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Kristin Kögel: „Das Vorbild“ geht - und Leverkusen sucht die Nachfolgerin

  • 22. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Sie kam als Talent und geht als Anführerin: Kristin Kögel prägte sechs Jahre lang Bayer Leverkusen. Nun nahm die Kapitänin Abschied aus der Bundesliga. Was sie Leverkusen gegeben hat und was sie zu Racing Straßburg zieht. Eine neue Identifikationsfigur reift im Verein hingegen schon heran.


Kristin Kögel im Trikot von Bayer Leverkusen
Foto: Shutterstock/Gabor Baumgarten

Die Bedeutung einer Spielerin zeigt sich bisweilen auch an ihrer Verabschiedung. Dass Kristin Kögel bei Bayer Leverkusen eine besondere Stellung besaß, ließ sich daher am Abschiedspräsent erkennen. Statt eines 40x30-Bilderrahmens, wie ihn die anderen Spielerinnen erhielten, gab es für Kögel vor dem letzten Saisonspiel gegen Werder Bremen einen leinwandartigen Druck – größer und aufwendiger gestaltet. Einzig Fredericke Repohl kam in den gleichen Genuss. Über Geschmack lässt sich streiten, in Sachen Wertschätzung war es jedoch ein deutliches Signal.


Es waren an diesem Tag nicht die einzigen Gesten der Würdigung im Ulrich-Haberland-Stadion. Zahlreiche Pappplakate ragten aus dem Publikum hervor – mit „Krissi“, „Danke“ und etlichen Herzen darauf. Als Kögel ihre Abschiedspräsente schließlich entgegennahm, gab es den lautesten Applaus von den Zuschauerrängen, begleitet von einigen Sprechchören. Ja, da verlässt eine Große den Verein.



Kristin Kögel: 137 Spiele, 24 Tore – und mehr als Zahlen


Sechs Jahre trug Kögel das Trikot von Leverkusen. In dieser Zeit etablierten sich sowohl der Verein als auch Kögel als feste Größen in der Bundesliga. 137 Partien absolvierte die 26-Jährige für Leverkusen, erzielte 24 Tore. Das sind die Zahlen. Das andere ist Kögels Bedeutung abseits des Balles: Sie war Kapitänin, Wortführerin und eine Konstante in der Abteilung – und damit eine Identifikationsfigur. Kögel verlängerte zweimal ihr Arbeitspapier in Leverkusen. Keine Selbstverständlichkeit.


„Es ist immer schwierig, wenn so eine Spielerin den Verein verlässt. Wir hatten eine unheimlich gute Zeit hier zusammen. Deswegen tut so ein Abschied immer weh“, sagt Achim Feifel, Sportlicher Leiter, am Rande der Partie gegen Werder Bremen. Feifel war Kögels erster Trainer in Leverkusen, als sie 2020 vom zweiten Team des FC Bayern München zur Werkself wechselte. Damals war sie eine Nachwuchsspielerin mit einem Bundesliga-Einsatz. Heute ist sie eine Führungsperson im Team. Feifel erkannte dieses Potenzial früh.


„Sie hat die nötige intrinsische Motivation mitgebracht, die es dafür braucht“, sagt er und fügt an: „Krissi hat immer hart an sich gearbeitet, gerade an ihrer Athletik. Es war früh zu erkennen, dass sie eine Spielerin ist, die die Dinge auch außerhalb des Platzes so angeht, um erfolgreich zu sein.“ Für ihn sei Kögel „ein Vorbild für alle Spielerinnen“ gewesen.


Qualitäten als Spielerin und als Kapitänin


Gegen Bremen zeigte sich ein letztes Mal, was sie dem Team gegeben hat. Klar, da sind ihre fußballerischen Qualitäten: Mitte-links auf dem Feld, oft als Verbindungsspielerin, je nach Spielsituation aber auch mit Torgefahr. Dazu kommen ihre Tiefenpässe und die Fähigkeit, Mitspielerinnen in gefährlichen Räumen in Szene zu setzen.


Kögel ist aber auch diejenige, die vor dem Spiel im Teamkreis die letzten Worte an die Mitspielerinnen richtet – und während der Partie die Kolleginnen beruhigt und antreibt. Diskussionen mit der Schiedsrichterin gehören ebenfalls dazu. Gelegentlich auch mit zu viel Elan: Ihr Ärger über den Pausenpfiff trotz Eckballs für Leverkusen zog eine Gelbe Karte nach sich. Verlieren macht Kögel sauer – steht in ihrem Steckbrief auf der Vereinshomepage. Gegen Bremen war das für alle sichtbar. Ein Ehrgeiz, der mitreißen kann.


Kögel zieht es zu Racing Straßburg


Leverkusen hätte seine Kapitänin selbstredend gerne gehalten. Kögel sah aber den Zeitpunkt gekommen, einen neuen Lebensabschnitt im Ausland anzugehen – etwas, das sie „schon immer gereizt“ habe. Im Verein wurde dieser Wunsch frühzeitig besprochen. Wobei das Ziel Racing Straßburg zunächst überrascht. Enorm lebenswert ist das Elsass allemal, fußballerisch ist Straßburg im Frauenfußball allerdings noch in der Entwicklung. Seit zwei Jahren spielt der Klub in der französischen Première Ligue, erreichte in der abgelaufenen Saison immerhin Rang sieben. „In Straßburg hat mich das Projekt sehr überzeugt – es fühlt sich für mich vom Zeitpunkt her einfach richtig an, nun diesen Schritt zu gehen“, sagt Kögel. Straßburg liegt zudem nur zweieinhalb Stunden von ihrer Heimat Neu-Ulm entfernt.


Leverkusen ohne Kapitänin: Wer kann in die Lücke wachsen?


Für Leverkusen beginnt nun die Zeit ohne seine Kapitänin. Im Verein hat man die vergangenen Monate genutzt, sich darauf vorzubereiten. Eine zweite Kögel wird es nicht geben – aber vielleicht eine prägende Sofie Zdebel. Leverkusen ist es gelungen, die gefragte Mittelfeldspielerin für zwei weitere Jahre zu halten. Ein Erfolg für Feifel und Co., der durch Kögels Abgang umso wichtiger ist. Zdebel ist nach Melissa Friedrich trotz ihrer erst 21 Jahre bereits die zweitdienstälteste Spielerin im Kader.



Ebenfalls fürs Mittelfeld holte Leverkusen für die neue Saison die 20-jährige Paulina Platner von der SGS Essen – eine Spielerin, die ebenfalls in eine größere Rolle hineinwachsen kann. „Wir haben Spielerinnen, die unheimlich gutes sportliches Potenzial haben und die sich jetzt in ihrer Persönlichkeitsentwicklung weiterentwickeln müssen“, sagt Feifel.


Standing Ovations zum Abschied für Kristin Kögel


Am letzten Spieltag stand allerdings noch Kögel im Mittelpunkt. In der 66. Minute folgte ihre gebührende Auswechslung unter Standing Ovations, nach der Partie begleiteten Sprechchöre aus der Fankurve ihre letzte Stadionrunde. Später empfingen sie Freunde und Familie auf der Tribüne, begleitet von vielen Umarmungen und Gesprächen – und einigen Fans, die die Gelegenheit für ein letztes Erinnerungsfoto nutzten. Ein Abschied im Guten. Denn so viel Kögel Leverkusen in ihren sechs Jahren gegeben hat, so viel hat sie offenbar auch selbst aus dieser Zeit mitgenommen.

 
 
 

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