Die Frauen-Bundesliga muss mutig denken
- 5. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Feb.
Das Publikum beim Frauenfußball unterscheidet sich von dem bei den Männern. Warum also den Frauenfußball nicht etwas anders gestalten – sei es beim Spielablauf oder bei den Wettbewerben. Drei Denkanstöße.

Nun ist er offiziell: der Ligaverband "Frauen-Bundesliga FBL e.V.". Seit dem 10. Dezember sind die 14 Bundesligavereine in einer gemeinsamen Interessengemeinschaft gebündelt. Etliche Themen dürften bei der FBL auf der Agenda stehen, darunter Mindestgehalt, Nachwuchsförderung sowie Spieltags- und Trainingsbedingungen. Aber warum nicht einmal über das Fußballspiel an sich nachdenken?
Das Publikum im Frauenfußball unterscheidet sich vom Publikum im Männerfußball: Es ist weiblicher, familiärer und jünger – das belegen Studien. Trotzdem orientieren sich die Spielregeln des Frauenfußballs an denen des Männerfußballs. Wieso nicht ein leicht abgeändertes Produkt zum Männerfußball anbieten, um vielleicht ein neues Publikum anzusprechen?
Klar, der Ball ist rund, es gibt zwei Tore, 22 Akteurinnen auf dem Platz usw. – die Grundlagen sollten tunlichst nicht angerührt werden. Es soll schließlich weiterhin Fußball bleiben. Drumherum lassen sich jedoch einige Abläufe und Regeln ändern, um dem Spiel neue Anreize zu geben. Die folgenden Ideen müssen nicht allen Lesern gefallen – aber man sollte sie zumindest auf sich wirken lassen.
Elfmeterschießen nach Remis
Steht es in Ligaspielen nach 90 Minuten unentschieden, folgt direkt ein Elfmeterschießen. Für das Remis erhalten beide Teams wie bisher einen Punkt für die Tabelle – der Sieger des Elfmeterschießens erhält jedoch einen zusätzlichen Zähler. Dieses Modell ist vom Feld- und Eishockey abgeleitet, wo es üblich ist, dass kein Spiel ohne Sieger bleibt.
Vorteil: Elfmeterschießen gelten als der Gipfel der Unterhaltung im Fußball. Warum diese Spannungselemente nicht häufiger in ein Fußballspiel einbauen – ohne inflationär davon Gebrauch zu machen? Einige Begegnungen erhalten so einen zusätzlichen Nervenkitzel – sowohl für die Teams als auch für das Publikum. Eine Verlängerung braucht es aber bitte nicht!
Nachteil: Ein Fußballnachmittag dauert bei einem Remis künftig etwas länger.
Playoffs um die Deutsche Meisterschaft
Nach der regulären Saison mit 26 Spieltagen ermitteln die acht besten Klubs der Tabelle den deutschen Meister in einem Play-off-System – mit Viertelfinale, Halbfinale und einem Endspiel. Aus Belastungsgründen wird auf Rückspiele verzichtet. Die vier bestplatzierten Teams der Endtabelle haben Heimrecht im Viertelfinale und Halbfinale. Das Endspiel wird an einem vor Beginn der Saison festgelegten Spielort ausgetragen.
Vorteil: Das Ligamittelfeld erhält in der Saisonendphase eine neue Aufmerksamkeit: Ob nun Platz acht oder neun am Ende herauskommt, gewinnt plötzlich erheblich an Bedeutung. Das steigert sowohl die Spannung als auch den Wettbewerbscharakter der Liga. Frühe Meisterentscheidungen gehören der Vergangenheit an: Der Titelkampf gipfelt am Ende in einem packenden Showdown mit K.o.-Spielen.
Nachteil: Ein dominantes Team wie Bayern München dürfte klagen, dass Tabellenplatz eins nur noch die Hälfte wert ist. Ja und nein. Die Endtabelle sollte ausschlaggebend für die Qualifikation zu den europäischen Pokalwettbewerben sein, um auch in der regulären Saison Anreize zu schaffen. Klärungsbedarf besteht insbesondere bei der Terminplanung: Idealerweise werden die Play-off-Spiele in den großen Arenen ausgetragen – hierfür ist eine enge Abstimmung mit dem Kalender des Männerfußballs erforderlich. Was die Belastung angeht: Ein Play-off-Modus bedeutet maximal drei Spiele mehr pro Saison. Das sollte stemmbar sein.
DFB-Pokal im Spätsommer
Wirklich? Zugegeben, dieser Ansatz ist gewagt, da er eine feste Tradition infrage stellt. Wenn ich allerdings mit einem Play-off-Modus argumentiere, muss ebenso alles andere mitgedacht werden. Es wäre wenig zielführend, im Sommer innerhalb von zwei Wochen sowohl das Endspiel um die deutsche Meisterschaft als auch das Pokalfinale auszutragen. Es muss umgedacht werden. Der DFB-Pokal-Wettbewerb könnte in den Spätsommer vorgezogen werden.
Vorteil: Aktuell besteht der DFB-Pokal aus fünf Hauptrunden. Die Spielzeit könnte im August beispielsweise mit drei Pokalrunden innerhalb der ersten beiden Saisonwochen starten: Dabei könnten zwei Pokalrunden an einem Wochenende und eine weitere unter der Woche stattfinden. Keine Frage, diese Idee wird auf Widerstand stoßen. Die beiden sommerlichen Pokalwochen zum Saisonstart können jedoch ihren ganz eigenen Charme entwickeln.
Da sich die meisten Bundesländer im August üblicherweise noch in den Ferien befinden, wären selbst Spiele unter der Woche vergleichsweise familienfreundlich. Im Anschluss müssten nur noch das Halbfinale und das Endspiel geplant werden – idealerweise das Finale an einem Wochenende bis Ende September. Der Kalender hat somit früh seinen ersten Titelhöhepunkt. Würde der DFB-Pokal dadurch sein Renommee verlieren? Sicherlich nicht. Der Wettbewerb wäre deutlich kompakter und womöglich sogar präsenter für Fans.
Nachteil: Einige Leserinnen und Leser dürften jetzt bereits mit verschränkten Armen vor diesem Text sitzen und seufzen: 'Was für ein Quatsch!' Die Hürden für eine derartige Terminumstellung sind sicherlich hoch. Neben dem Bundesligabetrieb müssten auch die europäischen Pokalspiele und Länderspiele im Kalender berücksichtigt werden.
In der aktuellen Spielzeit wurden in der Hinrunde jedoch bereits zwei Wochenenden für den DFB-Pokal reserviert. Zusätzlich entstehen in der Rückrunde freie Termine, da dort keine Pokalspiele mehr angesetzt werden. Daher entsteht kein zusätzlicher Bedarf im Kalender. Mit einigen Anpassungen und etwas Planungsaufwand könnte der DFB-Pokal bis Ende September ausgetragen werden.



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