Natasha Kowalski: In Leverkusen am genau richtigen Ort
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Nach vier Spielzeiten verlässt Natasha Kowalski die SGS Essen und wechselt nach Leverkusen. Sowohl für Kowalski als auch für Leverkusen ist es ein logischer Transfer. Einzig: Kowalski muss die aktuelle Spielzeit hinter sich lassen. Ein Blick, wie sie für Bayer Leverkusen zum Gewinn werden kann – und umgekehrt.

Als „Kreativspielerin“ bezeichnete sie Leverkusens Sportdirektor Achim Feifel. Auf kreativ-künstlerische Art wollte die Medienabteilung die neue Spielerin dann auch präsentieren – zumindest ist dieser Zusammenhang denkbar. Also bekam Natasha Kowalski in ihrem Vorstellungsfilm eine Spraydose in die Hand gedrückt und sprühte „2028“ auf eine schwarze Leinwand. Denn bis dahin unterschrieb die 22-Jährige ihren Vertrag bei Bayer Leverkusen, ihrem künftigen Arbeitgeber.
Einen Tag zuvor gab die SGS Essen den Abschied der Mittelfeldspielerin bekannt – Kowalski verlängerte ihren auslaufenden Vertrag nicht. Für Essen ist ihr Abgang ein sportlicher Verlust, der allerdings nicht überraschend kommt. Eine Spielerin mit den Anlagen einer Kowalski wächst irgendwann über die Möglichkeiten der SGS hinaus – wie viele vor ihr auch. Eine Bürde, die Essen als Talentschmiede tragen muss.
Spielzeit 2025/26 läuft für Natasha Kowalski nicht rund
Wobei anzumerken ist, dass Kowalskis aktuelle Spielzeit kein zwingendes Empfehlungsschreiben für höhere Aufgaben darstellt: Zeitweise verlor sie ihren Stammplatz und liegt in vielen Bereichen statistisch hinter ihren drei vorherigen Spielzeiten in Essen. Laut "sofascore" kommt sie diese Saison nur 12,3 angekommene Pässe pro Spiel (70 Prozent), 60 Prozent Passgenauigkeit in der gegnerischen Hälfte, 23 herausgespielte Chancen sowie lediglich eine Vorlage und zwei Tore – Kowalskis positiver Einfluss auf das Spiel der SGS ist deutlich zurückgegangen.
Leverkusen wird bei Kowalskis Verpflichtung vor allem die Spielerin der Vorjahre im Kopf gehabt haben. Denn 2023/24 und 2024/25 trug sie bereits das Etikett „Unterschiedsspielerin“ – mit zusammen 13 Toren und zehn Vorlagen. In der Vorsaison belegte Kowalski bei "FotMob" mit 49 herausgespielten Chancen ligweit Platz drei, hinter Klara Bühl (62) und Svenja Huth (50). Dieser Input dürfte Leverkusen überzeugt haben – und ergibt sportlich absolut Sinn.
Ein frisches Umfeld womöglich für Kowalski eine guter Schritt
Kowalski ist jung, hochtalentiert, aber noch nicht im Blickfeld von Klubs wie Wolfsburg, Frankfurt oder Bayern München. Für genau solche Spielerinnen muss Leverkusen die erste Adresse sein. Umgekehrt ist der Klub für Kowalski auf den ersten Blick eine gute Wahl: nicht zu groß, trotzdem ein deutlicher Schritt nach vorn. Dass sie in Essen stagniert, ist ein Indiz dafür, dass ein frisches Umfeld womöglich keine schlechte Idee ist. Die sportliche Perspektive ist bei der SGS ohnehin begrenzt – und Kowalski besitzt zweifellos höheres Potenzial.
Was die neue Spielerin generell mitbringt: Abschlussstärke, gute Technik, Eins-gegen-eins-Qualitäten sowie Übersicht und das Gespür, Mitspielerinnen im Angriffsdrittel gewinnbringend in Szene zu setzen. Zudem ist sie beidfüßig und hat sich – zumindest in den Vorjahren – in Essen als gute Ecken- und Freistoßschützin etabliert. Ein Paket an Fähigkeiten, das jeder Bundesligist gerne im Kader hätte, das Kowalski in dieser Spielzeit aber irgendwie nicht konstant auf den Platz bekommt.
Leverkusen ist jedoch von Kowalski überzeugt. Achim Feifel, Sportlicher Leiter der Bayer-04-Frauen, sagt zu Verpflichtung:
„Natasha hat in den vergangenen Jahren ihre Qualitäten in der Bundesliga beständig unter Beweis gestellt. Mit ihr bekommen wir eine Kreativspielerin für das zentrale offensive Mittelfeld, die über einen sehr guten Torabschluss verfügt und zugleich den Blick und die Technik für den finalen Pass mitbringt.“
Wie passt Kowakski ins Spielsystem von Leverkusen?
Kowalski ist eher eine offensiv ausgerichtete Spielerin im zentralen Mittelfeld. Wie sie ins Leverkusener Spielsystem passt? Die Verantwortlichen dürften insbesondere den Abgang von Katharina Piljic im Hinterkopf gehabt haben. Kowalski besitzt nicht die Gabe zur Spielordnung und die defensive Stärke von Piljic, kann als Partnerin von Sofie Zdebel aber definitiv ein vielversprechendes Duo ergeben. Zdebel würde dann die defensivere Rolle einnehmen, Kowalski die einer Box-to-Box-Spielerin, die entweder die Stürmerinnen in Szene setzt oder selbst den Abschluss sucht. Gerade im Verbund mit Vanessa Fudalla und Cornelia Kramer kann das gut funktionieren.
„Mit ihrer Technik, ihrem Passspiel, ihrer Ballverarbeitung, ihren Standards und ihrer Kreativität bringt sie Gesamtpaket mit, das nicht viele haben“, sagt Trainer Roberto Pätzold in Leverkusens Pressemitteilung.
Kowalski wird sich zunächst jedoch an die dominantere Spielweise gewöhnen müssen – insbesondere an die intensiven Pressingläufe, die es bei der SGS Essen so nicht gibt. Je nach Gegner ist Leverkusens Spiel passstärker, oft in engeren Räumen und mit größerem Augenmerk auf das Positionsspiel als in Essen. Daran muss Kowalski wachsen und die aktuelle Spielzeit hinter sich lassen. Die höhere Kaderqualität in Leverkusen kann ihrer Entwicklung dabei nur guttun.



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