top of page

Lydia Andrade: Mit Geduld und neuer Rolle zum späten Glück in Köln

  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 15 Stunden

Lydia Andrade brauchte ihre Anlaufzeit beim 1. FC Köln. Das Spiel gegen den Hamburger SV steht sinnbildlich dafür: erst unglücklich, dann erfolgreich. Die 27-Jährige ist nach schwierigen Monaten plötzlich die Spielerin der Stunde.


Lydia Andrade wird von Marina Heggering umarmt
Foto: Shutterstock/Gabor Baumgarten

Mit Tempo rechts oder links vorbeiziehen, ein halbhoher Abschluss ins Eck, vielleicht auch ein Lupfer – Möglichkeiten, das Tor zu erzielen, hatte Lydia Andrade genug. Schließlich lief sie in der 23. Minute ab der Mittellinie völlig allein auf HSV-Torhüterin Lea Paulick zu. Was dann geschah, fasste Köln-Trainerin Britta Carlson trocken auf der Pressekonferenz zusammen: „Ich glaube, sie war einfach zu lange unterwegs, dann denkst du halt zu viel nach.“ Andrade scheiterte mit einem zentralen Flachschuss schließlich an der herauseilenden Paulick. Kategorie: Sieht für eine Stürmerin doof aus.


Dass Carlson am Ende relativ entspannt auf die Szene zurückblickte, lag einerseits am späten 2:1-Sieg der Kölnerinnen am Samstag gegen den Hamburger SV, andererseits daran, dass Andrade kurz darauf doch noch traf. „Ich habe ihr bei der anschließenden Trinkpause gleich gesagt: Es ist nicht schlimm – es werden noch weitere Torchancen kommen“, so Carlson. Kurz darauf lief Andrade jubelnd zur Ersatzbank – nach einem Querpass von Anna-Lena Stolze schob sie zum 1:0 ein.


Lydia Andrade trifft im dritten Spiel in Serie


„Im ersten Moment war es schon ein bisschen blöd. Den Ball muss ich besser schießen“, sagt Andrade in der Mixed Zone über ihren Fehlschuss. „Ich habe aber sofort gedacht: Das Spiel geht noch lange, ich werde meine Chance noch bekommen.“ Dieser Optimismus ist mitunter auf das gestiegene Selbstbewusstsein der 27-Jährigen zurückzuführen. Die Partie gegen den HSV war schließlich ihr drittes Spiel in Serie in der Startelf – und ihr drittes in Folge mit einem Treffer. Es ist ihre beste Serie in der 1. Bundesliga, die sie quasi zur Spielerin der Stunde beim 1. FC Köln macht. Ein Satz, den vor einigen Wochen wohl kaum jemand so erwartet hätte. Denn bis dato spielte Andrade im Prinzip keine große Rolle.


Das Spiel gegen den Hamburger SV steht nun gewissermaßen sinnbildlich für Andrades Zeit beim 1. FC Köln: Es hat erst mit etwas Verspätung gefunkt.


Schwierige Monate für Lydia Andrade nach dem Wechsel


Im Sommer wechselte sie von RB Leipzig an den Rhein. Ihr Ziel: mehr Spielzeit – auch mit Blick auf das Schweizer Nationalteam. Eine Sprunggelenksverletzung bremste sie jedoch nicht nur mit Blick auf die Heim-EM 2025 aus, sondern erschwerte auch ihren Start in Köln. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, nach einer Verletzung zurückzukommen. Man fängt gefühlt bei Null an“, so Andrade. „Ich musste mich erst wieder daran gewöhnen, Fußball zu spielen.“


Hinzu kam, dass Andrade sich erst an den physischen, intensiven Spielstil der Kölnerinnen gewöhnen musste. Insgesamt waren es schwierige Monate für Andrade, in denen sie überwiegend nur zu Kurzeinsätzen kam – sofern sie überhaupt eingesetzt wurde.


Die Lösung ist der Wechsel in die Sturmspitze


„Wenn eine Spielerin zu einem neuen Verein kommt, sind oft die Abläufe anders, die Spielintensität ist anders. Wir haben ihr vorher ein paar Chancen gegeben, aber da hat sie sich selbst nie so wohl gefühlt. Der Kopf spielt dann irgendwann auch eine große Rolle“, sagt Carlson, betont aber auch: „Lydia hat im Training immer Vollgas gegeben. Ich habe ihr gesagt: Du musst eine gewisse Geduld haben. Das versteht eine Spielerin natürlich nicht, aber sie hat einfach weiter hart gearbeitet.“


Was schließlich half, war ein Positionswechsel. Entgegen ihrer Profilbeschreibung als Flügelspielerin setzte das Trainerinnen- und Trainerteam Andrade als Mittelstürmerin ein. „Wir haben im Training gemerkt, dass sie immer dann leichter ins Spiel gefunden hat, wenn wir sie als Stürmerin in die Spitze gestellt haben“, sagt Carlson.


Das übertrug sich auch auf den Ligabetrieb. Ihr Tempo, ihre Beweglichkeit und ihre Tiefenläufe in der Sturmspitze führen inzwischen nicht nur bei Abwehrspielerinnen für Schnappatmung, sondern vor allem bei Torhüterinnen: Gegen Hoffenheim überrumpelte sie mit ihrem Tempo TSG-Torhüterin Laura Dick und blockte deren Klärungsversuch ins Tor; gegen Werder Bremen erlief sie einen zu kurzen Rückpass, umkurvte Torhüterin Mariella El Sherif und vollendete aus spitzem Winkel – vor über 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im RheinEnergieStadion.


Lob von Trainerin Britta Carlson


„Ich finde, Lydia hat es in den vergangenen Spieltagen super gemacht. Sie arbeitet hart dafür“, sagt Carlson abschließend. Andrade selbst fühlt sich inzwischen angekommen in Köln. „Ich mag es sehr hier“, sagt sie und fügt mit Blick auf ihren Durchbruch im Saisonendspurt hinzu: „Besser spät als nie. Ich bin immer drangeblieben. Das hat sich ausgezahlt – und darüber bin ich sehr froh.“


Dass ihr Formhoch nun mit dem Saisonende zusammenfällt, stört Andrade nur bedingt. „Ich möchte eine Waffe für das Team sein – und das werde ich auch in der nächsten Saison zeigen“, sagt Andrade. Bis dahin kann sie auch weiter an ihren Stürmerqualitäten arbeiten – um solche Torchancen wie gegen den Hamburger SV künftig abgeklärt im Netz zu versenken.

 
 
 

Kommentare


bottom of page