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Marie Müller: In den USA gereift – im DFB-Dress angekommen

  • vor 30 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit

In den USA entwickelte sich Marie Müller zu einer der besten Außenverteidigerinnen der NWSL. Bis ein Kreuzbandriss im DFB-Training sie stoppte. Nun erfüllte sich Müller mit Verspätung ihren Traum vom Länderspieldebüt, inklusive Tor. An ihr kommt Bundestrainer Christian Wück künftig womöglich nicht mehr vorbei.


Marie Müller gibt Anweisungen im Trikot des deutschen Nationalteams.
Foto: Markus Verwimp

Der Wunsch, mal Nationalspielerin zu werden, ist gut dokumentiert. Noch mit Zahnspange im Mund grinst Marie Müller in die Kamera, als sie den Satz sagt: „Ich möchte später in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft spielen.“ 13 Jahre liegt das zurück. Die Aufnahmen stammen aus der TV-Show „Klein gegen Groß“. Dort spielte Müller erst einem hilflosen Moderator Kai Pflaume den Ball mehrfach durch die Beine – und behauptete anschließend, ein besseres Ballgefühl als jeder Profifußballer zu haben.“. Eine steile These für eine 12-Jährige. Aber zumindest für Lars Ricken reichte es: Den Ex-BVB-Profi schlug Müller im Fernsehen vor einem Millionenpublikum beim Balljonglieren deutlich.


So forsch Müller damals auftrat, so überwältigt und etwas schüchtern wirkt sie nun in Köln. Nach dem Länderspiel gegen Norwegen (2:0) ist sie eine gefragte Person. Natürlich: Müller hat soeben ihr Debüt im Nationalteam gegeben – sogar als Startspielerin – und dann noch das 1:0 erzielt. Ziemlich viel für einen Abend. „Ich bin das gar nicht gewohnt, so viele Menschen um mich herum. Da schießt man mal ein Tor, dann möchte jemand ein Interview. Das ist viel, aber ich bin sehr glücklich“, sagt sie in der Mixed Zone in Köln.



Müller debütierte als Rechtsverteidigerin im deutschen Team. Kapitänin Giulia Gwinn fehlt aufgrund einer Schulteroperation, also kam Bundestrainer Christian Wück die Idee, Müller auf der defensiven Außenbahn einzusetzen. „Sie hat in jeder Trainingseinheit ein hohes Level gezeigt. Daher haben wir früh die Entscheidung getroffen, dass sie die Chance in der Startelf bekommt“, sagte Wück hinterher in der „ARD“.


Wücks USA-Trip: Marie Müller auf dem Zettel


Einige dürfte dieser Schritt überrascht haben. Zumindest ist Müller in Deutschland nicht so präsent wie andere Nationalspielerinnen. Im Februar 2024 wechselte die heute 25-Jährige vom SC Freiburg in die USA zu den Portland Thorns – und damit für viele aus dem Blickfeld. Dabei sind ihre Leistungen in der National Women’s Soccer League (NWSL) absolut erwähnenswert. In ihrer ersten Spielzeit 2024 gehörte Müller ligaweit zu den besten Außenverteidigerinnen, führte das Ranking bei den meisten Balleroberungen (7,2 pro Spiel) an und lag auf Platz zwei bei den abgefangenen Bällen (2,5 pro Spiel). Müller etablierte sich auf Anhieb als Stammkraft bei den Thorns.


Wücks erste Reise als Bundestrainer in die USA, so erzählte er in der ARD, führte ihn direkt zu Felicitas Rauch und eben Marie Müller. Im Februar 2025 erhielt Müller daraufhin ihre erste Einladung zu einem DFB-Lehrgang – allerdings mit unglücklichem Ausgang: Kreuzbandriss im Training. „Das war schon ziemlich bitter. Mein Kopf war dann erst einmal völlig leer, weil ich wusste, dass ich gerade die Chance meines Lebens verpasse“, sagt Müller im Interview mit „DFB.de“.


NWSL als Entwicklungsschub für Müller


Ihren Stellenwert, den sie in kurzer Zeit bei Portland erlangt hat, zeigte sich unter anderem daran, dass der Verein ihren Vertrag trotz Verletzung im Sommer 2025 bis ins Jahr 2027 verlängerte. Am 5. April dieses Jahres gab sie ihr Comeback in der NWSL und ist inzwischen in der laufenden Saison wieder Stammkraft – mal auf der rechten, mal auf der linken Seite, gelegentlich auch auf dem Flügel.


Müller hat sich trotz der einjährigen Auszeit in den USA enorm entwickelt. „Meiner Meinung nach ist die amerikanische Liga ausgeglichener und dadurch auch irgendwie stärker. Jedes Spiel ist auf Augenhöhe“, sagte Müller vor einem Jahr im Interview mit „web.de“, angesprochen auf den Vergleich zur deutschen Bundesliga. Die NWSL ist insgesamt professioneller, die Anforderungen sind höher, viele Spielerinnen sind besser ausgebildet, und die Begegnungen sind zudem physischer und dynamischer. All das kommt Müller in ihrem Spiel zugute. Die Herausforderung, Deutschland zu verlassen, hat sich sportlich für sie ausgezahlt.

Also gab es mal wieder einen Anruf von Christian Wück. „Ich habe natürlich gehofft, dass es dazu kommen wird. Aber ich war mir trotzdem nie sicher, dass es auch wirklich klappt“, sagte Müller bei „DFB.de“. Wück wiederum ist „heilfroh“, dass Müller wieder fit ist.


Müller als Option für Wück: vielseitig auf beiden Seiten


Was sie mitbringt als Fußballerin, gab es am Freitag in Köln zu sehen: ein gutes Spielbewusstsein, wann sie wo sein muss, und ein gutes Gespür dafür, wann eine Gegenspielerin unter Druck gesetzt oder erst einmal nur gestellt werden muss. Auf ihrer rechten Abwehrseite hatte Müller ihre Gegenspielerinnen Guro Reiten und Julie Blakstad größtenteils im Griff. Hinzu kam eine hohe Dynamik im Spiel nach vorne. Gerade in der Anfangsphase wirkte Müller beinahe wie eine Flügelspielerin, stand sehr hoch und suchte oft das Zusammenspiel mit Jule Brand oder später Vivien Endemann. Das i-Tüpfelchen: das Tor zum 1:0 – eine von Linda Dallmann noch abgefälschte Hereingabe, die Müller aus elf Metern direkt ins Netz schoss.


Gewiss, die rechte Außenbahn gehört im Nationalteam Giulia Gwinn. Müller bringt jedoch ihre Vielseitigkeit als Pluspunkt mit – und nun den Auftritt in Köln, der offenbar auch bei Wück Eindruck hinterlassen hat. Es dürften weitere Einsätze im DFB-Dress folgen.


Für den Moment fehlten Müller nach dem Schlusspfiff aber die Worte. „Ich bin einfach nur glücklich“, sagte sie mit einem Dauergrinsen ins Mikrofon der ARD. Inzwischen ohne Zahnspange. Die 12-jährige Müller von einst hat sich ihren Traum an einem unvergesslichen Abend erfüllt.

 
 
 

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