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Transfertrend: Warum die Bundesliga auf Einkaufstour in den Niederlanden ist

  • 17. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Die Bundesliga verpflichtet in diesem Sommer auffällig viele Spielerinnen aus den Niederlanden. Ein Erklärungsversuch, weshalb die Eredivisie interessanter denn je für die deutschen Klubs ist. Zugleich kämpft der niederländische Fußball mit eigenen Problemen, die Proteste der Spielerinnen hervorrufen.


Danique Tolhoek am Ball für Ajax Amsterdamm
Foto: Shutterstock / ErreRoberto

Sophie Proost war die Nummer elf. Als die 19-Jährige, die als großes Talent in Europa gilt, vergangene Woche als Neuzugang beim FC Bayern München präsentiert wurde, war die Zweistelligkeit an Spielerinnen längst erreicht, die in diesem Sommer aus der niederländischen Eredivisie in die Bundesliga gewechselt sind. Eine bemerkenswerte Zahl. Denn keine andere ausländische Liga stand in der bisherigen Transferphase bei den Bundesligisten vergleichbar hoch im Kurs.


Zufall? Oder lässt sich daraus etwas herauslesen? Ich plädiere für Zweiteres und wage einen Erklärungsversuch. Dafür hilft ein Blick auf die Verschiebungen auf dem Transfermarkt in diesem Sommer.



Die Women’s Super League schaut nach Deutschland


Was auffällt: In den vergangenen Jahren wechselten stets einige junge Spielerinnen aus der Eredivisie in die Women’s Super League (WSL) – in diesem Sommer ist bislang kein einziger solcher Transfer zu verzeichnen. Die WSL wiederum hat bislang mehr denn je in der Bundesliga zugeschlagen und zehn Spielerinnen nach England geholt. Zudem scheint die Zahl der Wechsel innerhalb der WSL zu steigen: Bislang sind bereits 19 Spielerinnen von einem Klub in England zu einem anderen gewechselt.


Die Eredivisie könnte daher etwas aus dem Blickfeld der englischen Klubs geraten sein. Denn die Bundesliga bot in diesem Sommer deutlich attraktivere Möglichkeiten. Für die deutschen Klubs sind wiederum selbst nationale Transfers inzwischen schwieriger zu stemmen: zum einen, weil es mehr Spielerinnen als in den Vorjahren ins Ausland zieht, zum anderen, weil die Gehaltspakete für gefragte Bundesliga-Spielerinnen gestiegen sind. Also fällt der Blick zwangsläufig vermehrt ins Ausland. Die Niederlande sind dabei naheliegend – geografisch, fußballerisch und finanziell.


Warum die Bundesliga verstärkt in den Niederlanden sucht


„Deutsche Vereine können die Top-Talente aus den Niederlanden ablösefrei oder gegen eine sehr geringe Ablösesumme bekommen“, sagt Amber van Lieshout im Gespräch mit Empor. Die Journalistin verfolgt die Entwicklung des niederländischen Frauenfußballs seit vielen Jahren. In der Spitze ist die Eredivisie inzwischen vergleichbar professionell aufgestellt wie die Bundesliga und bietet den Spielerinnen eine gute Ausbildung; zugleich ist die Liga aber noch nicht so weit gewachsen, dass dort generell das große Geld zu verdienen ist. Nur zwei niederländische Nationalspielerinnen spielen derzeit in der Eredivisie.



Selbst für Spielerinnen von Topklubs ist der Sprung in die Bundesliga daher lukrativ – zumal die WSL für viele noch keine wirkliche Karriereoption ist. „Viele Spielerinnen sind der Eredivisie inzwischen entwachsen. Deutschland ist für diese Spielerinnen meiner Meinung nach eine gute Wahl“, sagt van Lieshout.


Ihrer Meinung nach sind bei den Topklubs Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven, Feyenoord Rotterdam und Twente Enschede durchaus ernst zu nehmende Ambitionen im Frauenfußball zu erkennen. Insbesondere Ajax, Eindhoven und Feyenoord haben ihre Frauenteams in moderne und professionelle Trainingszentren integriert. Der Rest der Liga kann oder möchte – je nach Betrachtungsweise – die professionellen Anforderungen des Frauenfußballs allerdings nur bedingt erfüllen. „Es gibt durchaus die Sichtweise, dass man sich auf die Herrenmannschaft konzentrieren müsse. Die Frauen werden dabei außer Acht gelassen“, sagt van Lieshout.


Zwischen guter Ausbildung und begrenzten Möglichkeiten


Zu berücksichtigen ist dabei, dass ein Großteil der niederländischen Profivereine selbst bei den Männern mit Budgets arbeitet, die keineswegs mit denen im deutschen Profifußball vergleichbar sind. Die Frauenbateilungen sind in diesen Strukturproblemen mitgefangen. Die Abhängigkeit ist daher deutlich größer als in Deutschland ist: Sieht es bei den Männern sportlich wie finanziell schlecht aus, geht es oft als Erstes an die Ressourcen des Frauenteams.


Aktuelles Beispiel: Der FC Utrecht kürzte für 2026/27 die finanziellen Zuwendungen für sein Frauenteam deutlich, sodass der Großteil der Leistungsträgerinnen den Klub verlassen musste. Das Geld im Klub war knapp und müsse größtenteils in die Männerabteilung fließen, ließen die Verantwortlichen durchblicken. Am letzten Spieltag liefen die Utrechterinnen mit der Aufschrift „Wir passen nicht ins Budget“ auf den Trikots auf.

 

Spielerinnen prangern die Zustände der Eredivisie an


Nach der Saison 2024/25 meldete außerdem Fortuna Sittard sein Frauenteam aus der Eredivisie ab. Der Klub war einige Jahre zuvor ambitioniert mit großen Worten gestartet, gab aber drei Jahre später auf, da das Frauenteam „finanziell nicht tragbar“ sei, wie der Verein damals mitteilte. Der vorherige Hauptsponsor hatte sich zurückgezogen, ein neuer wurde nicht gefunden. 


2024 verfassten Spielerinnen der Eredivisie ein öffentliches Statement, in dem sie die Vereine, den Verband sowie die Sponsoren zu höheren Investitionen aufforderten. Sie argumentierten, dass ein Großteil der Spielerinnen lediglich eine Aufwandsentschädigung erhalte und nur ein Verein, Ajax, alle seine Spielerinnen in Vollzeit beschäftige. Viel hat sich seitdem aber nicht geändert.


Aus dem EM-Sieg 2017 hat sich zu wenig entwickelt


Dabei schien die Perspektive einst vielversprechend. Die Niederlande feierten 2017 überraschend den EM-Titel im eigenen Land, was den Frauenfußball stark in den Fokus rückte. Zwei Jahre später stand das Nationalteam sogar im WM-Finale. „Ich glaube, alle haben erwartet, dass es einen Schub gibt – so wie 2021 bei der EM in England. Mehr Professionalität, mehr Investitionen, mehr Fans bei den Spielen – aber das ist nicht wirklich passiert“, sagt van Lieshout.


Der Verband strebte Kontinuität und Wachstum im Frauenfußball an und überführte die Eredivisie 2023 in eine professionelle Lizenzliga. Viele Klubs zogen nur zaghaft mit. Es gab allerdings auch nur vage Standards wie ein eigenes U23-Team sowie einer Mindestanzahl an Vertragsspielerinnen, die allerdings nicht Vollzeit angestellt sein mussten. Für 2026/27 steigt diese Zahl auf 16 Vertragsspielerinnen. Für viele Vereine ist das angeblich nicht zu stemmen.


Die Eredivisie verkleinert sich


Entsprechend überschaubar ist die Zahl der Klubs, die den Frauenfußball höherklassig fördern. In der zweiten Liga, die Eerste Divisie, sind vier von acht Teilnehmern U23-Teams. Die Eredivisie ist für 2026/27 zudem von zwölf auf zehn Teams verkleinert worden – laut Verband aus Wettbewerbsgründen, da die Leistungsunterschiede zwischen einzelnen Klubs zu groß waren. Van Lieshout kann das einerseits verstehen, andererseits sagt sie, dass dadurch vielen Spielerinnen die Möglichkeit genommen wird, den Frauenfußball auf hohem Niveau auszuüben.


Für die Zukunft der niederländischen Liga ist van Lieshout skeptisch. Es fehlt in vielen Bereichen an Professionalität, sei es bei den Spielerverträgen oder bei der Tatsache, dass es keinen eigenen TV-Vertrag für die Liga gibt. Im aktuellen Medienabkommen mit dem Sender ESPN bis 2030 waren die Frauen quasi nur ein Zubrot zur männlichen Eredivisie.


Van Lieshout glaubt, dass die Kluft zwischen den führenden Klubs und dem Rest der Liga künftig noch größer wird. Der Entwicklung der Eredivisie als Ganzes sei das nicht zuträglich. „Ich denke, die Rolle der niederländischen Liga besteht im Wesentlichen darin, Talente an die größeren Ligen und Vereine zu liefern, die dann nach England oder Deutschland wechseln“, sagt sie. Die Eredivisie als Durchgangsliga: Gut für die Bundesligisten, keine gute Entwicklungsprognose für die Niederlande.


Übersicht aller Transfers aus den Niederlanden


  • Sophie Proost (Mittelfeld, 19 Jahre, FC Twente) > FC Bayern München

  • Regina van Eijk (Tor, 24 Jahre, Ajax) > FC Bayern München

  • Lieske Carleer (Verteidigung, 25 Jahre, FC Twente) > VfL Wolfsburg

  • Lobke Loonen (Angriff, 23 Jahre, FC Utrecht) > Bayer Leverkusen

  • Justine Brandau (Verteidigung, 24 Jahre, Feyenoord) > Bayer Leverkusen

  • Alieke Tuin (Verteidigung, 25 Jahre, FC Twente) > RB Leipzig

  • Charlotte Hulst (Angriff, 23 Jahre, FC Twente) > RB Leipzig

  • Danique Tolhoek (Angriff, 21 Jahre, Ajax) > Eintracht Frankfurt

  • Ilse Kemper (Verteidigung, 20 Jahre, FC Zwolle) > TSG Hoffenheim

  • Jonna van de Velde (Verteidigung, 24 Jahre, Ajax) > TSG Hoffenheim

  • Celainy Obispo (Verteidigung, 25 Jahre, Feyenoord) > Hamburger SV


    Alle Transfers findet Ihr hier

 
 
 

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