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Lisa Baum: Zu früh, zu groß?

  • 14. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Lisa Baum wechselt nach nur einer Bundesliga-Saison zum FC Arsenal. Eine solche Chance kann eine junge Spielerin kaum ausschlagen. Doch ist dieser Schritt in ein Weltklasse-Umfeld zum jetzigen Zeitpunkt wirklich förderlich für ihre Karriere? Zugleich zeigt der Transfer die schwache Position der Bundesliga.


Lisa Baum im Trikot von RB Leipzig
Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten

Gerechnet hatten damit die meisten, doch die offizielle Bestätigung ließ lange auf sich warten. Erst im Juli begann der FC Arsenal damit, jene neuen Spielerinnen öffentlich vorzustellen, die seit Wochen medial mit dem Londoner Klub in Verbindung gebracht wurden – darunter mit Georgia Stanway (FC Bayern München), Selina Cerci (TSG Hoffenheim) und Géraldine Reuteler (Eintracht Frankfurt) drei Akteurinnen aus der Bundesliga. Nun kommt eine vierte hinzu: Lisa Baum von RB Leipzig.


Während ich den drei zuvor genannten Spielerinnen den Sprung ins Team des FC Arsenal auf Anhieb zutraue, liegt der Fall bei Baum etwas anders. Klar ist: Die 19-Jährige verfügt über herausragende Anlagen, von denen sich jede oder jeder in zahlreichen Highlightvideos überzeugen kann. Ihr Markenzeichen: vom rechten Flügel per Dribbling nach innen ziehen und selbst den Abschluss suchen.


Welche Perspektive hat Lisa Baum beim FC Arsenal?


Gerade in der Rückrunde legte Baum noch einmal zu und erzielte fünf ihrer insgesamt sechs Saisontore. Dennoch stellt sich die Frage: Reicht eine gute Bundesliga-Saison bei einem Klub aus dem Mittelfeld aus, um den Schritt zu einer der besten Adressen im Weltfußball zu gehen?


Emotional ist Baums Entscheidung absolut nachvollziehbar. Wer weiß schon, ob der FC Arsenal noch einmal anruft? Ich würde vermutlich auch nicht lange überlegen, wenn sich – aus welchen Gründen auch immer – die New York Times mit einem Jobangebot bei mir melden würde. Wer sagt da schon Nein? Die Zweifel angesichts meines Englisch auf B1-Niveau kämen wahrscheinlich erst hinterher …


Die entscheidende Frage ist jedoch, welche Perspektive Baum in London tatsächlich hat. Und genau hier stellt sich ganz nüchtern die Frage: Ist dieser Wechsel für Baums Karriere wirklich schon förderlich, also zu diesem frühen Zeitpunkt?


Baum trifft beim FC Arsenal auf ein Weltklasse-Umfeld


Offensiv ist der Klub mit Stina Blackstenius, Alessia Russo, Mariona Caldentey, Caitlin Foord, Chloe Kelly, Olivia Smith, Neuzugang Selina Cerci und der aktuell noch an einem Kreuzbandriss laborierenden Michelle Agyemang auf Weltklasse-Format besetzt. Und auch wenn Caldentey, Foord und Blackstenius über 30 Jahre sind, steht ihre Ablösung nicht unmittelbar bevor. Auf Baums rechter Seite besteht die Konkurrenz zudem aus Kelly und der aufstrebenden 21-jährige Smith, die Arsenal im Vorjahr für rund 1,2 Millionenen Euro verpflichtete.


Ein paar Einsatzminuten könnten für Baum sicher abfallen. Mir fehlt allerdings die Fantasie, wie sie in diesem Umfeld auf jene Spielpraxis kommen soll, die in ihrem Alter für ihre weitere Entwicklung wichtig ist. Training auf höchstem Niveau kann einiges ersetzen, aber eben nicht alles.


Zu früh, zu groß? Diese Frage dürfte womöglich nun häufiger im wachsenden Frauenfußball auftauchen. Einerseits bringt er junge Spielerinnen immer früher an ihren Kindheitstraum: bei einem großen Klub für gutes Geld zu spielen. Für die Spielerinnen sind solche Angebote zweifellos schmeichelhaft.


RB Leipzig kassiert offenbar 600.000 Euro für Lisa Baum


Andererseits sind die internationalen Topklubs inzwischen finanziell in der Lage, Talente als Perspektivspielerinnen gewissermaßen auszuprobieren. Die Hoffnung ist immer, einen großen Treffer zu landen. Und wenn nicht, hat diese Spielerin zumindest nicht bei der Konkurrenz den Durchbruch geschafft.

Das klingt hart. Ist aber Geschäftsrealität. Zugleich offenbart es die schwache Position der Bundesliga, die wohl immer häufiger zusehen muss, wie vielversprechende Talente frühzeitig den Schritt ins Ausland gehen.


Im Fall von Baum soll der FC Arsenal laut Medienberichten allerdings 600.000 Euro an Ablöse an Leipzig gezahlt haben. Das ist die zweithöchste Ablöse der Frauen in der Klubgeschichte und keine Summe, um eine Spielerinnen "auszuprobieren" – der FC Arsenal geht bei Baum enorm in Vorleistung. Ihr Talent ist fraglos riesig. Aus meiner Sicht ist sie nur noch nicht weit genug, um sich beim FC Arsenal schon jetzt nachhaltig durchzusetzen. Ein weiteres Jahr in Leipzig hätte ihr womöglich gut getan, idealerweise mit einem künftigen Vertrag beim FC Arsenal bereits in der Schublade.


Aber das muss nicht heißen, dass sie ihren Weg in London nicht geht.

 
 
 

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