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Redebedarf 8. Spieltag: Unersetzlich. Unzureichend. Unterfordert.

26. Okt.
6 Min. Lesezeit

Der achte Spieltag der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Zwei herausragende Spielerinnen dieser Saison erhalten ihre längst überfällige Würdigung, Bayer Leverkusen erweist sich als dankbarer Aufbaugegner und in Stuttgart geht es um einen umstrittenen Platzverweis.


Foto: Markus Verwimp
Foto: Markus Verwimp

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Klara Bühl: Unterfordert?

 

Der „Hype-Train“ um Klara Bühl ist seit Langem überfüllt. Trotzdem versuche ich, mich irgendwie noch hineinzudrängeln. Über Bühls Klasse muss ich nicht mehr viel schreiben. Sie ist für den Ballon d’Or nominiert und wird regelmäßig als „Weltklasse“ tituliert. Für mich strahlt sie in dieser Saison aber noch einmal ein gestiegenes Selbstvertrauen und ein neues Selbstverständnis in ihren Aktionen aus – egal, ob im Nationaltrikot oder beim FC Bayern München. Dribbelstarke Sololäufe, Passkombinationen mit ihren Mitspielerinnen, gefährliche Flanken und Ecken – es ist schlicht ein Genuss, ihr als Fußballerin zuzuschauen.


Gegen RB Leipzig traf Bühl am Freitagabend nun doppelt und bereitete zwei weitere Tore vor. Das ist selbst für Bühl-Verhältnisse herausragend. Und trotzdem ist man an ihre Top-Leistungen inzwischen so gewöhnt, dass das Echo vergleichsweise überschaubar ausfiel. Motto: Bühl ist eben überragend – erzähl mir was Neues.



Ist sie aber auch unterfordert in der Bundesliga? Egal, welche Spielerin in dieser Saison bislang auf der rechten Seite gegen Bühl verteidigen musste – keine bekam sie in den Griff. Oft wirkt es, als liefe das Spiel für sie in anderer Geschwindigkeit ab, langsamer als für ihre Gegenspielerinnen. Exemplarisch dafür steht für mich die Szene vor dem 2:0 in Leipzig: An der Torauslinie täuscht Bühl gegen Jasmien Mathys zunächst einen Übersteiger an, beobachtet ihre Gegnerin, tunnelt sie und läuft an ihr vorbei. Das alles macht Bühl mit einer bemerkenswerten Ruhe. Keine Hektik, pure Überlegenheit.


Das lässt sich womöglich auch auf ihren Torabschluss übertragen. In den vergangenen Jahren fehlte ihr nach meiner Einschätzung in klaren Abschlusssituationen etwas die Kaltschnäuzigkeit. Das ist offensichtlich kein Thema mehr. Gegen Leipzig kam Bühl zweimal frei zum Abschluss, und zweimal legte sie den Ball gekonnt an Torhüterin Elvira Herzog vorbei.


Ich unterstelle mal böse, dass Bühl in den meisten Bundesligaspielen längst nicht mehr an ihre Leistungsgrenzen gehen muss. Es ist schwer vorstellbar, dass sie in der kommenden Saison noch in der Bundesliga für den FC Bayern spielt. Sie ist der Liga längst entwachsen. Ein Wechsel nach Spanien zum FC Barcelona (wobei in der spanischen Liga ein ähnliches Leistungsgefälle herrscht) oder nach England wäre karrieretechnisch vernünftig und nachvollziehbar. Gerade in England dürfte sie sportlich stärker herausgefordert werden.  So schade das für die Bundesliga auch ist: Erfreuen wir uns, solange wir können, noch an dieser Spielerin.


Ella Peddemors: Unersetzlich

 

Klar, der Fehler lag bei den Kölnerinnen, als sich Vanessa Leimenstoll und Marina Heggering vor dem Sechzehner gegenseitig in die Bredouille brachten: die eine mit einem Luftloch, die andere mit einem unpräzisen Rückpass. Es brauchte allerdings auch eine Peddemors, die frühzeitig das Unheil in der Defensive erkannte, draufging, den Ball mitnahm und allein vor Torhüterin Lisa Schmitz kompromisslos in die Maschen jagte. Ein Tor, das pures Selbstvertrauen ausdrückte. Nicht anders ist Peddemors’ zweites Tor gegen Köln einzuordnen: ein direkt verwandelter Freistoß aus spitzem Winkel unter die Latte. Den tritt man so nur in dem Gefühl, dass gerade ohnehin alles klappt. 


Fußballerisch ist Peddemors aktuell in Wolfsburg unersetzlich. Dazu reicht allein der Blick auf die Torausbeute: neun Treffer in acht Spielen. In der gesamten Vorsaison kam Peddemors in 24 Einsätzen auf vier Tore. „Gerade, wenn es schwierig ist, in so ein Spiel reinzukommen, ist es unheimlich hilfreich, solche Unterschiedsspielerinnen zu haben. Und Ella ist so eine“, sagt Trainer Stephan Lerch hinterher auf der Pressekonferenz. Denn gerade in der ersten Halbzeit mangelte es den Wolfsburgerinnen an Spielfluss. Lerch fügte an: „Ella ist auf einer Euphoriewelle unterwegs, und dann bringt sie so einen Ball eben auch mit der Überzeugung im Tor unter.“ 



Ein Grund für Peddemors’ größeren Einfluss auf das Spiel des VfL ist das Fehlen von Alexandra Popp. Der Abgang der Stürmerin im Sommer zwang Lerch zu Umstellungen: keine klassische Doppelsechs mehr, sondern mehr Personal im offensiven Mittelfeld. Es ging darum, die Präsenz von Popp zu kompensieren. Davon profitiert Peddemors, die seitdem Spielräume weiter vorne bespielen darf. Gegen Köln teilte sie sich mit Lena Lattwein den Achter- und Zehnerraum, wobei Peddemors zumeist als offensiverer Part des Duos agierte – oft zentral mit viel Zug zum Tor, sogar als verkappte zweite Stürmerin. Das bringt Peddemors deutlich häufiger in vielversprechende Abschlusspositionen. Ihre Schusstechnik ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Das Resultat ist derzeit an der Torjägerinnenliste der Bundesliga zu erkennen: Peddemors liegt auf Platz eins.


Einzig: Die Leistungen der Niederländerin registrieren gewiss auch Klubs außerhalb der Bundesliga. Ihr Vertrag in Wolfsburg läuft im Sommer 2027 aus.


Bayer Leverkusen: Unzureichend

 

Weiß jemand, ob es einen Grund für diese Anstoßzeiten am Sonntag gab: 13 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr und 17 Uhr – also immer so, dass sich zwei Spiele überschneiden? Ich weiß nicht, wie die Kommunikation zwischen dem DFB und Magenta abläuft. Aber hätte es nicht Möglichkeiten gegeben, zu sagen: Wir machen zwei Spiele parallel in einer Konferenz und bleiben somit bei drei Anstoßzeiten? Oder eben die vier Spiele verteilt um 12 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr und 18 Uhr. Vielleicht übersehe ich etwas, warum diese Zeitansetzungen so sein mussten – dann gerne Rückmeldung. Aber für den Moment fand ich diese Anstoßzeiten sehr willkürlich und unnötig.


Überleitung zum Auftritt von Bayer Leverkusen. Der Anspruch von Leverkusen ist Platz drei. Dafür ist ein Spiel wie am Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg (0:2) allerdings unzureichend. Um es platt auszudrücken: Leverkusen hat kaum etwas auf die Kette bekommen. Kaum mal drei oder vier saubere Pässe am Stück und oft einfach festgelaufen, weil keine Verbindung im Spiel vorhanden war. Im Zentrum kamen Marlene Müller und Claudia Wenger zusammen auf lediglich 48 Ballkontakte bis zur 82. Minute laut „FotMob“. Vanessa Fudalla macht zudem keine gute Phase durch. Auf dem linken Flügel kommt sie aktuell schlicht nicht zur Geltung – und ist gegen den Ball oft ungünstig positioniert.


Es waren in Summe zu viele vermeidbare Fehler bei Leverkusen. Dafür stehen auch die beiden Gegentore: Vor dem 0:1 steht nach einer eigenen Ecke die Restverteidigung nicht gut geordnet; vor dem 0:2 schaltet Fanny Proniez im Mittelfeld deutlich schneller als Carolin Simon, sodass sich nach dem Ballgewinn die Umschaltchance ergibt – und Proniez war nach einem Steilpass von Emöke Papai bereits auf und davon.


Nürnberg wiederum hat in diesem Spiel unermüdlich an seine Siegchance geglaubt. Das ist etwas, das für mich herauszuheben ist. Die bisherige Spielzeit hat dem Team bereits einige Rückschläge mitgegeben. Dass dann trotz eines erneut guten Auftritts auch gegen Leverkusen der Ball zunächst nicht ins Tor will, kann irgendwann zum Kopfproblem werden. Gute Möglichkeiten gab es genug: Proniez bereits in der 2. Minute, Papai in der 44. Minute oder Louna Lapassouse in der 48. Minute. Oft zu mittig, nicht druckvoll genug oder überhastet. Zwei Tore in ihrer Kernkompetenz „Umschaltspiel“ haben die Nürnbergerinnen schließlich aber noch belohnt.


Ausgereift ist das Spiel der Nürnbergerinnen gewiss noch nicht. Das Team hat jedoch unermüdlich für diese drei Punkte gekämpft – mit physischer Spielweise, oft nahe an den Gegenspielerinnen und mit guten Pressingmomenten. Auch gelang es den Nürnbergerinnen dieses Mal wieder besser, das Tempo von Spielerinnen wie einer wieder stärkeren Natassja Leinen, Lara Meroni und Proniez ins Spiel einzubringen. Leverkusen war in dieser Hinsicht ein dankbarer Aufbaugegner. Etwas, das sich ein selbsterklärter Top-drei-Anwärter eigentlich nicht nachsagen lassen darf.


Was war sonst noch?


Allerhand. Der Sonntag bescherte reichlich Tore. Der Hamburger SV und Union Berlin lieferten sich einen unterhaltsamen Schlagabtausch, der in einer 4:4-Punkteteilung endete, was sich für beide Klubs nach dem Spielverlauf als zu wenig anfühlen dürfte. Beim HSV traf Svea Stoldt dreifach – zweimal davon vom Elfmeterpunkt.


Werder Bremen feierte sich bereits als Sieger nach dem 4:1-Zwischenstand gegen den SC Freiburg, musste am Ende aber durch zwei späte Gegentore noch einmal zittern. Der 4:3-Erfolg lässt Werder weiter in Kontakt zur Spitzengruppe bleiben. Am Donnerstag folgt das Nachholspiel gegen die TSG Hoffenheim. Die TSG wiederum holte den dritten Sieg in Serie beim 3:1 gegen den FSV Mainz.


Aufreger des Spieltags war die Rote Karte für Dafina Redzepi beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt (0:3). In der 57. Minute setzte die Stuttgarterin am Frankfurter Strafraum einem versprungenen Ball nach und traf Dilara Acikgöz. Der Trefferpunkt am Schienbein ist unstrittig, der Ball war bereits weg. Allerdings rutschte Redzepi meinem Empfinden nach in der Szene leicht weg; es ist daher kein „Sprung“ mit dem Fuß in die Gegnerin. Acikgöz fiel vor den Augen von Schiedsrichterin Miriam Schwermer allerdings auch recht spektakulär. Gelb wäre für mich die bessere Entscheidung gewesen.


Für Stuttgart war es derweil nach Union Berlin (0:4) und Bayern München (0:5) die dritte deutliche Niederlage. Diese Gegner sind für Stuttgart aber (noch) kein Maßstab. Entscheidender sind in den kommenden Wochene Begegnungen gegen Mainz (9. Spieltag) und Freiburg (11. Spieltag).



 
 
 

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