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Frauen-Bundesliga: Hoffnung trifft Not, Freigangs Erlösung und ein Blick auf Leipzigs Erfolgsserie

  • vor 1 Tag
  • 5 Min. Lesezeit

Spieltag 21 der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Der Höhenflug von RB Leipzig braucht eine Einordnung, was die SGS Essen aus dem Bayern-Spiel mitnehmen kann und Laura Freigang könnte zur richtigen Zeit wieder Laura Freigang für die Eintracht sein.


RB Leipzig bejubelt einen Treffer in der Frauen-Bundesliga
Foto: RB Leipzig/motivio

Ist Laura Freigang im Saisonendspurt der große Trumpf für Eintracht Frankfurt? Zumindest trifft die Stürmerin beim 4:1 gegen den Hamburger SV gleich dreimal. Die SGS Essen verliert zu Hause gegen Bayern München – keine Überraschung. Allerdings schlägt sich Essen erneut wacker. Trotz der Fortschritte der vergangenen Wochen spitzt sich die Lage in Essen jedoch allmählich zu. Außerdem ist Leipzig inzwischen seit sechs Spielen ungeschlagen – Zufall oder Trend? Die Gesprächsthemen.


SGS Essen: Hoffnung trifft auf Not


Am Freitagabend dürften sich einige Fans der SGS Essen schon nach zehn Minuten gefragt haben: Tue ich mir das noch weiter an? Zu diesem Zeitpunkt lag Bayern München bereits mit 2:0 in Führung, und Kapitänin Jacqueline Meißner musste nach einer Notbremse (richtige Entscheidung) mit Rot vom Platz. Ein sportliches Debakel schien sich anzukündigen.


Die SGS erwies sich jedoch einmal mehr als wehrhaft. In Unterzahl stemmte sich das Team lange erfolgreich gegen die Offensivkraft der Münchenerinnen – auch wenn diese fortan wohl nicht mit letzter Konsequenz auftraten. Für Essen ergab sich sogar der eine oder andere Konteransatz, der jedoch daran scheiterte, dass Laureta Elmazi vorne als Einzelkämpferin agierte. Mit etwas mehr Mut wäre Leonie Köpp frühzeitig als zweite Stürmerin eine Option gewesen – gewisse Räume hätten sich geboten. Cheftrainerin Heleen Jaques bevorzugte jedoch die defensive Stabilität, vermutlich mit Blick auf das Torverhältnis im Abstiegskampf. Angesichts des 0:5-Endstands ging dieser Plan letztlich nicht ganz auf.


Bereits in der Vorwoche beim 0:4 gegen die TSG Hoffenheim erzählte das Ergebnis nur die halbe Wahrheit über das Spiel der SGS. Die Niederlage kam vor allem durch Distanztreffer zustande – ansonsten hielt Essen die Gegnerinnen laut „flashscore“ bei einem Expected-Goals-Wert von 1,69. Die SGS wirkt in ihren Abläufen gefestigter als noch vor einigen Wochen, gerade defensiv, teils aber auch im Spielaufbau. Das darf der SGS Hoffnung machen.


Es fehlt nur das Elementarste im Fußball: die offensive Durchschlagskraft. Entsprechend bleiben auch die Offensivstatistiken dürftig. Oft fehlen Ruhe, Übersicht und Mut. Bayern München ist natürlich nicht der Maßstab für Essen. Grundsätzlich braucht die SGS aber mehr Torgefahr. Denn zur Wahrheit gehört auch: Essen ist als einziges Team noch ohne Rückrundensieg.


Eintracht Frankfurt: Laura Freigangs Befreiungsschlag?


Hadernd und fluchend – das sind Bilder, die ich im Kopf habe, wenn ich an Laura Freigang in dieser Spielzeit denke. „Irgendwie ist der Wurm drin“, sagte Freigang zum Ende der Hinrunde mit Blick auf die Saison von Eintracht Frankfurt. Der Satz passte allerdings ebenso zu ihrer eigenen Spielzeit. Das Selbstverständnis fehlte, gerade in Strafraumnähe: ein Abspiel zu viel, ein Gedanke zu viel, eine Sekunde zu lang gewartet.


Nach 20 Partien standen fünf Tore und eine Vorlage in ihrer Bilanz – in der Saison 2024/25 waren es 14 Treffer und fünf Assists (allerdings nach 22 Spielen). Insgesamt kam sie im Vergleich zur Vorsaison auf deutlich weniger Abschlüsse: 2,55 statt 3,57 pro 90 Minuten.


Dann kam am Wochenende das Spiel gegen den Hamburger SV, an dessen Ende Freigang als Dreifach-Torschützin vor den Mikrofonen stand. „Persönlich ist es schön, mal wieder ein paar Tore zu schießen. Das tut gut als Stürmerin“, sagte Freigang in den Vereinsmedien. Für Freigang war es der sechste Dreierpack ihrer Bundesliga-Karriere.



Bereits unter der Woche, beim Nachholspiel gegen Hoffenheim (1:0), zeigte Freigang einen guten Auftritt, ehe sie mit einem blutenden Cut am Auge das Spielfeld verlassen musste. Zwei überzeugende Spiele in Serie – Anzeichen für einen Trend? Das wird die Zukunft zeigen.


Grundsätzlich haben gute Leistungen von Freigang großen Einfluss auf das Gesamtspiel der Eintracht: Von den 13 Ligaspielen, in denen sie bei „FotMob“ eine Bewertung von 7,0 oder höher erhielt, gewann Frankfurt zehn und verlor nur eines (2:3 gegen Freiburg). Eine gut aufgelegte Freigang wäre für Trainer Nico Arnautis und die Eintracht im vollgepackten Saisonendspurt – Liga und Europa-Cup-Halbfinale – ein wohltuendes Zeichen.


RB Leipzig: Wie real ist der Aufschwung?


Unter der Woche kündigte Trainer Jonas Stephan bei einer Fanveranstaltung des Klubs an, „irgendwann europäische Nächte in Leipzig“ zu erleben. Klar: Bei solchen Events sitzen wohlklingende Sätze etwas lockerer. Stephan griff damit jedoch mutig ins oberste Zielregal. Allerdings ist sein Team seit sechs Spielen in der Bundesliga ungeschlagen, holte in diesem Zeitraum zwölf Punkte – Platz vier hinter Wolfsburg, Bayern und Frankfurt. Reift da also etwas heran in Leipzig? Die Antwort lautet (vorerst) eher: nein.


Richtig ist: In diesen sechs Spielen holte Leipzig fast so viele Punkte wie in der gesamten Hinrunde (13). Insbesondere gegen Eintracht Frankfurt (2:2) trat Leipzig stark auf, erarbeitete sich in jedem der sechs Spiele zweistellige Abschlusszahlen und kam – bis auf die Begegnung gegen die Eintracht – auf mehr Pässe sowie bessere Passquoten als der Gegner. Klarer Fortschritt.


Allerdings: Leipzig spielte mit Essen (2:2), Union (2:2), Hamburg (3:1) und Nürnberg (3:1) gegen vier Teams, die in der Tabelle schlechter dastehen. Mit Ausnahme der Partie gegen Hamburg wies Leipzig laut "flashscore" am Ende sogar den schlechteren Expected-Goals-Wert auf (zwischen 0,41 und 0,91). Das galt auch für den 2:0-Sieg am Wochenende gegen Freiburg (0,62 für Leipzig zu 0,86 für Freiburg). Heißt: Leipzig machte aus wenig sehr viel. Das ist zwar lobenswert, grundsätzlich aber keine Auszeichnung für ein angehendes Spitzenteam.


Bedenken ergeben sich für mich auch mit Blick auf den Spielstil. Leipzigs Fußball unter Stephan ist auf Umschaltmomente ausgelegt. Allerdings wirkt das oft noch wie in einer Findungsphase – und gelegentlich etwas eindimensional. Fast zwanghaft wird jeder Angriff von Torhüterin Elvira Herzog flach und kurz von hinten initiiert; das soll den Gegner locken und Räume öffnen, bringt aber zu selten den erhofften Ertrag und provoziert eigene Fehler. Im Ballbesitz wirkt Leipzig ohnehin noch etwas unausgereift – das zeigte sich trotz Überzahl auch gegen Freiburg.  


Die zwölf Punkte nehmen den Druck aus dieser Saison. Allerdings sind Stephan und Leipzig noch einige Schritte davon entfernt, in die Top Fünf der Liga vorzudringen.


Was war sonst noch?


Der VfL Wolfsburg zementiert mit einem 1:0-Arbeitssieg gegen die TSG Hoffenheim Rang zwei. Der Vorsprung auf Platz drei beträgt nun acht Zähler – Champions League: Haken dran. Einzig der voraussichtlich wochenlange Ausfall von Alexandra Popp wegen einer Muskelverletzung drückt die Stimmung.


Ebenfalls glanzlos fällt Bayer Leverkusens 1:0 gegen Carl Zeiss Jena aus – Leverkusen bleibt damit aber im Rennen um Platz drei. Das gilt nicht für Werder Bremen: Schon zur Halbzeit liegt Werder bei Union Berlin 0:3 zurück und muss sich am Ende mit 1:4 geschlagen geben. Larissa Mühlhaus verschießt zudem einen Elfmeter – ein völlig gebrauchter Tag.


Der 1. FC Köln beendet hingegen mit einem 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg die kleine Ergebniskrise, während Nürnberg den Blick Richtung Abstiegszone weiterhin nicht ganz abwenden kann.



 
 
 

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