Wächterin des Sechserraums: Katharina Piljics Wert für Leverkusen
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Sie läuft, sie räumt auf, sie ordnet, steht aber selten in den Schlagzeilen - Katharina Piljic ist Leverkusens stiller Fixpunkt im Mittelfeld. Und wenn sie trifft, ist das Material für jeden Saisonrückblick. Warum Trainer Roberto Pätzold die „Sechserin“ so schätzt.

Als fast alle Mitspielerinnen bereits im Kabinentrakt verschwunden waren, da stand Katharina Piljic immer noch am Spielfeldzaun bei ihren Bekannten. Worüber gesprochen wurde, kann man sich vorstellen: der Auftritt gegen Carl Zeiss Jena, der Leverkusener Sieg und – ganz bestimmt – das Tor von Piljic. Die 22-Jährige hatte zumindest überwiegend ein breites Grinsen im Gesicht.
Der 1:0-Erfolg gegen Jena war gewiss kein Galaauftritt von Leverkusen. Es war jedoch ein Abend, der Piljics ganzes fußballerisches Geschick in Szene setzte: viel Laufarbeit, viele Zweikämpfe und viel Spielgestaltung aus dem Mittelfeld. Der Siegtreffer ging ebenfalls auf ihr Konto – ein Dropkick-Schuss von der Strafraumgrenze ins rechte Toreck, wobei Tore bislang nicht zu ihren primären Qualitäten gehörten. Wenn Piljic trifft, sind ihre Tore jedoch Material für Highlightvideos: Ihren ersten Saisontreffer erzielte sie aus dem Mittelkreis beim 2:2 gegen den 1. FC Köln.
„Es ist immer ein schönes Gefühl, ein Tor zu machen, weil wir als Sechser nicht so viele schießen. Es gibt mir einfach ein bisschen mehr Selbstbewusstsein, vielleicht auch, mal öfter zu schießen“, sagt Piljic.
Katharina Piljic: Zwischen Aufbau und Abräumen
Die Schusstechnik besitzt sie allemal. Ihr fußballerischer Lebensraum und ihre Stärken liegen jedoch etwas entfernt vom Strafraum, im sogenannten Sechserraum vor der eigenen Abwehr. Dort wacht Piljic über das Spiel: als Absicherung nach hinten und Taktgeberin nach vorn. Sie zeigt an, wenn das Spiel etwas beruhigt werden muss, kann mit Tiefenpässen aber auch das Tempo anziehen, die Offensive in Szene setzen und Räume öffnen.
Vor zwei Jahren kam Piljic als hochgelobtes Talent von der SGS Essen nach Leverkusen und etablierte sich auf Anhieb als Stammkraft im neuen Umfeld. In dieser Spielzeit stand sie in 20 von 21 Spielen in der Startelf – zumeist neben Sofie Zdebel als zentrales Duo im Mittelfeld, mit der sie auch im U23-Nationalteam zusammenspielt. „Mal ist Sofie mehr in der defensiveren Position, mal bin ich es. Ich glaube, wir teilen uns das relativ gut auf“, sagt Piljic.
Trainer Roberto Pätzold wird bei der Frage zur Abstimmung zwischen seinen Spielerinnen etwas konkreter.
„Sofie ist eher die Balltreiberin, die mit Tempo über das Passspiel kommt. Kata ist physisch und kann sich in Zweikämpfen durchsetzen. Beide ergänzen sich gut. Wir haben aber keine klare Verteilung, wer nach vorne geht und wer die Kette vor der Abwehr absichert. Da ergänzen sie sich toll und machen das echt stark.“
Leverkusen verfügt gewiss über eines der spielstärksten zentralen Mittelfeldduos der Liga. In der Praxis übernimmt Piljic jedoch häufiger die Rolle als absichernde Spielerin im Rückraum, die das Spielgeschehen vor sich hat – und Teil der Restverteidigung ist. Insbesondere in defensiven Laufduellen ist Piljic nur schwer zu überwinden, bekommt im entscheidenden Moment oft einen Fuß dazwischen oder setzt ihren Körper gewinnbringend ein.
Viele Zweikämpfe, kaum Gelbe Karten
Laut „FotMob“ verbuchte Piljic bereits 141 Ballwiedereroberungen – ein Spitzenwert der Liga. Bei Leverkusen spielt sie zudem die meisten Pässe (827), bestreitet die meisten Zweikämpfe (452) und sah in 1.661 Spielminuten trotzdem nur zwei Gelbe Karten. Auch das ist eine Qualität.
„Sie hat ein riesiges Laufpensum und ist eine der Besten der Liga, wenn es darum geht, zweite Bälle zu erobern“, sagt Trainer Roberto Pätzold. Einzig die Erfolgsquote in den Zweikämpfen könnte mit 55,1 Prozent etwas höher liegen. Pätzold greift dieses Thema auf: „Sie sucht immer fußballerische Lösungen. Gerade im eigenen Abwehrdrittel kann sie das gegnerische Pressing auch einfach mal überspielen, damit wir hinten herausspielen können. Sonst sind nach Ballgewinnen oft direkt wieder Ballverluste dabei. Da braucht sie noch ein bisschen mehr Bewusstsein für diese Szenen.“
Und das eine oder andere Tor würde Pätzold von Piljic ebenfalls gern sehen – für „mehr Statistiken“, wie er sagt: „Dass die Art und Weise und der Wert, den sie für uns hat, für Außenstehende ein bisschen deutlicher wird.“
Aber auch als „unauffällige“ Arbeiterin im Sechserraum hat sie für Pätzold ihre Vorzüge. Und was Piljic am meisten Befriedigung auf dem Rasen bringt, dazu hat sie eine klare Meinung. Eine Torchance einleiten oder ein Ballgewinn im Mittelfeld? „Beides ist cool“, sagt Piljic, „aber wenn ich hinten einen geilen Zweikampf gewinne, ist es schon ein gutes Gefühl.“



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