Frauen-Bundesliga: Die Zukunft beginnt jetzt – mit hohen Erwartungen
- vor 4 Tagen
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Die Ausgliederung der Frauen-Bundesliga ist beschlossen: Ab 2027 soll der Ligaverband FBL übernehmen. Das ist ein wichtiger Schritt für die Liga – und ein großer Auftrag. Denn das Aufgabenheft ist üppig gefüllt und zügiger Handlungsbedarf durchaus vorhanden. Jetzt müssen den Worten des FBL Taten folgen.

Die Nachricht ging am Montag öffentlich beinahe etwas unter. Dabei ist sie von enormer Bedeutung: Der Ligaverband FBL e. V. hat sich mit dem DFB auf einen Grundlagenvertrag zur Frauen-Bundesliga geeinigt. Bedauerlicherweise hat der FBL bislang weder eine eigene Website noch einen eigenen Social-Media-Auftritt – zumindest ist mir nichts Derartiges bekannt. In einigen Berichten wird auf eine Pressemitteilung der FBL verwiesen: Wo diese zu finden ist oder wie man sie erhält, ist mir bislang unbekannt. (Wer mehr weiß: gerne melden!) Selbst bei Eintracht Frankfurt, bislang das Sprachrohr der FBL, war dazu nichts zu finden. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit hat der FBL gewiss noch Luft nach oben.
Sei’s drum. Zumindest hat der DFB eine öffentliche Presseerklärung auf seiner Homepage veröffentlicht. Demnach geht durch den ausgearbeiteten Grundlagenvertrag die Verantwortung für die Frauen-Bundesliga zum 1. Juli 2027 vom DFB auf den FBL über. Der DFB bezeichnet dies rechtlich als eine „Verpachtung“ der Liga.
Grundlagenvertrag für die Frauen-Bundesliga gilt für sieben Jahre
Im Grundlagenvertrag werden die rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Abläufe zwischen DFB und FBL geregelt – nach demselben Muster, nach dem vor vielen Jahren auch die Männer-Bundesliga vom DFB an die DFL übergegangen ist.
Die Überlassung der Liga an den FBL gilt zunächst für sieben Jahre. Der FBL zahlt dafür einen Pachtzins und sieht nach Aussage des DFB „ab dem 4. Vertragsjahr eine Ticketabgabe an die Landesverbände und eine finanzielle Unterstützung für deren Aktivitäten“ vor. Wie hoch die Summen sind, wurde nicht kommuniziert. Der DFB will nach eigenen Angaben weiterhin die Abstellung von Nationalspielerinnen vergüten und in das Schiedsrichterwesen sowie in zertifizierte Nachwuchsleistungszentren investieren.
FBL übernimmt Verhandlung der Medienrechte
Notwendig ist nun ein außerordentlicher DFB-Bundestag, um den Grundlagenvertrag zu verabschieden. Nach Angaben des DFB hat er der Einberufung einer solchen Versammlung zugestimmt. Außerdem soll die FBL-Präsidentin Katharina Kiel einen Sitz im DFB-Präsidium erhalten.
Die nun anstehende Spielzeit 2026/27 findet zwar noch unter Führung des DFB statt, doch der FBL verhandelt ab Herbst bereits den neuen Medienrechtevertrag für die Bundesliga ab der Spielzeit 2027/28. Damit erhält der FBL die Gestaltungsmacht, die er mit Gründung im Dezember 2025 angestrebt hat.
Soweit die Fakten. Die Zukunft der Bundesliga beginnt jetzt.
Der FBL muss nun Taten folgen lassen – bestenfalls zeitnahe
Die Ausarbeitung des Grundlagenvertrags verlief erfreulich zügig. Damit beginnt ab sofort die eigentliche Arbeit des FBL, nachdem vor allem der Clinch mit dem DFB die öffentliche Wahrnehmung bislang bestimmt hatte.
An wohlklingenden Worten sparte FBL-Präsidentin Kiel in der (mir unbekannten) Pressemitteilung der FBL nicht, aus der einige Medien zitierten:
„Wir werden die Zukunft der Liga künftig aus eigener Kraft gestalten – mit klarer Verantwortung der Clubs, professionellen Strukturen und dem Anspruch, international wettbewerbsfähiger zu werden.“
Es sind Worte, denen der FBL nun Taten folgen lassen muss – bestenfalls zügig. Denn das Aufgabenheft für Kiel und Co. ist reich an Einträgen. An erster Stelle steht ein gewinnbringender Medienrechtevertrag, dahinter folgen weitere Themen wie Nachwuchsförderung, ein Mindestlohn für Spielerinnen, Transferkompensation für Ausbildungsvereine sowie stärker professionalisierte Bedingungen in den Vereinen.
700 bis 800 Millionen Euro wollen die Vereine laut einer früheren Aussage von Kiel investieren. Woher das Geld kommt, ab wann in welche Bereiche investiert wird und wie die Summe solidarisch zwischen den Vereinen aufgeteilt werden soll, ist bislang unbeantwortet.
Viele Topspielerinnen verlassen die Vereine oder die Liga
Es besteht durchaus Handlungsdruck. Zum Saisonende gingen (nach meinem Geschmack) etwas zu viele Abschiedsblumensträuße an Spielerinnen, die der Bundesliga Strahlkraft verliehen haben. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Liga misst sich allerdings nicht nur am Abschneiden im Europacup, sondern ebenso an der Qualität und der Popularität der Spielerinnen innerhalb der Liga. Der Trend in der Bundesliga geht – meiner Meinung nach – derzeit jedoch eher dahin, hochklassige Spielerinnen ziehen zu lassen, statt ihnen eine sportliche und finanzielle Perspektive aufzuzeigen. Einzige Ausnahme: Union Berlin.
Neue internationale Topspielerinnen können oder wollen sich die Eliteklubs der Bundesliga hingegen aktuell nicht leisten. Der daraus resultierende Qualitäts- und Attraktivitätsverlust der Liga ist – Stand jetzt – unbestreitbar. Auch in diesem Bereich muss die Bundesliga unter Führung der FBL Signale setzen – bestenfalls zeitnah.
Es ist zu hoffen, dass die Mitgliederversammlung der FBL im Juni neue Erkenntnisse bringt. Offen ist zudem, wie es mit Florian Zeutschler (SGS Essen) als stellvertretendem Vorsitzenden der FBL weitergeht – sein Verein ist abgestiegen. Die FBL ist ausdrücklich eine Vereinigung der Erstligisten. Der 2. Bundesliga wurde bislang keine Beachtung geschenkt.



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