Lourdes Romero: „Dort zu spielen, mit der Champions-League-Hymne und allem: unglaublich“
- 4. Apr.
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Aktualisiert: vor 6 Tagen
Lourdes Romero hat sich in Nürnberg als Nummer eins etabliert. Die 23-Jährige erzählt von einem „Boah“-Moment in der Champions League, was sie beim FC Zürich über den Fußball gelernt hat, die Verpflichtung von Rebecca Adamczyk und wie sie „Fuego“ ins Team bringt.

Die Parade des vergangenen Spieltags – dieser Titel der Bundesliga ging diese Woche an die Nürnberger Torfrau Lourdes Romero. Abgestimmt hatten die Fans auf Instagram; ausgezeichnet wurde ihr Hechtsprung, mit dem sie einen Distanzschuss von Bayerns Momoko Tanikawa um den Pfosten lenkte. Die 0:2-Niederlage konnte Romero am Ende zwar nicht verhindern, sie hatte jedoch großen Anteil daran, dass Nürnberg lange ein 0:0 gegen den Ligaprimus hielt. Andere Teams sahen da in der Vergangenheit gegen die Bayern deutlich schlechter aus.
Solche Spiele gegen eine Übermannschaft wie den FC Bayern sind für eine Torhüterin generell arbeitsreiche Tage – und können zwei Gedanken hervorrufen: Entweder ein Oh-je-Gefühl oder ein Ich-kann-mich-beweisen-Gefühl. Romero ist eher Typ zwei. „Ich glaube, man hat bei sowas immer zwei Stimmen im Kopf. Wichtig ist, welcher man zuhört. Bei mir war’s eher: Cool, ich kann was machen und dem Team heute helfen“, sagt Romero.
Seit Jahresbeginn ist sie nun die Nummer eins in Nürnberg. Sie übernahm diese Position von Larissa Rusek, die im Winter unerwartet die Karrierechance ihres Lebens erhielt, als sich der italienische Meister Juventus Turin meldete. Ein Qualitätsverlust ist im Nürnberger Tor seitdem nicht erkennbar. In den Spielerbewertungen bei „FotMob“ schneidet Romero (6,44) inzwischen sogar leicht besser ab als Rusek (6,40).
Lourdes Romeo: Geboren in Konstanz, aufgewachsen in der Schweiz
Dass die 23-Jährige im vergangenen Sommer aus Graz nach Nürnberg wechselte, lag auch an ihrem Wunsch, in Deutschland zu spielen, ihrem Heimatland. Romero wurde in Konstanz geboren, wuchs jedoch in der Schweiz auf. Spanisch geprägt ist sie zudem durch ihren Vater, der sie und ihren jüngeren Bruder einst mit dem Fußball in Berührung brachte. Der Schritt in ihren ersten Fußballverein hatte für Romero hingegen andere Gründe.
„Das ist eigentlich ganz lustig: Ich habe mich damals in einen Jungen verliebt und wollte mehr Zeit mit ihm verbringen. Ich bin dann auch in den Verein gegangen“, sagt sie mit Blick auf ihre Kindheit. Dass mit dem Jungen hielt nicht lange, ergänzt Romero lachend, aber die Liebe zum Fußball, die sei geblieben. Früh war zudem die Rolle als Torhüterin ihr Ding. „Mir hat es einfach Spaß gemacht, so eine Position zu haben, in der ich ein bisschen verrückt sein darf. Dieses Hinschmeißen als Kind auf dem Rasen und so weiter“, sagt Romero.
Meistertitel und Champions League mit dem FC Zürich
Mit 17 Jahren gab sie ihr Debüt beim FC Luzern in der höchsten schweizerischen Liga, der Women’s Super League. Zwei Jahre später kehrte sie zu ihrem Ausbildungsverein FC Zürich zurück und stand alsbald – auch bedingt durch die Verletzung von Stammtorhüterin Seraina Friedli – beim Schweizer Topklub zwischen den Pfosten. Ihre Trainerin in Zürich: Inka Grings. Ihr größtes Erlebnis neben dem Meistertitel in der Saison 2022/23: drei Einsätze in der Champions League, darunter ein Auftritt im Emirates Stadium gegen den FC Arsenal.
„Das war ein ,Boah‘-Moment – allein, wenn man ins Stadion einläuft. Da habe ich zum ersten Mal gesehen, wo man hinmöchte. Dort zu spielen, mit der Champions-League-Hymne und allem: unglaublich. Das ist mir prägnant im Kopf geblieben."
Mit der damals 19-Jährigen im Tor schlug sich Zürich als großer Außenseiter achtbar, verlor lediglich 1:3 und erzielte das erste Tor eines schweizerischen Teams in der Champions League. „Wie wir in dem Spiel gekämpft haben, das war phänomenal“, sagt Romero.
Das Rückspiel in der Gruppenphase gegen Arsenal ist für die Torhüterin hingegen eine weniger erinnerungswürdige Partie: Zürich verlor zu Hause mit 1:9. „Es war damals der 21. Dezember. Arsenal hatte Kräfte, die sie direkt einwechseln konnten. Bei uns haben viele nebenbei noch gearbeitet. Man hat uns angemerkt, dass wir müde waren von einer langen Saison“, sagt Romero. Sie selbst arbeitete nebenbei im Backoffice eines Telekommunikationsdienstleisters.
Lourdes Romero als eine "Verrückte", die "Fuego" in das Team bringt
Die Zeit in Zürich hat Romero nicht nur sportlich geprägt, sondern auch in ihrer Herangehensweise an den Fußball. „Ich musste lernen, eine gesunde Distanz zum Fußball aufzubauen“, sagt sie. Geholfen habe ihr dabei vor allem ihre Torhüterkollegin Friedli in Zürich. Romero beschreibt sich als ehrgeizige Spielerin – in der Vergangenheit oft auch als zu ehrgeizig. „Wenn man zu verbissen an die Dinge herangeht, schaltet man in einen Survival-Modus, dann ist man nicht mehr im Flow. Das durfte ich lernen. Es hat Zeit gebraucht, aber umso schöner, dass ich es jetzt umsetzen kann“, sagt sie. Bedeutet für Romero: Aktion für Aktion nehmen, nicht lange über die vorherige nachdenken – egal, ob positiv oder negativ.
Dieser Blick auf den Fußball habe ihr auch geholfen, als sie sich in Nürnberg im vergangenen Sommer zunächst hinter Larissa Rusek einordnen musste. „Für mich war es wichtig, Larissa den Support zu geben, den ich auch gerne hätte. Klar, manchmal ist man unzufrieden, aber es ist ein Teamsport. Und das Team gibt einem viel zurück“, sagt Romero.

Inzwischen steht sie selbst an der Spitze der Torhüterinnen-Hierarchie – auf ihre Art und mit ihrem Temperament. „Wenn man mich in den Katakomben hört – da schreie ich wie eine Verrückte“, sagt sie lachend. „Ich versuche, die Spielerinnen auf Spanisch, Französisch, Italienisch oder Englisch zu motivieren und ein bisschen Fuego reinzubringen.“
Ab Sommer ist Rebecca Adamczyk die Konkurrenz für Romero
Die Hinserie als Nummer zwei sei trotzdem wertvoll gewesen, betont Romero – allein wegen der Trainingsinhalte, die sie dort vermittelt bekam. „Die Videoanalysen sind sehr detailliert. Man bekommt eine neue Perspektive und sieht Dinge, die man vorher nicht wahrgenommen hat“, sagt Romero. Ihrer Einschätzung nach habe sich insbesondere ihr Spiel bei hohen Bällen verbessert – und die Art und Weise, Spielsituationen einzuschätzen. Der Unterschied zum Fußball in der Schweiz und Österreich, wo sie in der Vorsaison ein Jahr für Sturm Graz spielte? „In Deutschland ist generell alles viel schneller und physischer“, sagt sie.
Die kommende Spielzeit bringt für Romero eine neue Konkurrenzsituation. Nürnberg gab vor wenigen Tagen die Verpflichtung von Rebecca Adamczyk bekannt. Die 21-Jährige gilt als großes Talent und ist aktuell Vertreterin der schwangeren Laura Benkarth beim SC Freiburg.
Romero bewertet den Transfer sportlich: „Für mich ist Konkurrenz etwas Schönes, denn man lernt neue Dinge und kann sich messen. Ich sehe das als Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln, und bin dafür offen.“ Ob es ein offenes Duell um die Nummer eins gibt? „Das kann ich noch nicht sagen“, so Romero. Mit weiteren Paraden wie gegen Bayern München dürfte die 23-Jährige aber gewiss Argumente für sich sammeln.



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