem Durchbruch und hätte auch im Nationalteam eine Rolle spielen können. Den Wechsel nach Italien habe ich damals nicht verstanden. Von Babett Peter (Sportdirektorin der Eintracht-Frauen; Anm. d. Red.) fand ich es eine gute Überlegung, sie in die Bundesliga zurückzuholen. Sie hat mir bislang als Rechtsverteidigerin gut gefallen.
Frank: Krumbiegel braucht, glaube ich, noch etwas Akklimatisierung. Trotzdem spielt sie mit enorm viel Einsatz und wird dem Spiel der Eintracht unfassbar guttun. Mühlhaus hat natürlich gleich mit einem Doppelpack abgeliefert. Ich freue mich aber ebenso, dass wir mit der Verteidigerin Jamilla Rankin nun eine zweite Australierin haben – das wird Hayley Raso sicher guttun. Den größten Einfluss auf die Eintracht sehe ich aber ganz klar bei Mühlhaus.
Julia: Wir haben auch gefühlte Neuzugänge wie Dilara Acikgöz. Nach ihrer langen Verletzungspause (Kreuzbandriss, Anm. d. Red.) ist sie fast wie ein Neuzugang. Immerhin haben wir sie sehr lange nicht spielen sehen. Ich fand, dass sie in den beiden Qualifikationsspielen gute Partien gemacht hat. Man konnte sehen, welche Qualität sie hat.
Empor: Sie war in den beiden Qualifikationsspielen auf der linken Defensivseite plötzlich die erste Wahl vor Nina Lührßen. Vielleicht ein Fingerzeig.
Frank: Acikgöz hat im Juni ja auch das Tor des Monats für die U23-Nationalmannschaft erzielt. Das wird ihr Auftrieb geben. Sie setzt häufig auf Distanzschüsse – das ist eine Qualität, die in Frankfurt bislang nicht so ausgeprägt war. Mühlhaus bringt das ja auch mit. Bei Acikgöz hat man das Gefühl, dass sie richtig Bock hat und richtig Gas gibt. Das hat mir sehr gefallen.
Empor: Ein Transfer, der für mich ebenfalls heraussticht, ist die Verpflichtung von Danique Tolhoek. Sie kommt als etablierte niederländische Junioren-Nationalspielerin und als eine der torgefährlichsten Stürmerinnen der Eredivisie. Kann sie den Abgang von Nicole Anyomi im Sturm zumindest teilweise auffangen - nicht als Spielerin, aber mit ihrem Input als Strafraumstürmerin? Was sind Ihre ersten Eindrücke?
Julia: Wir haben sie tatsächlich bislang nur kurz gesehen. Anyomi hinterlässt natürlich große Fußstapfen. Tolhoek ist für mich vom Spielertyp her eine andere Spielerin, eher wie Rebecka Blomqvist. Tolhoek bringt auf jeden Fall Schnelligkeit mit, kann gut mit dem Ball umgehen und ist sehr beweglich, was mir bereits aufgefallen ist. Aber man darf nicht vergessen, dass die niederländische Liga nicht so stark ist wie die Bundesliga. Sie wird eventuell etwas Zeit zur Eingewöhnung benötigen.
Redebedarf ... Transferphase mit Folgen?
Empor: Ich greife den Punkt des Redebedarfs bei der Eintracht etwas früher auf. Dass Leistungsträgerinnen gehen, ist nicht ungewöhnlich. Dass mit Lisanne Gräwe, Elisa Senß, Nicole Anyomi, Geraldine Reuteler, Jella Veit, Nadine Riesen und Remina Chiba gleich sieben potenzielle Stammkräfte den Verein verlassen haben, ist jedoch bemerkenswert. Das kann in dieser Fülle nicht im Sinne eines Spitzenklubs sein. In vielen Bereichen muss Frankfurt bei den Leistungsträgerinnen wieder bei null anfangen. Hinzu kommt, dass Frankfurt nach meinem Empfinden von dieser Abgangswelle überrascht wurde. Denn es hat auffällig lange gedauert, bis neue Spielerinnen präsentiert wurden.
Julia: Das ist auch etwas mein Eindruck. Frankfurt hat vielleicht – auch aus einem gewissen Selbstverständnis heraus – gedacht, dass man mehrere dieser Spielerinnen halten kann. Die Abgänge kann ich in jedem einzelnen Fall verstehen. Wenn Anyomi oder Senß Titel gewinnen wollen, ist das in Frankfurt derzeit nicht gegeben. Ich fand aber auch, dass Frankfurt für Senß zu wenig Geld bekommen hat (angeblich 200.000 Euro, Anm. d. Red.) – wenn man bedenkt, welches Potenzial sie als Nationalspielerin hat.
Empor: Was ich so bedenklich finde: Der Saisonstart steht unmittelbar bevor, und die Champions-League-Qualifikation ist ebenfalls bereits gestartet – und der Kader sieht in meinen Augen sehr unfertig aus, mit einer teilweise sehr dünnen Personaldecke. Für mich ist es eine Transferphase, die Frankfurt deutlich zurückgeworfen hat – zum einen aufgrund der Abgänge, zum anderen, weil die zeitliche Planung der Kaderzusammenstellung alles andere als ideal aussieht. Wie ist eure Sicht darauf?
Frank: Ja, der Kader sieht unfertig aus. Es ist im zweiten Jahr in Folge ein Umbruch, bei dem ein zusammengewachsenes Team durchgewürfelt wird. Das wird nun auch ein Härtetest für Trainer Niko Arnautis. Denn der Verein hatte am Ende zwei Möglichkeiten: Entweder man tauscht das Team aus, was nun über zwei Jahre hinweg geschehen ist, oder man tauscht den Trainer. Der Trainer ist weiterhin da. Arnautis muss nun liefern.
Empor: Für mich sticht bei Frankfurt immer heraus, dass der Verein sich gerne im Frauenfußball stark positioniert und mit Katharina Kiel ja auch die Präsidentin des Ligaverbands FBL stellt. Genau deshalb irritiert mich, dass diese Transferphase den Klub offensichtlich so auf dem falschen Fuß erwischt hat. Über die Gründe kann viel spekuliert werden. Es entsteht für mich aber zwangsläufig ein Missverhältnis zu dem, wie der Klub sich nach außen verkauft. Im bin gespannt, inwiefern sich das sportlich niederschlägt.
Wie finden wir den Kader?
Empor: Der Kader bietet für mich in einigen Bereichen weder große Wechseloptionen noch ist er auf Ausfälle vorbereitet. Auf der Position der Rechtsverteidigerin sehe ich im Moment nur Krumbiegel – und als Backup Pia-Sophie Wolter. Mit Amanda Ilestedt, Marthine Östenstad und Sara Doorsoun sehe ich außerdem nur drei gelernte Innenverteidigerinnen im Kader. Rankin wäre eine zusätzliche Option. Aber trotzdem stelle ich mir die Frage: Wie will Frankfurt damit durch eine Saison mit drei Wettbewerben kommen?
Frank: Den meisten Handlungsbedarf sehen wir ebenfalls in der Abwehr. In diesem Bereich muss auf jeden Fall eine Verstärkung her. Doorsoun kann man mit ihrer Erfahrung zwar fast überall hinstellen. Aber ich würde mir wünschen, dass wir in der Abwehr etwas breiter aufgestellt wären. Die Frage ist natürlich, was jetzt noch passiert. Das Transferfenster läuft noch bis Anfang September – das bedeutet, dass noch Spielerinnen kommen können, im Zweifelsfall aber auch noch gehen. Mir ist die Liste der Zugänge persönlich im Moment ebenfalls noch etwas kurz.
Julia: Es wäre wichtig, dass nun Transfers dabei sind, die Aufsehen erregen. Das muss der Anspruch sein. Denn ich finde auch, dass der Kader sofort Probleme bekommt, wenn Spielerinnen ausfallen. Mit drei Wettbewerben spielt Frankfurt künftig fast alle drei bis vier Tage. Dafür braucht ein Kader einfach eine gewisse Anzahl an Spielerinnen, um variabel zu sein.
Empor: Wobei ich finde, dass es einem Verein wie Frankfurt grundsätzlich nicht gut zu Gesicht steht, wenn er kurz vor dem Ende der Transferperiode noch dringend Spielerinnen verpflichten muss. Dann ist im Vorfeld offensichtlich schon etwas schiefgelaufen. Und das darf meiner Meinung nach einem Klub wie Frankfurt nicht passieren. Immerhin waren die meisten Abgänge frühzeitig bekannt. Kommen wir noch kurz zum Mittelfeld: Gräwe und Senß sind weg, bleibt als Stammkraft nur Erëleta Memeti. Was erhofft ihr euch von den Neuen Hanna Bennison und Sofie Lundgaard? Bennison ist gestandene schwedische Nationalspielerin, kam bei Real Madrid in der Vorsaison aber nur unregelmäßig zum Zug. Lundgaard hatte beim FC Liverpool mit drei Einsätzen 2025/26 nur die Rolle einer Reservistin. So weit ein paar Zahlen, die jedoch nicht überzubewerten sind. Im Moment sieht es für mich im Mittelfeld aber nach einem Qualitätsverlust aus.
Frank: Wir haben mittlerweile eine starke Skandinavien-Connection im Team. Ich hoffe, das wird beiden bei der Akklimatisierung helfen. Wenn ich mir die Breite der Kader von Real und Liverpool ansehe, würde ich auf die geringe Spielzeit nicht zu viel Gewicht legen. Ich habe den Eindruck, dass Babett Peter einen Plan hat und ich bin recht sicher, dass sie die beiden gut gescoutet hat. Es ist immer eine Portion Überraschung mit dabei, aber die beiden kommen von Top-Vereinen. Die haben sie nicht geholt, weil sie nichts können.
Julia: Ich schließe mich an, Babett Peter scheint absolut überzeugt, darauf vertraue ich. Lundgaard hat direkt die Nummer sechs bekommen. Im Testspiel gegen OL Lyonnes (2:1) hat Lundgaard die zweite Halbzeit gespielt und mit zwei hervorragenden Pässen aus dem Mittelfeld beide Tore eingeleitet – einen Tag nach ihrer offiziellen Verpflichtung. Das stimmt mich extrem optimistisch!
Empor: Wo seht ihr die beste Position für Mühlhaus? Auf der Zehn, also in der Rolle, die Freigang in der Vorsaison bekleidet hat? Oder halblinks?
Julia: Ich glaube, auf der Zehn. Ich sehe sie aber vielleicht auch noch etwas weiter vorne, weil sie sich trotz ihrer Größe im Strafraum unheimlich gut bewegt. Mit ihr hätte Frankfurt eine sehr gute Strafraumbesetzung. In der Vorsaison gab es sehr viele Flanken, allerdings kamen nur selten welche an, weil sich im Strafraum niemand befand. Das könnte sich mit Mühlhaus nun ändern. Immerhin ist sie 1,79 Meter groß.
Empor: Dazu passt, dass Frankfurt auf den Außen mit Lührßen und Krumbiegel zwei gute Flankengeberinnen aufbieten kann.
Frank: Was in den beiden Spielen gut zu sehen war: Mühlhaus und Krumbiegel haben zum Beispiel auch für Freigang für Entlastung gesorgt. Beides sind Namen, die sehr präsent sind und bei enden Gegnerinnen sagen: Wenn Mühlhaus den Ball hat, müssen wir sie doppeln im Idealfall trippeln. Das schafft wiederum Freiräume für andere Spielerinnen wie Freigang. Das gab es im Vorjahr selten, weil viele Spielerinnen ihre Form nicht hatten. Wenn eine Spielerin wie Mühlhaus mit ihrem Tempo in die Spitze stoßen kann, ist das eine Qualität, die wir vorher nicht hatten – gerade gegen tief stehende Teams, die sich stark auf das Verteidigen konzentrieren.
Empor: Inwiefern verändert sich durch das Fehlen von Anyomi möglicherweise das Spiel von Laura Freigang? Zumindest ist sie in den beiden Qualifikationsspielen zur Champions League sehr auffällig gewesen.
Frank: Ich fand in der Vorsaison, dass sie, wenn Anyomi oder Reuteler auf dem Platz waren, eher eine zurückgezogene Rolle gespielt hat. Sie war nicht die klassische Stoßstürmerin. Mit der neuen Rolle in der Spitze fühlt sie sich, glaube ich, sehr viel wohler, weil sie mehr Freiheiten hat und mehr rotieren kann. Das macht es für die Gegnerinnen auch viel anspruchsvoller, sie zu verteidigen.

Mögliche Startelf
Was ist drin?
Frank: Es wäre natürlich etwas platt, wenn wir wieder Platz drei anpeilen würden. Letztlich kommt es natürlich darauf an, wie sich Wolfsburg präsentiert. Aber ich bin der Meinung, dass sich Frankfurt mit seinen Ansprüchen nicht immer nur mit Platz drei zufriedengeben kann. Von daher hoffe ich, dass es für Frankfurt auch einmal zu Platz zwei reichen kann. In der vergangenen Saison haben wir bewiesen, dass wir Wolfsburg schlagen können.
Julia: Ich sage auch Platz zwei. Man darf aber die Causa Freigang nicht vergessen – unabhängig davon, ob sie nun gesperrt wird oder nicht (offenes Verfahren wegen vermeintlicher Verstöße gegen Meldepflichten bei Dopingkontrollen, Anm. d. Red.). Es wäre in meinen Augen ein Albtraum, wenn es dazu käme. In den Qualifikationsspielen zur Champions League hat man wieder gesehen, wie wichtig sie für das Team und den Verein ist. Ihr Wert ist nicht zu unterschätzen. Sie hält den Laden in Frankfurt zusammen – auch aufgrund ihrer Strahlkraft für den Klub.
Empor: Ich sehe Frankfurt tatsächlich nur auf Platz fünf. Ich bewerte dabei vor allem den aktuellen Zustand. Im aktuellen Kader gibt es für mich zu viele Unwägbarkeiten, die Frankfurt im Saisonverlauf Probleme bereiten könnten – gerade angesichts der Dreifachbelastung. Außerdem sehe ich im Kader im Vergleich zur Vorsaison einen Qualitätsverlust. In dieser Hinsicht sehe ich beispielsweise Wolfsburg – trotz der vielen Kaderveränderungen – und auch Leverkusen aktuell stabiler aufgestellt.

Wie finden wir das Trikot?
Empor: Beim Heimtrikot ist für mich etwas zu viel gewollt. Streifen, ja – aber diese Masse an unterschiedlichen Ausführungen überreizt das Design etwas. Das ist mir persönlich zu viel. Das Auswärtstrikot ist dagegen ein weiterer Hingucker aus der diesjährigen Retro-Kollektion von Adidas: toller Kragen, toller Weißton, tolle Mesh-Optik. Es kommt sehr clean und minimalistisch, aber trotzdem sehr classy und edel daher.
Julia: Ich glaube, du wirst in Frankfurt niemanden finden, der das anders sieht. Die Leute lieben das Auswärtstrikot. Es ist in Frankfurt bereits häufig zu sehen. Das Heimtrikot finde ich besser als das der Vorsaison, aber es sind wirklich viele Streifen.
Frank: Das Heimtrikot sieht aus wie das Trikot von Leverkusen. Damit kannst du mich jagen – das brauche ich nicht. Aber das Auswärtstrikot ist wirklich ein großer Wurf.