Isabella Jaron: „Träumen darf man ja immer ...“
Für Isabella Jaron wird am Freitagabend ein Traum wahr: Als Werder-Fan läuft sie im Weserstadion auf. Nach dem Abstieg mit Carl Zeiss Jena hat die 24-jährige in Bremen die Chance, ihr gesamtes offensives Potenzial zu zeigen. Wie wäre es mit einem Treffer gegen den Hamburger SV?

Eine Wahl hatte Isabella Jaron eigentlich nicht. Sie wuchs in Cloppenburg in Niedersachsen auf. Einzugsgebiet von Werder Bremen. Wer dort etwas für Fußball übrig hat, wird mit Grün und Weiß sozialisiert. „Ich glaube, bei uns ist in jedem zweiten Garten irgendwie eine Werderflagge zu sehen“, sagt Jaron lachend. Also gab es auch für Jaron keine andere Option. Sie wurde zwangsläufig zum Werder-Fan – inklusive Trikot und Besuchen im Weserstadion.
Dass sie nun selbst für Werder spielt, ist ein typischer „Ich-muss-mich-kneifen“-Moment. Bereits in der Rückrunde 2025/26 gab es Gespräche zwischen Jaron und Bremen. Damals stand dem Wechsel jedoch Jarons Vertragssituation bei Carl Zeiss Jena im Weg. Im Sommer gab es nun Vollzug.
„Für mich gab es ehrlich gesagt keine andere Option, weil ich mir nichts Schöneres vorstellen konnte, als wieder in die Nähe meiner Heimat zu ziehen und gleichzeitig für Werder zu spielen“, sagt Jaron.
Jena als Sprungbrett für Isabella Jaron
Nach dem SV Meppen und Carl Zeiss Jena ist Bremen die dritte Bundesliga-Station für die 24-Jährige. Erstmals spielt sie damit bei einem Verein, für den es nicht ab dem ersten Spieltag um den Klassenverbleib geht. Das bedeutet für Jaron zugleich, dass sie mehr von ihren offensiven Stärken ausspielen kann. Denn in Jena war die Offensivkraft Jaron überwiegend die erste Verteidigerin des Teams. „Wir haben zu 90 Prozent einfach nur verteidigt und sind dem Ball hinterhergerannt. Irgendwann fehlt dann die Kraft für wirklich offensive, effiziente Aktionen“, sagt Jaron. Mit sechs Treffern stach sie dennoch als Jenas beste Torschützin heraus. Im Grunde war ihr offensives Potenzial jedoch eingeschränkt.
Sportlich endete die Zeit ohnehin ernüchternd mit dem Abstieg aus der Bundesliga. Ihre eineinhalb Jahre in Jena will Jaron trotzdem nicht missen. „Für mich war es die Möglichkeit, in der Bundesliga wieder Fuß zu fassen. Als ich in Österreich gespielt habe, war mir schnell klar, dass ich zurück in die Bundesliga muss – und mit Jena hat es dann geklappt“, sagt Jaron, die ab Sommer 2024 ein halbes Jahr in Österreich bei der SPG Altach spielte, ehe sie im Winter nach Jena wechselte. „Niemand möchte absteigen. Das ist persönlich schon schwierig. Trotzdem hatte ich eine schöne Zeit in Jena.“
Deutlich mehr offensive Momente für Jaron in Bremen
Einiges aus Jena findet sie zudem in Bremen wieder: Felicita Sträßer und Elena Mühlemann gingen ebenfalls den Weg aus Thüringen an die Weser mit, und auch Werders Torfrau Mariella El Sherif spielte bis zum Sommer 2025 in Jena. Nur die Zeit der Wohngemeinschaften ist für Jaron nun beendet: In Jena lebte sie mit ihrer Mitspielerin Fiona Gaißer in einer WG, in Meppen zuvor bereits mit Vivien Endemann. Nun hat sich Jaron entschieden, allein zu wohnen.
In Bremen ist auch die fußballerische Umgebung nun eine andere: aktiver, mit mehr Spielkultur und Vorwärtsdrang und damit auch mit deutlich mehr offensiven Momenten. Nach vier Spielen ist die Datenlage natürlich noch etwas dünn. Trotzdem kommt Jaron aktuell auf 3,41 Schüsse, 1,95 Dribblings sowie 5,84 Ballberührungen im gegnerischen Strafraum pro 90 Minuten. Bei Jena waren es in der Spielzeit 2025/26 hingegen in 22 Spielen 2,02 Schüsse, 1,36 Dribblings sowie 2,73 Ballkontakte im Sechzehner des Gegners.
„Das Spiel bei Werder kommt mir natürlich zugute, weil ich mich halt so viel mehr auf meine offensiven Situationen konzentrieren kann. Das macht auf jeden Fall extrem Spaß. Ich bekomme halt noch eine zweite oder dritte Aktion, während es in Jena vielleicht nur eine war“, sagt Jaron.
Verschossener Elfmeter und Tor beim Debüt für Isabella Jaron
Welche Unterschiede stellt sie als Spielerin auf dem Platz zwischen Jena und Bremen fest?
„Es ist vielleicht vor allem eine Vertrauenssache. Das überträgt sich und gibt einem ein gutes Gefühl. Ich habe schnell gemerkt, dass ich den Spielerinnen in Bremen, die hinter mir stehen, in Spielsituationen zu hundert Prozent vertrauen kann. Das ist auf jeden Fall ein Unterschied. In Jena war es hingegen eher schwankend, was dazugehört hat, weil wir ein sehr junges Team waren.“
In den ersten vier Saisonspielen stand Jaron bislang jedes Mal in der Startelf. Bei ihrer Verpflichtung pries Trainerin Friederike Kromp sie bereits als „variabel einsetzbar und daher ein echter Gewinn für uns.“ In Jena zuvor zumeist in der Sturmspitze spielend, ist Jaron bei Werder bislang auf der Zehn oder zuletzt auf der linken Außenseite zum Einsatz gekommen. Diese Rolle ergab sich schnell in den Gesprächen mit Kromp. Auf links komme sie in die Aktionen, die sie im Spiel brauche, sagt Jaron.
Am ersten Spieltag gegen Mainz erzielte sie gleich ihr Premierentor für Werder, verschoss zuvor allerdings auch einen Elfmeter – beides innerhalb einer Minute. „Das war alles sehr wild. So richtig glauben konnte ich es nicht, weil ein verschossener Elfmeter einen im ersten Moment doch etwas beschäftigt“, sagt Jaron. Entsprechend verhalten fiel ihre Reaktion auf den Treffer aus. Der Kopf schien noch beim verschossenen Elfmeter zu sein.
Nordderby im Weserstadion: „Megabesonderes Spiel“
Kurz zuvor im Testspiel gegen den Hamburger SV (5:1) hatte Jaron vom Elfmeterpunkt noch getroffen. Generell zählen ruhende Bälle zu ihren Stärken. Daher nahm sie sich auch gegen Mainz den Ball. „Ich würde nicht sagen, dass der Elfmeter schlecht geschossen war. Ich meine, die Torhüterin hatte halt die richtige Ecke – das kann passieren. Aber ob ich den nächsten Elfmeter schieße, weiß ich nicht“, sagt Jaron lachend.
Und Hamburg, da war ja etwas. Kurz vor Saisonstart gab Werder bekannt, dass das Nordderby gegen den HSV am 4. Spieltag im großen Rahmen im Weserstadion stattfindet. Jaron läuft dann in dem Stadion auf, in dem sie bislang immer nur als Fan auf der Tribüne stand.
„Ich glaube, das Ganze kann man nur begreifen, wenn man wirklich auf dem Platz steht“, sagt Jaron. „Es wird einfach ein megabesonderes Spiel.“
Ein Tor im Weserstadion erzielen?
„Ich glaube, irgendwo träumt jede einfach davon. Da malt man sich immer ein paar Situationen aus – träumen darf man ja immer ...“, sagt Jaron. Für einen Werder-Fan kann es de facto nichts Größeres geben.



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