Luca Birkholz: „Es ist einfach schön, dass man gesehen und belohnt wird“
- 7. Mai
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Aktualisiert: vor 15 Stunden
Aus Luca Birkholz wäre beinahe eine Profi-Schwimmerin geworden. Nun ist sie jedoch Fußballerin und vor allem im U23-Nationalteam treffsicher. Birkholz spricht über ihre die vergangenen zwölf Monate: Abschied aus der Heimat Jena, ein für sie hilfreicher Wechsel nach Freiburg und bemerkenswerte Auftritte im Nationaltrikot.

Den Spielball? Den hatte Luca Birkholz in all den Emotionen tatsächlich vergessen. Dabei hätte er ihr zugestanden. Das ist zumindest üblich. Drei Tore erzielte Birkholz Anfang März im Lohrheidestadion in Wattenscheid gegen Belgien – ihre Länderspieltreffer eins, zwei und drei. Für solche Leistungen nehmen sich Fußballerinnen und Fußballer gerne den Spielball als Andenken mit. Bei Birkholz ging das unter. „Ich habe in dem Moment gar nicht drüber nachgedacht“, sagt sie und lacht. Die guten Erinnerungen sind aber auch so vorhanden.
Das Nationalteam ist für die Stürmerin eine vergleichsweise neue Erfahrung. In der Jugend gehörte sie nie zum Bundeskader, lediglich zur Thüringenauswahl. Im November 2025 kam dann erstmals die Berufung in die U23 des DFB. Nationalhymne, das Deutschlandtrikot überstreifen und die ersten Länderspielminuten sammeln – für Birkholz alles prägende Erlebnisse. Das Trikot ihres ersten Einsatzes hängt in ihrer Wohnung. Lange musste sie darauf warten.
„Es ist eine super Bestätigung für die Leistungen, die ich in dieser Saison in der Liga gebracht habe. Es ist einfach schön, dass es gesehen und dann belohnt wird“, sagt die 22-Jährige.
Luca Birkholz’ erster Ziel: Leistungsschwimmerin werden
Geholfen hat der Wechsel zu dieser Saison zum SC Freiburg. Dafür verließ Birkholz ihre Heimat Jena. Ab 2016 stieg sie beim USV Jena aus dem Jugend- in den Seniorenbereich auf und absolvierte im März 2020 ihr Bundesligadebüt. Ihr Talent war augenscheinlich, doch Birkholz blieb dem Verein treu. Erst im vergangenen Jahr reifte der Entschluss, dass sie für ihre Karriere weiterziehen muss. Birkholz sagt:
.„Es ist nichts Neues, wenn ich sage, dass Jena nicht den besten Offensivfußball spielt. Größtenteils ist man mit Verteidigen beschäftigt. Ich habe mich superwohl gefühlt in Jena. Aber in meinen jungen Jahren wollte ich sehen, wie weit es für mich noch gehen kann“
Beinahe hätte Birkholz in der Jugend allerdings einen anderen Weg eingeschlagen: In der Schulzeit stand Leistungsschwimmen am Sportgymnasium in Erfurt im Mittelpunkt. Birkholz bestritt im Landeskader regelmäßig Wettkämpfe; ihre Paradedisziplin: Rückenschwimmen. Ab der siebten Klasse fiel die Entscheidung jedoch für den Fußball. „Ich glaube, es lag vor allem am Teamgefüge im Fußball“, sagt Birkholz. „Man ist nicht allein, sondern hat ein ganzes Team im Rücken. Und im Schwimmen ist es super schwierig, in den ganz hohen Bereich zu kommen – und ich hatte nicht das Gefühl, dass man dafür wirklich entlohnt wird.“
Den SC Freiburg wird es freuen. Dass Birkholz’ Weg aus Jena ins Breisgau führte, ist nicht verwunderlich. Der Sport-Club gilt als gute Adresse für junge Talente und hatte bereits seit Jahren Interesse an Birkholz signalisiert.
Luca Birkholz und der gute Start in Freiburg
Den Entschluss zu fassen, die Heimat zu verlassen, ist das eine – das andere ist, dann auch wirklich Abschied zu nehmen. Mai 2025, letztes Heimspiel in Jena nach fast zehn Jahren, gegen Bayern München. „Nach dem Abpfiff sind mir direkt die Tränen gekommen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich loslassen kann, weil ich eben so fest verwurzelt war in Jena“, sagt Birkholz. Es folgte der Umzug. Und der neue Lebensabschnitt in Freiburg. „Das hat sich alles ganz komisch angefühlt“, sagt Birkholz rückblickend.
Freiburg ist jedoch eine Stadt, die einen schnell auffangen kann. Das hat Birkholz schnell festgestellt. „Viel Natur, sehr viele Sonnenstunden. Man hat die Dreisam, an der man sich hinsetzen kann – die Stadt ist super, und ich fühle mich sehr wohl“, sagt sie. Bereut hat sie den Wechsel daher nie.
Die ersten Monate hätten im Freiburg-Trikot zudem kaum besser laufen können. Fünf Treffer standen nach elf Spieltagen auf Birkholz’ Trefferkonto. Seit November ist allerdings kein Tor mehr hinzugekommen. „Ja, das nagt etwas an einem, muss ich sagen. Da fragt man sich natürlich: Wieso das jetzt der Fall ist, wenn es davor so gut geklappt hat“, sagt Birkholz. Viel damit beschäftigen will sie sich aber nicht. Weitermachen, so ihr Ansatz. Irgendwann fallen die Treffer wieder.
Lernen von Edmond Kapllani
So wie im Nationaltrikot. Seit März erzielte Birkholz sechs der vergangenen sieben Tore des U23-Nationalteams. „Das hat mir in jedem Fall einen enormen Schub für das Selbstvertrauen gegeben. Es freut mich einfach, dass ich da so gut angekommen bin in der U23“, sagt Birkholz. Es ist aber zu berücksichtigen: andere Mitspielerinnen, andere Gegenspielerinnen, teilweise eine andere Philosophie als beim SC Freiburg. Vergleiche lassen sich schwer ziehen, warum beim DFB die Bälle ins Netz gehen und in Freiburg aktuell nicht, so Birkholz.
Inwiefern hilft ein Trainer wie Edmond Kapllani, der einst selbst Stürmer war? „Es beginnt schon bei simplen Sachen, wie beispielsweise der Positionierung beim Einlaufen oder beim Kopfballspiel“, sagt Birkholz. Verbessert habe sie sich ohnehin. Die Trainingsqualität und Intensität seien höher, alles kompetitiver und technisch anspruchsvoller. Dazu komme mehr Krafttraining, was sich positiv auf ihr Durchsetzungsvermögen ausgewirkt habe, betont Birkholz. „Ich muss sagen, dass ich fast in allen Bereichen ein oder zwei Schritte nach vorne gemacht habe. Man hat hier so viele Möglichkeiten, sehr professionell seinen Sport auszuleben“, sagt Birkholz. Ablenkung vom Fußball findet sie auf dem Rennrad. Der Schwarzwald bietet dafür ein Ideal. Höhenmeter sammeln ist indes nicht das Ding von Birkholz. „Ungern“, sagt sie und lacht.
Der Wegzug aus der Heimat, das Debüt im Nationalteam und ein neuer Karriereabschnitt in Freiburg: Hinter Birkholz liegen zwölf intensive Monate. Für einen runden Abschluss fehlt noch das Ende der Torlosserie in der Bundesliga. Zwei Spieltage bleiben ihr noch. Und vielleicht steht ihr künftig mal wieder ein Spielball zu. Sie muss dann nur dran denken.



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