Nationalteam: Christian Wück verpasst mit seinen Nominierungen eine große Chance
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Aktualisiert: vor 6 Tagen
Bundestrainer Christian Wück hat das Aufgebot für die ersten beiden Länderspiele 2026 bekanntgegeben. Die Überraschung: Es gibt keine Überraschung. Dabei wäre der Zeitpunkt für neue Impulse ideal gewesen.

Freundschaftsspiele gehören für Nationalteams der Vergangenheit an. Inzwischen besitzt jede Begegnung Wettbewerbscharakter – sei es in einer Turnierqualifikation oder in der Nations League. Das macht es für Zuschauer reizvoller, bringt für einen Nationaltrainer wie Christian Wück allerdings auch Nachteile mit sich. Schließlich hat jede Partie nun ein gewisses Gewicht. Personelle und sportliche „Experimente“ müssen da gut durchdacht sein.
2026 ist zumindest ein Jahr ohne großes Sommerturnier. Das bedeutet: Nicht jedes Spiel gilt in der Öffentlichkeit automatisch als Gradmesser für das Abschneiden bei WM oder EM. Auch der Bundestrainer muss nicht jede Entscheidung zwingend mit Blick auf diese Termine abwägen. Das schafft mehr Freiräume. Eigentlich.
Christian Wück setzt eher auf Vertrauen anstatt auf neue Impulse
Christian Wück hat für die erste Nominierungsrunde 2026 einen anderen Weg gewählt: Er verzichtet auf Überraschungen. Und genau das ist im Prinzip die Überraschung. Wück setzt für die ersten beiden Länderspiele des Jahres ausschließlich auf bewährte Kräfte.
„Wir wollen den Spielerinnen das Vertrauen geben. Wir haben im letzten Jahr eine ganz gute Grundlage gefunden und wollen auf Basis dieser Kadersituation unseren Weg weitergehen“, sagte der Bundestrainer bei der Nominierung. Weniger wohlwollend gelesen klingt das ein wenig nach einer geschlossenen Gesellschaft. Kann er so machen. Das Leistungsprinzip sollte Wück aber nicht vollständig ausblenden.
Vanessa Fudalla hat ihre Chance verdient
Ich will jetzt nicht populistisch mit der Faust auf den Tisch hauen: Der muss Fudalla mitnehmen! Aber die erneute Nichtnominierung von Vanessa Fudalla ist diskutabel. Zwölf Tore – Bestwert in der Bundesliga – sowie vier Assists sind das eine. Das andere sind ihre Auftritte: Fudalla kommt aus einem offensiven, aktiven Spielstil bei Bayer Leverkusen, der Wücks Fußballidee nicht unähnlich ist.
Der Bundestrainer ist seinen Aussagen zufolge aber weiterhin nicht von Fudalla überzeugt:
„Ich sehe andere Spielerinnen vor ihr – und das hat sich in den letzten Bundesligaspielen nicht geändert. Die Tür ist für keine Spielerin zu. Aber das ist eine Entscheidung, die ich zum aktuellen Zeitpunkt so getroffen habe, und daran hat sich in den vergangenen Monaten nichts geändert. Wir setzen uns jede Woche zusammen. Ich lasse keine Spielerin zu Hause, die uns weiterhelfen könnte.“
Ob allerdings Spielerinnen wie Laura Freigang, die sich derzeit nicht in Bestform ist, Vivien Endemann, die beim VfL Wolfsburg nicht immer erste Wahl ist, und Lea Schüller, die bislang mit Wücks Spielweise fremdelt, weiterhelfen, lässt sich diskutieren. Es ehrt Wück, dass er diesen Spielerinnen vertraut. Ob das jedoch der Gesamtqualität zuträglich ist, darf infrage gestellt werden. Es hätte ja kein Rundumschlag sein müssen, und nicht jede gute Phase muss automatisch zu einer Berufung ins Nationalteam führen – ein oder zwei neue Gesichter hätten sich aber angeboten. Eine Larissa Mühlhaus, eine Sofie Zdebel, eine Lisa Baum – oder eben Fudalla.
Die lange Abstellphase hätte neue Spielerinnen integrieren können
Wück hat sein Nationalaufgebot bislang zumeist aus Systemspielerinnen zusammengestellt – also aus Spielerinnen, die am besten zu seinem Spielmodell passen. Dabei war nicht immer die Leistung im Verein ausschlaggebend. Das hat einigen Spielerinnen wie Carlotta Wamser oder Franziska Kett zum Durchbruch im Nationalteam verholfen. Bei Fudalla würde ich argumentieren, dass sie sich als vielseitige Spielerin durchaus in Wücks Fußball zurechtfinden würde. Leistungsmäßig hat sie sich diese Chance allemal verdient.
Das erste Spiel bestreitet Deutschland am 3. März gegen Slowenien. Es ist kein hochkarätiger Gegner – von außen betrachtet ein idealer Zeitpunkt, um personell etwas ausprobieren zu können. Am 7. März folgt das zweite Qualifikationsspiel gegen Norwegen. Insgesamt stehen dem Bundestrainer drei Wochen mit der Nationalmannschaft zur Verfügung – eine ungewöhnlich lange Abstellungsperiode. Auch das hätte die Möglichkeit geboten, neue Spielerinnen intensiv zu beobachten: wie sie spielerisch und menschlich ins Nationalteam passen. Wück hat das offenbar nicht für notwendig erachtet. Eine verpasste Chance?



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