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Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten

Was ist drin,
SC Freiburg?

Kurz vor Vorbereitungsstart trennte sich der SC Freiburg von Trainer Edmond Kapllani. Nachfolger ist Marco Konrad. Für die kommende Saison dominieren jedoch die Zweifel für den SC – auch bezüglich der Trikots. Darüber habe ich mit dem Journalisten Florian Rümmele (@florian.ruemmele) gesprochen.

Kommen und Gehen

Abgänge:Rebecca Adamczyk (Tor, 1. FC Nürnberg), Sarah-Lisa Dübel (Tor, Sturm Graz), Greta Stegemann (Verteidigung, VfB Stuttgart), Ally Gudorf (Verteidigung, Karriereende), Sophie Nachtigall (Mittelfeld, 1. FC Köln), Svenja Fölmli (Angriff, TSG Hoffenheim), Leela Egli (Angriff, 1. FC Union Berlin)

Zugänge:Lina van Schrader (Tor, RB Leipzig), Lorena Barth (Tor, FC Aarau), Emma Memminger (Verteidigung, Eintracht Frankfurt), Jana Vojtekova (Verteidigung, FC Basel), Sabah Seghir (Mittelfeld, FC Basel), Ilayda Açikgöz (Mittelfeld, Eintracht Frankfurt), Amira Arfaoui (Mittelfeld, Werder Bremen), Carina Brunold (Angriff, St. Pölten)

Vielversprechendste Verstärkungen?

Florian: Freiburg hat durch die Abgänge viel Substanz verloren. Bei den Neuen ist Ilayda Açikgöz eine Spielerin mit Potenzial, das sie in Frankfurt allerdings noch nicht in vollem Umfang zeigen konnte. Aufgrund ihrer Statistiken ist zudem Offensivspielerin Amira Arfaoui zu nennen. Die jüngsten Transfers, etwa Sabah Seghir, kann ich allerdings nicht wirklich einschätzen. Das gilt ebenso für die ungarische Angreiferin Borbála Vincze, die vom FC Zürich kommt. In dieser Hinsicht ist Freiburg wieder ein Stück weit eine Wundertüte.

Empor: Açikgöz bringt auf jeden Fall eine gewisse Physis mit, die dem Mittelfeld guttun kann. Insgesamt finde ich, dass Freiburg in diesem Sommer auf dem Transfermarkt vor allem Kaderlücken füllen musste, anstatt den Kader als Ganzes voranzubringen. Ich sehe jetzt nicht zwingend Positionen, auf denen Freiburg Qualität dazugewonnen hat. Zwangsläufig musste etwas im Tor etwas passieren. Mit Lorena Barth (19 Jahre) und Lina van Schrader (22) wurden zwei sehr junge und zum Teil unerfahrene Torhüterinnen verpflichtet. Barth dürfte nach den bisherigen Eindrücken wohl die Nummer eins sein. Ich kann beide Torhüterinnen allerdings kaum einschätzen. Wie blickst du darauf?

Florian Laura Benkarth (Schwanger, Anm. d. Red.) war mit ihrer Erfahrung und ihrer Klasse in der vergangenen Saison ein wichtiger Rückhalt. Nun hat der Verein zudem Rebecca Adamczyk verloren. Das war etwas überraschend, weil man eigentlich dachte, sie sei die Kronprinzessin. Ich glaube auch, dass Barth die Nummer eins wird, weil Schrader in den vergangenen Jahren kaum Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln konnte. Barth bringt das größere Potenzial mit.

Wie finden wir den Kader?

Empor: Beim Blick auf den Kader fällt auf, dass die Abgänge bislang deutlich schwerer wiegen als die Zugänge. Ist Freiburgs Kader nun deutlich schwächer als in der vergangenen Saison?

Florian: Vieles steht und fällt nun damit, wie die Neuen einschlagen. Mit Svenja Fölmli hat Freiburg eine Spielerin verloren, die gerade in der Rückrunde großen Input hatte. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sie aufgrund diverser Verletzungen eigentlich nie eine komplette Saison zur Verfügung stand. Luca Birkholz spielte hingegen eine gute Hinrunde, traf in der Rückrunde aber kaum noch. Gerade von Birkholz erwarte ich in ihrem zweiten Jahr nun eine Steigerung. Mit Leela Egli hat Freiburg zudem einen Abgang auf der Außenbahn. Mit ihrem Tempo war sie besonders im Umschaltspiel eine wichtige Akteurin, konnte ihr Potenzial aber nie wirklich ausschöpfen. Trotzdem verliert Freiburg dadurch Torgefahr. Auf dem Papier ist der Kader für mich – Stand jetzt – schwächer als in der vergangenen Saison.

Empor: In der Abwehr kommt der Abgang von Greta Stegemann hinzu, ebenfalls Stammkraft. Julia Stierli hat sich festgespielt. Neben ihr ist ein Platz für junge Spielerinnen wie Alina Axtmann oder Mia-Lena Maas frei. Zoe Schick fällt wegen eines Kreuzbandrisses lange aus. Auf der rechten defensiven Außenbahn hat sich in der vergangenen Saison, wie ich finde, mit Nia Szenk ein riesiges Talent in den Vordergrund gespielt. Links ist die unermüdliche Lisa Karl gesetzt. Eine Alternative wäre Neuzugang Emma Memminger – insgesamt ist die Breite an Optionen für die Abwehr aber überschaubar, finde ich.

Florian: Der Kader ist dünn besetzt, da gebe ich dir recht. Vor allem, weil zusätzlich Erfahrung fehlt. In Abwesenheit von Ingibjörg Sigurðardóttir (Schwanger, Anm. d. Red.) wird Freiburg nun vermehrt den jüngeren Spielerinnen wie Maas Einsatzzeiten geben. Grundsätzlich dürfte die Innenverteidigung aber auf Stierli und Axtmann hinauslaufen. Axtmann war eigentlich Stammspielerin, bis sie sich verletzte. Wenn sie wieder zu ihrem alten Leistungsniveau zurückfindet, wird sie spielen. Jana Vojteková hat zuletzt in Basel ebenfalls in der Innenverteidigung gespielt, ist aber eigentlich auf den Außenbahnen zu Hause – dort spielte sie auch früher in Freiburg. Mit 34 Jahren ist sie allerdings kein Transfer mit Perspektive mehr, sondern eher eine Spielerin für die Kabine, die die jüngeren Spielerinnen anleiten soll.

Empor: Ich halte diese Zusammenstellung für gewagt. Es ist natürlich der gängige Freiburger Weg, dass junge Spielerinnen früh ihre Bewährungschancen erhalten und sich auch Fehler erlauben dürfen. Im Moment sehe ich allerdings zu viele junge und noch unerfahrene Spielerinnen, die gleich Schlüsselpositionen übernehmen müssen – beispielsweise im Tor und der Abwehr. Nicht falsch verstehen: Für eine Spielerin kann das eine tolle Möglichkeit sein, sich zu entwickeln. Formtiefs sind aber kaum erlaubt, weil dann Alternativen fehlen. Ein paar mehr etablierte Leistungsträgerinnen würden dem Kader insgesamt sehr gut tun, finde ich. In den Testspielen lief allerdings Meret Felde zeitweise in der Innenverteidigung auf. Perspektivisch eine Option? Bislang ist sie zumeist als Sechserin aufgelaufen.

Florian: Das ist schon etwas, das ich mir für die Liga vorstellen könnte. Felde ist gut im Aufbauspiel und macht eigentlich wenige Fehler. Ich traue ihr diese Position auf jeden Fall zu. Dann bleibt nur die Frage, wer auf der Sechs spielt: Nicole Ojukwu allein? Wenn Freiburg sehr pressingintensiv spielt, braucht es Spielerinnen, die im Mittelfeld Lücken zulaufen und Räume besetzen. Das könnte für Ojukwu allein etwas viel verlangt sein. Maj Schneider könnte dann die Spielerin neben ihr sein – falls Felde in der Innenverteidigung zum Einsatz kommt. Eine weitere Option wäre Açikgöz. Tessa Blumenberg fällt offenbar noch länger aus.

Empor: Insgesamt ist es für mich noch ein Kader, der Freiburg schnell in die Bredouille bringen kann, wenn es Ausfälle oder Leistungsdellen gibt. Das gilt ebenso für die Offensive: Es gibt Selina Vobian, Alena Bienz, Lisa Kolb auf der linken Seite sowie die Neuen Seghir, Vincze und Arfaoui. Im Sturm stehen Carina Brunold und Birkholz zur Verfügung. Wenn zwei oder drei dieser Spielerinnen fehlen, könnt es eng werden.

Florian: Es gibt auf jeden Fall einige Fragezeichen – sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Brunold hat bei St. Pölten mit elf Toren in 17 Spielen überzeugt. Sie ist zudem Nationalspielerin. Auf Bundesliganiveau kann ich sie allerdings noch nicht einschätzen.

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Mögliche Startelf

Redebedarf ... Trainerwechsel

Empor: Für die Trennung von Edmond Kapllani gab es sicherlich sportliche Gründe. Sie waren allerdings für mich nicht so gravierend, dass ich mit diesem Trainerwechsel gerechnet hätte. Vor allem der Zeitpunkt hat mich irritiert: einen Monat nach Saisonende und kurz vor Beginn der Vorbereitung. Darin lässt sich viel hineininterpretieren. Sein Nachfolger Marco Konrad ist für mich noch ein unbeschriebenes Blatt.

Florian: Auch Kapllani war vor einem Jahr bereits ein überraschender Schritt des Sportclubs. Ich bin aber bei dir: Wenn man sich von Kapllani trennen wollte, warum dann nicht direkt nach Saisonende? Das wirkt etwas unglücklich. Ich kann mir vorstellen, dass ihm die fehlende Weiterentwicklung der Mannschaft auf die Füße gefallen ist. Vielleicht traute man ihm nicht zu, dass es in der neuen Saison besser werden würde – auch im Wissen darum, dass er einen Umbruch moderieren muss. Im Statement zu seinem Aus war von „unterschiedlichen Auffassungen“ die Rede. Das ist nun meine Interpretation: Vielleicht wollte Kapllani den Transferweg des Vereins nicht mitgehen. Das ist aber reine Spekulation.

Empor: Was kannst du ansonsten zu Konrad sagen?

Florian: Konrad bringt einen gewissen regionalen Bezug mit. Er weiß vielleicht, wie der Verein tickt. Ansonsten ist er für mich ebenfalls ein unbeschriebenes Blatt. Er kommt ja ein Stück weit aus der RB-Schule, unter anderem durch seine Tätigkeit als Co-Trainer von Alexander Zorniger in Fürth. Es ist zu erwarten, dass er einen ähnlich intensiven Fußball spielen lässt – einen Fußball, der über 90 Minuten auf Pressing setzt. Ich finde aber genauso spannend, dass Freiburg bei der Besetzung des Trainerteams erneut auf eine Frau verzichtet. Bei Kapllani war das ebenfalls der Fall. Und ich weiß nicht, ob das immer so hilfreich ist. Das wird bei anderen Vereinen anders gehandhabt.

Was ist drin?

Florian: Das ist wirklich schwierig einzuschätzen. Ich denke aber, dass Freiburg am Ende erneut einen einstelligen Tabellenplatz belegen wird – zwischen Rang sieben und neun.

Empor: Ich habe Freiburg nur auf Platz elf. Eventuell tut sich im Kader noch etwas, dann wäre die Situation anders zu bewerten. Aktuell fällt es mir aber schwer, Freiburg auf eine Stufe mit Köln, Leipzig oder Bremen zu stellen. Die meisten Neuen kann ich nicht wirklich einordnen. Gleichzeitig waren es sehr vorhersehbare Transfers – wie fast immer aus der Schweiz oder Österreich. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Für mich passt das aber ins Gesamtbild: Freiburg verändert sich nicht. Dabei ist die Infrastruktur gut und der Ansatz mit vielen jungen Spielerinnen lobenswert. Trotzdem zeigt die Tendenz für mich seit Jahren schleichend nach unten.

Florian: Freiburg hat in diesem Jahr definitiv mehr in Steine als in Beine investiert. Das Trainingsgelände wurde umgebaut. Die Gefahr sehe ich allerdings ebenfalls, dass Freiburg von der Konkurrenz im Moment ein Stück weit abgehängt wird.

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Wie finden wir das Trikot?

Florian: Als Freiburg noch Hummel als Ausrüster hatte, fand ich die Trikots besser, weil sie individueller waren. Jetzt ist es im Grunde das gleiche Heimtrikot wie von Beşiktaş Istanbul. Es ist okay, aber ein Stück weit von der Stange.

Empor: Dieser Mix aus dicken und dünnen roten Streifen wirkt irgendwie unvollendet. Der Kragen ist zudem kaum vorhanden. Da wurde viel Potenzial für ein ansehnliches Trikot verschenkt. Normale rote Ärmel ohne jedes Designelement sind außerdem eher langweilig. Beim Auswärtstrikot will ich den Greif als Logo herausheben. Das ist ein netter Hingucker. Ansonsten sind es drei rote Streifen auf einen ansonsten komplett weißen Trikot. Clean, ja. Aber auch sehr einfach.

Florian: Ich muss allerdings sagen, dass das Sponsorenlogo auf dem Trikot der Frauen nicht zum übrigen Design passt.

Empor: Absolut. Dafür hätte man sich zwingend eine andere Lösung überlegen müssen. Das passt optisch überhaupt nicht zusammen.

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