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TSG Hoffenheim: Virsingers ideale Spielwiese für das Trainerinnendebüt

  • 21. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Feb.

Bei der TSG Hoffenheim übernimmt Eva Maria Virsinger erstmals die Rolle als Cheftrainerin. Die Voraussetzungen sind ideal: Das Team ist intakt, der Europapokal in Sichtweite. Große Veränderungen braucht es daher nicht – Virsinger ist vor allem bei den kleineren Dingen gefragt.


    Foto: TSG Hoffenheim
Foto: TSG Hoffenheim

Die erste Amtshandlung von Eva‑Maria Virsinger als Trainerin der TSG Hoffenheim war ein Brunch – eine gute Gelegenheit, um zwischen Brot und Käse in ruhiger Atmosphäre das Team kennenzulernen. Denn im Anschluss waren die Tage streng durchgetaktet. Am 5. Januar trug Virsinger erstmals die TSG‑Trainingsjacke, am 25. Januar steht bereits das erste Pflichtspiel gegen Eintracht Frankfurt an. Dazwischen lag ein achttägiges Trainingslager auf Malta. Ach ja, ihren 31. Geburtstag feierte Virsinger in dieser Zeit ebenfalls.

 

Der Auftakt in ihre Cheftrainerinnen‑Karriere verlief entsprechend intensiv. Der berufliche Aufstieg ist für Virsinger der logische nächste Schritt, wie sie bei ihrer öffentlichen Vorstellung sagt: „Das vergangene Jahr hat mir viel Klarheit gegeben – wie ich den Fußball sehe, wie ich trainieren möchte, wie ich mit Spielerinnen und auch mit dem Trainerteam arbeiten möchte.“

 

Die nötige Pro‑Lizenz erwarb sie im vergangenen Jahr; Praxiserfahrung sammelte sie seit 2021 als Assistenztrainerin beim VfL Wolfsburg – unter Tommy Stroot und Ex‑TSG‑Trainer Stephan Lerch. Zudem absolvierte sie Hospitanzen bei Sebastian Hoeneß in Stuttgart und beim portugiesischen Frauen‑Nationalteam. Die Anfrage der TSG kam nun zur richtigen Zeit. Vom Verein wird Virsinger als „Wunschlösung“ für die Nachfolge von Theodoros Dedes beschrieben, der im November gehen musste.


Unter Assistent Thomas Johrden holte die TSG Hoffenheim zuletzt drei Siege

 

Die damalige Trennung ließ durchaus Interpretationsspielraum. Zwar war Hoffenheim am Tag zuvor torreich im DFB‑Pokal gegen Eintracht Frankfurt (4:6) ausgeschieden, in der Liga lag das Team mit Platz sechs jedoch nur drei Zähler hinter Rang drei. Vielsagend hieß es in der Pressemitteilung zur Trennung, „dass Verein und Trainer in einigen grundlegenden Fragen zur Ausrichtung sowie zur Herangehensweise im Mädchen‑ und Frauenfußball unterschiedliche Auffassungen verfolgen.“ Wer den Interviews am darauffolgenden Spieltag bei Magenta Sport zuhörte, konnte dann den Eindruck gewinnen: Offenbar stimmte die Kommunikation zwischen Trainer und Team nicht mehr.

 

 Foto: TSG Hoffenheim
Foto: TSG Hoffenheim

Bis zum Jahresende rückte daraufhin Assistent Thomas Johrden in die Chefrolle und erfüllte diese Aufgabe mit drei Siegen aus vier Spielen mit Bravour. Die TSG sprang in der Tabelle auf Rang vier. Für Virsinger ergibt sich damit eine ungewöhnliche Ausgangslage.

 

Denn normalerweise treten neue Trainerinnen oder neue Trainer während einer Saison eine Stelle an, weil vorher ein Verein sportlich arg in Schieflage geraten ist. Es sind dann zumeist Rettungsmissionen, mit viel mentaler Aufarbeitung und etlichen Problemanalysen verbunden. Diese Punkte kann Virsinger überspringen. Das Team ist spielerisch gefestigt und ging mit drei Siegen in Serie bestens gelaunt in die Winterpause. Es gibt schlechtere Ausgangslagen für eine erste Trainerinnenstation.



Im Sturm muss Eva Maria Virsinger auf den Abgang von Kössler reagieren

 

Virsinger muss allerdings der Spagat gelingen, dem Team ihre eigene Handschrift zu verleihen, ohne dabei zu viel einzureißen. Sie muss keine Maurerin sein, ihre Aufgabe ist eher die einer Stuckateurin bei der TSG. Virsinger scheint sich dessen bewusst zu sein:


„Es geht darum zu schauen, was als Fundament schon vorhanden ist, wo wir aufbauen können – aber auch, wo ich klare, neue und eigene Impulse setze."

 

Etwas mehr Umbaubedarf besteht indes im Angriff. Melissa Kössler verließ Hoffenheim kurzfristig, um sich ihren Traum von der National Women’s Soccer League beim Denver Summit FC zu erfüllen. Kössler war sowohl in der Kabine als auch auf dem Platz ein Anker – und die ideale Sturmpartnerin für Selina Cerci. Für Virsinger dürfte es das erste größere Projekt sein, dafür die richtigen Antworten zu finden.


Virsingers Spielstil: Mutig, aber mit Blick auf die Balance

 

Was der Trainerin auf dem Platz wichtig ist: ein intensives und aktives Spiel, durchaus mutig, aber stets mit Blick auf die Balance – wann es schnell gehen muss und wann ein Angriff geduldig vorbereitet werden sollte.


„Mir ist es wichtig, dass wir den Spielerinnen weniger stupide taktische Muster an die Hand geben, sondern sie zu starken Entscheiderinnen auf dem Platz entwickeln. Sie sollen in jeder Situation die bestmögliche Lösung finden können.“

 

Nach eigener Aussage beschäftigte sie sich vor allem mit den Spielen im Dezember: Was hat bei den Siegen gegen Union Berlin (3:0), RB Leipzig (3:2) und Carl Zeiss Jena (5:1) gut funktioniert, welche Anpassungen haben geholfen? Unter anderem stellte Interimstrainer Johnen, der inzwischen wieder Co-Trainer ist, auf eine Dreierkette um. Es ist gut möglich, dass dies auch unter Virsinger so bleibt.

 

Die Testspiele brachten zumindest bemerkenswert gute Ergebnisse gegen den FC Basel (4:0), PSV Eindhoven (4:1) und den SC Freiburg (4:0) hervor. Aber es sind eben nur Testspiele. Die erste Bewährungsprobe folgt am Sonntag bei Eintracht Frankfurt. Es ist gleich ein Topspiel mit hoher Relevanz im Kampf um Platz drei, den letzten Europapokalplatz. Für Virsinger ist es nach eigener Aussage der ideale Start – sie mag solche Herausforderungen.

 

Die 31‑Jährige bringt klare Vorstellungen, Akribie und Ehrgeiz mit zur TSG. Aus dem jungen, hochtalentierten und gut besetzten Kader kann mit Virsinger in Hoffenheim durchaus etwas entstehen.

 
 
 

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