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Was ist drin,
FSV Mainz 05?
Den Aufstieg in die 1. Bundesliga hatte der FSV Mainz für 2026 nicht zwingend auf der Agenda. Nun ist der Klub jedoch erstklassig. Wie ist der Kader zu bewerten? Wo besteht im Verein noch Nachholbedarf und was macht Hoffnung für den Klassenverbleib? Darüber habe ich mit Antonia Meyer (@toni_a1610) von der „Allgemeinen Zeitung” gesprochen.
Kommen und Gehen
Abgänge:
Ann-Christin Schäfer (Tor, Wörrstadt), Jana Meierfrankenfeld (Verteidigung, Karriereende), Jule Stendebach (Verteidigung, Wörrstadt), Laura Schmahl (Verteidigung, Mainz 05 II), Jana Löber (Verteidigung, Mainz 05 II) Heiðrún Sigurðardóttir (Mittelfeld, Kickers Offenbach), Maren Michelchen (Mittelfeld, noch unbekannt), Lisa Gürtler (Mittelfeld, Kickers Offenbach), Miriam Sterrer (Mittelfeld, LASK), , Yuuka Fukuhara (Mittelfeld, SV Elversberg), Tal Faingezicht (Angriff, Katamon), Tamar Goren (Angriff, Turbine Potsdam), Sarah Khalifa (Angriff Palm Hills SC)
Zugänge:
Laura Pawlowski (Tor, SV Hegnach), Nicola Hauk (Verteidigung, vereinslos), Leonie Stöhr (Verteidigung, 1. FC Saarbrücken), Sabina Jackson (Verteidigung, FC Basel), Paula Flach (Verteidigung, SGS Essen), Saskia Matheis (Mittelfeld, Werder Bremen), Christine Kilian (Mittelfeld, Mainz 05 II), Gentiana Fetaj (Mittelfeld, FC Luzern), Rio Takizawa (Mittelfeld, SC Sand), Ivana Slipčević (Mittelfeld, SC Sand), Lara Martin (Mittelfeld, 1. FC Saarbrücken), Mattson Strickler (Angriff, Queen’s Gaels), Mara Bukowski (Verteidgung, Mainz 05 II)
Vielversprechendste Verstärkungen?
Antonia: Es gab nach dem Aufstieg einen großen Umbruch mit zwölf Neuzugängen. Ich würde zunächst aber zwei Spielerinnen nennen, die in Mainz geblieben sind. Zum einen Vital Kats, die Torschützenkönigin der 2. Bundesliga und israelische Nationalspielerin. Dass sie ihren Vertrag verlängert hat, war ein sehr wichtiges Zeichen. Zum anderen Chiara Bouziane, die ebenfalls 18 Tore erzielt hat. Sie ist für den Klub auf dem Platz, aber auch in der Außendarstellung wahnsinnig wichtig. Dass beide geblieben sind, ist eine wichtige Verstärkung für die Aufgabe in der 1. Bundesliga.
Empor: Die neuen Spielerinnen sind für mich größtenteils unbekannt, was eine Bewertung schwierig macht. Die meisten bringen zwar ein interessantes Profil mit, ob es für die 1. Bundesliga ausreicht, muss sich aber zeigen. Was zumindest auffällt: Fast alle Spielerinnen haben bei ihren vorherigen Klubs eine tragende Rolle eingenommen. Für die Abwehr halte ich Sabina Jackson für eine sinnvolle Verstärkung – immerhin kommt sie als Stammkraft vom FC Basel. Sie könnte dem Defensivspiel der Mainzer mehr Ordnung verleihen. 29 Gegentore in der 2. Bundesliga waren zumindest kein Ruhmesblatt.
Antonia: Ebenfalls neu für die Innenverteidigung ist Marina Georgieva, die als österreichische Nationalspielerin viel Erfahrung mitbringt. Auch Saskia Matheis finde ich interessant. Bei Werder Bremen fiel sie lange verletzungsbedingt aus. Als Außenverteidigerin oder im Mittelfeld bringt sie jedoch wertvolle Bundesliga-Erfahrung mit. Grundsätzlich denke ich, dass es für Mainz wichtig war, viel Erfahrung ins Team zu holen – schließlich ist die 1. Bundesliga für viele Spielerinnen Neuland. Es wird allerdings eine Herausforderung, die große Zahl an Neuzugängen in den Kader und das Spielsystem zu integrieren. Der Umbruch war groß – das ist nicht zu unterschätzen.
Wie finden wir den Kader?
Empor: Mein erster Eindruck ist, dass der Kader in der Breite auf allen Positionen ausgewogen besetzt ist. Einige Spielerinnen sind für mich jedoch Wundertüten, was ihre Fähigkeit betrifft, sich schnell auf dem Niveau der 1. Bundesliga zurechtzufinden – gerade im Hinblick auf die Spiel- und Handlungsschnelligkeit.
Antonia: Wichtig war, dass neben Kats und Bouziane viele weitere Leistungsträgerinnen neue Verträge unterschrieben haben – darunter Maja Pageler, Yurina Imai, Emma Junold und Kara Bathmann. Im Tor bleibt zudem Mamiko Matsumoto erhalten. Für die Teamstruktur ist auch Johanna Berg wichtig. Sie war einst Stürmerin bei Eintracht Frankfurt II, ist nun in die Abwehrkette gerückt und auch in der neuen Saison Kapitänin. Bei den Neuzugängen gebe ich dir allerdings recht: Es ist eine Wundertüte, wie gut sie sich integrieren und sportlich einbringen werden. Grundsätzlich halte ich den Kader aber ebenfalls für gut aufgestellt.
Empor: Ich bin überzeugt, dass Mainz eine erste Elf aufstellen kann, die in der 1. Bundesliga absolut mithalten kann – auch in der Abwehr mit Jackson, Georgieva oder Suguri Hashitani sowie bei den Außenverteidigerinnen mit Paula Flach, Kara Bathmann oder die Matheis, die flexibel einsetzbar ist. Allerdings fehlt für manche Positionen eventuell qualitativ die Tiefe. Vor dieser Herausforderung stehen allerdings die meisten Aufsteiger. Aus der 2. Bundesliga bringt Mainz zumindest einen festen und eingespielten Kern mit – darunter Mittelfeldspielerinnen wie Junold, Pageler und Yurina Imai. Wie siehst du die beste Aufteilung in der Offensive?
Antonia: Kats ist die Mittelstürmerin, Nadine Anstatt spielt etwas dahinter, und Bouziane kommt über rechts oder ist Teil einer Doppelspitze. Anstatt ist eigentlich gelernte Stürmerin, arbeitet inzwischen aber etwas zurückgezogener auch defensiv stärker mit. Sie ist eine Art Stimmgeberin im Team. Das fällt vor allem im Training auf. Sie fordert viel ein und kommuniziert häufig mit Trainer Takashi Yamashita. Mit der Kanadierin Mattson Strickler von der Queen’s University ist zudem eine neue Stürmerin gekommen – sie kann ich allerdings nicht beurteilen.
Empor: Strickler hat laut Statistik 38 Tore und 15 Vorlagen in 49 Ligaspielen für die Queen’s University erzielt. Ähnlich beeindruckende Zahlen bringt Lara Martin mit, die in der Regionalliga für den 1. FC Saarbrücken 29 Tore in 21 Spielen erzielte. Beide sind auf dem Papier sehr interessante Spielerinnen – ich bin gespannt, ob und wie sie diese Leistungen in die 1. Bundesliga übertragen können. Allerdings sticht Kats aus der Offensive heraus.
Antonia: Sie hat eine unglaubliche Präsenz, das nötige Tempo und die richtigen Ideen. Sie weiß einfach, wo sie stehen muss, und drückt die Bälle ins Tor. Das gibt, glaube ich, dem gesamten Team Sicherheit. Denn die Mannschaft weiß, dass vorne jemand steht, der die Tore macht.
Empor: Abschließend möchte ich noch auf die Spielweise eingehen. Mainz hat in der 2. Bundesliga viel vertikalen Umschaltfußball gespielt. Der 1. FC Nürnberg hat diesen Stil in der Vorsaison nach dem Aufstieg eigens für die 1. Bundesliga einstudiert – und damit vor allem in der Hinrunde die nötigen Punkte für den späteren Klassenverbleib gesammelt. Mainz ist auf diesen Stil bereits bestens eingestellt und verfügt auch über die passenden Spielerinnen, um vorne die nötige Effizienz zu entwickeln. Kann das für Mainz auch in der Bundesliga erfolgreich funktionieren?
Antonia: Ich glaube, dass sie diesen Stil auf jeden Fall beibehalten werden. Auch in der 2. Bundesliga hatte Mainz zu Beginn oft die Außenseiterrolle inne. Natürlich ist die Situation in der 1. Bundesliga nun eine andere. Aber das könnte definitiv ein Faktor sein. Mainz darf allerdings nicht zu passiv werden und sich zu weit zurückdrängen lassen.

Mögliche Startelf
Redebedarf ... bereit für die 1. Bundesliga?
Empor: Der Aufstieg in die 1. Bundesliga kam ungeplant – das haben selbst die Verantwortlichen zugegeben. Der Klub ist noch nicht in allen Bereichen erstklassig aufgestellt. Die ehemalige Kapitänin Heidrun Sigurdardottir sagte in der vergangenen Saison bei euch, dass es keine eigenen Kabinen gibt und auf Kunstrasen trainiert werden muss, obwohl im Bruchwegstadion auf Rasen gespielt wird. Außerdem kann nur abends trainiert werden. Was hat der Aufstieg verändert?
Antonia: Die Trainingszeiten haben sich in die Mittagszeit verschoben. Organisatorisch befindet sich vieles im Umbruch. Man darf nicht vergessen: Die Frauenabteilung wurde erst 2022 in Kooperation mit dem TSV Schott Mainz gegründet. Ich glaube, dass bereits die 2. Bundesliga enorme Anforderungen an den Klub gestellt hat. Daher ist die 1. Bundesliga nun ein riesiger Schritt. Der Verein muss vor allem bei den Strukturen und Rahmenbedingungen aufholen. Am Trainingsgelände am Bruchweg trainieren derzeit neben den Frauen und den Männern auch sämtliche Jugendteams sowie die U23 – die Kapazitäten sind dort ausgereizt. Der Kabinentrakt im Bruchwegstadion wird aktuell teilweise renoviert. Langfristig soll ein Multifunktionsgebäude auf dem Gelände des Bruchwegstadions entstehen, das einen neuen Profi-Kabinentrakt, ein Internat für das Nachwuchsleistungszentrum und die Geschäftsstelle des Vereins beherbergt. Aber das dauert noch. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.
Empor: Wie siehst du den Stellenwert der Frauen generell im Verein?
Antonia: Das ist schwierig zu beurteilen. Es geht Schritt für Schritt voran. Über den Aufstieg hat sich der Verein gefreut. Aber jetzt muss reagiert werden. Das Team hat damit den Druck erhöht. Die Verantwortlichen wissen nun, dass sie einiges angehen müssen. Das Trainerinnen- und Trainerteam wurde aufgestockt. Auch beim Halbprofitum der Spielerinnen ging es nun relativ schnell voran. Ich habe von Fans gehört, dass sie sich einen Fanabend mit beiden Profiteams wünschen würden. Chiara Bouziane hat bei einem Fantalk zudem das Männerteam dazu eingeladen, sich einmal ein Spiel anzuschauen.
Empor: In der 2. Bundesliga kamen durchschnittlich 500 bis 600 Zuschauerinnen und Zuschauer ins Bruchwegstadion. Wie schätzt du das Zuschauerpotenzial in der 1. Bundesliga ein?
Antonia: Ich schätze schon, dass es in Richtung 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer geht, vielleicht sogar darüber. Es gibt auf jeden Fall einen festen Stamm an Fans. Bouziane hat gesagt, dass sie sich freuen würde, wenn die Ultras einmal zu einem Spiel kommen. Wenn die ersten Bundesligisten nach Mainz kommen, wird es sicherlich zusätzliche Neugier geben. Daher glaube ich, dass der Zuschauerschnitt wachsen wird. Es hängt dann aber auch immer davon ab, wie es sportlich läuft. Ein schönes Zeichen ist außerdem das Highlightspiel im großen Stadion gegen Eintracht Frankfurt, das die Mainzerinnen wie versprochen bekommen haben. Dafür wird auch fleißig geworben. Ich bin gespannt, wie viele Menschen dann kommen.
Was ist drin?
Antonia: Der Durchmarsch in die 1. Bundesliga war ein historischer Meilenstein. Das Ziel kann nur der Klassenverbleib lauten. Das ist allerdings eine riesige Herausforderung. Denn man darf nicht vergessen, dass Mainz den kleinsten Etat der Liga hat. Es wird schwierig, aber ich sage auch: Warum nicht? Was Mainz generell gut kann, ist, Euphorie zu entfachen. Dieses „Niemalsaufgeben“ zeichnet den Klub einfach aus.
Empor: Aufgrund der Ausgangslage habe ich sie auf Platz 14 gesetzt. Ich sehe Mainz aber nicht so aussichtslos, wie es vielleicht erscheint. Im Kader steckt allemal Potenzial. Wenn einige neue Spielerinnen im Spielsystem sofort funktionieren, das Umschaltspiel auch eine Etage höher greift und Kats, Bouziane sowie Anstatt weiter treffsicher sind, sehe ich Mainz auf jeden Fall mit Chancen auf den Klassenverbleib. An guten Tagen kann Mainz damit gewiss gegen einige Teams punkten. Dafür muss allerdings vieles optimal laufen. Denn allein von der Kaderqualität her ist der Rest der Liga meiner Meinung nach stärker besetzt.

Wie finden wir das Trikot?
Antonia: Erstmals bietet der Klub das Heimtrikot der Frauen mit einem eigenen Brust- und Trikotsponsor zum Kauf an. Zuvor war das nicht der Fall. Das Trikot ist schlicht gestaltet – ganz nach dem Wunsch der Fans. Ein Designelement ist das Stadtwappen mit dem Doppelrad, das auf das Heimtrikot geprägt ist. Das ist ein nettes Highlight, fällt aber nur auf, wenn man das Trikot tatsächlich vor sich hat.
Empor: Ich bin ein größerer Fan des Auswärtstrikots. Das scheint ebenfalls ein eingestanztes Muster zu haben. Finde ich gut. Der weiße Grundton harmoniert mit den roten Designelementen am Kragen, an den Schultern und an den Ärmeln. Sieht classy aus. Kein ganz großer Wurf, aber allemal ein schickes Trikot. Das Heimtrikot ist solide. Es ist im Grunde dasselbe Trikot in Rot, kommt im Vergleich zum weißen Design bei mir aber etwas schlechter weg. Da fehlen mir noch ein paar Designelemente. Schlicht, aber kein riesiger Hingucker.