Kassandra Potsi wechselt zum FC Bayern – eine Einordung
- 4. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Feb.
Die 17‑Jährige von der SGS Essen wechselt zur Saison 2026/27 zum FC Bayern. Ihr Talent ist unbestritten. Trotzdem ist es ein Transfer, dessen Sinn sich noch ergeben muss.

In den vergangenen Wochen standen beim FC Bayern insbesondere die neuen Verträge von Glódís Perla Viggósdóttir, Pernille Harder, Magdalena Eriksson und Sarah Zadrazil im Mittelpunkt.
Kurz vor Weihnachten präsentierten die Verantwortlichen allerdings auch das erste neue Gesicht für die Spielzeit 2026/27: Kassandra Potsi von der SGS Essen. Sie unterschrieb einen Vertrag bis 2029. Die 17-jährige Offensivspielerin gilt als riesiges Talent. Trotzdem ist der Schritt zum FC Bayern nicht ohne Zweifel.
Nach Angaben von Francisco De Sá Fardilha, dem Sportlichen Leiter der FC‑Bayern‑Frauen, beobachtete der Verein Potsi bereits in den vergangenen zwei Jahren. De Sá Fardilha teilte weiter mit:
„Kassandra hat uns durch ihre Schnelligkeit und technische Stärke am Ball sowie ihre Entschlossenheit im Spiel gegen den Ball beeindruckt. Sie agiert mutig unter Druck, beweist ihr Können auch gegen Spitzenteams und passt damit ideal zu unserer Philosophie, den talentiertesten jungen deutschen Spielerinnen die Chance zu geben, sich in unserem Team weiterzuentwickeln.“
Mit 16 Jahren gab Potsi im Januar 2024 für die SGS ihr Bundesligadebüt gegen den VfL Wolfsburg. Seitdem bestritt sie 34 Bundesligapartien. Das DFB-Trikot trug sie bereits in der U15, U16 sowie U17 und gehört aktuell zum Kader der U19-Nationalmannschaft.
Überdurchschnittliche Talent bringt Potsi daher allemal mit. Ihre bisherigen Auftritte in Essen dürften zudem nicht das vollumfängliche Bild ihrer Fähigkeiten zeigen, da der Abstiegskampf meist andere Qualitäten erfordert, als technisch feinen Offensivfußball zu spielen. Als Stammspielerin hat sich Potsi in Essen bislang allerdings noch nicht durchgesetzt.
Kassandra Potsi trifft in München auf viele interne Konkurrenz
Nicht nur deshalb stellt sich die Frage: Ist der FC Bayern aktuell der richtige Schritt für Potsi? Die offensiven Außenbahnen sind ein Prunkstück im Spielsystem von Trainer José Barcala. Für Potsi dürfte es zunächst schwierig bis nahezu unmöglich werden, ausreichend Einsatzzeiten gegen die Konkurrenz um Klara Bühl, Pernille Harder, Alara Sehitler oder – falls sie bleibt – Linda Dallmann zu erhalten.
Das Offensivspiel des FC Bayern besteht zudem häufig aus temporeichem Kurzpassspiel auf engstem Raum – eine nicht unerhebliche Umstellung zum Spiel bei der SGS Essen. Potsi besitzt das Potenzial, darin zu bestehen. Es wird jedoch Zeit brauchen, bis sie sich dorthin entwickelt. Ob sie dafür genügend Bewährungschancen erhält, muss sich zeigen.
Eine Leihe von Potsi scheint unwahrscheinlich
Sicherlich lässt sich argumentieren, dass allein der Trainingsbetrieb mit all den Nationalspielerinnen Potsi weiterbringen wird. In ihrem Alter ist jedoch vor allem Spielpraxis entscheidend. Laut einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung begleitet ihr Vater sie nach München. Es ist anzunehmen, dass dieser Schritt mit dem FC Bayern abgesprochen ist. Es wäre daher verwunderlich, wenn der Verein Potsi für die kommende Spielzeit verleiht, beispielsweise zurück zur SGS Essen. Potsi scheint demnach fest im Kader des FC Bayern eingeplant.
Es dürften sich auch andere Optionen geboten haben. Bei MagentaTV ließ Bayer Leverkusens Sportlicher Leiter Achim Feifel kurz nach der Bekanntgabe zumindest durchblicken, dass Potsi gut zu seinem Verein gepasst hätte. Vermutlich war Leverkusen nicht der einzige Interessent.
Gut möglich, dass Leverkusen als nächster Karriereschritt ein besseres Match für Potsi gewesen wäre. Aber das ist das Schöne an Transfers: Im Vorfeld lässt sich allerhand spekulieren – eine genaue Bilanz lässt sich allerdings erst im Nachhinein ziehen. Abwarten, welches Urteil der Potsi-Transfer zu den Bayern nach sich zieht.



Kommentare