Redebedarf 3. Spieltag: Geduld. Gefahr. Geheimwaffe
Aktualisiert: 14. Sept.
Spieltag drei der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Werder Bremen bekommt Albträume von Camilla Küver, Hoffenheim darf Zuversicht aus einer Niederlage ziehen und beim Hamburger SV wirft ein Punktgewinn Fragen auf. Ach ja, und der FC Bayern feiert einen Rekord, der für den Rest eher ernüchternd ist.

Die Gesprächsthemen des 3. Spieltags:
TSG Hoffenheim: Geduld ist gefragt
Drei Spiele, null Punkte. Bei der TSG Hoffenheim steht Fehlstart auf dem Saisonbeginn. Die kommenden Gegner sind nun Eintracht Frankfurt und VfL Wolfsburg. Macht das Hoffnung? Durchaus. Denn aus dem vergangenen Wochenende kann die TSG trotz der erneuten Niederlage gegen Bayer Leverkusen (1:2) viel Zuversichtliches ziehen. Das war allerdings auch nötig. Gegen den VfB Stuttgart (1:2) und den 1. FC Köln (0:1) wirkte Hoffenheim ohne wirkliche offensive Ideen, zumindest ohne solche, die funktionierten. Gegen Leverkusen sah das nun anders. Das Team um Trainerin Eva-Maria Virsinger hat offenbar die richtigen Anpassungen gefunden.
Bei den Abschlüssen (21) und in der Statistik „Eindringen ins letzte Drittel“ (77) erreichte Hoffenheim deutlich bessere Zahlen als noch bei den ersten beiden Auftritten. Wer die Partie verfolgte, sah aber außerdem mehr einstudierte Steil-Klatsch-Kombinationen, mehr Tiefenläufe, mehr funktionierende Passmuster sowie gute Bewegungen, die Räume für Mitspielerinnen öffneten. Also generell mehr funktionierende Spielelemente. Eine Umstellung gab es bei Marie Steiner, die statt links nun fast ausschließlich über die rechte Angriffsseite kam und insbesondere im Zusammenspiel mit Laia Martret das Spiel enorm belebte. Steiner erzielte – an ihrem 21. Geburtstag – das zwischenzeitliche 1:1.
Was der TSG allerdings fehlt, ist eine Torjägerin. In der Vorsaison hätte Hoffenheim mit Selina Cerci oder Melissa Kössler das Spiel gegen Leverkusen womöglich gewonnen. Nun blieben die Tormöglichkeiten ungenutzt. Svenja Fölmli ist mit ihrer Präsenz und Physis gewiss ein Gewinn für die TSG, kann Bälle festmachen und verteilen, kommt bislang aber noch zu selten in gute Abschlusspositionen. Die eingewechselte Linda Natter bekam in der Schlussphase noch einen freien Abschluss, machte aber zu wenig daraus.
In Hoffenheim braucht es nun Geduld – selbst wenn das Szenario eintritt, dass auch nach fünf Spieltagen noch null Zähler auf dem Konto stehen. Das Potenzial ist zweifellos vorhanden, die Leistung gegen Leverkusen war die notwendige Bestätigung dafür. Und generell sah Hoffenheim in der Vorsaison oft besser aus, wenn es gegen spielstärkere Teams ging. Vielleicht sind Frankfurt und Wolfsburg nun sogar die Gegner, die Hoffenheim braucht.
Hamburger SV: Gefahr der Nicht-Gefahr
RB Leipzig hat nach diesem Wochenende den ersten Punkt auf der Habenseite. Ob das große Freude ausgelöst hat? Ich habe da meine Zweifel. Das 1:1 gegen den Hamburger SV kann bei den Leipzigerinnen eigentlich niemanden zufriedenstellen.
Die Zahlen: ein Expected-Goals-Wert von 2,69 (der HSV kam auf 0,85 – auch dank eines Elfmeters), 26:4 Abschlüsse sowie 27:6 Ballberührungen im gegnerischen Strafraum. Intensiv, schnell und ein Albtraum für die Nerven jeder Gegnerin: Leipzig spielte, was Trainer Jonas Stephan sich stets wünscht. Dank des Dreiersturms aus Therese Simonsson, Nikee Van Dijk und Delice Boboy verfügte Leipzig zudem über eine Flexibilität und Breite, die die Hamburgerinnen nicht in den Griff bekamen.
Beste Spielerin des HSV war Torhüterin Kinga Szemik, die auf sieben Paraden kam. Der beste Spieleingriff von außen für den HSV war der Regen, der Mitte der ersten Halbzeit einsetzte und das Leipziger Spiel in der Folge etwas ausbremste. Entlastung gab es für den HSV trotzdem zu selten.
Insgesamt bleibt beim HSV das Gefühl: Puh … Was war die offensive Idee? Umschaltfußball? Dafür fehlt Stürmerin Nikola Karczewska etwas die Spritzigkeit. Sie wurde zwar oft gesucht, machte einige Bälle fest, war letztlich aber hilflos, da kaum eine Mitspielerin gut nachrückte. Erst mit der Einwechslung der schnellen Lena Martens auf dem Flügel sah der Ansatz sinnvoller aus, kam aber trotzdem kaum erfolgreich zur Geltung.
Insgesamt spielte der HSV lediglich 52 Pässe im letzten Spieldrittel, nur 22 davon kamen an. Das sind dürftige Zahlen. Bereits gegen den VfB Stuttgart wirkte der HSV im Spiel nach vorne etwas unscharf, gegen Leipzig wiederholte sich das. Ruhe am Ball, offensive Anbindung sowie erkennbare und funktionierende Spielmuster – der HSV wirkt bei vielem noch auf der Suche. Vieles wirkt wie in der Vorsaison. Oft war es ein langer Auf-gut-Glück-Pass nach vorne. Selten mit dem erhofften Effekt. Den Treffer erzielte Camilla Linberg schließlich per Elfmeter. Es war der einzige Abschluss der Hamburgerinnen im Sechzehner …
Diese Eindrücke sind für den HSV durchaus gefährlich. Denn ohne offensive Idee wird es in der Liga schwierig.
VfL Wolfsburg: Geheimwaffe Küver
Ganz ehrlich: Für mich fühlte sich der späte Sieg des VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen erst einmal unbefriedigend an. Da waren die klassischen Sympathien für einen „Außenseiter“, der aufopferungsvoll gekämpft hat und dafür bitte auch belohnt werden soll. Für Bremen klappte das dieses Mal aber nicht.
Dass Spitzenteams im Fußball oft Spiele noch spät für sich entscheiden, ist sogar wissenschaftlich untersucht. Zum einen sinkt die Konzentrationsleistung gegen Spielende, was vor allem für das verteidigende Team ein erhöhtes Risiko darstellt, während das vermeintlich bessere Team massiven Druck ausübt. Zum anderen wird dem „Underdog“ in der Schlussphase oft bewusst, was er aufgrund seiner Führung zu verlieren hat. Dieser Gedanke ist nicht immer von Vorteil.
Inwiefern das bei Werder Bremen eine Rolle gespielt hat, ist spekulativ. Camilla Küver lieferte der Wissenschaft jedoch weiteres Material für ihre Thesen. Denn mit der Innenverteidigerin konnte Trainer Stephan Lerch für die Schlussphase quasi eine Geheimwaffe im Angriffsspiel einwechseln: Erst traf Küver nach einer flachen Hereingabe aus kurzer Distanz zum 2:2 (88. Minute), in der vierten Minute der Nachspielzeit dann per Kopf zum 3:2-Siegtreffer.
Dass Küver in der „Crunchtime“ ein probates Mittel als Zielspielerin sein kann, ist in Wolfsburg nichts Neues. In der Vorsaison leitete sie gegen Union Berlin mit ihrem 2:3-Anschlusstreffer kurz vor Schluss die Aufholjagd zum späten 3:3 ein. Gegen den 1. FC Köln traf die Nationalspielerin in der siebten Minute der Nachspielzeit per Kopf zum 2:1-Sieg.
Für Wolfsburg endet somit eine aufwühlende Woche nach dem Ausscheiden in der Champions-League-Qualifikation gegen Inter Mailand mit einem euphorischen Last-Minute-Sieg. Eine Glanzleistung des VfL ging dem Sieg allerdings nicht voraus. Dass eine solche Partie am Ende trotzdem gewonnen wird, spricht für die Widerstandsfähigkeit eines Spitzenteams. Nur gegen Inter Mailand am Mittwoch fehlte dem VfL diese Qualität. Fußball ist eben nicht immer erklärbar.
Was war sonst noch?
Der FC Bayern besiegte am Sonntag den SC Freiburg mit 4:1 und ist nun seit 45 Bundesliga-Spielen ohne Niederlage – eine Bestmarke im deutschen Frauenfußball. Am 12. Oktober 2024 gab es die letzte Niederlage, damals ein 0:2 gegen den VfL Wolfsburg. Beieindruckend, ja. Im Grunde können sich über diesen Rekord aber eigentlich nur die Münchnerinnen freuen, zeigt er doch die drückende Dominanz in der Liga. Gegen Freiburg stach vor allem ein sehenswerter Treffer von Momoko Tanikawa aus rund 40 Metern hervor, da Freiburgs Schlussfrau Anna Reimann zu weit vor ihrem Tor stand. Insgesamt legte Freiburg zwar einen beachtlichen Auftritt hin. Doch gegen den FC Bayern bleibt jeder Bundesligist letztlich chancenlos.
Ein torreiches 3:3-Remis gab es zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem VfB Stuttgart, bei dem Nürnberg über weite Strecken den ersten Dreier vor Augen hatte. Nicole Billa erzielte in der 88. Minute jedoch den Ausgleich. Nürnberg bleibt für mich trotzdem eine der bisher positiven Überraschungen der ersten Spieltage.
Einen deutlichen 4:0-Auswärtssieg feierte der 1. FC Köln beim Aufsteiger FSV Mainz 05, der erstmals in dieser Saison etwas überfordert wirkte.
Am Montagabend besiegte zum Abschluss des Spieltags Eintracht Frankfurt mit 1:0 gegen den 1. FC Union Berlin. Damit bleibt Union auch im dritten Spiel ohne Punkte.



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