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Frauen-Bundesliga: Wie FIFA, UEFA und DFB den Spielbetrieb zerfleddern

  • vor 4 Tagen
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Aktualisiert: vor 3 Tagen

Die UEFA blockiert Wochenenden, die FIFA plant lange Länderspielphasen und der DFB übersieht die Engpässe offenbar. Das Ergebnis sind Terminprobleme in der Frauen-Bundesliga. Dabei wären einige davon lösbar. Für die Spielzeit 2026/27 steuert der DFB womöglich auf das nächste Schlamassel zu.


Pernille Harder im Trikot des FC Bayern München
Foto: Markus Verwimp

Die Social-Media-Abteilung des 1. FC Union Berlin bediente sich vor einigen Wochen eines Memes, um die Gefühlslage mit Blick auf die kommenden Spielansetzungen auszudrücken: ein begeistertes Gesicht für das anstehende Heimspiel gegen Bayern München – und ein entsetztes Gesicht, weil dieses Spiel auf einen Mittwochabend fällt. Die Partie steht nun besonders im Blickpunkt, da Bayern sich vorzeitig die Meisterschaft sichern kann. Es gibt gewiss schlechtere Orte dafür als das üblicherweise gut besuchte Stadion An der Alten Försterei. Aber in einem vorgezogenen Mittwochsspiel?


Engpässe im Terminplan der Frauen-Bundesliga


Im Grunde gab es dafür aber kaum Alternativen. Die Spielansetzung resultiert aus Bayerns Einzug ins Halbfinale der Champions League. Denn die UEFA trägt diese Partien seit 2021 gerne an den Wochenenden aus. Das kollidiert wiederum mit dem Ligabetrieb. Die Verbände stehen sich gegenseitig auf den Füßen. Muss das sein?


Die Bundesliga ist in dieser Saison auf 26 Spieltage angewachsen. Trotzdem sollte das nicht solche Engpässe verursachen. Zur Erinnerung: Bei den Männern sind es in Deutschland 34 Spieltage, die jede Saison problemlos über die Bühne gehen. Wo liegen im Terminplan der Frauen die Stolpersteine?


Die UEFA drängt in den Terminplan der Ligen


Verantwortlich für den Spielplan der Frauen-Bundesliga ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Schnell dürfte bei vielen jetzt der Reflex entstehen, dem DFB wieder alle Schuld zu geben. Das ist allerdings nur zum Teil gerechtfertigt.


Dass die UEFA nach einer zweiwöchigen Länderspielphase mitten im Saisonendspurt auch noch die folgenden beiden Wochenenden mit den Halbfinalspielen der Champions League blockiert – das ist nicht dem DFB vorzuwerfen. Es wäre Nonsens, wenn der DFB im Spielplan die Eventualität berücksichtigen würde, dass an diesen Wochenenden womöglich ein deutsches Team im Halbfinale steht.


Zu diskutieren ist meiner Meinung nach vielmehr: Braucht es die Champions-League-Spiele am Wochenende?

Die UEFA argumentiert mit einer erhöhten Aufmerksamkeit für Spiele am Wochenende – und hat mit Blick auf die Zuschauerzahlen der vergangenen Jahre sicherlich einen Punkt. In der Vorsaison kamen zu den vier Halbfinalspielen 89.383 Zuschauerinnen und Zuschauer, 2024 sogar 143.692 Fans. Gleichzeitig drängt sich die UEFA damit in den regulären Spielplan der nationalen Ligen.


Aber wären die Stadien bei den – in der Regel – hochklassigen Halbfinalpaarungen unter der Woche so viel schlechter besucht? Immerhin zogen die beiden diesjährigen Viertelfinalduelle zwischen Arsenal und Chelsea sowie Barcelona und Real Madrid in Hin- und Rückspiel zusammen 98.474 Zuschauerinnen und Zuschauer an – jeweils mittwochs und donnerstags.


Planung der Länderspielphasen sind keine Hilfe


Die aktuelle Regelung geht zulasten der nationalen Ligen, was gerade im Saisonendspurt unglückliche Folgen für den Wettbewerb haben kann. Bayern München spielt nun dreimal in Folge am Mittwoch: gegen Union Berlin, im Nachholspiel gegen Werder Bremen sowie gegen die TSG Hoffenheim. Die Bundesliga ist bei Weitem nicht allein davon betroffen. Auch in England und Frankreich müssen nun Partien umgeplant werden.


Ein weiterer Terminblocker sind die Länderspielphasen. Ab 2026 gelten neue Abstellungsperioden, die von der FIFA auf zwölf Tage pro Block verlängert wurden. Dadurch gibt es ab diesem Jahr insgesamt eine Länderspielphase weniger. Für eine intensivere Arbeit in den Nationalteams ist diese Regelung sicher hilfreich, für den Gesamtkalender ist sie jedoch meine Meinung nachteilig. Denn wie zuletzt bei den beiden WM-Qualifikationsblöcken im Februar/März und kürzlich im April beginnt die Abstellungsphase an einem Dienstag und blockiert in der Folge zwei Wochenenden. Bei künftig drei Lehrgängen pro Saison fallen somit sechs Wochenenden weg. Vorher, bei vier Abstellungen pro Saison über neun Tage, jeweils beginnend ab einem Montag, waren es nur vier Wochenenden. Der Kalender hat sich dadurch weiter verknappt.


Wo der DFB den Kalender optimieren kann


Damit komme ich abschließend zum DFB, bei dem ich ebenfalls Optimierungsbedarf in der Planung sehe. Im DFB-Pokal terminierte der Verband in dieser Spielzeit das Achtelfinale und zuletzt auch das Halbfinale an einem Wochenende. Letzteres führte dazu, dass es – zusammen mit der anschließenden zweiwöchigen Länderspielphase – eine „Frühlingspause“ für die Liga gab, in der an drei Wochenenden kein Spiel anstand. Die Gründe für diese Terminplanung erschließen sich mir nicht. Durch den K.-o.-Charakter des Pokals folgt zwangsläufig, dass für die Bundesligisten unterschiedlich lange Pausen im Spielbetrieb entstehen. Das kann nicht im Sinne des Wettbewerbs sein.


Der DFB wiederholt seine Fehlplanung


Für die kommende Saison 2026/27 treibt der DFB diese Entwicklung weiter voran: Bereits in der Hinrunde sind zwei Pokalrunden an Wochenenden angesetzt. Das führt dazu, dass trotz eines zwei Wochen früheren Saisonstarts bis zur Winterpause nur 13 Spieltage anstehen. In dieser Spielzeit waren es immerhin 14 Spieltage. Die Rückrunde beginnt dafür am 15. Januar 2027 eine Woche früher als in dieser Saison (hoffentlich mit zwei Auswärtsspielen für Werder Bremen). Angesichts der vielen Spielausfälle in der laufenden Spielzeit überkommt einen das Gefühl, dass der DFB sehenden Auges in das nächste Terminchaos läuft.


Das DFB-Pokalhalbfinale nimmt übrigens erneut ein komplettes Wochenende in Anspruch. Eine Woche später folgt ein regulärer Spieltag, bevor zwei Wochenenden für Länderspielabstellungen wegfallen. Eine Zerfledderung des Spielbetriebs, die nicht sein müsste. Der DFB wiederholt die Fehler der aktuellen Spielzeit. Zudem baut die FIFA drei Länderspielabstellungen über zwölf Tage ein. Und auch die UEFA setzt weiterhin auf das Champions-League-Halbfinale am Wochenende.


FIFA, UEFA und DFB – sie alle haben den Terminplan maximal ausgelastet. Der Leidtragende ist der Frauenfußball. Da bleibt nur ein entsetztes Gesicht.

 
 
 

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