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Olivia Alcaide: Vom Abenteuer in Istanbul zum Glücksgriff für Jena

  • vor 5 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Fünf Treffer in sieben Spielen: Olivia Alcaide ist auf Anhieb eine Bereicherung für das Spiel von Carl Zeiss Jena. Hinter der Schwedin liegt ein ereignisreiches Halbjahr bei Fenerbahçe. Doch in Jena fühlt sich die 28-Jährige deutlich wohler. Davon profitiert das Team – durch Tore, Tempo und Zimtschnecken.


Olivia Alcaide im Teamkreis bei Carl Zeiss Jena
Foto: Hannes Anger

Dass Olivia Alcaide inzwischen für Carl Zeiss Jena spielt, hat viel mit einem Anruf zu tun, den sie im Juni 2025 bekam. Am anderen Ende der Leitung: ihr Berater. Ein Angebot liege vor – von Fenerbahçe aus Istanbul. Ob das interessant sei?


Damals spielte Alcaide semiprofessionell als Torjägerin in der zweiten schwedischen Liga bei Jitex BK, einem Verein aus ihrer Heimat Göteborg. Ihre Ambitionen lagen jedoch höher. „Vor etwa drei Jahren habe ich beschlossen, mal zu schauen: Wie weit kann ich gehen?“, sagt Alcaide.


Erst Innenarchitektin, dann noch einmal alles auf den Fußball gesetzt


Talent besaß sie immer, aus Göteborg zog es sie jedoch nie weg. „Ich habe angefangen zu studieren, habe als Innenarchitektin gearbeitet. Der Fußball war zwar immer da, stand aber nie wirklich an erster Stelle“, sagt Alcaide.


Die Rückkehr zu ihrem Jugendverein Jitex BK im Sommer 2023 war für Alcaide jedoch die Initialzündung.: Wozu reichen meine fußballerischen Qualitäten? Diese Frage war auf einmal zentral für die damals 25-Jährige. „Es fühlte sich ein bisschen so an wie: Jetzt oder nie“, sagt Alcaide. Bei Jitex BK erzielte sie in zwei Jahren 25 Tore. Fenerbahçe war dann der Anruf, auf den sie gewartet hatte.


Göteborg ist zwar Schwedens zweitgrößte Stadt (rund 600.000 Einwohner), Istanbul allerdings eine ganz andere Welt: laut, lebendig, trubelig – und an Eindrücken schlicht überwältigend. Alcaide ging es nicht anders, nun als eine von etwa 15 Millionen Einwohnern in Istanbul. „Es ist eine Stadt, die nie schläft“, sagt sie lachend. „Ich habe aber Freunde fürs Leben gefunden.“


Bei Fenerbahçe kommt Olivia Alcaide nicht zum Zug


Fenerbahçe, der Istanbuler Klub auf der asiatischen Seite der Stadt, hatte für Alcaide zudem eine familiäre Verbindung: Der Mann ihrer Tante ist der schwedische Ex-Fußballer Kennet Andersson, 83-facher Nationalspieler und 1994 WM-Dritter mit Schweden, der von 2000 bis 2002 für Fenerbahçe spielte. „Das war wie ein Zeichen“, sagt Alcaide lachend.


Dennoch: Das Leben in ihrer neuen Heimat Jena gefällt der Schwedin deutlich besser als in der Metropole Istanbul. „In Jena fühle ich mich ein bisschen mehr zu Hause. In Schweden gibt es viele Wälder und Natur. Und es ist einfach etwas in der Luft, das anders ist. Es ist schwer zu beschreiben. Aber Jena ist eher wie Schweden als Istanbul“, sagt Alcaide. Ein größeres Kompliment kann es für die thüringische Stadt kaum geben.


Alcaide kam im Januar dieses Jahres nach Jena. Ihre Zeit bei Fenerbahçe dauerte letztlich nur ein halbes Jahr – ihre sportlichen Hoffnungen hatten sich in Istanbul nicht erfüllt. Beim aktuellen Tabellenführer in der Türkei kam sie in der Hinrunde auf vier Einsätze und 41 Minuten Spielzeit. Sie bat vorzeitig um einen Wechsel. Den Schritt in die Türkei will Alcaide rückblickend jedoch nicht missen: „Es war ein Abenteuer und absolut bereichernd.“


Für ihr erstes Tor in Jena gab es Zimtschnecken für das Team


Für Jena ist die 28-Jährige bislang ein Glücksgriff. Fünf Tore in sieben Pflichtspielen sind Werte, die man beim Klub in dieser Form nicht alle Tage sieht. Der Kontakt zum Bundesligisten kam über einen Berater zustande. Über die Winterverpflichtung sagt, Isabelle Knipp, Sportdirektorin bei Carl Zeiss Jena:


„Olivia bringt genau die Eigenschaften mit, die wir gesucht haben: Präsenz im letzten Drittel, einen gewissen Torriecher und eine hohe Intensität im Spiel gegen den Ball. Sie soll unserem Angriffsspiel mehr Durchschlagskraft verleihen und uns dabei helfen, insgesamt variabler und gefährlicher zu werden."

Im zweiten Einsatz schoss Alcaide direkt den 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit gegen Union Berlin. Und das Teamritual in Jena will es so, dass für Premierentreffer etwas gebacken werden muss. Alcaide entschied sich für Zimtschnecken – typisch schwedisch.


Foto: Hannes Anger
Foto: Hannes Anger

Im DFB-Pokalviertelfinale gegen den SC Sand erzielte Alcaide in der vergangenen Woche sogar einen Hattrick beim 4:1-Erfolg; gegen den Hamburger SV traf sie zur frühen 1:0-Führung (Endstand 1:1). Damit ist Alcaide bereits jetzt zusammen mit Isabella Jaron beste Torschützin bei Jena in dieser Spielzeit.


Was es persönlich mit ihr macht, nach einem torlosen Halbjahr in Istanbul wieder regelmäßig zu treffen? „Es ist wirklich unglaublich, einfach wieder auf dem Platz zu stehen und meine Stärken zu kennen – und die bestehen darin, niemals aufzugeben.“


Olivia Alcaide glaubt weiter an den Klassenverbleib für Jena


In Jena hat Alcaide erstaunlich schnell Fuß gefasst. Der Verein habe es ihr aber auch leicht gemacht, sagt sie: „Ich hänge mich sehr schnell an ein Team, wenn ich das Gefühl habe: Okay, hier bin ich richtig.“ Sportlich fühle sie sich ebenfalls wohler als in Istanbul. „Als Team sind wir in Jena besser strukturiert und haben eine klare Vorstellung davon, wie wir spielen wollen“, sagt sie und fügt an: „Wir sind in einer Situation, in der jedes Tor und jeder Angriff zählt. Wir spielen viel über Konter, und ich bin jemand, der viel läuft und schnell ist – das passt zu meiner Spielweise.“


Aktuell rangiert Jena mit zehn Punkten am Tabellenende der Bundesliga. Der erste Nichtabstiegsplatz liegt fünf Zähler entfernt. Alcaide bleibt für die verbleidenden sechs Ligapartien jedoch zuversichtlich. „Wenn wir an das glauben, was wir leisten können, haben wir eine Chance. Solange wir zusammenarbeiten, werden wir unseren Weg finden, um nächstes Jahr in der 1. Bundesliga zu spielen“, sagt sie. Alcaide hat mit ihren Toren zumindest die Hoffnungen auf einen Klassenverbleib in Jena erhöht.


 
 
 

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