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Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten

Was ist drin,
VfB Stuttgart?

Der VfB Stuttgart feiert seine Debütsaison in der 1. Bundesliga. Der Kader besteht aus Erfahrung und großen Talenten. Wo ordnet sich Stuttgart damit ein, wo besteht Redebedarf und wie schneiden die Trikots ab? Darüber habe ich mit Heike vom Podcast Brustringfrauen (@brustringfrauen.de) gesprochen.

Kommen und Gehen

Abgänge:
Anja Selensky (Mittelfeld, noch unbekannt), Jana Spengler (Angriff, Karriereende), Joy Castor (Verteidigung, noch unbekannt). Gillian Castor (Mittelfeld, noch unbekannt), Laureta Temaj (Verteidigung, noch unbekannt), Leonie Kopp (Mittelfeld, noch unbekannt), Celine Philipp (Verteidigung, noch unbekannt), Emma Babić (Mittelfeld, Eintracht Frankfurt II), Pia Hein (Tor, noch unbekannt), Meike Meßmer (Mittelfeld, noch unbekannt), Charlotte Blümel (Verteidigung, SC Sand)

Zugänge:
Laura Giuliani (Tor, AC Milan), Greta Stegemann (Verteidigung, SC Freiburg), Julia Mickenhagen (Verteidigung, Bayer Leverkusen), Luzie Zähringer (Verteidigung, FC Bayern München II), Katana Norman (Verteidigung, SoCal FC), Svenja Hecke (Verteidigung, Stuttgart U17), Chantal Hagel (Mittelfeld, Sevilla FC),  
Laura Carollo (Mittelfeld, Stuttgart U17), Adriana Achcińska (Mittelfeld, 1. FC Köln), Verena Wieder (Angriff, Werder Bremen), Mira Arouna (Angriff, Eintracht Frankfurt II)

Vielversprechendste Verstärkungen?

Heike: Ich gehe zunächst von der Erfahrung aus und nenne deshalb Greta Stegemann und Verena Wieder. Wenn beide fit sind, werden sie einen großen Mehrwert für das Team bieten. Allerdings ist Wieder ja noch verletzt. Außerdem muss man Chantal Hagel hinzunehmen. Das sind alles drei erfahrene Spielerinnen. Denn die Bundesliga ist in puncto Tempo und Zweikampfverhalten noch einmal ein ganz anderes Level.

Empor: Ich habe mir auch die neue Torhüterin Laura Giuliani aufgeschrieben, was ebenfalls für diesen Aspekt spricht. Sie hat vier Meisterschaften in Italien gewonnen und ist immerhin italienische Nationaltorhüterin. Kiara Beck ist sicherlich ein großes Talent, und es ist gut, dass der VfB ihren Vertrag bis 2029 verlängert hat. Sie hat eine gute Saison in der 2. Liga gespielt. Der Schritt in die 1. Bundesliga könnte für sie eventuell noch etwas zu groß sein.

Heike: In der zweiten Liga hat Stuttgart größtenteils sehr souverän gespielt, daher stand Beck nicht so oft im Mittelpunkt. Das wird in der 1. Bundesliga natürlich anders sein. Daher hat sich der Verein mit Giuliani sicherlich etwas gedacht. Was mir bei Giuliani sofort aufgefallen ist: Sie coacht von hinten extrem viel. Dabei ist sie sehr laut und bestimmt.

Empor: Giuliani strahlt einfach eine gewisse Autorität aus – das kann möglicherweise auch die Gegnerinnen beeindrucken. Was erhoffst du dir vom Transfer von Hagel?

Heike: Absolute Körperlichkeit. In der vergangenen Jahren bestand das Mittelfeld häufig aus Yuka Hirano und Anja Selensky. Beide waren technisch herausragende Spielerinnen, sind aber beide relativ klein. Hagel und Stegemann kommen zudem beide aus der Region – das war sicherlich auch ein Aspekt, unabhängig von ihrer Qualität. Hagel ist allein aufgrund ihrer Größe von 1,80 Metern eine Erscheinung. Ihre Präsenz wird im Mittelfeld einen Unterschied machen.

Empor: Als Box-to-Box-Spielerin bringt sie für mich zudem viel Dynamik mit. In der Vergangenheit hat sie auch schon als linke Verteidigerin gespielt, kann also im Saisonverlauf bei Bedarf Lücken schließen. Insgesamt finde ich es sehr klug, sie zurück in die Bundesliga zu holen. Und nicht zu vergessen: Vor drei Jahren gehörte sie noch zum deutschen WM-Kader.

Wie finden wir den Kader?

Empor: Insgesamt muss ich gestehen, dass ich die 2. Bundesliga nur rudimentär verfolgt habe. Entsprechend habe ich Lücken bei der Kaderbewertung. 

Generalmanager Sascha Glass hatte in der Vorsaison aber häufig die Defensivleistung als verbesserungswürdig bezeichnet. Wie siehst du die Defensive nun aufgestellt? 33 Gegentore waren trotz der Meisterschaft zumindest kein Spitzenwert.

Heike: Die defensive Instabilität wurde aber vor allem Heiko Gerber vorgeworfen. Unter seinem Nachfolger Nico Schneck hat sich das im Saisonendspurt deutlich verbessert. Er hat unter anderem Yuka Hirano aus dem Mittelfeld auf die linke Abwehrseite gestellt. Das hat in meinen Augen die Abwehrkette deutlich stabilisiert. In der Innenverteidigung hat vor allem Janina Hechler eine überragende Saison gespielt und beinahe jede Minute absolviert. Stegemann könnte nun ebenfalls in der Innenverteidigung zum Einsatz kommen.

Empor: Die Defensive hat für mich auf dem Papier zumindest das notwendiges Update erhalten. Julia Mickenhagen bringt als linke Außenverteidigerin viel Dynamik mit und ist fast schon eine Offensivkraft. Allerdings war sie verletzt und ist womöglich für den Saisonstart fraglich. Und für die Innenverteidigung hat Stuttgart mit Luzie Zähringer eine Spielerin von Bayern ausgeliehen, die als Toptalent gilt. Da bin ich gespannt, ob sie sich in Stuttgart durchsetzt.

Heike: Und dann haben wir natürlich noch Maximiliane Rall, die rechts gesetzt ist und mit ihrer Geschwindigkeit und Athletik überzeugt. Sie hat mehrere Jahre beim FC Bayern München und bei der TSG Hoffenheim gespielt und bringt jede Menge Erfahrung mit.

Empor: Kommen wir zur Offensive. Rosa Rückert hat in der Vorsaison mit ihren Toren häufig überregionale Schlagzeilen gemacht. Sie hat ja auch einmal das Tor des Monats erzielt. Gleichzeitig spielt im offensiven Mittelfeld auch Dafina Redzepi. Beide sind bei mir als Spielerinnen für die besonderen Momenten abgespeichert.

Heike: Redzepi ist für mich die beste Spielerin im Kader. Sie ist aber auch verletzungsanfällig. Als sie nach Stuttgart kam, musste sie nach einer Verletzung fast eine Saison lang wieder aufgebaut werden. Nun ist sie aber wieder bei 100 Prozent. Und jedes Mal, wenn sie auf dem Platz steht, habe ich das Gefühl: Jetzt passiert etwas. Rückert ist ein riesiges Talent, bislang aber vor allem eine Highlight-Spielerin, sage ich mal. Sie hat viele wichtige Tore erzielt und stand dadurch ganz anders in der Öffentlichkeit. Das ist auf jeden Fall cool. Aber was die Spielreife angeht, sehe ich Redzepi auf jeden Fall noch ein paar Schritte weiter.

Empor: Für das Flügelspiel ist Verena Wieder geholt worden, aktuell ist sie aber noch verletzt. Links spielte Leonie Schetter in der vergangenen Saison meistens in der zweiten Welche weiteren Option siehst du?

Heike: Vorne bin ich mir noch etwas unsicher. Mira Arouna ist noch sehr jung und kam aus der Reserve von Frankfurt. Im Testspiel hat sie mir aber sehr gut gefallen. Sie ist extrem schnell. Die Frage ist nur, ob sie in der 1. Bundesliga sofort zurechtkommt und wie Schneck mit ihr plant – im Sturmzentrum oder auf den Außenbahnen. Haruka Osawa bringt ebenfalls Schnelligkeit mit und hat in dem Testspiel, das ich gesehen habe, auf der Außenbahn gespielt.

Empor: Im Sturm ist die Erfahrung auf dem Papier dafür riesig. Nicole Billa und Jana Beuschlein sind auch in der 1. Bundesliga keine Unbekannten. Machst du dir um den Sturm überhaupt Gedanken?

Heike: Die rocken das. Billa hat in der 2. Liga 19 Tore erzielt, auch wenn einige Elfmeter dabei waren. Man darf aber nicht den Fehler machen, alles auf die zentralen Stürmerinnen auszulegen. Da müssen sich auch andere Spielerinnen hervortun. Wir werden sicherlich nicht mehr dieselbe Strafraumpräsenz wie in der zweiten Liga haben. Auch Redzepi ist torgefährlich – ebenso Rall mit ihrer Dynamik. Vielleicht konzentrieren sich viele Gegnerinnen auf Billa, weil sie immerhin schon Torschützenkönigin der 1. Bundesliga war. Dann müssen aber auch die anderen Spielerinnen ihre Chancen nutzen.

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Mögliche Startelf

Redebedarf ... Zuspruch in Stuttgart

Empor: Wie schätzt du das Zuschauerinnen- und Zuschauerinteresse an den VfB-Frauen in Stuttgart ein? Euer Generalmanager hat 2000 bis 3000 Zuschauerinnen und Zuschauer als Ziel ausgegeben.

Heike: Wir hatten insgesamt einen Zuschauerinnen- und Zuschauerschnitt von knapp über 1000 bei den Heimspielen. Es ist schwierig zu prognostizieren, inwiefern dieser nun ansteigt. Das wird auch stark mit der Leistung zusammenhängen. Das ist in Stuttgart immer so ein Ding: Wenn es gut läuft, kommen die Leute und lassen sich schnell begeistern.Es wird natürlich Spiele wie gegen Bayern München geben, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer anziehen.

Empor: Wie aktiv würdest du die Fanszene insgesamt beschreiben, auch in Hinblick auf Auswärtsunterstützung?

Heike: Das ist natürlich nach wie vor kein Vergleich zum Profibereich der Männer, wo der VfB eine über eine fantastische Szene verfügt. Dennoch ist die VfB Frauen-Szene nahezu bei jedem Auswärtsspiel in unterschiedlichem Umfang vertreten, sicht- und hörbar.

Empor: Ein Thema in der Sommerpause war der bekannt gegebene Umzug ins Gazi-Stadion, die Heimspielstätte der Stuttgarter Kickers, des großen Stadtrivalen. Der Schritt war allerdings alternativlos, weil die bisherige Spielstätte nicht bundesligatauglich war. Ist der Umzug denn etwas, das in der Fanszene diskutiert wird?

Heike: Wenn wir von den Ultragruppierungen sprechen, sind diese bei den Frauen nicht präsent. Ich glaube einfach, dass man das Thema nicht zu hoch hängen sollte. Klar, es gibt ein Stück weit diese Rivalität, und manche Leute sagen sicher: ‚Da geht man nicht hin.‘ Aber auch die zweite Mannschaft der Männer hat einige Jahre dort gespielt, ebenso wie die U19 des VfB Stuttgart in der Youth League.

Was ist drin?

Heike: Ich bin mir relativ sicher, dass Stuttgart die Klasse halten wird, weil der Kader das nötige Potenzial dafür hat – natürlich unter der Voraussetzung, dass alle Spielerinnen größtenteils fit und gesund durch die Saison kommen. Dann sehe ich mindestens zwei Teams, die hinter Stuttgart landen werden. Ich tippe daher auf eine Platzierung zwischen Rang acht und zehn.

Empor: Ich habe Stuttgart tatsächlich genau auf Platz zehn. Die Strategie des Klubs halte ich für sinnvoll: Erfahrene Spielerinnen als Stützen, die zwar schon etwas älter sind, ein Team jedoch tragen können. Das war im vergangenen Jahr auch beim 1. FC Köln ähnlich. Dort wurde viel Erfahrung hinzugeholt, was das Team sehr stabilisiert hat. Einen ähnlichen Effekt kann ich mir auch bei Stuttgart vorstellen. Hinzu kommen hochtalentierte Spielerinnen wie Rückert oder Redzepi. Und bei Billa lege ich mich fest: Auch in der 1. Bundesliga kann sie ihre zehn Tore erzielen.

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Wie finden wir das Trikot?

Empor: Was sofort auffällt: Ihr habt etwas Neues an den Ärmeln – sie sind ungewohnt komplett rot. Trifft das deinen Nerv?

Heike: Ich muss zugeben, dass ich mich eigentlich nicht so intensiv mit Trikots auseinandersetze. Seit Jako unsere Trikots gestaltet, steckt aber oft eine Geschichte dahinter. Das finde ich ganz gut. Die Ärmel beziehen sich auf Mineralquellen. Wenn man genau hinschaut, sollen sie Kohlensäure symbolisieren, die aus dem Rot-Ton aufsteigt. Denn der VfB ist ja in Bad Cannstatt ansässig, und dort gibt es viele Mineralquellen. In die Struktur des Brustrings sind außerdem Brunnen eingearbeitet.

Empor: Als ich das Trikot zum ersten Mal gesehen habe, fand ich es zunächst gewöhnungsbedürftig. Irgendwie war es ein Stilbruch zu den üblichen Trikots des VfB. Daher muss ich die roten Ärmel erst einmal auf mich wirken lassen. Ansonsten bin ich kein allzu großer Fan des für Jako typischen Kragens. Da könnte man mehr herausholen. Grundsätzlich ist das Trikot für mich aber in Ordnung.

Heike: Das schwarze Auswärtstrikot holt mich richtig ab. Es sieht sehr edel aus. Und hinter dem goldenen Trikot steckt ebenfalls wieder eine Geschichte – diesmal geht es um die Kelten und den Goldfund.

Empor: Persönlich tue ich mich mit dem Goldton etwas schwer. Einen matteren Goldton hätte ich besser gefunden als diesen schimmernden. Aber das ist Geschmackssache. Das Muster am Kragen und an den Armbündchen ist ein klasse Designelement. Dieses hätte es gerne auch beim Heimtrikot geben dürfen.

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