
Foto: SV Werder Bremen
Was ist drin,
Werder Bremen?
Hinter Werder Bremen liegt die beste Saison der Vereinsgeschichte. Allerdings verließ Topscorerin Larissa Mühlhaus das Team. Welchen Einfluss können die Neuen haben, schlägt Werder einen neuen Kurs ein und warum überzeugen die Trikots? Darüber habe ich mit Lennart (@lennardodavinci) vom Weserfunk (@weserfunk) gesprochen.
Kommen und Gehen
Abgänge:
Hanna Németh (Verteidigung, Newcastle United), Lara Schmidt (Verteidigung, Borussia Dortmund), Michaela Brandenburg (Verteidigung, Karriereende), Rieke Dieckmann (Mittelfeld, RP Football), Melina Kunkel (Mittelfeld, noch unbekannt), Saskia Matheis (Mittelfeld, Mainz), Ricarda Walkling (Mittelfeld, Borussia Dortmund), Sharon Beck (Mittefeld, noch unbekannt), Amira Arfaoui (Angriff, SC Freiburg), Larissa Mühlhaus (Angriff, Eintracht Frankfurt), Maja Sternad (Angriff, Bayer Leverkusen), Verena Wieder (Angriff, VfB Stuttgart)
Zugänge:
Thea Farwick (Tor, SV Meppen), Felicia Sträßer (Verteidigung, Carl Zeiss Jena), Julia Magerl (Verteidigung, RB Leipzig), Wiktoria Zieniewicz (Verteidigung, FC Basel), Marie Gmeineder (Mittelfeld, FC Bayern (Leihe)), Lilli Purtscheller (Mittelfeld, SGS Essen), Elena Mühlemann (Mittelfeld, Carl Zeiss Jena), Isabella Jaron (Angriff, Carl Zeiss Jena), Mei Shimada (Angriff, Urawa Reds), Luna Vanzeir (Angriff, RSC Anderlecht), Elena Dhont (Angriff, Sassuolo)
Vielversprechendste Verstärkungen?
Lennart: Ich bin schon sehr gespannt auf die neue Stürmerin Mei Shimada. Im Testspiel gegen Zwolle (4:0) erzielte sie ihr erstes Tor. Zu Beginn hieß es, sie spreche weder Deutsch noch Englisch. Da habe ich mich schon gefragt, wie sie sich wohl integrieren würde. In den sozialen Medien entsteht jedoch der Eindruck, dass sie von den anderen Spielerinnen sehr gut einbezogen wird. Sie soll früh als großes japanisches Talent gegolten haben.
Empor: Shimada ist für mich noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Interessanter Input – vielleicht kann sie überraschen. Ich nenne einfach mal Isabella Jaron, gemeinerweise, weil sie fast zwangsläufig einschlagen muss. Aber über Jaron können wir später noch sprechen.
Lennart: Und Lilli Purtscheller ist allein vom Namen her natürlich eine große Nummer. Da stellt sich allerdings die Frage, wie sie nach ihrer Verletzung zurückkommt. (Purtscheller erlitt im Sommer 2025 einen Kreuzbandriss, Anm. d. Red.)
Empor: Zu den beiden neuen Flügelspielerinnen, Elena Dhont und Luna Vanzeir, kann ich bislang nur statistische Werte heranziehen. Immerhin gehören beide dem belgischen Nationalteam an. Dhont ist mit 28 Jahren bereits erfahren und hat mit Twente in den Niederlanden schon drei Meistertitel gewonnen.
Lennart: Generell fällt auf, dass viele Neuzugänge Nationalspielerinnen sind: Die beiden Belgierinnen, Julia Magerl und Lilli Purtscheller in Österreich, Wiktoria Zieniewicz in Polen, sowie Felicia Sträßer und Marie Gmeineder in der deutschen U19. Das scheint ein besonderer Fokus gewesen zu sein.
Wie finden wir den Kader?
Lennart: Die Offensive wirkt aktuell sehr flexibel ausgerichtet – das lässt sich auch an den Aufstellungen der Testspiele erkennen. Ich denke, dass im Mittelfeld weitgehend wieder auf eine Doppelsechs gesetzt wird, also vor der Vierer-Abwehrkette mit Juliane Wirtz und Lina Hausicke. Wie die vier offensiven Positionen angeordnet und besetzt werden, ist derzeit allerdings noch etwas unklar.
Empor: An Breite fehlt es in der Offensive auf keinen Fall. Allerdings befinden sich Purtscheller und Tuna Mahmoud – ebenfalls nach einem Kreuzbandriss – noch im Aufbautraining. Beide sind herausragende Fußballerinnen, aber es dürfte noch dauern, bis sie wieder bei hundert Prozent sind. Bei Dhont und Vanzeir muss sich für mich zudem noch zeigen, inwiefern sie Bremen verstärken – schlicht, weil ich beide noch nie habe spielen sehen. Ohnehin sehe ich auf den Flügeln eine klare Rechtslastigkeit: Mahmoud, Vanzeir, Dhont und Purtscheller haben zuletzt allesamt auf der rechten Seite gespielt. Links sehe ich nur Lena Petermann. Allerdings könnte ich die Flexibilität mancher Spielerin unterschätzen.
Lennart: Das gilt allerdings ebenso für die Defensive. Es wurden Rechtsverteidigerinnen verpflichtet, aber keine Linksverteidigerin. In den Testspielen sieht es so aus, als müssten die jungen Spielerinnen auf der linken Seite aushelfen, obwohl sie eigentlich rechts zu Hause sind – zum Beispiel Felicia Sträßer. Auch Marie Penner hat links gespielt, obwohl sie sonst auf der rechten Seite aufläuft.
Empor: Es heißt ja, die Transferplanungen seien abgeschlossen, wie zu lesen war. Diese Flexibilität kann funktionieren. Aber natürlich spielen die Spielerinnen dann entgegen ihrer eigentlichen Stammposition. Ich weiß nicht, ob dieses Konstrukt auf Dauer alle zufriedenstellt.
Lennart: Mein Eindruck ist, dass Werder sich im deutschen Frauenfußball noch einmal neu positionieren möchte – als Klub, bei dem junge Spielerinnen etwas erreichen können, und zwar auf einem höheren Niveau als zuletzt bei der SGS Essen. Die Sorge ist, dass bald Vereine wie Dortmund und Schalke oder – wie jetzt – Union Berlin mit großer Finanzkraft auf den Markt drängen. Daher möchte sich Werder als anderer Verein etablieren: mit Spielerinnen, die sehr jung sind oder aus U-Mannschaften kommen und denen man signalisiert: ‚Bei uns kannst du dich weiterentwickeln.‘ Das führt möglicherweise auch dazu, dass manche Spielerinnen noch keine feste Position haben, weil sie sich und ihre Stärken noch finden können.
Empor: Das ist ein sehr interessanter Punkt. Die 18-jährige Gmeineder gilt ohnehin als riesiges Talent und ist nun vom FC Bayern ausgeliehen worden. Ich bin gespannt, wie und wann sie Spielpraxis bekommt, denn im zentralen und defensiven Mittelfeld waren bislang Wirtz und Hausicke als stabile Achse gesetzt. Ansonsten sticht für mich noch der Abgang von Hannah Nemeth heraus – eine vielleicht etwas übersehene Leistungsträgerin der vergangenen Jahre. Ich finde, sie war in der Innenverteidigung neben Michelle Ulbrich extrem wichtig.
Lennart: Sie war eine absolute Bank. Wenn sie und Michelle Ulbrich fit waren, haben sie eigentlich immer gespielt. Generell hat Fritzy Kromp in der vergangenen Saison nur sehr wenig rotiert, nachdem sie ihre erste Elf gefunden hatte. Ich bin gespannt, wie es in der kommenden Saison wird. Bislang habe ich von Julia Magerl als neuer Option in der Abwehr nur Gutes gehört. Ich fand aber auch, dass Sarah Gutmann ihre Sache in der Innenverteidigung in der vergangenen Saison gut gemacht hat. Sie hat generell viele Rollen übernommen – mal auf der Sechs, mal als Innenverteidigerin in einer Fünferkette.
Empor: Ich muss sagen, dass ich den Kader insgesamt gut besetzt finde. Bis auf den linken Flügel stehen auf jeder Position mehrere Optionen zur Verfügung. Trotzdem kann ich ein paar Fragezeichen nicht abschütteln. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich manche Spielerinnen noch nicht einschätzen kann – sowohl hinsichtlich ihrer Qualität als auch mit Blick darauf, wie sie letztlich eingesetzt werden.
Lennart: Ich habe aber das Gefühl, dass dort etwas zusammenwächst, wenn man betrachtet, wie die Vorbereitung läuft. Natürlich haben sich im Sommer viele Fans gefragt: Wo führt das alles hin? Immerhin wurden viele verdiente Spielerinnen verabschiedet. Wenn man jedoch genauer hinschaut, haben die meisten von ihnen kaum noch gespielt – mit Ausnahme von Mühlhaus, Verena Wieder, Nemeth und Maja Sternad. Wobei ich ebenfalls der Meinung bin, dass Sternad kaum zum Einsatz gekommen wäre, wenn Mahmoud nicht verletzt gewesen wäre.

Mögliche Startelf
Redebedarf ... Werder ohne Mühlhaus
Empor: Um diesen Punkt kommen wir nicht herum. Für mich ist es die zentrale Frage bei Werder, ob Kromp Wege findet, ohne Larissa Mühlhaus und ihre Stärke bei Standards ein funktionierendes Offensivspiel zu entwickeln. Immerhin war Mühlhaus für 17 Tore und sieben Vorlagen verantwortlich – und damit an mehr als der Hälfte der 42 Saisontore beteiligt.
Lennart: Ich bin eigentlich ganz guter Dinge. Für die Offensive wurden viele Nationalspielerinnen verpflichtet. Gerade wenn Bremen nicht mehr so stark auf Standardsituationen setzen kann, bietet sich dadurch die Möglichkeit, das eigene Spiel weiterzuentwickeln.
Empor: Laut Datenlage sind Dhont und Vanzeir zumindest als dribbel- und spielstarke sowie schnelle Flügelspielerinnen einzuschätzen. Wenn Purtscheller wieder fit ist und gesund bleibt, ist sie zudem eine herausragende Kreativspielerin. Das kann Werders Offensivspiel deutlich aufwerten. Vorne braucht es nun nur noch eine Spielerin, die die Tore macht.
Lennart: Da muss auf Shimada und Jaron gehofft werden. Medina Dešić und Lena Petermann sind zwar gute Spielerinnen, aber schon eher am Ende ihrer Karriere.
Empor: Dešić ist auf dem Platz, sage ich mal, als „Nervensäge“ für die Gegnerinnen aber nicht zu unterschätzen. Bei den Testspielen war ich etwas verwundert, dass Jaron auf der Zehnerposition und nicht in der Sturmspitze eingesetzt wurde. Das ist genau die Position von Mühlhaus.
Lennart: Jaron hatte ich ebenfalls als Stürmerin auf dem Zettel, aber sie sieht sich selbst offenbar eher auf der Zehn, wie ich gelesen habe. Ihrem Spielstil nach könnte sie tatsächlich an das anknüpfen, was Mühlhaus ins Team eingebracht hat. Natürlich kann sie diese Lücke aber nicht allein füllen. Vielleicht hat sich die Zehnerrolle auch aus den Gesprächen mit Kromp ergeben. Mühlhaus war bis zum vergangenen Sommer ebenfalls als Stürmerin eingesetzt worden, ehe sie sich stärker in Richtung Mittelfeld orientiert hat.
Lennart: Ein anderes Thema spielt sich rund um den Platz bei Werder ab. Birte Brüggemann (Abteilungsleiterin der Frauen, Anm. d. Red.) ist im März gegangen, und der Verein hat lange keine Nachfolgerin oder keinen Nachfolger gefunden. Als Werder-Fan war man schon etwas verwundert. Die nun gefundene Lösung war vermutlich nicht die A-Lösung. Dominik Kupilas (neuer Leiter Frauenfußball, Anm. d. Red.) hat noch nie im Frauenfußball gearbeitet. Lena Lotzen (neue Sportliche Leiterin, Anm. d. Red.) verfügt zwar über enorm viel sportliches Verständnis, hat aber ebenfalls noch keine Erfahrung in dieser Rolle. Sie beginnt zudem erst im November richtig mit ihrer neuen Aufgabe, da sie zuvor als Co-Trainerin der deutschen U17 noch bei der Weltmeisterschaft in Marokko ist.
Was ist drin?
Lennart: Ich glaube nicht, dass Werder in der kommenden Saison besser abschneiden wird als in der vergangenen Spielzeit (Platz sechs, Anm. d. Red.). Dafür ist der Umbruch zu groß. Im oberen Mittelfeld sehe ich Werder aber weiterhin – zwischen Platz fünf und sieben. Es stellt sich immer die Frage, wie sich ein solcher Umbruch moderieren lässt. Andere Vereine befinden sich schließlich in einer ganz ähnlichen Situation. Es wird spannend zu sehen, wie schnell alles ineinandergreift und zusammenwächst.
Empor: Ich sehe natürlich die Lücke, die sich durch den Abgang von Mühlhaus auftut. Mit den neuen Spielerinnen muss sich vermeintlich vieles erst finden, was gerade zu Saisonbeginn Punkte kosten kann. Bei einigen Spielerinnen kann ich noch nicht einschätzen, ob sie sich als die Verstärkungen erweisen, die Werder erhofft und braucht. Das sind mir etwas zu viele Unwägbarkeiten. Daher steht Bremen bei mir auf Rang neun.

Wie finden wir das Trikot?
Empor: Ich nehme mal das dritte Trikot mit hinein, weil ich es sehr cool finde. Das Grapefruit-Pink mit dem dunkelgrünen Kragen und den dunkelgrünen Ärmelbündchen ist ein starker Kontrast. Von dem Trikot bin ich wirklich ein Fan. Auch das Ton-in-Ton-Muster ist ein schönes Designelement.
Lennart: Seit Hummel die Ausrüstung bei Werder übernommen hat, entstehen wirklich starke Designs. Das Heimtrikot in Grün und Weiß ist sehr klassisch. Diese gestreifte Optik haben sich viele Fans lange gewünscht. Interessant ist, dass Werder üblicherweise mit weißen Hosen zu den grünen Heimtrikots spielt. Das gilt allerdings nur für die Männer. Die Frauen tragen konsequent grüne Hosen. Das Auswärtstrikot finde ich auch sehr schick und reiht sich gut in den Satz ein. Vermutlich das edelste der drei Trikots.
Empor: Das mit den Hosen finde ich sehr gut. Das könnte man auch dem VfB Stuttgart einmal sagen. Beim Heimtrikot gehe ich grundsätzlich mit. Ich mag die etwas breiteren Streifen. Nur beim Kragen hätte man etwas mehr herausholen können – ein Rundkragen ist schließlich die einfachste Lösung, gerade wenn der Kragen beim dritten Trikot deutlich mehr hergibt. Beim Auswärtstrikot finde ich den Kragen und die Ärmelbündchen hingegen richtig stark, da sehr ausgefallen. Tolle Kombination mit dem dunkelgrünen Grundton. Holt mich komplett ab.