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Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten

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Was ist drin,
1. FC Union Berlin?

Als Aufsteiger blieb Union Berlin souverän in der Liga. Die Ambitionen liegen jedoch deutlich höher. Für die kommende Saison hat Union kräftig investiert. Wie weit geht es nach oben? Und welchen Einfluss kann Trainerin Marie-Louise Eta haben? Darüber habe ich mit Paul vom Blog „Die Schlosserinnen“ (@dieschlosserinnen) gesprochen.  

Kommen und Gehen

Abgänge:
Julia Kassen (Tor, Essen), Marina Georgieva (Verteidigung, noch unbekannt), Fatma Şakar (Verteidigung, Fenerbahçe), Paula Rintzner (Mittelfeld, Carl Zeiss Jena (Leihe)), 
Leonie Köster (Mittelfeld, YB Frauen (Leihe))Celine Frank (Mittelfeld, noch unbekannt), Athanasia Moraitou (Mittelfeld, FC Luzern),   Jenny Hipp (Mittelfeld, noch unbekannt), Alma Aagaard (Angriff, St. Pölten (Leihe))

Zugänge:
Nelly Smolarczyk (Tor, VfL Wolfsburg), Sherly Schulz (Tor, Union Berlin II), Jill Janssens (Verteidigung, TSG Hoffenheim), Jella Veit (Verteidigung, Eintracht Frankfurt), Leona Seifert (Mittelfeld, Union Berlin II), 
Marike Laidler (Mittelfeld, Union Berlin II), Paula Rintzner (Mittelfeld, FC Bayern München), Lisanne Gräwe (Mittelfeld, Eintracht Frankfurt), Lea Aseko (Angriff, Hertha BSC), Leela Egli (Angriff, SC Freiburg)

Vielversprechendste Verstärkungen?

Paul: Für mich sind es Lisanne Gräwe und Jill Janssens. Sie sind für Positionen verpflichtet worden, auf denen sie Union auf jeden Fall guttun werden. Anna Weiß hat ihre Sache in der Vorsaison als rechte Verteidigerin gut gemacht, musste aber fast die gesamte Saison durchspielen. In den Testspielen hat man bereits gesehen, welche Dynamik und Schnelligkeit Janssens als Rechtsverteidigerin mitbringt. Gepaart damit, dass Tomke Schneider nun auf der linken Seite wieder von ihrer Verletzung zurück ist, kann Union über die Außen eine enorme Dynamik und Durchschlagskraft entwickeln. Hinten links kann Union nun zwischen Judith Steinert und Schneider wählen. Das sind Luxusprobleme.

Empor: Wie du schon sagst, macht Janssens total Sinn. Wenn sie mit ihrem Tempo und ihrem Offensivdrang auf der rechten Seite nach vorn stößt, kann die rechte Flügelspielerin nach innen einrücken und das Sturmzentrum unterstützen, wodurch Überzahlsituationen entstehen. Auf der linken Seite kann Schneider für einen ähnlichen Effekt sorgen. Das kann dem Spiel von Union viel Input geben.

Paul: Und zu Gräwe: Wenn Tanja Pawollek in der Vorsaison verletzungsbedingt nicht spielen konnte, hat man sofort gesehen, dass im Mittelfeld die Struktur und die Verbindung fehlen. Pawollek ist jetzt erneut verletzt und wird erst im Laufe der Saison wieder zurückkehren. Gräwe kann das aber vollständig auffangen. Und wenn beide zusammenspielen – eventuell als Doppelsechs oder eine spielt auf der Sechs, die andere auf der Acht –, dann ist das einfach eine Qualität, die nichts mehr mit dem Tabellenplatz zu tun hat, den wir in der Vorsaison belegt haben.

Empor: Gräwe bringt halt ein herausragendes Gesamtpaket mit: Ballsicherheit, Spielübersicht und – in Frankfurt – ein gutes Verständnis für das Mittelfeldzentrum mit Elisa Senß. Außerdem ist sie erst 23 Jahre alt und hat somit noch viel Entwicklungspotenzial. Für Union ist es ein echtes Statement, sie trotz ihres Vertrags in Frankfurt losgeeist zu haben.

Paul: Und eigentlich müssen wir auch noch Leela Egli nennen, die in der Offensive eine unglaublich dynamische Spielerin ist und sehr gut in Eins-gegen-eins-Situationen agiert. Im Testspiel hat sie einfach mit der Pike ansatzlos abgezogen und ein Tor erzielt. Gerade bei den Chancen, die wir in der Vorsaison allesamt vergeben haben, hat uns eine solche Spielerin gefehlt.

Wie finden wir den Kader?

Empor: Über eine weitere neue Spielerin haben wir noch gar nicht gesprochen: Jella Veit. In den Vorbereitungsspielen lief sie im defensiven Mittelfeld auf. Das hat mich überrascht, kann aber durchaus ihrem Rollenprofil zugutekommen. Allerdings: In den Testspielen fehlten Pawollek und Gräwe, sodass eventuell eine Vakanz entstanden ist.

Paul: Genau, sie hat bislang nicht als Innenverteidigerin gespielt, sondern auf der Sechs. Ich finde allerdings, dass man in Frankfurt durchaus gesehen hat, dass sie in der Defensive manchmal Stellungsfehler macht. In den Testspielen hat sie mir auf der Sechs als Abräumerin richtig gut gefallen. Das könnte also durchaus eine Option sein.

Empor: Wie beurteilst du insgesamt das zentrale Mittelfeld?

Paul: Lia Kamber muss definitiv auf dem Platz stehen. Was sie an Ballbeherrschung und Ballverarbeitung mitbringt, ist unglaublich. Mit Veit auf der Sechs konnte sie sich in den bisherigen Testspielen etwas offensiv einbringen. Das kam ihr entgegen. Denn in der Rückrunde der Vorsaison war sie im Prinzip für alles zuständig: für defensive Zweikämpfe, für offensiv-kreative Momente, für das Ballhalten und für die Struktur im Spiel. Grundsätzlich finde ich, dass uns im Zentrum noch eine Spielerin fehlt, um dort mehr Tiefe zu haben. Wenn ich nun sehe, dass Leonie Köster verliehen wird, sagt mir das, dass eventuell noch eine Spielerin kommt.

Empor: Ich greife Lisa Heiseler mal auf. Sie ist Kapitänin und Identifikationsfigur des Klubs. Aber angesichts der neuen Qualitätsdichte im Mittelfeld sehe ich momentan keinen Platz für sie – zumal Veit nun eventuell ebenfalls im Mittelfeld aufläuft. In den Testspielen hat Heiseler als Sturmspitze gespielt. Die Lösung?

Paul: Nicht für jede Spielsituation, ehrlicherweise. Bälle festzumachen, gerade mit dem Rücken zum Tor – das sehe ich bei ihr nicht. Heiseler ist allerdings eine Vereinsikone. Bei den Männern ist es ähnlich mit Christoph Trimmel, der aber auch nicht jede Minute spielt. Es kommt auf die jeweilige Spielsituation an. Der Kader bietet nun mehr Möglichkeiten für unterschiedliche Gegnerinnen und Spielsysteme. Beispielsweise hat Hannah Eurlings auf dem linken Flügel ein ganz anderes Profil als Naika Reissner, die eine Konterspielerin ist. Eurlings geht hingegen über links durch, dreht auf und zieht von der Strafraumkante ab – das funktioniert gegen tief stehende Gegnerinnen. Das Team ist nun deutlich variabler.

Empor: Bei Eurlings bin ich gespannt, welchen Unterschied es macht, wenn sie die komplette Vorbereitung mitmacht und in Topform in die Spielzeit geht. Ihre Physis, Dynamik und Abschlussstärke machen sie zu einer der spannendsten Spielerinnen der Liga. Ohnehin sind die Flügel sehr gut besetzt – auch auf der rechten Seite mit Egli und Sophie Weidauer als potenziellen Optionen. Oder siehst du Weidauer eher in der Sturmspitze? Denn was Union bei all den guten Transfers weiterhin fehlt, ist eine Knipserin. Und die ist eigentlich unerlässlich, wenn ein Klub in die Top fünf der Liga vordringen will.

Paul: Ich will Weidauer im Sturmzentrum sehen. Sie bringt einfach noch einmal eine andere Wucht mit – das war in den Testspielen zu sehen. Auch Nele Bauereisen hat mir auf der Außenbahn gut gefallen. Wenn sie nun wirklich länger verletzungsfrei bleibt, hat sie viel Potenzial.

Empor: Meine ideale Doppelspitze bei Union besteht aus Eileen Campbell und Weidauer. Campbell ist mit ihrem Einsatzwillen im Prinzip unersetzlich, macht die Bälle vorne fest, setzt ihre Mitspielerinnen in Szene und ist gut im Pressing. Nur bei der Chancenverwertung haperte es in der Vorsaison etwas. Deswegen wäre sie für mich ideal in einer Doppelspitze, in der sie aus einer etwas zurückgezogenen Position Weidauer in Szene setzen kann.

Paul: Da wäre ich absolut dabei. Ich denke auch, dass Weidauer ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat. Was allerdings zunehmend verloren geht, ist das Aufstiegsteam. Das ist aber legitim. Union ist schließlich nicht aufgestiegen, um nur in der Bundesliga zu spielen. Wir wachsen zu schnell, um alle Spielerinnen auf diesem Leistungsniveau mitzuziehen.

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Mögliche Startelf

Redebedarf ... Einfluss von Marie-Louise Eta

Empor: Welche Bedeutung misst du Marie-Louise Eta als neuer Trainerin bei? Du kannst sie besser beurteilen als ich.

Paul: Sie ist für mich die beste Verstärkung. Von ihr kann man nur die Welt halten – und das nicht nur wegen der vergangenen Monate als Trainerin der Männermannschaft, sondern auch wegen ihrer Zeit bei der U19 und ihrer Tätigkeit als Individualtrainerin im Team von Aileen Poese in der zweiten Liga. Einige Spielerinnen haben in dieser Zeit große Entwicklungsschritte gemacht, Reissner zum Beispiel. Da hast du gemerkt, was sie aus Spielerinnen herausholen kann. Für mich hat sie einfach eine Empathie für Menschen und für das Teamgefüge, um Spielerinnen zusammenzubringen. Sie achtet sehr auf Details und lässt vieles immer wiederholen – aber eben so, dass sich die Spielerinnen mitgenommen fühlen. Das ist, glaube ich, ihr Geheimrezept.

Empor: Mich hat sehr beeindruckt, wie sie all das, was auf sie hereinprasselte, als sie die Männermannschaft von Union übernommen hatte, moderiert hat. Sie war plötzlich nicht nur Fußballtrainerin, sondern wurde in den Medien als Role Model auf ein Podest gehoben. Darauf kann man sich nicht vorbereiten. Eta hat das alles aber mit einer unfassbaren Souveränität bewältigt. Sie hat – von außen betrachtet – einfach Ausstrahlung und eine gewisse natürliche Autorität, auch wenn das sehr groß klingt. Was wird sich fußballerisch eventuell verändern?

Paul: Ich denke, dass wir deutlich mehr Tempo ins Spiel bekommen werden, auch durch höheres Pressing. Union wird versuchen, die Bälle früher zu erobern. Es wird ein offensiver Powerfußball – so lässt es sich vielleicht am besten beschreiben. Und ich glaube, dass sie mehr In-Game-Coaching betreiben wird.

Was ist drin?

Paul: Ich glaube, dass die Top fünf auf jeden Fall möglich sind. Leverkusen ist wirklich stark, und Wolfsburg ist uns ebenfalls ein Stück voraus. Bei Frankfurt bin ich generell gespannt, sehe sie aber auf Augenhöhe mit uns. Und wenn ich ein bisschen träumen darf, fliegen wir in der darauffolgenden Saison nach Warschau zu irgendeinem Champions-League-Spiel. Realistisch sehe ich Union aber auf Platz fünf. Grundsätzlich wird der Verein die Entwicklung jedoch unaufhörlich vorantreiben, bis er das internationale Geschäft erreicht hat.

Empor: Ich habe Union sogar auf Platz vier. Da spielt aber auch der Wunsch mit hinein, dass die Tabelle an der Spitze einmal etwas durchgemischt wird. Wenn ich mir den Kader anschaue, ist dieser aber absolut dafür ausgelegt. Veit, Gräwe, Egli oder Janssens – eine dieser Spielerinnen wäre für fast alle Teams außer Bayern, Wolfsburg oder Frankfurt der absolute Toptransfer gewesen. Und Union hat sie alle vier geholt.

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Wie finden wir das Trikot?

Paul Beim Auswärtstrikot haben wir uns im Vergleich zur Vorsaison leider etwas verschlechtert, muss ich sagen. Im Vorjahr hatten wir sozusagen die Blätter des Waldwegs vor dem Stadion auf dem Trikot eingescannt.

Empor: Ich muss dagegenhalten. Ich finde das Auswärtstrikot nicht schlecht. Die Retro-Adidas-Blume, der gut geschnittene Kragen und dazu die Nadelstreifenoptik – das sieht in meinen Augen classy aus. Ich finde es besser als das Heimtrikot. Aber das ist in diesem Jahr offenbar bei allen Adidas-Trikots so – was mich sehr verwundert.

Paul: Das Heimtrikot ist halt klassisch. Das Einzige, was zu einer Debatte führt, ist, dass wir als Verein erstmals einen Rückensponsor haben. Die Namen stehen jetzt nicht mehr unten, sondern oben. In der Fanbasis sind davon noch nicht alle überzeugt. Ansonsten passt das Rot schon gut. Das Trikot kann man gut tragen, und es ist solide.

Empor: Bei „solide“ gehe ich mit, mehr aber auch nicht. Adidas hat in diesem Jahr ein sehr unauffälliges Einheitsdesign für die meisten Trikots. Köln hat genau dasselbe Trikot, allerdings in Weiß mit roten Streifen. Bei Union kommt das Trikot mit Rot als Grundton etwas besser daher und wirkt nicht ganz so langweilig wie das Kölner-Trikot. Nett ist das Stadiondach als Prägung im Rotton. Aus dem Kragen hätte man meiner Meinung nach deutlich mehr herausholen können.

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