Frauen-Bundesliga: Montagsspiele sind doof? Eine Gegenstimme
- 29. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Feb.
Etliche Fangruppen haben am vergangenen Wochenende gegen Montagsspiele in der Frauen-Bundesliga protestiert. Doch bei aller Kritik: Für den Montagstermin gibt es durchaus Argumente. Ideen für einen Kompromiss.

Am vergangenen Wochenende schwiegen die Fangruppen während der ersten 14 Minuten in den Stadien der Frauen-Bundesliga. Ein Zeichen des Protests. Worum es ging, war auf Bannern in den Fanblocks zu lesen: „Alle vereint gegen Montagsspiele“. Insgesamt 27 Fanklubs aus ganz Deutschland unterstützten die Aktion. Zusätzlich veröffentlichten sie einen offenen Brief. Die Kurzfassung daraus: Montagsspiele sind ein Eigentor für die gelebte Fankultur im Stadion.
Der Zeitpunkt des Protests war bewusst gewählt: Demnächst beginnt die Ausschreibung für die Medienrechte der Frauen-Bundesliga ab der Spielzeit 2027/28. Geht es nach den Fangruppen, sollen Montagsspiele darin künftig keine Rolle mehr spielen.
Montagsspiele sind attraktiv in der Vermarktung
Die Argumente der Fangruppen sind nachvollziehbar. Im offenen Brief heißt es: „Für die meisten Fans bedeutet ein Spiel am Montagabend, Urlaub nehmen zu müssen, lange Nachtfahrten auf sich zu nehmen, teure Übernachtungen zu bezahlen oder dem Spiel fernzubleiben.“ Ein Montagabendspiel erfordert deutlich mehr organisatorischen und zeitlichen Aufwand, der an einem Samstag oder Sonntag wiederum weniger anfällt. Für Fans ist das Mist.
Zugegeben, ich bin Anhänger des Frauenfußballs, aber keinem einzelnen Verein verfallen. Entsprechend blicke ich weniger emotional auf das Thema.
Nüchtern betrachtet muss jedoch berücksichtigt werden, wie attraktiv dieser Spieltermin in der Medienausschreibung ist. Am Montag ruht der Männerfußball – die Bühne im deutschen Fußball gehört an diesem Abend allein den Frauen. Aktuelle Zahlen von Sport1 liegen zwar nicht vor, aber nach der Saison 2023/24, der ersten mit Montagsspielen, zog der TV-Sender ein positives Fazit. Damals schalteten durchschnittlich 180.000 Zuschauerinnen und Zuschauer ein – für Sport1 eine gute Quote. Womöglich liegt die Zahl inzwischen sogar höher. In den Montagsspielen liegt ebenso die Chance, ein neues Publikum für den Frauenfußball zu erreichen.
Höhere TV-Gelder helfen den Vereinen
Mit Montagsspielen dürften sich höhere Einnahmen bei der neuen TV-Rechte-Vergabe erzielen lassen. Und dieses Geld braucht der Frauenfußball für sein weiteres Wachstum. Aus Fan-Sicht gilt es abzuwägen, was wichtiger ist: 500 Zuschauerinnen und Zuschauer mehr im Stadion, wenn ein Montagsspiel stattdessen sonntags stattfindet – oder mehr Geld für die Entwicklung der Frauenabteilungen durch höhere TV-Einnahmen? Das ist bewusst zugespitzt formuliert, ich weiß, aber diese Frage hat für mich ihre Berechtigung.
Proteste gegen Spiele in einer englischen Woche (also dienstags oder mittwochs) oder gegen DFB-Pokalspiele unter der Woche fallen – meiner Auffassung nach – bislang hingegen recht verhalten aus. Die Probleme für Fans dürften dabei ähnlich sein. Ob ein Team während einer Saison nun zwei- oder dreimal in englischen Wochen antreten muss oder viermal montags spielt, das revidiert für mich etwas den Blick auf den ungeliebten Montagstermin.
Englische Wochen abschaffen - ein Kompromiss für Montagsspiele?
Ein möglicher Kompromiss wäre, weiter auf Montagsspiele zu setzen, künftig aber keine englischen Wochen mehr anzusetzen. Der Kalender bietet genügend freie Wochenenden für alle 26 Spieltage. Die bislang zwei englischen Wochen in dieser Saison wären meiner Meinung nach nicht nötig gewesen.
Bis zum 19. Spieltag (bis dahin sind die Partien terminiert) wird es 14 Montagsspiele gegeben haben. Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen, Freiburg und Köln mussten dann jeweils dreimal montags antreten, Köln sogar zweimal auswärts – darunter am kommenden Spieltag in Wolfsburg. Andere Teams wie Wolfsburg, Essen oder Bremen absolvierten in der Hinrunde kein einziges Montagsspiel und treten nun in den kommenden Wochen erstmals an diesem Termin an. Bis zum Saisonende dürfte sich dieses Verhältnis noch etwas angleichen.
Anstoßzeit der Montagsspiele ist ein Ärgernis
Eine faire Verteilung der Termine muss Grundvoraussetzung sein, sollte es diese Spiele zum Wochenstart weiterhin geben. Kein Team sollte häufiger als drei- oder viermal montags auflaufen – das muss für den DFB in der Planung machbar sein. Zudem sollten nicht unbedingt die weitesten Auswärtsfahrten auf den Montag gelegt werden. Nürnberg gegen Hoffenheim oder Wolfsburg gegen Bremen – ja. Union Berlin gegen Bayern München oder Freiburg gegen Leipzig – eher nein. Das geht nicht immer, kann aber teilweise berücksichtigt werden.
Ich habe den Montag ehrlich gesagt für mich liebgewonnen, um den Abend mit einem Fußballspiel ausklingen zu lassen. An einem Punkt mache ich jedoch Stimmung für die Proteste: Die Verlegung der Anstoßzeit von 19:30 Uhr auf 18:00 Uhr ist unglücklich – sowohl für Besucherinnen und Besucher im Stadion als auch für Menschen vor dem TV-Gerät. Denn um 18 Uhr ist an einem Montag gewiss nicht jede und jeder bereit für ein Fußballspiel. Das bitte wieder ändern – es wäre dem Frauenfußball zuträglich.



Kommentare