Frauen-Bundesliga: FBL geht nächsten Schritt – und doch bleiben viele Fragen
Aktualisiert: 14. Mai
Der Frauen-Bundesliga FBL e. V. will die Bundesliga eigenständig organisieren. Das kündigte Katharina Kiel nun an. Gut so. Allerdings muss der DFB mitspielen. Und das könnte dauern. Aber auch die Pläne der FBL bleiben vage – mit offenen Fragen und einer schwierigen Aussage.

Es war etwas ruhig geworden um den Frauen-Bundesliga FBL e. V., dem Zusammenschluss der Frauen-Bundesligisten. Zuletzt meldete sich die Vereinigung Anfang Februar nach der ersten Mitgliederversammlung, um zu verkünden, dass sich alle Bundesligisten gegen eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ausgesprochen haben.
Kurze Rückblende: Ursprünglich sah der Plan im Dezember 2025 vor, mit dem DFB eine GmbH zu gründen, um gemeinsam die Professionalität der Bundesliga voranzutreiben. Dann zerstritten sich beide Seiten in der Frage, wer mehr Stimmrechte im Führungsgremium der GmbH erhalten sollte. Das gemeinsame Vorhaben platzte.
Der neu gegründete FBL e.V. wollte die Dinge daraufhin allein angehen. Offen war hingegen, wie genau – denn die Frauen-Bundesliga gehört dem DFB. Nun veröffentlichte der „kicker“ ein Exklusivgespräch mit FBL-Präsidentin Katharina Kiel.
FBL will die Frauen-Bundesliga organisieren - braucht aber den DFB-Bundestag
Die Neuigkeit aus dem Interview: Die FBL will nach Vorbild der DFL, dem Ligaverband der Männer, die Frauen-Bundesliga künftig eigenständig organisieren. Dafür braucht es einen Grundlagenvertrag mit dem DFB. „Unser Vertragsentwurf geht dem DFB in dieser Woche zu“, sagt Kiel im „kicker“.
Das ist ein gutes Zeichen: Es geht voran. Das Tempo ist jedoch ernüchternd. Der Grundlagenvertrag kann nur auf dem DFB-Bundestag geschlossen werden. Die nächste ordentliche Versammlung steht aber erst im Herbst 2027 an – in eineinhalb Jahren.
„Das ist tatsächlich ein Bremsklotz. Dementsprechend braucht es für einen Grundlagenvertrag, der einen Übergang zur Saison 2027/28 realisiert, einen außerordentlichen Bundestag“, sagt Kiel.
700 bis 800 Millionen versprochen. Ab wann? Wofür? Noch offen
Es ist Eile geboten. Im Herbst 2026 soll die TV-Rechteausschreibung für die Frauen-Bundesliga ab der Spielzeit 2027/28 beginnen. Bleibt es bis dahin ohne Einigung mit dem DFB, obliegt diesem weiterhin die Verhandlung über die neue Rechtevergabe. Für den FBL wäre das der Worst Case. Der DFB ist nun an der Reihe, mit einem „außerordentlichen Bundestag“ einen Schritt auf die FBL zuzugehen. Es wäre wünschenswert, wenn es dieses Mal ohne Knall klappt.
Ansonsten bleiben die Ziele und Vorhaben der FBL in dem Gespräch vage. „Wir werden sehr wahrscheinlich zwischen 700 und 800 Millionen Euro in den nächsten acht Jahren investieren“, sagt Kiel.
Woher kommt das Geld? Ab wann wird investiert? Wie sollen die Investitionen solidarisch unter den Vereinen verteilt werden? Und in welche Bereiche soll das Geld fließen? Das bleibt offen. Vielleicht ist es für diese Fragen auch zu früh. Aber seit einem halben Jahr geistern diese kaum greifbaren Summen durch die Öffentlichkeit, ohne dass sie jemals mit Substanz unterfüttert wurden.
Kiel spricht zwar einige Themen an, beispielsweise die fehlende „Nachwuchsförderung im Frauenfußball“, die „Einführung einer starken Konferenz in der Frauen-Bundesliga“ oder eine „Transferkompensation für Ausbildungsvereine“. Alles wichtige Punkte – aber nur kurz angerissen, ohne konkret zu werden. Das kann allerdings auch dem begrenzten Platz im Interview geschuldet sein.
Die 2. Bundesliga wird von der FBL außen vor gelassen
Die geplatzte GmbH mit dem DFB hat die FBL vor eine neue Situation gestellt. Sich neu auszurichten, kostet Zeit – keine Frage. Grundsätzlich wären aber Fortschritte bei Themen wünschenswert gewesen, die – nach meinem Verständnis – nichts mit dem DFB zu tun haben. Beispielsweise bei den eigenen Zusagen von mehreren hundert Millionen Euro. Was braucht der Frauenfußball aktuell? Wo will man schnellstens etwas bewegen? Das bleibt bislang aus.
Für problematisch halte ich zudem weiterhin die Vernachlässigung der 2. Bundesliga. Kiel spricht im Interview davon, dass von den ursprünglich 100 Millionen Euro über acht Jahre, die der DFB für die gemeinsame GmbH in Aussicht gestellt hatte, nur 60 Millionen an die Erstligisten gehen sollten. „Weil noch Zuwendungen für die 2. Liga, Schiedsrichterwesen und andere Kosten, die nicht direkt auf unsere Weiterentwicklung eingezahlt hätten, inbegriffen waren“, so Kiel.
Das Schiedsrichterwesen obliegt dem DFB. Eine Querfinanzierung durch zugesagte Mittel für den Frauenfußball vermischt zwei Bereiche und erfüllt nicht den eigentlichen Zweck des Investments. Das hätte mich als Bundesligist auch gestört.
Für die Zweitligisten verhält es sich anders. Denn die Aussage von Kiel impliziert: Alles muss in die 1. Bundesliga fließen – nichts in die 2. Liga. Das ist mir etwas zu eigensinnig und übersieht, dass ein funktionierender Wettbewerb in einem Ligensystem eine gewisse Durchlässigkeit benötigt. Wie erfrischend ist es in diesem Jahr, dass alle drei Aufsteiger grundsätzlich konkurrenzfähig sind? Das hilft der gesamten Liga. Mit ihrer Sichtweise läuft die FBL eher darauf hinaus, dass die Kluft zwischen 1. und 2. Liga weiter wächst.
Für die Frauen-Bundesliga ist höchste Dringlichkeit geboten
Die Zweitligisten können sich nun allerdings auf einen Geldregen durch den DFB freuen: Denn die zugesagten 100 Millionen Euro sollen nach Aussage von DFB-Generalsekretär Dr. Holger Blask künftig außerhalb der FBL in Maßnahmen investiert werden.
Vieles wirkt bei der FBL nach außen noch sehr ins Unreine gesprochen. Dabei ist höchste Dringlichkeit geboten. Kiel äußert sich an einer Stelle entsprechend im Interview: „Die Frauen-Bundesliga kommt unter immer stärkeren Wettbewerbsdruck. Selbst der FC Bayern kann nicht alle Spielerinnen in Deutschland halten, weil diese im Ausland deutlich mehr Geld verdienen können.“
Dass die Bundesliga hinterherhinkt, liegt an DFB und Vereinen gleichermaßen. Schließlich hätten auch viele Vereine in der Vergangenheit stärker investieren können. Nun ist das Thema durch die großen Ankündigungen der FBL prominent geworden. Herumgekommen ist bislang allerdings nicht viel. Ein schneller Beschluss eines Grundlagenvertrags wäre ein erster Schritt – und ein dringend benötigter Erfolg für die FBL.



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