top of page
shutterstock_2712473471_edited.jpg

Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten

Was ist drin,
RB Leipzig?

Die Vorsaison endete auf Platz zehn. Die Ansprüche bei RB Leipzig dürften höher liegen. Dafür steht auch der Transfersommer. Gelingt nun der Aufschwung? Steht Trainer Jonas Stephan vor einer Bewährungsprobe? Und warum Leipzig künftig als Belgien aufläuft. Darüber habe ich mir Gedanken gemacht.

Kommen und Gehen

Abgänge:
Lina von Schrader (Tor, Freiburg), Maja Spilenberg (Tor, Eintracht Frankfurt II), Victoria Krug (Verteidigung, FC Nantes), Julia Magerl (Verteidigung, Werder Bremen), Julia Landenberger (Verteidigung, VfL Wolfsburg), Marlene Müller (Mittelfeld, Bayer Leverkusen), Luca Graf (Mittelfeld, Borussia Mönchengladbach), Rucy Grunenberg (Mittelfeld, FC St. Gallen), Gina Chmielinski (Mittelfeld, AC Parma), Giovanna Hoffmann (Angriff, Wolfsburg), Kyra Spitzner (Angriff, SGS Essen), Mai Kadowaki (Angriff, RB Omiya Ardija), Lisa Baum (Angriff, FC Arsenal), Persis Oteng (Angriff, PEC Zwolle (Leihe))

Zugänge:
Aude Waldbillig (Tor, RSC Anderlecht), Sophie Lindner (Tor, TSG Hoffenheim), Alieke Tuin (Verteidigung, FC Twente), Linde Veefkind (Verteidigung, OH Leuven), Zenia Mertens (Verteidigung, OH Leuven), Jasmien Mathys (Verteidigung, KAA Gent), Nele Quietzsch (Mittelfeld, RB Leipzig II), Sára Pusztai (Mittelfeld, OH Leuven), Persis Oteng (Angriff, PEC Zwolle), Marie Kleemann (Angriff, Eintracht Frankfurt II),  Emanuela Pfister (Angriff, GC Zürich), Therese Simonsson (Angriff, Servette FCCF), Charlotte Hulst (Angriff, FC Twente), Nikée van Dijk (Angriff, Inter Mailand),  

Vielversprechendste Verstärkungen?

Viele Titelsammlerin: Was ich bemerkenswert finde: RB Leipzig hat Spielerinnen verpflichtet, die in den vergangenen drei Jahren zusammen elf Meistertitel und fünf Pokalsiege gewonnen haben. Klar: Die Erfolge gab es in den Niederlanden, Belgien und der Schweiz – Ligen, die im Frauenfußball nicht zum allerhöchsten Regal gehören. Trotzdem hat Leipzig auf diesen grundsätzlich interessanten Märkten etablierte Spielerinnen von den besten Klubs für sich gewonnen. Ich gebe gerne zu: Wenige Teams haben für mich in Summe so viele aufregende Spielerinnen verpflichtet wie Leipzig.

Viel Dynamik für die linke Seite: Eine Personalie, die für mich heraussticht, ist Alieke Tuin. Schon aufgrund ihrer Anlagen passt sie für mich gut zum Spiel der Leipzigerinnen – mit viel Offensivdrang und Tempo. Grundsätzlich soll sie als linke Außenverteidigerin agieren, kam in der Champions League für Twente Enschede aber auch auf dem linken Flügel zum Einsatz. In der vergangenen Saison erzielte sie in 29 Spielen fünf Tore und bereitete sechs weitere Treffer vor. Wenn Marleen Schimmer nach ihrer Knöchelverletzung wieder fit ist, könnte sie gemeinsam mit Tuin ein sehr dynamisches und wuchtiges Duo auf der linken Seite bilden.

Der Ersatz für Lisa Baum: Für die Lücke von Lisa Baum auf dem rechten Flügel dürfte perspektivisch Therese Simonsson vorgesehen sein. Damit übernimmt sie unter den Neuzugängen die größte Aufgabe, da Baum über rechts gerade in der Rückrunde das Spiel der Leipzigerinnen geprägt hat. Die 28-jährige Schwedin kommt als Torschützenkönigin aus der Schweiz. Sie soll ebenfalls viel Zug zum Tor und Dribbelstärke mitbringen und damit ähnliche Stärken wie Baum besitzen. Eine kleine Einschränkung gibt es jedoch: Vor ihrer starken Saison 2025/26 waren Simonssons Statistiken eher überschaubar. War diese Spielzeit also eine Ausnahme? Oder kann sie sich auf Topniveau etablieren? In der Vorbereitung nahm sie zumindest früh eine Schlüsselrolle im Spiel von RB ein – auch als Kommunikatorin auf dem Platz.

Wie finden wir den Kader?

Neue spielstarke Innenverteidigerinnen: Julia Landenberger, Victoria Krug, Marlene Müller und Julia Magerl haben Leipzig allesamt verlassen. Das klingt zunächst nach einem Qualitätsverlust. Allerdings galt die Defensive in der vergangenen Saison nicht immer als stabil. Eine Auffrischung kann daher durchaus positive Auswirkungen haben. Trainer Jonas Stephan setzt auf ein flaches Kurzpassspiel aus der eigenen Defensive, um den Gegner ins Pressing zu locken und anschließend zu überspielen. Dafür braucht es eine gewisse Spielstärke. Die Neuzugänge Linde Veefkind und Zenia Mertens wurden in den Pressemitteilungen des Klubs zumindest genau mit dieser Qualität beschrieben. Ich habe beide noch nie spielen sehen und kann sie daher nur anhand von Statistiken beurteilen. Veefkind und Mertens kommen jedoch beide als Stammkräfte aus Leuven, sind miteinander vertraut und haben mit dem Klub in der vergangenen Saison überraschend die K.-o.-Runde der Champions League erreicht.

Ausreichend aufgestellt in der Abwehr? Andrea Norheim ist seit der vergangenen Saison in der Innenverteidigung gesetzt. Zusammen mit Veefkind und Mertens stehen damit drei potenzielle Stammkräfte zur Verfügung. Nikoline Dudek ist flexibel als Innen- oder Außenverteidigerin einsetzbar – je nachdem, ob Trainer Stephan eine Fünfer- oder eine Viererkette bevorzugt. In der vergangenen Saison ließ Stephan beides spielen. Mir persönlich fehlt im Kader jedoch noch eine weitere flexible Abwehrspielerin, um sorgenfrei durch die Saison zu kommen. Tuin ist eindeutig auf die linke Seite spezialisiert, Jasmien Mathys wurde von Leipzig als Rechtsverteidigerin vorgestellt. Mathys dürfte mit Dudek um die Rolle von Krug konkurrieren, die in der vergangenen Saison auf der rechten Abwehrseite unumstrittene Stammspielerin war.

Gut aufgestellt im Zentrum: Mit Lou-Ann Joly und Kapitänin Sandra Starke als zweikampfstarker Sechserin sowie Annabel Schasching als spielstarker Gestalterin ist Leipzig im Zentrum bereits überdurchschnittlich gut besetzt. Für mehr offensive Präsenz in der Spielmitte bringt zudem Sára Pusztai vielversprechende Anlagen mit. Die ungarische Nationalspielerin gehörte ebenfalls zu den Stammkräften von OH Leuven und beim Einzug des Klubs in die Champions-League-Zwischenrunde dabei. Die Rolle auf der Zehnerposition mit Zug zum Tor kann auch Emilía Ásgeirsdóttir ausfüllen – wobei sie meiner Einschätzung nach in der vordersten Reihe besser aufgehoben ist.

Linker Flügel und rechter Flügel: Simonsson auf rechts und Charlotte Hulst auf links dürften auf Anhieb Kandidatinnen für einen Startplatz sein – Hulst insbesondere wegen des derzeitigen Ausfalls von Marleen Schimmer. Erreicht Schimmer bei ihrer Rückkehr wieder die Form aus der Vorsaison, führt an ihr kein Weg vorbei – entweder als Flügelstürmerin oder als Offensivverteidigerin. Hulst kann mit ihrem Tempo, ihren Dribblings und ihren Hereingaben auf der linken Außenbahn jedoch eine ernst zu nehmende Ergänzung sein. Bei Twente Enschede bereitete sie in 42 Spielen immerhin 15 Treffer vor. Auf dem rechten Flügel fehlt mir neben Simonsson allerdings eine klare Alternative. Schlägt sie leistungsmäßig ein, ist das vernachlässigbar. Falls nicht, verliert Leipzig womöglich einiges an Schlagkraft im Offensivspiel. Abzuwarten bleibt, inwieweit U17-Europameisterin Marie Kleemann bereits Einsatzzeiten erhält.

Boboy ist im Sturm gesetzt: Im Sturmzentrum ist Delice Boboy erste Wahl. Mit ihrem Tempo und ihrer Beweglichkeit kann sie regelmäßig Räume für Mitspielerinnen öffnen. Ihre Torquote von sechs Treffern in der Saison 2025/26 ist allerdings noch ausbaufähig. Eine Spielerin, die zehn oder mehr Tore erzielt, fehlte Leipzig in der Vorsaison – ein Manko im Vergleich zu anderen Teams. Alternativen zu Boboy sind Ásgeirsdóttir und Nikée van Dijk. Letztere zeigte 2024/25 mit neun Toren für Twente Enschede ihr Potenzial, blieb nach ihrem Wechsel zu Inter Mailand und als Leihspielerin bei der TSG Hoffenheim in der vergangenen Saison jedoch blass. Eine weitere Option ist die 19-jährige Emanuela Pfister, die sich in den Testspielen für Einsatzzeiten empfohlen hat. Der Abgang von Giovanna Hoffmann ist von Namen her schmerzvoll. Allerdings hat sie den Großteil der vergangenen Spielzeit verletzungsbedingt verpasst – ihr Fehlen ist also keine neue Situation.

Cream Minimalist Illustrative Social Media Graphic - 2026-08-20T123235.599.jpg

Mögliche Startelf

Redebedarf ... mehr erwartet auf dem Transfermarkt?

Ansprüche liegen höher: Inzwischen steht Leipzig vor seiner vierten Bundesligasaison. Die tabellarische Ausbeute mit den Plätzen acht, acht und zehn ist eher mäßig – zumal sich Leipzig nach dem Aufstieg 2023 zeitnah in der Spitzengruppe der Liga etablieren wollte. Die Ansprüche in Leipzig dürften deutlich höher liegen als die Tabellenplätze der vergangenen Jahre. Sollte es erneut nur zu Platz zehn reichen, wäre das kaum zu akzeptieren. Dafür sprechen auch die Aktivitäten des Klubs auf dem Transfermarkt. Das Fehlen von Hoffmann und Baum darf meiner Meinung nach nur bedingt als Ausrede gelten, wenn Leipzig erneut hinter den eigenen Ansprüchen zurückbleibt.

Spielstil bislang mit Schwächen: Grundsätzlich hat Leipzig im Kader viel dafür getan, dass die kommende Saison erfolgreicher wird. Das erhöht die Erwartungshaltung an Stephan. Seine Spielidee ist attraktiv und anspruchsvoll, aber auch gewagt. Dass das Team sie bislang nur bedingt verinnerlicht hat, liegt entweder am Trainer oder an der Qualität der Spielerinnen. Darüber wird die kommende Saison vielleicht mehr Aufschluss geben. Phasenweise gelingen Leipzig gute Angriffszüge aus der eigenen Defensive heraus. Zu oft bringt sich die Mannschaft durch individuelle Fehleinschätzungen oder ungeduldige Aktionen jedoch auch selbst in Bedrängnis. Stephan steht mit diesem Kader womöglich vor seiner Bewährungsprobe: Es wird sich zeigen, ob er in Leipzig eine Perspektive über die kommende Saison hinaus hat.

Was ist drin?

Platz sechs: Ich bin tatsächlich optimistisch und habe Leipzig auf Rang sechs gesetzt. Die Neuzugänge haben für mich das Potenzial, die Mannschaft qualitativ auf ein höheres Niveau zu heben. Ein Großteil der neuen Spielerinnen scheint gezielt im Hinblick auf Stephans Spielidee gescoutet worden zu sein, um ihm ideale Verstärkungen an die Hand zu geben. Fügen sich die Neuen schnell ein und erfüllen sie die Erwartungen, hat Leipzig für mich deutlich mehr Potenzial als in der vergangenen Saison.

Cream Minimalist Illustrative Social Media Graphic - 2026-08-20T123222.147.jpg

Wie finden wir das Trikot?

Auswärtstrikot: Mehr Heimatgefühl konnte Leipzig den drei belgischen Zugängen kaum geben. Das Auswärtstrikot ist im Prinzip ein belgisches Nationaltrikot. Anders kann ich es nicht sagen. Roter Grundton, dazu gelb-schwarze Designelemente an Kragen und Ärmeln – alles an diesem Trikot schreit für mich nach Belgien. Die Gestaltung finde ich trotzdem gelungen. Allerdings hätte ich eine edle, streifenartige Mesh-Optik im Rotton bevorzugt. Stattdessen befindet sich Lindenblätter auf dem Trikot. Das soll angeblich einen Bezug zur Stadt haben. Für mich ist das Geschmackssache.

Heimtrikot: Das holt mich nicht ab. Leipzig präsentiert jedes Jahr fast die gleiche Optik, lediglich leicht abgewandelt. Dieses Mal gibt es leichte rote Streifen und rote Designelemente an den Achseln. Der Kragen ist 08/15. Das geht aufregender – zumal das Trikot den Vorjahren zu ähnlich ist und keinen Wiedererkennungswert besitzt.

Für RB Leipzig ließ sich keine Expertin oder Experte finden. Daher blicke ich in einem veränderten Format auf die kommende Saison der Leipzigerinnen.

bottom of page