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Was ist drin,
VfL Wolfsburg?
Erster Verfolger von Bayern München, aber kein wirklicher Anwärter auf die Meisterschaft: Das war zuletzt der Status des VfL Wolfsburg. Der Sommer brachte nun einige Veränderungen. Wie ist die Perspektive kurz- und langfristig? Und was ist von den Trikots zu halten? Darüber habe ich mit dem Journalisten Daniel Hotop (@danielhotop) von der Braunschweiger Zeitung gesprochen.
Kommen und Gehen
Abgänge:
Nelly Smolarczyk (Tor, 1. FC Union Berlin), Janou Levels (Verteidigung, Real Madrid), Guro Bergsvand (Verteidigung, AC Florenz), Caitlin Dijkstra (Verteidigung, Tottenham Hotspur), Justine Kielland (Mittelfeld, Aston Villa), Luca Papp (Mittelfeld, Sassuolo), Alexandra Popp (Angriff, Borussia Dortmund), Vivian Endemann (Angriff, FC Liverpool), Lineth Beerensteyn (Angriff, Real Madrid)
Zugänge:
Ylvi Eißenbein (Tor, Eintracht Frankfurt II), Lieske Carleer (Verteidigung, Twente Enschede), Julia Landenberger (Verteidigung, RB Leipzig), Lou Bogaert (Verteidigung, FC Paris), Weronika Araśniewicz (Mittefeld, FC Barcelona C), Katharina Piljic (Mittelfeld, Bayer Leverkusen), Giovanna Hoffmann (Angriff, RB Leipzig), Cecilie Floe Nielsen (Angriff, Napoli)
Vielversprechendste Verstärkungen?
Daniel: Ich sehe einige Verpflichtungen, die in Wolfsburg den nächsten Schritt machen können. In erster Linie natürlich Giovanna Hoffmann und Katharina Piljic. Außerdem ist noch Cecilie Floe Nielsen aus Neapel zu nennen, für die eine Ablöse in Höhe von 400.000 Euro gezahlt wurde.
Empor: Bei Floe Nielsen bin ich sehr gespannt. Ehrlicherweise war sie mir bis zu ihrer Verpflichtung nicht näher bekannt. Mit einem Preisschild von 400.000 Euro sind natürlich einige Erwartungen an sie geknüpft. Die VfL-Verantwortlichen scheinen ihr einiges zuzutrauen.
Daniel: Das erste Mal hatte ich sie bei der WM-Qualifikation auf dem Radar. Da hatte sie entscheidenden Anteil daran, dass sich Dänemark gegen Schweden durchsetzte (Floe Nielsen steuerte im Hin- und Rückspiel drei Vorlagen und ein Tor bei, Anm. d. Red.). Das zeigt schon einmal ihre Qualität. Zuvor hatte ich sie allerdings ebenfalls nicht auf dem Schirm. Beim VfL müssen die Verantwortlichen definitiv etwas in ihr sehen. Sie bringt eine gewisse Physis mit und kann ihren Körper gut einsetzen. Auch Torinstinkt hat sie offensichtlich.
Empor: Alexandra Popp ist natürlich mit ihrer Präsenz nicht zu ersetzen. Mit ihrer Physis könnte Floe Nielsen aber zumindest teilweise in die Bresche springen?
Daniel: In dieser Rolle sehe ich perspektivisch eher Hoffmann. Bei ihr wird es allerdings noch eine ganze Weile dauern, bis sie wieder auf dem Platz steht (Hoffmann erlitt vergangene Saison einen Kreuzbandriss, Anm. d. Red.). Ich bin mir nicht sicher, ob das in diesem Jahr noch der Fall sein wird. Piljic macht inzwischen zumindest erste Schritte im Aufbautraining und kam erstmals in einem Testspiel zum Einsatz. Floe Nielsen wird den Saisonstart hingegen verpassen. Sie hat im Trainingslager einen Schlag auf das Knie bekommen.
Empor: Mehr Pech mit den Neuzugängen hätte der VfL in den vergangenen Wochen kaum haben können. Eine Spielerin, die für mich noch heraussticht, ist Lou Bogaert. Ich habe sie im Testspiel gegen RB Leipzig (3:1) gesehen und fand, dass sie viel Dynamik und Präsenz ins Spiel des VfL gebracht hat.
Daniel: Ich finde, dass Wolfsburg insgesamt einige spannende Spielerinnen verpflichtet hat. Bogaert ist eine Reaktion auf den Abgang von Janou Levels. Sie ist französische Nationalspielerin und hat beim FC Paris gespielt. Es ist schon beachtlich, dass der VfL sie aus einer solchen Weltstadt nach Wolfsburg holen konnte. Sie bringt einen riesigen Ehrgeiz mit und macht bislang einen guten Eindruck auf mich.
Empor: Ich kann mir tatsächlich vorstellen, dass sie Levels’ Abgang aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Offensivdrangs schnell vergessen machen kann. Für mich ist sie ein sehr guter Transfer.
Wie finden wir den Kader?
Empor: Auf den VfL gab es im Sommer aufgrund einiger Abgänge öffentlich einen ziemlichen Abgesang. Wenn ich aber schaue, wer gegangen ist und wer künftig diese Positionen ausfüllen soll, sehe ich zunächst keinen riesigen Qualitätsverlust – mit Ausnahme von natürlich Popp und vielleicht von Vivien Endemann.
Daniel: Wobei ich das bei Endemann etwas einschränken würde. In der Champions League war sie in der vergangenen Saison sehr gut und anschließend auch im Nationalteam eine Leistungsträgerin. In den vergangenen Monaten konnte man sehen, wie wichtig Endemann sein kann. Diese Form zeigte sie allerdings nicht während ihrer gesamten Zeit beim VfL. Für mich ist Kessya Bussy tatsächlich eine Spielerin, die bereits in der Vorsaison hätte voll einschlagen können, wenn sie nicht so häufig verletzt gewesen wäre. Svenja Huth ist auf der rechten Seite gesetzt und der Kopf des Teams. Links muss sich Cora Zicai bewähren, hat in den Testspielen aber sehr gute Ansätze gezeigt.
Empor: Ella Peddemors und Smilla Vallotto sehe ich eher im offensiven Zentrum. Aber fehlt da perspektivisch nicht noch eine Spielerin für die Flügelpositionen oder den Sturm? Immerhin gibt es nun einige Unwägbarkeiten: Floe Nielsen ist verletzt, Hoffmann fällt noch länger aus, Bussy ist häufig angeschlagen und bei Zicai steht die Frage im Raum, ob sie in ihrem zweiten Jahr den großen Leistungssprung schafft.
Daniel: Auf jeden Fall! Der VfL ist noch nicht fertig mit seinem Kader. Und der VfL wird angesichts der prominenten Offensiv-Ausfälle und der Wichtigkeit der ersten Saisonwochen inklusive Qualifikation für die Champions-League-Ligaphase versuchen, sich noch weiter zu verstärken. Giovanna Hoffmann traue ich zu, dass sie – wenn sie komplett gesund sein wird – die Lücke, die Alex Popp hinterlässt, auf dem Feld wird ausfüllen können. Mein Eindruck ist, dass sie die Mannschaft auch abseits des Platzes bereichern wird. Wenn auch auf ihre eigene Art und nicht so wie Alex Popp.
Empor: Wie siehst du die Verpflichtung Julia Landenberger?
Daniel: Landenberger ist ein sehr vernünftiger Backup. Ich denke allerdings nicht, ob sie sich direkt einen Stammplatz erkämpfen kann.
Empor: Camilla Küver ist für mich in der Innenverteidigung gesetzt. Neben ihr sehe ich Sophia Kleinherne allerdings als Wackelkandidatin. Ihre Vorsaison wurde durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. Wenn sie nun eine komplette Vorbereitung absolviert, sieht es womöglich anders aus. Ich stelle aber einmal die These auf, dass Landenberger eine aussichtsreiche Herausforderin ist. Sie bringt ein spannendes Profil mit: gute Anlagen im Spielaufbau, ein gewisses Tempo – und Torgefahr. Die Abgänge von Guro Bergsvand und Caitlin Dijkstra halte ich hingegen für verschmerzbar, zumindest in der Spitze. Beide haben sich als Stammspielerinnen nicht durchgesetzt. Justine Kielland empfinde ich im Mittelfeld hingegen als Verlust.
Daniel: Kielland hatte großes Potenzial und einen guten Schuss. Aus meiner Sicht hat sie ihr Können allerdings zu selten gezeigt. Küver hat eine starke Vorbereitung gespielt, mit einer starken Präsenz und Sicherheit in der Defensive und gleichzeitig einem sehr guten Aufbauspiel. Ich sehe Sophia Kleinherne schon an ihrer Seite. Sie kennen sich bereits, sind dadurch etwas eingespielter. Darauf dürfte es gerade zu Saisonbeginn ankommen. Neben Landenberger gilt es aber vor allem Lieske Carleer nicht zu vergessen, die ebenfalls einen sicheren Eindruck gemacht hat.
Empor: Wie siehst du nun die optimale Aufstellung und Aufgabenverteilung im zentralen Mittelfeld?
Daniel: Janina Minge und Ella Peddemors sind für mich unantastbar. Neben Minge kann ich mir Piljic gut vorstellen, aber dafür habe ich noch zu wenig gesehen. Und Lena Lattwein steigt bald auch wieder ins Training ein. Piljic kam im Testspiel gegen Werder Bremen ins Spiel, und ich fand, dass sie gleich eine ordentliche Präsenz gezeigt hat. Von Vallotto war in den Testspielen bisher noch nicht so viel zu sehen. Ich bin gespannt, wie es aussieht, wenn der VfL hier personell noch einmal nachlegt. Ich würde zum Thema Qualität generell noch ergänzen: Auf dem Platz mag der Unterschied erst einmal nicht so groß wirken. Man darf aber nicht unterschätzen, dass sich nach Alex Popps Abschied insgesamt eine neue Hierarchie auch neben dem Platz bilden muss.

Mögliche Startelf
Redebedarf ... Quo vadis VfL?
Empor: Der Abstieg der Männermannschaft, der Stillstand bei der Infrastruktur im Frauenfußball, der Wechsel von Alexandra Popp und der Abgang von Ralf Kellermann, dem langjährigen Baumeister des VfL-Frauenfußballs: Es gab genügend Punkte, die öffentlich als schleichender Niedergang der Frauenabteilung verstanden wurden. Wie blickst du auf die Perspektive in Wolfsburg?
Daniel: Was ich zumindest sagen kann: Das Budget der Frauen ist durch den Abstieg der Männer nicht beeinträchtigt. Dem VfL ist sehr bewusst, dass er Geld in die Hand nehmen muss, um einen schlagkräftigen Kader zu haben. Das wird auch durch die bisher getätigten Transfers unterfüttert.
Empor: Trotzdem bleibt die Infrastruktur in Wolfsburg ein Thema. Gerade Popp hat in der Vergangenheit immer wieder den Finger in die Wunde gelegt und darauf hingewiesen, dass die Bedingungen in Wolfsburg nicht mit dem Anspruch auf Champions-League-Fußball vereinbar sind.
Daniel: Die Trainingsmöglichkeiten am Elsternweg sind wirklich nicht mehr zeitgemäß. Die Anlage befindet sich am alten VfL-Stadion. Dort ist auch die Geschäftsstelle der VfL-Frauen untergebracht – im Baustil längst vergangener Tage. Im März 2025 wurde erstmals öffentlich, dass die VfL-Frauen in den Allerpark und an die VW-Arena umziehen sollen. Dort soll ein neues Funktionsgebäude entstehen. Es ist nicht nur meine persönliche Meinung: Aber die Frauen brauchen dieses Zentrum unbedingt, wenn sie weiter auf dem aktuellen Niveau spielen wollen.
Empor: Warum wurde es in Wolfsburg versäumt, rechtzeitig in die Infrastruktur zu investieren? Und wie groß ist tatsächlich die Gefahr, perspektivisch abgehängt zu werden? Zumindest kann der Eindruck entstehen, dass das Wachstum im Frauenfußball nicht die höchste Priorität genießt.
Daniel: In erfolgreichen Zeiten schleichen sich ja bekanntlich die meisten Fehler ein, das war auch beim VfL so. In den vergangenen Jahren wurde dieses wichtige Thema auf der Entscheider-Ebene zu stiefmütterlich behandelt. Mein Eindruck ist aber, dass die Dringlichkeit mittlerweile durchaus erkannt wurde.
Was ist drin?
Daniel: Ich glaube schon, dass sich der VfL erneut auf Platz zwei behaupten kann. Bayern München ist allerdings unerreichbar.
Empor: Ich sehe Wolfsburg ebenfalls auf Platz zwei. Dafür haben die anderen Vereine nicht in dem Maße aufgerüstet, um Wolfsburg ernsthaft herauszufordern.

Wie finden wir das Trikot?
Daniel: Du erwischst jemanden, der sich mit Trikots nicht sonderlich beschäftigt. Für die Fans dürfte über allem stehen, dass das Wappen wieder die Zinnen trägt. Das Trikotdesign ist daher, glaube ich, für viele erst einmal nebensächlich. Ich finde das Heimtrikot allerdings nicht besonders hübsch.
Empor: Ich muss sagen, dass mich diese Blitze am Anfang maximal irritiert haben. Über Geschmack lässt sich streiten – meines ist es aber absolut nicht. Der dunkelgrüne Grundton ist angenehm. Die Designelemente drumherum sind für mich optisch jedoch eine Katastrophe. Das ändert sich auch auf den zweiten oder dritten Blick nicht. Es sind nicht nur die Blitze; auch die seitlichen Streifen am Trikot sind von ihren Proportionen her merkwürdig. Leider wirkt an diesem Trikot insgesamt alles etwas falsch.
Daniel: Jetzt möchtest du bestimmt auch noch über das silbergraue Auswärtstrikot sprechen. Für mich steht Silber immer für Platz zwei, und auch wenn das für die VfLerinnen ein Erfolg wäre, finde ich es als Trikotfarbe schwierig.
Empor: Grau als Trikotfarbe ist für mich ohnehin tabu. Das Trikot sieht leider sehr langweilig aus – passend zur Farbe. Aufregend geht anders. Dabei hat der VfL eigentlich so viel Potenzial für Retro-Trikots. Vor allem die schwarz-hellgrünen Kombinationen fand ich früher immer sehr sehenswert. Aber seit Jahren ist Wolfsburg bei den Trikots für mich auf einem Irrweg.