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Ein bedauerlicher Auftakt

  • 18. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Feb.

Der "Frauen-Bundesliga FBL e.V." ist ein wichtiger Schritt. Aufgrund der Nicht-Partnerschaft mit dem DFB ergeben sich jedoch viele Fragen und kaum Antworten. Die Gründung des Ligaverbands verlief in vielerlei Hinsicht unglücklich.


Angedacht waren zwei Tage mit zwei Erfolgsmeldungen für den deutschen Frauenfußball. Die eine erfüllte sich: Deutschland erhielt den Zuschlag als Ausrichter der Frauen-EM 2029. Die andere blieb hinter den Erwartungen: Die Gründung des Ligaverbands "Frauen-Bundesliga FBL e.V." durch die 14 Bundesligisten geriet durch den Zwist der Vereine mit dem DFB fast zur Nebensache.


Ursprünglich war geplant, dass der neue Ligaverband als Interessengemeinschaft der 14 Bundesligisten zusammen mit dem DFB eine GmbH gründet – ein sogenanntes Joint Venture. Beide Seiten hätten den Frauenfußball vorantreiben können, indem sie die Bundesliga gemeinsam vermarkten und weiter professionalisieren. Dieses Vorhaben zerschlug sich kurzfristig.


DFB fordert kurzfristig mehr Mitspracherecht


Der DFB stellte offenbar in letzter Minute – trotz vorheriger Einigung – neue Forderungen in Bezug auf das Mitspracherecht im gemeinsamen Joint Venture. Nach Medienberichten forderte er unter anderem eine Zweidrittelmehrheit, damit Beschlüsse ohne ihn nicht mehr möglich wären. Die Vereine wollten dem nicht zustimmen. Schließlich beabsichtigen sie, deutlich mehr Geld für die Ziele des Joint Ventures zu investieren als der DFB, der über einen Zeitraum von acht Jahren 100 Millionen Euro ausgelobt hat. Das Ergebnis: ein Patt. Vorerst existiert nur der "Frauen-Bundesliga FBL e.V.".


Das führte dazu, dass das neugewählte FBL-Präsidium um Präsidentin Katharina Kiel beim ersten Pressetermin überraschend handlungseingeschränkt wirkte. Ihr Auftritt vermittelte zumindest dieses Gefühl. Themen, Ziele, Pläne? Alles klang erstaunlich nichtssagend. Auch rechtlich scheint ohne die Partnerschaft mit dem DFB einiges ungeklärt.


Die Verhandlungen für den Frauen-Bundesliga FBL führt nur der Männerfußball


Als Verhandlungsführer der Vereine traten ausschließlich einflussreiche Personen aus dem Männerfußball auf, darunter Axel Hellmann und Jan-Christian Dreesen. Sie warfen sich später ebenfalls mit dem DFB gegenseitig die Giftpfeile zu. Das Ansinnen von Hellmann, Dreesen und Co. mag lobenswert gewesen sein, für den Frauenfußball jedoch wirkte dies beinahe wie eine Entmündigung: Wenn es wichtig ist, lasst das Mal besser den Männerfußball regeln.


Funktionärinnen und Funktionäre aus dem Frauenfußball spielten in der gesamten Diskussion kaum eine Rolle. Ein bedauerliches Signal nach außen. Bei der Gründungspressekonferenz des FBL mussten Katharina Kiel und ihre Mitstreitenden dann die gescheiterte Verhandlung mit dem DFB erklären, an der sie selbst gar nicht beteiligt waren. Eine unglückliche Situation.


Ebenso ernüchternd: Der Konflikt mit dem DFB dominierte die Gründung des neuen Ligaverbands vollständig. Inhaltliche Fragen gingen öffentlich unter. Dabei hat sich die FBL in Pressemitteilungen selbst hohe Ziele gesetzt:

„Die Zukunft des deutschen Frauenfußballs als Clubs aktiv nachhaltig zu gestalten, Potenziale zu entfalten und durch signifikante Investitionen maximal zu professionalisieren.“

Was sich tatsächlich dahinter verbirgt und wie diese Ziele erreicht werden sollen, wurde bisher kaum kommuniziert. Die 14 Klubs wollen zumindest investieren. Wie viel? Die kolportierten Zahlen schwanken je nach Bericht zwischen 300 und 900 Millionen Euro.


Frauen-Bundesliga FBL muss sich zeitnahe bewähren


Umso aufschlussreicher wird sein, wie der FBL in den kommenden Monaten auftritt. Der Frauenfußball befindet sich in Deutschland an einem bedeutsamen Punkt: Er wird von der Öffentlichkeit zunehmend wahrgenommen und geschätzt, die Popularität steigt – es ist sogar von einem Wachstumsmarkt die Rede.


Der Zusammenschluss der Vereine ist ein wichtiger und richtiger Schritt. Der Auftakt ließ allerdings viele Fragen offen. Ohne das Joint Venture mit dem DFB wirkt das ganze Projekt aktuell in der Schwebe. Das ist bedauerlich.

 
 
 

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