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Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten

Was ist drin,
Hamburger SV?

Tor, Abwehr, Offensivspiel – überall hatte der Hamburger SV in der Vorsaison seine Baustellen. Wird es mit den Verstärkungen 2026/27 besser? Und was ist von der Beförderung von Rodolfo Cardoso zum Cheftrainer zu halten? Darüber habe ich mit dem Journalisten Frederik Kastberg (@freddoof) vom Hamburger Abendblatt gesprochen.

Kommen und Gehen

Abgänge:
Inga Schuldt (Tor, 1. FC Köln), Lea Paulick (Tor, Karriereende), Michela Croatto (Verteidigung, pausiert), Emilia Hirche (Verteidigung, SC Braga),  Jobina Lahr (Verteidigung, noch unbekannt), Sophie Profé (Verteidigung, Rapperswil-Jona), Mia Büchele (Mittelfeld, Eintracht Frankfurt II), Annalena Wucher (Mittelfeld, St. Pölten), Mária Mikolajová (Mittelfeld, Slavia Prag)Almudena Sierra (Angriff, noch unbekannt), Christin Meyer (Angriff, FC Viktoria)  Vildan Kardeşler (Angriff, SC Sand)

Zugänge:
Kinga Szemik (Tor, West Ham United), Jule Baum (Tor, SC Sand), Sylwia Matysik (Verteidigung, 1. FC Köln), Celainy Obispo (Verteidigung, Feyenoord), Leïla Peneau (Mittelfeld, St. Pölten), Paulina Bartz (Mittelfeld, Bayer Leverkusen), Nikola Karczewska (Angriff, Lazio Rom),  Andrea Švíbková (Angriff, LASK)

Vielversprechendste Verstärkungen?

Frederik: Ich würde zunächst zwei Spielerinnen nennen, bei denen man nicht unbedingt damit rechnen konnte, dass sie in Hamburg bleiben. Das ist zum einen Lotta Wrede und zum anderen Svea Stoldt. Dass beide nun bleiben, ist fast so wichtig wie die Neuverpflichtungen.

Empor: Und wen traust du unter den Neuen den größten Input zu?

Frederik: Torhüterin Kinga Szemik. Sie kommt als Stammkraft von West Ham United und ist polnische Nationaltorhüterin. Im Trainingslager konnte man bereits sehen, dass sie eine gute Präsenz und Ausstrahlung hat und eine gewisse Körpergröße mitbringt – etwas, das Laura Sieger zum Beispiel nicht hat. Sieger istim Kampf um die Nummer eins etwas außen vor und nach ihrem Kreuzbandriss noch nicht wieder im Wettkampfmodus. Die Torfrauposition war im Vorjahr eines der größten Probleme: Durch Verletzungen, Krankheiten und Wechsel kamen vier Torhüterinnen zum Zug. Es gab einfach keine Konstanz.

Empor: Auf der Torhüterinnenposition musste der HSV einfach etwas unternehmen. Jule Baum soll eine der besten Torhüterinnen der 2. Liga gewesen sein, ich kann sie ehrlicherwiese aber nicht einschätzen, da noch nie gesehen. Sie hat allerdings keine Erfahrung in der 1. Bundesliga. Ich hätte es riskant gefunden, wenn sich der HSV erneut auf ein vermeintliches Wagnis eingelassen hätte. Szemik ist daher für mich der wichtigste Transfer.

Frederik: Für die Innenverteidigung möchte ich noch Celainy Obispo nennen. Sie kam von Feyenoord Rotterdam und war dort lange Zeit Kapitänin. Sie hat eine gute Präsenz auf dem Platz, spricht viel mit ihren Mitspielerinnen, obwohl sie neu im Team ist. Sie hat sich ziemlich schnell integriert und ist eine echte Frohnatur.

Empor: Auf Obispo bin ich ebenfalls entspannt. Bestenfalls ist sie die Konstante, die dem HSV im Vorjahr in der Abwehr gefehlt hat. Dass größtenteils Stoldt und Victoria Schulz positionsfremd in der Innenverteidigung zum Einsatz kam, sprach damals für keine gute Kaderplanung.

Wie finden wir den Kader?

Empor: Spielt Stoldt künftig wieder im defensiven Mittelfeld? Zumindest entstand in den bisherigen Testspielen der Eindruck, dass Rodolfo Cardoso mit ihr wieder im Mittelfeld plant. Für mich ist sie dort besser aufgehoben, weil sie dem Spiel der Hamburgerinnen dort eventuell mehr Stabilität geben kann und in der Innenverteidigung Tempoprobleme hatte.

Frederik: Die Sechs ist auf jeden Fall Stoldts Lieblingsposition. Als Innenverteidigerin fand ich sie aber gar so nicht schlecht. Für ihr Alter verfügt sie über eine gute Zweikampfstärke und kann Struktur und Ordnung in ein Spiel bringen. Daher halte ich auch die feste Verpflichtung von Paulina Bartz nach Leihe aus Leverkusen für wichtig. Zusammen mit Stoldt bildet sie für mich eine gute Doppelsechs.

Empor: Wer kommt als zweite Innenverteidigerin neben Obispo infrage?

Frederik: Für mich ist im Moment Annaleen Böhler gesetzt. Im Sommer hat sie ihr Abitur gemacht und somit auch keinen Schulstress mehr nebenbei. Sie ist nun auch Co-Kapitänin und hat damit ein gewisses Standing im Team. Ansonsten ist noch Nina Räcke eine Option, Jacqueline Dönges könnte auch innen spielen. Sie war in der vergangenen Saison lange verletzt und ist somit fast ein versteckter Neuzugang.

Empor: Eine weitere Innenverteidigerin würde dem HSV eventuell aber noch guttun. In der Vorbereitung hat sich zumindest aber Nigar Mirzaliyeva als Innenverteidigerin empfohlen. Große Probleme gab es für mich in der Vorsaison auch im Spielaufbau und bei der Spielkontrolle, was für mich wiederum zu einem oft zusammenhangslosen Offensivspiel führte. 26 Tore in 26 Spielen sind dürftig. Hinzu kommt die zweitschlechteste Passquote der Liga.

Frederik: In der Vorsaison galt oft die Devise: ‚Gib Lotta Wrede den Ball, und dann schauen wir, was passiert.‘ Wrede fällt jetzt aber vermutlich noch bis September oder Oktober aus. Melina Krüger hat sich im Saisonendspurt unter Rodolfo Cardoso auf der rechten Seite festgespielt. Sie erinnert mich ein wenig an Lisa Baum: Krüger hat Power und Schnelligkeit und verfügt über einen guten Abschluss. Ihr fehlen vielleicht noch etwas Zweikampfhärte und eine bessere Entscheidungsfindung. Auf ihre Entwicklung in der kommenden Saison bin ich aber sehr gespannt.

Empor: Krüger traue ihr auf jeden Fall eine größere Rolle zu – vor allem als hilfreiches Pendant zu Lotta Wrede auf der linken Seite. Das kann dem Spiel des HSV guttun. Wie siehst du Neuzugang Leila Peneau? Kann sie die nötige Spielstärke ins Mittelfeldzentrum bringen?

Frederik: Ich habe sie bislang nur im Testspiel gegen Mainz gesehen. Dort hat sie jedoch einen guten Eindruck hinterlassen und ein quirliges Element ins Spiel gebracht. Bei Spielerinnen aus Österreich stellt sich aber immer die Frage: Wie schnell erreichen sie Bundesliga-Niveau? Ich bin da stets ein bisschen skeptisch. Mal sehen, wie die ersten drei Spiele verlaufen.

Empor: Dem HSV fehlte in der Vorsaison eine Knipserin. Melanie Brunnthaler ist enorm fleißig, macht etliche Bälle fest und ist im Pressing unersetzlich – sie trifft aber kaum. Sophie Hillebrand hat ebenfalls eine solide bis gute Saison hingelegt, ist aber auch keine Ausnahmespielerin. Trotzdem war sie mit sieben Treffern die beste Torschützin, auch dank einiger Elfmetertore. Wer kann für eine bessere Offensivausbeute sorgen? Können Andrea Svibkova oder Nikola Karczewska die Lösung sein?

Frederik: Du sprichst auf jeden Fall eine große Baustelle an. In der Vorsaison hat sich der HSV viel zu wenige Chancen herausgespielt. Bei Svibkova stellt sich die Frage, ob und wie schnell sie in der Bundesliga ein Faktor sein kann. Sie fällt mit einem Muskelfaserriss zunächst aus – auch Hillebrand fehlt mit einer Hüftverletzung noch. Eine neue Komponente bietet eventuell Karczewska. Sie bringt Körpergröße mit, kann mit Flanken gefüttert werden und Bälle festmachen. In den Testspielen und im Trainingslager konnte man sehen, dass sie eine andere körperliche Härte ins Spiel bringt, die Brunnthaler und Hillebrand nicht in diesem Maße haben. Und dann gibt es noch Camilla Linberg. Auf der Zehn kann sie ihre Freiräume nutzen und hat weniger taktische Zwänge als ihre Mitspielerinnen. Das ist für mich ihre beste Rolle. Sie kann dann zocken, was gerade im Zusammenspiel mit Wrede gut funktionieren kann. Immerhin erzielte sie in der Rückrunde vier Tore.

Empor: Linberg empfand ich in der vergangenen Rückrunde als sehr gute Verstärkung für den HSV. Manchmal ist sie mir aber etwas zu verspielt – oder, böse formuliert, zu egoistisch. Dann übersieht oder ignoriert sie bessere Spielsituationen, behält den Ball oder sucht selbst den Abschluss. Für eine selbstbewusste Offensivspielerin kann das funktionieren. Gelegentlich hatte ich jedoch den Eindruck, dass es zulasten des Teams ging. Insgesamt ist sie aber eine der technisch besten Spielerinnen im Kader.

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Mögliche Startelf

Redebedarf ... Trainerentscheidung für Rodolf Cardoso

Empor: Cardoso war ursprünglich nur als Interimstrainer vorgesehen. Für die neue Spielzeit sollte eine Trainerin kommen – das hat der HSV selbst kundgetan. Kurz vor dem Start der Vorbereitung wurde Cardoso dann aber doch zum Cheftrainer befördert – was nach außen irgendwie das Bild vermittelt hat, dass der HSV keine Trainerin finden oder von einem Engagement überzeugen konnte. Saskia Breuer musste als Abteilungsleiterin ebenfalls gehen. Die Kaderentscheidungen im Sommer traf nun Christoph Rohmer, laut Titel NLZ-Leiter beim HSV. Von außen wirkt im Moment alles etwas provisorisch.

Frederik: Cardoso ist am Ende die einfachste Lösung. Intern war ganz klar der Plan, eine externe Trainerin zu finden. Ob der HSV nicht genug überzeugen konnte, ist schwierig zu sagen. Am Ende ist das Angebot an Kandidatinnen mit der entsprechenden Lizenz aber auch nicht so üppig. Cardoso war dann naheliegend. Es muss auch gesagt werden, dass er sich als Interimstrainer einen guten Ruf im Team erarbeitet hat. Spannend ist jetzt vor allem das Trainerteam. Der HSV hat mit Philipp Meister einen 25-jährigen Torwarttrainer vom VfB Stuttgart geholt. Und als Co-Trainer gehört nun Phil Nabaoui zum Team – ein absoluter Fußballnerd. Im Trainingslager hatte er den größten Redeanteil und hat die Ansagen gemacht. Er hat auf jeden Fall ein hohes Standing im Team.

Empor: Wie ist die Rolle von Rohmer – auch perspektivisch?

Frederik: Beim HSV ist seit Sommer Kathleen Krüger als neue Sportvorständin im Amt. Sie hat die Frauen auf jeden Fall auf ihrer Agenda, bislang aber vor allem im Hintergrund gewirkt. Der Mann nach außen ist Rohmer. Er nimmt im Moment die Rolle von Saskia Breuer ein. Er ist derjenige, der das Team zusammengestellt hat, bei der Präsentation der Neuzugänge danebensitzt und auch im Trainingslager sehr präsent war.

Was ist drin?

Frederik: Der Klassenverbleib sollte zu schaffen sein – und bestenfalls nicht wieder erst am letzten Spieltag. Die Vorbereitung verläuft bislang sehr gut, auch wenn es natürlich nur die Vorbereitung ist. Ich denke, ein Platz zwischen zehn und zwölf ist möglich.

Empor: Ich habe den HSV in meiner Tabelle genau auf Rang zwölf. Ich sehe aktuell den Kader tatsächlich nicht wesentlich besser als in der Vorsaison. Für den Klassenverbleib reicht es trotzdem, sage ich – für mehr allerdings nicht. Dafür müsste schon viel zusammenkommen. Ich muss zugeben, dass die erste Elf des HSV auf dem Papier individuell gar nicht so schlecht besetzt ist – mit Wrede, Lindberg und Krüger in der Offensive. In der Breite habe ich aber qualitative Bedenken. Ein strukturiertes Offensivspiel habe ich in der Vorsaison ohnehin zu selten gesehen. In dieser Hinsicht muss mich der HSV erst vom Gegenteil überzeugen.

Frederik: Das große Thema war aber ohnehin, den Kader zu verkleinern – und trotzdem die Qualität in der Breite zu erhöhen. In der Vorsaison bestand der Kader aus 34 Spielerinnen. Trotzdem fehlte oft ein Impuls von der Bank, weil in Summe nicht alle Spielerinnen konstant bundesligatauglich waren. Das hat sich verbessert. Auf dem Papier sieht es, wie du sagst, gut aus. Jetzt kommt es darauf an, was Rodolfo Cardoso daraus macht.

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Wie finden wir das Trikot?

Empor: Das blaue Auswärtstrikot ist echt schick. Das Blau ist zudem in Mesh-Optik gehalten, was immer ein Hingucker ist. Ein cooles Design. Kann ich nicht anders sagen. Blau harmoniert einfach mit den weißen Adidas-Streifen.

Frederik: Das deckt sich mit dem, was ich gesagt hätte. Das Auswärtstrikot ist, finde ich, ein sehr modisches Accessoire, weil es etwas retroangehaucht ist. Es ist bereits auf dem Weg, Rekordverkaufszahlen zu erreichen. Das Heimtrikot ähnelt meiner Meinung nach stark den Trikots aus den Vorjahren. Es ist ein typisches HSV-Trikot.

Empor: Das Heimtrikot ist für mich ein Rückschritt im Vergleich zur Vorsaison. Damals war ich sehr begeistert von dem mutigen Retrodesign. Das war ein großer Wurf. Dagegen sieht das aktuelle Heimtrikot etwas blass aus. Es ist klassisch, ja, aber irgendwie auch sehr schlicht. Immerhin sind die Schulterstreifen zweifarbig. Das ist designtechnisch aber auch schon das einzige Plus. Da hätte man mehr herausholen können.

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