Redebedarf 6. Spieltag: Chance vertan. Chance nutzen. Überhaupt eine Chance?
Spieltag sechs der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Hat sich Eintracht Frankfurt im Topspiel unter Wert verkauft? In Wolfsburg wird über einen Treffer diskutiert, der vielleicht gar keiner war. Und Mainz stößt in der Bundesliga offenbar an seine Grenzen.

Die Gesprächsthemen des 6. Spieltags:
Eintracht Frankfurt: Chance vertan
Niko Arnautis klang nach der Partie am Mikrofon von MagentaSport überraschend gut gelaunt. Dass sein Team gerade 0:1 verloren hatte? Man sah es Arnautis im Grunde nicht an.
Klar, der Gegner war Bayern München. Aber ist es der Anspruch der Eintracht, schon zufrieden zu sein, wenn die Niederlage gegen Bayern nur knapp ausfällt? Stammtisch, übernehmen Sie!
Insgesamt hat Eintracht Frankfurt ein gutes Spiel gezeigt, vor allem defensiv. Bayern erzeugte nur selten Torgefahr und kam auf einen Expected-Goals-Wert von 1,06. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Bayern wegen personeller Ausfälle und Regeneration nicht in Bestbesetzung aufliefen – das war dem Spiel anzusehen. Gerade in der Offensive entwickelte sich nicht ihr gewohnt druckvolles Spiel, das Fehler erzwingt, Räume öffnet und zu etlichen Torchancen führt.
Im Prinzip lebte das Angriffsspiel der Bayern von der aktuell unfassbar spielfreudigen Klara Bühl, die dann auch das einzige Tor der Partie erzielte – symptomatisch per Konter nach einer Frankfurter Ecke, bei der die Eintracht in der Restverteidigung nicht gut aussah und Nina Lührßen gegen die Vorlagengeberin Sophie Proost besser ein taktisches Foul hätte ziehen sollen.
Was ich mir jedoch erhofft hätte: mehr Aggressivität, mehr Ekligsein, mehr Risikobereitschaft vonseiten der Eintracht. Warum das Spiel der Münchnerinnen angesichts deren personeller Situation nicht noch stärker herausfordern?
Spielkontrolle kann es gegen die Bayern nicht geben. Der Umschaltansatz war grundsätzlich sinnvoll, funktionierte auf dem Platz aber nur bedingt. Oft lief sich Laura Freigang fest, weil ihr die Unterstützung fehlte, oder die Aktionen waren zu ungenau. Situativ höher anlaufen, als Teamverbund weiter nach vorne schieben und mehr Druck auf die Münchnerinnen ausüben, um Ballgewinne in gefährlichen Zonen zu erzwingen: Wer, wenn nicht Frankfurt, sollte den Münchnerinnen in der Liga auf diese Weise begegnen? Natürlich, schreibt sich leicht …
Ich hätte nach Spielschluss aber damit gerechnet, dass sich Arnautis mehr ärgert. Denn in meinen Augen hat Frankfurt in diesem Spiel eine vielversprechende Ausgangslage liegen gelassen.
Dass Arnautis einmal mehr seine Wechseloptionen nicht ausschöpfte, irritiert zusätzlich. Der Trainer griff nur auf drei seiner fünf Wechselmöglichkeiten zurück, obwohl sein Team in der Schlussphase konditionell sichtbar an seine Grenzen stieß. Auch wenn die Optionen auf der Bank nicht optimal waren: Jarne Teulings, Jamilla Rankin oder Pia-Sophie Wolter hätten sich als frische Kräfte angeboten.
Ein 0:1 ist achtbar, aber im Grunde ohne Wert – es bleibt eine Niederlage. Zumal, wenn das Gefühl besteht, dass Frankfurt hätte mehr erreichen können.
FSV Mainz 05: Überhaupt eine Chance?
Vor zwei Wochen verdienten sich die Mainzerinnen mit ihrem Auftritt gegen Eintracht Frankfurt (2:3) berechtigterweise Applaus. Die Partie gegen RB Leipzig war dagegen nun das komplette – und für Mainz – ernüchternde Kontrastprogramm. Das hohe Endergebnis von 0:5 ist letztlich irrelevant. Viel entscheidender: Mainz hatte im Prinzip keine Chance, dieses Spiel zu gewinnen. Das dürfte auch das Trainerteam noch intensiver beschäftigen. Denn Leipzig spielte bislang alles andere als eine gute Saison – Mainz, so ist zu vermuten, wird sich also durchaus etwas ausgerechnet haben. Dass nach sechs Spielen nun weiterhin null Zähler auf dem Punktekonto stehen, kratzt irgendwann auch an der Moral.
Die Ansätze gegen Leipzig waren lange Bälle auf Stürmerin Vital Kats, die allerdings zu selten Unterstützung bekam, sowie Umschaltsituationen, die meist zu hektisch ausgespielt wurden. Fast jedes Mal war den Mainzerinnen anzusehen, dass sie in gefährlichen Zonen zu viele Gedanken gleichzeitig im Kopf hatten. Erfahrung, die dem FSV in der 1. Bundesliga noch fehlt. Im Angriffsdrittel kamen lediglich 53 von 114 Pässen an – eine Quote von 46 Prozent.
Die Probleme liegen ebenso im Verbindungsspiel. Das Mittelfeld ist zu selten ein Faktor, was den Spielaufbau hemmt. Die vier Startelfspielerinnen im Zentrum – Gentiana Fetaj, Rio Takizawa, Akari Kurishima und Yurina Imai – kamen gegen Leipzig zusammen auf 65 erfolgreiche Pässe. Ihre Passquote lag bei 69 Prozent. Das ist zu wenig, um aus dem Mittelfeld Akzente für das Offensivspiel zu setzen.
Ähnliches galt für die Standardsituationen. Zwei der bislang lediglich drei Saisontreffer der Mainzerinnen fielen nach ruhenden Bällen. Dieses Potenzial blieb gegen Leipzig ungenutzt – und das darf sich der FSV eigentlich nicht erlauben.
Natürlich geht es auch um die Frage der Qualität des Teams für die 1. Bundesliga. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern ergibt sich schlicht aus den Rahmenbedingungen der Abteilung. An guten Tagen kann die Mannschaft mithalten – das hat das Spiel gegen Frankfurt gezeigt. An durchschnittlichen Tagen ist für Mainz offenbar nichts zu holen. Das wurde gegen Leipzig deutlich.
Frauenfußball FBL: Chance nutzen
Ball über der Linie oder nicht? Handspiel? Strafbar oder nicht? Beim Führungstreffer des VfL Wolfsburg zum 1:0 gegen den Hamburger SV gab es genug Diskussionsstoff.
Wer die Zeitlupen sieht, kann erkennen, dass Ella Peddemors im Duell mit Magou Doucouré ihren Arm zum Ball bewegt und diesen wahrscheinlich berührt. Da beide Spielerinnen aber miteinander verhakt sind und Doucoures Arme ebenfalls umherschwingen, ist das in Realgeschwindigkeit schwierig zu erkennen - auch wenn die Schiedsrichterin eigentlich gute Sicht hatte. Sollte nicht passieren. Und passiert im Fußball trotzdem.
Keine Debatten sollten grundsätzlich entstehen, ob ein Ball anschließend vollständig über der Linie war oder nicht.
Bereits vor zwei Wochen war beim Spiel zwischen Mainz und Frankfurt unklar, ob ein Klärungsversuch der Mainzerinnen vor oder hinter der Linie stattgefunden hatte. Die Schiedsrichterin sagte nein, die TV-Bilder gaben keine Klarheit. Nun gibt es ein weiteres Beispiel aus Wolfsburg.
Die Kameraperspektiven und Zeitlupen, die anschließend gezeigt wurden, waren erneut eher unbefriedigend. Tendenz ja, aber hundertprozentig lässt es sich nicht auflösen, ob der Ball vollumfänglich hinter der Linie war. Das Tor der Wolfsburgerinnen wurde anerkannt. Als Eigentor von Doucoure. Restzweifel bleiben.
Ich will nun keine grundsätzliche Diskussion über den Videoassistenten (VAR) eröffnen. Dessen Einführung in der Frauen-Bundesliga halte ich angesichts der Voraussetzungen in den meisten Spielstätten derzeit für utopisch. Aber wie sieht es mit Techniken wie dem Chip im Ball und dem Hawk-Eye-System aus? Dafür sind mehrere Messkameras erforderlich, die die Bewegung des Balls in Tornähe erfassen. Meist sind diese am Stadiondach montiert. In dieser Hinsicht stoßen viele Spielstätten im Frauenfußball an ihre Grenzen, da nicht alle vollständig überdacht sind.
Allerdings galt das bei der Einführung in der Männer-Bundesliga zur Saison 2015/16 auch für das Stadion des SV Darmstadt. Deshalb wurden dort mobile Masten für die Kameras errichtet. Es gibt also Lösungen. Und inzwischen sind die Technik und die Messverfahren zehn Jahre weiterentwickelt. Irgendetwas muss sich in dieser Zeit ja getan haben …
Ich bin kein Experte für die Technik und die dafür nötigen Voraussetzungen. Im Zuge der Modernisierung, die der Ligaverband FBL für die Bundesliga plant, wäre es aber eine Chance, die Torlinientechnik offen zu diskutieren.
Das kostet natürlich auch etwas. Laut einem Bericht des Kicker liegt die Summe für die Torlinientechnik in der Männer-Bundesliga bei rund 2,3 Millionen Euro jährlich. Für die Frauen-Bundesliga dürfte sie aufgrund der geringeren Anzahl an Spielen und Teams etwas niedriger ausfallen. Nach einer absoluten Laienschätzung meinerseits könnten auf die Abteilungen Kosten von 100.000 bis 150.000 Euro zukommen. Summen, die grundsätzlich nicht abschrecken sollten – und eventuell den derzeitigen Lizenzvereinen der Liga für eine höhere Professionalität im Frauenfußball wert sein sollten.
Was war sonst noch?
Zum Sportlichen der Partie zwischen Wolfsburg und dem HSV: Wolfsburg dominierte das Spiel (27:9 Torschüsse, 17:0 Ecken), tat sich aber trotzdem schwer, die drei Punkte einzufahren. Die eingewechselte Anny Kerim-Lindland erzielte schließlich den 2:1-Siegtreffer.
Keine gute Phase durchlebt hingegen die VfL-Torhüterin Stina Johannes: Beim zwischenzeitlichen 1:1 zögerte sie zunächst, aus dem Tor zu kommen, und ließ den Ball anschließend im kurzen Eck passieren. Das sah nicht gut aus – und reihte sich in mehrere unsichere Momente der vergangenen Wochen ein.
Drei Punkte hatte sich lange Zeit Werder Bremen nach einer sehr guten ersten Halbzeit und einer 2:0-Führung gegen Bayer Leverkusen drei Punkte verdient. Im zweiten Abschnitt drehte Leverkusen dann das Spiel und gewann noch mit 3:2. Hatte ein leichtes Deja-Vu vom späten 2:3 der Bremerinnen vor einigen Wochen gegen Wolfsburg
Ein weiterer Befreiungsschlag gelang Union Berlin mit dem 4:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart. Lina Hausicke erzielte zwei Tore. Ebenfalls den zweiten Saisonsieg feierte die TSG Hoffenheim dank eines späten 2:1-Erfolges gegen den 1. FC Nürnberg. Der SC Freiburg schlug außerdem den 1. FC Köln dank einer verunglückten Flanke von Carina Brunold, die glücklicherweise für den SC ins Tor segelte. Ein Montagsspiel gab es an diesem Spieltag nicht.



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