Diskussionen im Nordderby, die Liga hat ein Problem und Leverkusen hilft der Konkurrenz
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Spieltag 19 der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Bayern München ist einsame Spitze in Deutschland, das Nordderby bringt mehr Diskussionsbedarf als Tore und Bayer Leverkusen zeigt ein Herz für direkte Konkurrentinnen.

Sieben Begegnungen an einem Spieltag – das ist in diesem Jahr eine Premiere. Das Wetter ist an Spieltag 19 gnädig. Bayern München macht Fußball-Deutschland noch einmal deutlich, dass sie in der Bundesliga konkurrenzlos sind. Aus dem Nordderby bleiben vor allem Diskussionsbedarf und persönliche Bedenken. Im Kampf um Platz drei lässt Leverkusen hingegen kein Team zurück und gibt drei Punkte gegen den direkten Konkurrenten Hoffenheim ab.
Nordderby: Ein Spiel für jeden Frauenfußball-Stammtisch
An Gesprächsbedarf mangelte es dem Nordderby nicht. Einiges stimmt mich jedoch bedenklich: Pyrotechnik im Gästeblock von Werder Bremen, Schmähgesänge in beiden Fanlagern – das brauche ich persönlich nicht. Einige werden nun sicher argumentieren, dass das eben dazugehöre. Aber ist das wirklich so? Ich schaue auch Rugby, Football oder Basketball – allesamt große, stimmungsvolle Events in großen Stadien oder Hallen, und das ohne Pyrotechnik und Beleidigungen aus den Fanlagern.
Wenn Fußballpartien ein größeres Publikum anlocken, kommen automatisch auch mehr Besucherinnen und Besucher, deren Stadionverhalten durch Erlebnisse im Männerfußball geprägt ist. Bei Heimspielen von Union Berlin ist diese Tendenz ebenfalls zu beobachten. Pfiffe und provozierende Fangesänge gegen Gegnerinnen oder Unparteiische sind dort eher die Regel als die Ausnahme. Offensichtlich gehört das zum deutschen Fußball dazu, wenn die Aufmerksamkeit steigt … Als kurzer Gedanke zu diesem Thema.
Sportlich gab es mit drei Elfmetern ebenfalls genug Themen für den Frauenfußball-Stammtisch. Jede Entscheidung ist für sich genommen diskutabel, aber nicht falsch, weil – aus meiner Sicht – jeweils ein Kontakt vorhanden war. Beim ersten Elfmeter berührt Michele Ullbrich im Strafraum Melanie Brunnthaler am Fuß. Beim zweiten trifft Chiara D’Angelo beim Klärungsversuch Lotta Wrede am linken Fuß – erkennbar auch daran, dass D’Angelo sich anschließend selbst an den Fuß fasst. Auch beim Elfmeter für Werder trifft Paulina Bartz Larissa Mühlhaus am Fuß. Alle drei Spielerinnen fallen zugegebenermaßen etwas zu spektakulär. Hätte es allerdings den Videoassistenten gegeben, hätte er nach meinem Verständnis nicht eingreifen dürfen: Es waren de facto keine klaren Fehlentscheidungen.
Am Ende geht das 1:1 in Ordnung. Bremen dominierte das Spiel mit 63 Prozent Ballbesitz und mehr Abschlüssen (22:12). Gefährlicher agierte aus meiner Sicht allerdings der Hamburger SV, der auch laut „flashscore.de“ den höheren Expected-Goals-Wert erzielte (1,85 zu 1,72).Beim HSV scheint etwas zusammenzuwachsen; das Umschaltspiel sticht immer mehr als Kernkompetenz heraus. Ich habe es schon zuvor geschrieben: Mit den Winterverpflichtungen von Bartz, Camilla Lindberg und Magou Doucoure hat der HSV drei Volltreffer gelandet.
Topspiel: Die Liga hat ein Problem
Etwas Hoffnung war ja vorhanden. Zumindest schien Wolfsburg der ernsthafteste Kandidat zu sein, um Bayern München in einem Ligaspiel über 90 Minuten Paroli zu bieten. Und der Beginn war vielversprechend: Wolfsburg ging durch Kessya Bussy in der 16. Minute in Führung und hielt Bayern mit gutem Stellungsspiel eine halbe Stunde lang von gefährlichen Abschlüssen ab. Lange Bälle! Bayern spielte zwischenzeitlich tatsächlich überwiegend mit langen Bällen! Das ist durchaus ein Kompliment für das Wolfsburger Defensivspiel.
Einzig: So gut das Spiel gegen den Ball auch war – offensiv brachte Wolfsburg kaum etwas zustande. Als Bayern dann Lösungen fand, nahm die Partie einen einseitigen Verlauf. Am Ende kam Bayern auf 19 Abschlüsse, Wolfsburg lediglich auf zwei. Noch deutlicher wird es beim Expected-Goals-Wert laut „flashscore.de“: Bayern kommt auf 4,53, Wolfsburg auf 0,22. Das 1:4 ist für den VfL in meinen Augen am Ende sogar schmeichelhaft. Fairerweise muss man allerdings bedenken: Hinter den Wolfsburgerinnen lag ein kräftezehrendes Champions-League-Spiel am Mittwochabend gegen Juventus Turin (2:0).
Die Liga steuert trotzdem auf ein Problem zu: Bayern München ist der deutschen Konkurrenz derzeit gnadenlos überlegen – selbst Wolfsburg ist aktuell kein Gegner auf Augenhöhe. Damit der Sport attraktiv bleibt und mehr Aufmerksamkeit erzeugt, braucht es sportlichen Wettbewerb. Der ist auf absehbare Zeit allerdings schwer vorstellbar. Immerhin: 2,39 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten die Partie im ZDF. Das entspricht einem Marktanteil von 15,4 Prozent und ist eine Rekordquote für den Frauenfußball.
Bayer Leverkusen: Ungewollt ein Spannungsmacher um Platz drei
Eva Maria Virsinger dürfte am Sonntagabend tief durchgeatmet haben. Einerseits dank des 1:0-Sieges gegen Bayer Leverkusen, andererseits, da der 0:4-Totalausfall in der Vorwoche gegen den Hamburger SV offenbar ein Ausrutscher ohne Langzeitfolgen war. Der frühe Treffer durch Selina Cerci per Foulelfmeter nach zwei Minuten hat sicherlich geholfen.
Insbesondere in der Defensive zeigte sich Hoffenheim deutlich verbessert. Wobei: Desorientierter als im Spiel gegen den HSV geht es kaum. Virsinger fand in der Trainingswoche offensichtlich die richtigen Anpassungen. Im Angriff blieb die TSG hingegen erneut weit hinter ihrem Potenzial zurück. Laut „fotMob“ verbuchte Hoffenheim nur drei Torschüsse und kam selten aussichtsreich in Strafraumnähe. Virsinger hat verständlicherweise die Defensive in den Mittelpunkt gestellt. In der Offensive scheint aber noch einiges an Arbeit auf die neue Trainerin zu warten.
Insgesamt fällt mir für diese Begegnung nur ein Wort ein: wuselig. Keine Ruhe, viel Hektik und wenig Struktur. Passquoten von 73 Prozent (Hoffenheim) und 69 Prozent (Leverkusen) bestätigen das. Leverkusen verbuchte zwar mehr Offensivszenen und kam laut „fotMob” auf 23 Abschlüsse. Oft haperte es jedoch an der Genauigkeit oder Abgezocktheit. Für Leverkusen sind es am Ende drei verschenkte Punkte.
Somit hat der Klub innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal sein Momentum im Kampf um Platz drei verloren. Vor zwei Wochen verlor die Mannschaft von Trainer Roberto Pätzold mit 0:1 gegen Eintracht Frankfurt, nun ergab sich erneut die Chance, sich auf Platz drei abzusetzen – mit ein weiterer Niederlage. Damit hat Leverkusen sowohl Frankfurt als auch Hoffenheim zurück ins Rennen um Platz drei geholt. Damit hat Leverkusen sowohl Frankfurt als auch Hoffenheim zurück ins Rennen um Platz drei gebracht. Das ist großartig für die Spannung, aber ein Ärgernis für Leverkusen.
Was war sonst noch
Beim 1. FC Nürnberg stand nach dem 5:1-Sieg gegen Carl Zeiss Jena die Erleichterung im Mittelpunkt: Die aufkommenden Abstiegssorgen sind vorerst ausgeräumt und eine Serie von sechs sieglosen Spielen beendet. Jenas Lage im Abstiegskampf hat sich zudem verschlechtert, da neben dem HSV auch die SGS Essen mit einem Tor in der Nachspielzeit einen Punkt gegen RB Leipzig (2:2) verbuchte. Eintracht Frankfurt verdrängte dank eines deutlichen 3:0-Erfolges gegen den SC Freiburg Bayer Leverkusen von Platz drei. Der 1. FC Köln hat hingegen deutlich an Schwung eingebüßt und steht nach der 1:2-Niederlage gegen Union Berlin nun seit vier Partien ohne Sieg.



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