Sarah Mattner: Zur richtigen Zeit beim FC Bayern
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Aktualisiert: vor 5 Stunden
Sarah Mattner wechselt zum FC Bayern München – und könnte dort schneller wichtig werden, als viele denken. Welche Qualitäten die 23-jährige gebürtige Österreicherin mitbringt. Und warum sie sportlich wie strategisch genau zur richtigen Zeitpunkt nach München kommt.

Bis April dieses Jahres dürften nur wenige in Deutschland den Namen Sarah Mattner gekannt haben. Das lässt sich sogar belegen: Bei Google Trends, einer öffentlichen Übersicht darüber, wann was wie oft gegoogelt wird, lag ihr Name bis dahin durchgehend bei null – das Interesse war zu gering, um belastbare Daten auszuweisen. Im April kam dann der erste Ausschlag, nachdem Bundestrainer Christian Wück Mattner für die WM-Qualifikation nachnominiert hatte. Am Dienstag erreichte die Skala schließlich den Wert 100. Heißt: Nie zuvor war das Google-Interesse an Mattner größer.
Der Grund für ihren Durchbruch bei der Suchmaschine: Mattner wurde als neue Spielerin des FC Bayern München präsentiert. Das sorgt selbstverständlich für Aufmerksamkeit. Die 23-Jährige unterschrieb einen Vertrag bis 2029. Bayern zahlte für Mattner eine Ablöse an St. Pölten, wo ihr Vertrag noch bis 2027 lief.
Sarah Mattner kommt als Torschützenkönigen
Dass Mattner in Deutschland bislang weniger bekannt war, liegt an ihrem bisherigen Werdegang. Zwar lief sie regelmäßig für die deutschen U-Nationalteams auf, weil sie durch ihre Eltern sowohl die deutsche als auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt. Ihr gesamter Fußballalltag spielte sich jedoch in Österreich ab: Die in Wien geborene Offensivspielerin wurde beim First Vienna FC ausgebildet und gab dort auch ihr Erstliga-Debüt. Anfang 2023 wechselte sie zum Serienmeister St. Pölten, wo sie in der abgelaufenen Saison mit 16 Toren in 16 Spielen Torschützenkönigin wurde.
Medienberichten zufolge waren auch Leverkusen und Frankfurt an Mattner interessiert. Sie entschied sich jedoch für den FC Bayern – eine Entscheidung, die von Selbstbewusstsein, aber auch von einer guten Selbsteinschätzung zeugt. Denn alles andere als ein Wechsel nach München oder Wolfsburg wäre für sie nur ein Zwischenschritt gewesen, den sie inzwischen überspringen kann.
Bianca Rech sieht in Mattner ein „interessantes Profil“
Die gebürtige Österreicherin kann, so weit lehne ich mich aus dem Fenster, in München eine Soforthilfe sein. Vielleicht nicht sofort als Kandidatin für die Startelf, aber auf Anhieb als verlässliche Einsatzoption. Der österreichische Fußball hinkt vom Niveau zwar hinterher, doch Mattner spielte mit St. Pölten mehrere Jahre in der Champions League und kennt das Umfeld sowie die Ansprüche eines Serienmeisters – etwas, das ihr auch in München helfen kann. Dreimal wurde sie in Österreich Meisterin. Zudem bringt sie eine große Vielseitigkeit mit.
Dazu sagt Bianca Rech in der Pressemitteilung des FC Bayern:
„Sarah verfügt über ein sehr interessantes Profil: Sie ist im Offensiv- und Defensivbereich auf der Außenbahn flexibel einsetzbar, bringt eine sehr gute Physis und Geschwindigkeit mit und sucht gerne das Eins-gegen-eins.“
Bundestrainer Wück hatte Mattner bei ihrer Nachnominierung zum DFB-Lehrgang als Rechtsverteidigerin eingeplant, auch in den DFB-Nachwuchsteams spielte sie zumeist hinten rechts. Bei St. Pölten agierte Mattner zuletzt hingegen auf dem rechten oder linken Flügel – eine Position, die ihre starke Trefferquote entsprechend begünstigte. Beim FC Bayern sind die defensiven Außenbahnen mit Giulia Gwinn (rechts) und Franziska Kett (links) allerdings fest besetzt, sodass Mattner dort zunächst nur die Backup-Rolle einnehmen würde. Ich gehe daher eher davon aus, dass Bayern die gebürtige Österreicherin vor allem mit Blick auf das Flügelspiel verpflichtet hat.
Mattner als flexible Option für Barcalas Außenbahnen
Im Spielsystem von Trainer Jose Barcala spielen die offensiven Außenbahnen beim FC Bayern eine deutlich größere Rolle als in den Vorjahren. Während Klara Bühl auf links über jeden Zweifel erhaben ist, musste auf rechts oft Linda Dallmann auflaufen. Sie spielte zwar eine überragende Saison, agierte aber zumeist eher zentral oder in den Halbräumen, statt konsequent den Flügel zu besetzen. Dem Bayern-Spiel schadete das zwar nur bedingt, als Folge wirkte es jedoch häufig sehr linkslastig.
Mattner bietet Barcala die Möglichkeit, auf dem rechten Flügel einen Gegenpart zu Bühl zu positionieren – nicht auf demselben Niveau, aber mit ähnlicher. In St. Pölten lief viel über Mattner, sie machte das Spiel breit, suchte Eins-gegen-eins-Situationen und zog mit dem Ball am Fuß in Strafraumnähe häufig nach innen.
Klar, Mattner ist keine Bühl. Aber Mattner bringt schon jetzt ihre ganz eigene Dynamik, ihr Tempo und ihre Abschlussstärke mit. Zudem hat sie sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert. Berücksichtigten wir die noch einmal besseren Bedingungen sowie das grundsätzlich höhere Trainings- und Spielniveau in München, lässt das durchaus Fantasien zu, wohin sich Mattner noch entwickeln kann. Aber das sind Zukunftsgedanken.
Ein Transfer mit Weitblick
Bayern könnte bei der Verpflichtung von Mattner ohnehin eher an das Jahr 2027 gedacht haben. Dann läuft der Vertrag von Klara Bühl in München aus – ein ablösefreier Abschied ist nicht unwahrscheinlich. Auch die 31-jährige Linda Dallmann hat zunächst nur eine einjährige Verlängerung erhalten. Neue Impulse für die Offensive erscheinen daher unumgänglich. Die Zukunft gehört vor allem Alara Sehitler. Aber auch Mattner kann dabei eine entscheidende Rolle spielen. Sie stößt zumindest zum richtigen Zeitpunkt zum FC Bayern, um für eine Schlüsselposition in der künftigen Bayern-Offensive vorzuspielen.
Wie Mattner einst dem "Kicker" berichtete, waren die Münchner bereits 2020 an ihr interessiert. Sie lehnte jedoch ab. „Mir war damals schon klar, dass ich einmal Medizin studieren möchte. Das geht in der deutschen Bundesliga nicht so einfach nebenbei“, sagte Mattner damals mit bemerkenswerter Weitsicht. Ihr Studium begann sie schließlich in Wien und pendelte anschließend mehrere Jahre aus St. Pölten zur Universität. Nun passt der Wechsel besser. Und womöglich ist es für Mattner der deutlich bessere Zeitpunkt, um beim FC Bayern direkt Eindruck zu hinterlassen. Das dürften dann auch die Suchmaschinen registrieren.



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