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Streit zwischen Frauen-Bundesliga FBL und DFB: Der Frauenfußball ist der große Verlierer

  • 6. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Feb.

In Machtfragen werden sich der Frauen-Bundesliga FBL e.V. und der DFB nicht einig. Das schadet dem Frauenfußball und bedeutet Stillstand – obwohl es dringend Fortschritte bräuchte. Beide Seiten tragen Verantwortung dafür.


Eine Spielerin des 1. FC Köln am Boden. Im Streit zwischen FBL und DFB ist der Frauenfußball der Verlierer
Foto: Shutterstock / Vitalii Vitleo

Wer sich die Mitteilungen der Vereine nach der ersten Mitgliederversammlung der Frauen-Bundesliga FBL e.V. anschaut, dem fallen durchaus Unterschiede auf. Fast in jedem Statement ist vage von den „Weichen für die nächste Entwicklungsschritte“ zu lesen.


Bei wenigen Vereinen heißt es zusätzlich, dass „zentrale Entscheidungen für die weitere Ausrichtung der Frauen-Bundesliga getroffen“ wurden. Warum einige Vereine auf diesen Zusatz verzichteten, ist interessant, muss aber nicht überbewertet werden. Wer jedoch die Mitteilungen aufmerksam liest, fragt sich schon: Welche zentralen Entscheidungen sind denn getroffen worden? Konkret wird dazu nichts erwähnt. Viel Interpretationsspielraum, kaum Fortschritte. Dabei hätte die Frauen-Bundesliga FBL e.V. positive Nachrichten dringend gebrauchen können.


Frauen-Bundesliga FBL und DFB streiten um das Sagen


Es bleibt daher öffentlich nur ein Thema hängen: Der FBL, also die Vereinigung der Bundesligavereine, sagt vorerst Nein zu einem Joint Venture mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Das bedeutet de facto vorerst Stillstand für den deutschen Frauenfußball – obwohl es eigentlich dringend Bewegung bräuchte. Knackpunkt soll nach Medienberichten weiterhin die Frage sein, wer in dem geplanten Joint Venture letztendlich das Sagen hätte. Und es ist bedauerlich, dass beide Seiten in dieser Machtfrage keinen Schritt weitergekommen sind.


Der FBL ist damit in seiner ursprünglichen Idee weiterhin handlungsunfähig. Denn in der Partnerschaft mit dem DFB sollte der FBL ab dem 1. Juli insbesondere die Vermarktung der Liga auf ein neues Niveau heben. Nun gehört das Produkt Bundesliga weiterhin allein dem DFB – der FBL bleibt außen vor. Die Medienausschreibung für die Bundesliga ab der Spielzeit 2027/28 soll im Herbst starten, und aktuell scheint es offen, ob sich beide Seiten bis dahin einigen. Dann verhandelt - nach aktuellem Stand - der DFB allein darüber, welche Medienerlöse die Klubs in den kommenden Jahren erhalten. Eine große vertane Chance für die Vereine.


Der DFB hat ein Commitment abgegeben


Es ist einfach, mit dem Finger nun in Richtung des bösen DFB zu zeigen. Immerhin soll dieser mehr Mitbestimmung fordern. Und der DFB trägt nach wie vor eine historische Bringschuld für den Frauenfußball. Aber der DFB hat zumindest eine klare Summe genannt, die er für den Frauenfußball investieren will: 100 Millionen Euro, verteilt über acht Jahre. Von den Vereinen hingegen geistern medial Summen zwischen 300 und 900 Millionen herum – konkreter ist es bilang nicht geworfen. Wann, in welchem Rahmen und wie viel? Das ist bislang nicht öffentlich kommuniziert.


Aus den Verhandlungen sind keine Inhalte bekannt. Sollte es jedoch so sein, dass die Vereine in den Gesprächen mit dem DFB ebenfalls keine eindeutigen Summen nennen konnten, hätte der DFB durchaus einen Punkt, wenn er auf mehr Mitspracherecht pocht – immerhin hat er ein klar beziffertes Commitment abgegeben. Die Vereine in diesem Fall nicht. Das ist allerdings nur ein Gedanke.


Ein Fortschritt wäre es beispielsweise, wenn die Vereine eine fixe Mindestsumme vereinbaren würden, die künftig für den Frauenfußball investiert wird – oder besser noch: einen festen Prozentsatz vom Gesamtumsatz, um die Investitionen fair an die Möglichkeiten jedes Vereins anzupassen. Das wäre ein greifbares Commitment.


Eine externe Person als Verhandlungshilfe?


Die Gespräche mit dem DFB führten neben dem Präsidium des neuen FBL e.V., bestehend aus Katharina Kiel, Veronica Saß und Florian Zeutschler, auch die bereits zuvor entsandte Verhandlungsgruppe aus dem Männerfußball: Axel Hellmann (Vorstandssprecher Eintracht Frankfurt), Jan-Christian Dreesen (Vorstandschef Bayern München), Oliver Leki (Finanzvorstand SC Freiburg) und Klaus Filbry (Geschäftsführer Werder Bremen). Seitdem der Männerfußball für die Belange der Frauen mitmischt, wird zwar deutlich lauter diskutiert –aber nicht wirklich fortschrittlicher.


In den Verhandlungen geht es in dieser Konstellation zumindest nicht vorwärts. Mit der Eigenständigkeit der Verein funktioniert eine Einflussnahme auf die Bundesliga womöglich nur mit einem Grundlagenverlag mit dem DFB. Nach diesem Vorbild ist die Beziehung zwischen DFB und DFL, der Vereinigung der Männer-Bundesligisten, geregelt. Dazu braucht es allerdings neue Verhandlungen mit dem DFB. Vielleicht wäre es sinnvoll, über eine Person nachzudenken, die die Vereine vertritt, ohne selbst einem der Vereine anzugehören – und die nicht vorbelastet durch frühere Auseinandersetzungen mit dem DFB ist. Also jemand nach dem Vorbild von Christian Seifert, der im Männer-Ligaverband DFL vorstand. Als Idee für alles, was nun zwischen dem DFB und FBL ansteht.


Die angedachte Partnerschaft zwischen dem DFB und den Vereinen klang einst hoffnungsvoll für den Frauenfußball, ist inzwischen jedoch ein großes Fiasko in der Außendarstellung. Professionalisierungspläne sollen bereits auf dem Tisch gelegen haben – darunter ein Mindestgehalt von 3000 Euro, bessere Stadioninfrastruktur und mehr Vollzeitstellen im Betreuerstab.


Ob und wie diese nun ohne Joint Venture umgesetzt werden, ist spannend zu verfolgen. Ebenso wie die weiteren Schritte der FBL. Im Streit mit dem DFB ist der Frauenfußball aktuell der große Verlierer.

 
 
 

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