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Investitionen im Frauenfußball: Union tut das, was Eintracht Frankfurt versäumt

  • vor 6 Tagen
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Aktualisiert: vor 3 Tagen

Jella Veit ist die nächste Spielerin, die Eintracht Frankfurt verlässt. Ihr Ziel: Union Berlin. Es ist ein weiterer Beleg dafür, wie ernst Union den Frauenfußball nimmt. Über Frankfurt lässt sich das derzeit nicht sagen – trotz aller Möglichkeiten des Klubs.


Lisa Heiseler ist die Kapitänin von Union Berlin
Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten

Wer es mit Eintracht Frankfurt hält, muss sich womöglich noch an diesen Anblick gewöhnen. Elisa Senß posierte am Donnerstag erstmals in den sozialen Netzwerken im Trikot von Real Madrid. Ihr Abgang war indes schon lange bekannt. Weitaus überraschender ist dagegen die künftige Optik bei Jella Veit: Die Abwehrspielerin wurde am Donnerstag ebenfalls von ihrem neuen Arbeitgeber Union Berlin vorgestellt. Und bei Veit dürften vor ein paar Wochen wohl die wenigsten gedacht haben, dass sie nun eine Ex-Frankfurterin ist.


Die Abgangsseite bei Eintracht Frankfurt hat aktuell ein deutliches Übergewicht – nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in Sachen Qualität. Bereits am letzten Spieltag gab es zum Abschied Blumensträuße für Senß, Géraldine Reuteler, Nadine Riesen und Nicole Anyomi. In den Wochen darauf kamen die beiden Abgänge von Lisanne Gräwe, ebenfalls zu Union Berlin, und Jella Veit hinzu. Dazu später mehr.


Die vielen Abgänge irritieren angesichts der öffentlichen Auftritte


Zunächst möchte ich bei der Eintracht bleiben. Mit Katharina Kiel als Präsidentin des Ligaverbands FBL e.V. hat sich der Klub prominent an der Spitze des deutschen Frauenfußballs positioniert. Kiel ist de facto die Stimme der Liga und kündigte bereits Investitionen von „700 bis 800“ Millionen Euro in den kommenden Jahren an. Ebenso unüberhörbar war Eintrachts Vorstandschef Axel Hellmann in seiner Rolle als Verhandlungsführer, als es im Herbst 2025 mit dem DFB um ein Joint Venture für die Bundesliga ging. Zwangsläufig musste der Eindruck entstehen: Die Eintracht marschiert im Frauenfußball als Bannerträgerin in der ersten Reihe.



Umso irritierender wirken die vergangenen Wochen. Von dem Anspruch, als Verein im Frauenfußball eine Vorreiterrolle einzunehmen, ist derzeit nur noch wenig zu erkennen. Gewiss: Manche Spielerinnen mag der Schritt ins Ausland gereizt haben. Für Real Madrid zu spielen und in Madrid zu leben? Dazu würden wohl nur die wenigsten Nein sagen. Dass Reuteler nach acht Jahren in Frankfurt sportlich noch einmal etwas anderes erleben möchte, absolut nachvollziehbar.


Aber dass Veit sowie Gräwe, trotz bestehenden Vertrages, lieber zu Union Berlin wechseln, obwohl Frankfurt in der kommenden Saison international spielt? Moment mal. Was spricht gegen die Eintracht? Die Perspektive? Das Finanzielle? Die Wertschätzung? Alles spekulativ. Aber irgendetwas muss es sein, das Union für die beiden Nationalspielerinnen nun attraktiver macht. Das wiederum lässt Rückfragen bezüglich Frankfurts Weg im Frauenfußball.


Finanziellen Möglichkeiten in Frankfurt wären vorhanden


Finanziell wäre es für die Eintracht als Gesamtklub – behaupte ich – machbar gewesen, einer Nationalspielerin wie Nicole Anyomi ein Angebot zu machen, welches sie eventuell vom Verbleib überzeugt hätte. Dafür reicht ein Blick auf die Erlöse der vergangenen zwei Spielzeiten. Auch Gräwe und Veit hätte der Verein finanziell bessere Konditionen bieten können, um sie zum Bleiben zu bewegen. Gemessen am Gehaltsvolumen im Männerbereich wären das allesamt „Peanuts“ gewesen. Nur: Offenbar wollte oder konnte Frankfurt das nicht.


Ein Blick in die Vereinskasse: In der Spielzeit 2024/25 erzielte die Eintracht Frankfurt Fußball AG einen Umsatz von 389,1 Millionen Euro und lag damit nur knapp unter dem Rekordwert der Vorsaison von 390,5 Millionen Euro. Das lag vor allem an höhen Transfererlösen. Dass die AG das Geschäftsjahr trotzdem mit einem Verlust von 8,3 Millionen Euro abschloss, lag vor allem an den massiv gestiegenen Personalkosten der Männermannschaft auf 177,3 Millionen Euro – ein Anstieg um 25,4 Prozent. Künftig könnte das Minus sogar noch wachsen, nachdem die Männer den Sprung ins internationale Geschäft verpasst haben. Rentabel ist der Männerfußball in Frankfurt aktuell nicht. Das Eigenkapital liegt dank Kapitalerhöhung laut der Eintracht trotzdem bei 65 Millionen Euro. Geld ist, ganz plump ausgedrückt, also vorhanden.


Eintracht Frankfurt scheut offenbar große Investitionen


Klar ist natürlich: Das Männerteam ist das Zugpferd des Klubs und generiert fast alle Einnahmen. Zu berücksichtigen ist jedoch stets, dass im Männerfußball die Einnahmesummen exorbitant höher liegen als bei den Frauen, die nicht ansatzweise die gleichen Möglichkeiten haben. Es ist anzunehmen, dass trotz Verluste bei den Männern weiter investiert wird, während bei den Frauen – bei deutlich niedrigeren Summen – Verluste offenbar stets zur Bremse erklärt werden.


Axel Hellmann äußerte sich in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau 2024 allgemein zur wirtschaftlichen Situation der Frauen. Folgend zwei Aussagen, ungekürzt, damit der Kontext erhalten bleibt. 

“Wir müssen anders als andere Klubs vorher erwirtschaften, was wir investieren. Wir haben den höchsten Umsatz im deutschen Frauenfußball. Aber andere wie Bayern und Wolfsburg haben eine andere Bezuschussungstiefe. Es ist eines der Probleme des Frauenfußballs, dass das Geschäftsmodell in Deutschland gar nicht tragfähig ist, um flächendeckend in die Infrastruktur zu investieren. Es sei denn, es wird an den jeweiligen Standorten durch den Männerfußball oder externe Kapitalgeber subventioniert. Das kann für eine gewisse Zeit funktionieren, darf aber kein Dauerzustand sein.”
 „Wir hatten 2022/23 einen Gesamtumsatz von 3,6 Millionen im Frauenfußball. Darin sind Medien-, Zuschauer- und Marketingerlöse. Das ist der höchste Umsatz national, und auf europäischer Ebene stehen wir an Position acht. Zum Vergleich: Barcelona hat 13 Millionen. Wir sind der erlösstärkste Klub im deutschen Frauenfußball, können aber nicht die größten Investitionen in den Kader machen.”

Weshalb Frankfurts Frauen erst erwirtschaften müssen, was investiert werden kann und warum Frankfurt keine größeren Investitionen in den Kader tätigen kann, bleibt in dem Interview offen. Da ich keinen Einblick in die Finanzen der Eintracht habe, bleibe ich im Konjunktiv. Zwar sind die Aussagen zwei Jahre alt, aber angesichts der vielen Abgänge von Leistungsträgerinnen drängt sich der Eindruck auf: Wirklich bereit, mehr in den Frauenfußball zu investieren, scheint Frankfurt nicht zu sein. Wirtschaftlich mag das begründet sein. Aber im Fußball gilt: Ohne Investitionen kann nur schwierig etwas wachsen.


Union Berlin ist der Gegenentwurf zu Eintracht Frankfurt


Damit komme ich zu Union Berlin. Dessen Präsident Dirk Zingler hat der "Bild"-Zeitung zuletzt ein Interview gegeben. Manche Aussagen waren gewiss polemisch, in der Sache aber setzte seine Argumentation durchaus Treffer. Es ging unter anderem um Unions Engagement im Frauenfußball - und um die Bereitschaft, trotz Verlusten erhebliche Summen zu investieren. Zingler sagte:

„Welcher männliche Fußballklub hat sich denn am Anfang selbst gerechnet? Es wurde anfänglich immer in Stadion und Kader investiert. Frauenfußball ist bei uns daher kein eigenes Ökosystem. Ich betrachte Union als Ganzes, und wir wollen für unseren Standort das Optimum herausholen.“

Es ist ein Seitenhieb auf die oft zögerliche Haltung anderer Vereine im Frauenfußball. Denn bei vielen Bundesligisten herrscht weiterhin die Meinung vor, der Frauenfußball müsse erst rentabel sein, bevor weiter investiert werde. Dass das ein Irrglaube ist, zeigt Zingler deutlich auf.


Unions Commitment ist (noch) ein Alleingang.


Bei Union gehört allerdings die Fußnote dazu, dass auch dieser Verein seine Frauenabteilung jahrelang nicht gefördert hat. Mit dem sportlichen Aufschwung und den stark gestiegenen Einnahmen im Männerbereich haben der Klub und Zingler den Frauenfußball jedoch für sich entdeckt. Seitdem lebt Union in seinem Klub einen gleichberechtigten Fußball vor, der unter den deutschen Lizenzvereinen einzigartig ist. Die Summen, die der Union dafür investiert, dürften trotzdem kaum so hoch sein, dass sie für andere Klubs nicht zu stemmen wären. Und doch ist Unions Commitment (noch) ein Alleingang.


Dass zwei Nationalspielerinnen wie Gräwe und Veit den Weg zu Union Berlin gehen, erscheint da fast folgerichtig. Union will im Frauenfußball wachsen. Bei Frankfurt habe ich meine Zweifel. Sportlich sieht die Eintracht zumindest aktuell recht ambitionslos aus. Dass Laura Freigang möglicherweise eine Sperre aufgrund ihrer Kontrollversäumnissen bei Dopingtests bevorsteht, erschwert die Situation zusätzlich. In diesem Fall gilt es jedoch, abzuwarten.  


Noch liegt der gesamte Transfersommer vor der Eintracht. Mit Larissa Mühlhaus ist dem Klub ein großer Transfer geglückt. Aktuell wirkt Frankfurt jedoch nicht wie ein Bundesligist, der im Frauenfußball um jeden Preis vorankommen will – trotz der vorhandenen Möglichkeiten.

 
 
 

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