Gesprächsthemen 25. Spieltag: Gerettet. Geschockt. Gefeiert
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Aktualisiert: vor 15 Stunden
Spieltag 25 der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Der 1. FC Nürnberg feiert eine Party, der Hamburger SV muss seine in letzter Sekunde wieder absagen. Und Union Berlin setzt ein Statement samt Würdigung einer Vereinsikone.

Ein Wochenende zwischen Freude und Leid: Bayern München erhält im letzten Heimspiel den verdienten Lohn für diese Saison, den „Silberteller“ für die Meisterschaft. Beim 1. FC Nürnberg finden sich seit der Freitagabendpartie vor allem Feier- und Partybilder in den sozialen Netzwerken: Der „Club“ hat den Klassenverbleib sicher. Das 3:0 gegen die SGS Essen zeigt, warum Nürnberg erstklassig bleibt – während Essen wohl absteigen wird.
Gerettet war kurzzeitig auch der Hamburger SV, ehe Köln noch den Siegtreffer erzielt. Union Berlin feiert hingegen eine bemerkenswerte Rekordmarke und bereitete seiner Trainerin Ailien Poese einen angemessenen Abschied. Die Gesprächsthemen des Spieltags.
1.FC Nürnberg: Gerettet
Essens Torhüterin Kim Sindermann ließ sich ohnmächtig einfach auf den Boden plumpsen. Ihr Gesichtsausdruck: Was ist hier bitte los? Es waren 79 Minuten im Spiel vorüber, aber mit dem gerade erzielten Treffer zum 3:0 war diese Partie zugunsten des 1. FC Nürnberg entschieden. Nürnberg hatte den Klassenverbleib damit sicher, Essen muss höchstwahrscheinlich in die 2. Liga. Warum das eine Team drinbleibt und das andere nicht, zeigte dieser Abend sinnbildlich.
Nürnberg spielte konsequent und gekonnt seine Stärken aus: den vertikalen Ball nach vorne – und die Tempovorteile von Fany Proniez und Nastassja Lein. Gegen viele Bundesligisten stößt diese Idee inzwischen an Grenzen, gegen Essen ging sie an diesem Abend aber voll auf. Das lag an Stellungsfehlern der SGS, an Fehlpässen – und daran, dass Abwehrchefin Jacqueline Meißner erneut in den Angriff beordert wurde und hinten fehlte.
Bei der SGS kumulierte das Narrativ der gesamten Saison: zu viele kleine Fehler, zu wenig Ertrag. Exemplarisch greife ich das 1:0 auf: Einen langen Freistoß von Beatrix Fördős bekam Essen am Sechzehner nicht geklärt. Beim abgefälschten Schuss reagierte Vanessa Fürst dann zu spät: Sie blieb zuvor am Fünfer stehen und schaute dem Ball hinterher, statt dynamisch mitzugehen – Fany Proniez war enteilt und traf aus kurzer Distanz. Der Freistoß selbst war zudem nur entstanden, weil Paulina Platner bei einem Klärungsversuch ein Luftloch schlug. Und das alles in der ersten Spielminute.
Dass Essen viele Situationen spielerisch lösen will, ist zwar ansehnlich, aber auch eine Fehlerquelle – oft bremst es das Team mehr, als dass es hilft. Vorne ließ Essen außerdem durchaus vielversprechende Chancen liegen; auch das ist ein Manko, das sich durch die Saison zieht.
Nürnberg zeichnete hingegen eine Effizienz aus, die solche Spiele entscheidet: Aus einem Expected-Goals-Wert (xG) von 1,83 wurde ein Expected-Goals-on-Target-Wert (xGOT) von 2,75. Heißt: Aus guten Schusschancen holte Nürnberg noch bessere Abschlüsse auf das Tor heraus. Bei Essen war es umgekehrt: Aus einem xG-Wert von 1,43 wurde ein xGOT-Wert von 1,37.
So gehörte den Nürnbergerinnen nach Schlusspfiff die Bühne im Max-Morlock-Stadion: Es wurde hemmungslos gelacht, gehüpft und sich umarmt – was das grenzenlose Glücksgefühl gerade verlangte. Der Aufsteiger bleibt in der 1. Bundesliga.
Hamburger SV: Geschockt
Dass die SGS Essen noch nicht offiziell abgestiegen ist, liegt am späten Siegtreffer des 1. FC Köln am Samstag gegen den Hamburger SV. Durch die 1:2-Niederlage beträgt der Abstand zwischen dem HSV und Essen vor dem letzten Spieltag weiterhin drei Punkte – rechnerisch aufholbar. Allerdings ist die Tordifferenz das große Plus der Hamburgerinnen: Der HSV liegt um elf Treffer besser als Essen. Wir reden also von sehr hypothetischen Chancen für die SGS.
Der HSV sah sich kurzzeitig sogar gerettet. In der 83. Minute traf Annaleen Böhler nach einer Ecke zum 1:1-Ausgleich. Der Zwischenstand kam allerdings nur zustande, weil Köln zuvor fast slapstickartig beste Chancen liegen ließ. Dass Dora Zeller in der siebten Minute der Nachspielzeit das 2:1 erzielte, war zwar glücklich, aber keinesfalls unverdient. Für den HSV war es ein Schock: Der geglaubte Klassenverbleib wurde ihnen mit der letzten Aktion wieder entrissen.
In der Vorwoche hatte ich bereits von einen anderen HSV geschrieben – im positiven Sinne. Womöglich etwas voreilig. Gegen Köln verlief das Spiel für Hamburg nun völlig einseitig, diesmal im negativen Sinne. Im Mittelfeld war der HSV mit einfachsten Passkombinationen auszuspielen, bot enorme Lücken zwischen den Spielerinnen und war oft einen Schritt zu langsam oder zu weit weg – wie Böhler beim 2:1-Siegtreffer von Dora Zeller. Im Aufbauspiel fand der HSV zudem keine Lösungen gegen das „Störspiel“ des Gegners: Wo auch immer ein HSV-Pass hinging, war bereits eine Kölnerin zur Stelle.
Interimstrainer Rodolfo Cardoso führte hinterher „Nervosität“ als Erklärung an. Möglicherweise ein Faktor. Gegen Bayern München im letzten Spiel braucht der HSV einen anderen Auftritt für den Klassenverbleib, gerade gegen den Ball – trotz des deutlichen Vorsprungs in der Tordifferenz. Der FC Bayern dürfte konsequenter mit seinen Chancen umgehen.
In vielen Stadion: Gefeiert
Zum Abschluss etwas fürs gute Gemüt: Davon gab es am Wochenende reichlich in den Stadien der Bundesliga. Zuvorderst ist die Übergabe der Meisterschale an den FC Bayern zu nennen. Meisterinnen sind die Münchenerinnen bereits seit zwei Wochen – im letzten Saison-Heimspiel gab es nun den „Silberteller“ und reichlich Gold-Lametta. Zum Abschied nach sieben Jahren durfte Mala Grohs im letzten Heimspiel das Tor hüten.
Grund zum Feiern gab es auch beim 1. FC Union Berlin. 13.897 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen zum letzten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim. Damit ist Union der erste Frauenklub, der in der Bundesliga die Marke von 100.000 Besucherinnen und Besuchern bei in einer Spielzeit übertrifft. Die offizielle Zahl nach 13 Heimpartien: 106.627. Chapeuz.
Der Spieltag selbst stand vor allem im Zeichen des würdevollen Abschieds von Trainerin Ailien Poese. „Du warst, bist und bleibst Unionerin. Danke, Ailien!“ stand auf einem Transparent – dazu eine Choreo im Fanblock samt großes Bild von Poese. Sie hatte Union als Trainerin von der Regionalliga bis in die 1. Bundesliga geführt. Nun wechselt sie in den Nachwuchsbereich des Vereins. Ihre Nachfolgerin wird Marie-Louise Eta.
Historisches gab es in Bremen zu feiern. Der 7:0-Erfolg gegen Carl Zeiss Jena ist der höchste Sieg der Werder-Bundesligahistorie. Mit Lara Schmidt, Maja Sternad und Larissa Mühlhaus trafen drei Spielerinnen, die den Klub zum Saisonende verlassen. Mühlhaus erzielte sogar drei Tore – eines davon per direkt verwandelter Ecke – und zog damit im Rennen um die Torjägerinnenkanone vor dem letzten Spieltag mit Pernille Harder (FC Bayern) und Selina Cerci (TSG Hoffenheim) gleich. Alle drei stehen bei 16 Treffern.
Was war sonst noch
Der VfL Wolfsburg hat sich Platz zwei und damit die direkte Qualifikation zur Champions League gesichert. Am Samstag siegte der VfL mit 4:2 beim SC Freiburg.
Noch nicht entschieden ist der Kampf um Platz drei: Da Eintracht Frankfurt 0:2 gegen Bayern München verlor, rückte Bayer Leverkusen bis auf zwei Zähler an die Eintracht heran. Leverkusen gewann zum Abschluss des Spieltags trotz 0:1-Rückstands mit 3:1 bei RB Leipzig. Frankfurt spielt am letzten Spieltag gegen Union Berlin, Leverkusen gegen Bremen. Selbst Hoffenheim hat mit drei Punkten Rückstand noch theoretische Chancen auf Platz drei.



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