Redebedarf 7. Spieltag: Streitpunkt. Spielausfall. "Spezialtraining".
Der siebte Spieltag der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Das Spiel zwischen Freiburg und Leipzig ist im Prinzip mit einer Szene in der 18. Minute entschieden, in Bremen liegen die Spielerinnen größtenteils im Bett und der 1. FC Köln feiert seine Jubiläumsspielerin.

Die Gesprächsthemen:
SC Freiburg: Streitpunkt Platzverweis
Seit zwei Jahren gibt es die sogenannte Ref-Cam in der Frauen-Bundesliga, eine Kleinbildkamera am Headset der Schiedsrichterin. Eine nette Ergänzung für Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Bildschirmen, gibt sie doch oft hilfreiche Einblicke, wie ein Spiel aus dem Blickfeld der Schiedsrichterin wahrgenommen wird. Leider kommt diese Technik aber nur bei ausgewählten Spielen zum Einsatz. Auch bei der Partie am Freitagabend zwischen Freiburg und Leipzig gab es keine Ref-Cam. Bedauerlicherweise.
Es geht um die Situation in der 18. Minute, in der Emanuela Pfister vor dem Strafraum im Duell mit Julia Stierli zu Fall kommt. Entscheidung von Schiedsrichterin Daniela Kottmann: Rot wegen Notbremse – oder wie es offiziell heißt: „Vereiteln einer offensichtlichen Torchance“.
Dass es ein Foul ist, keine Frage. Auch wenn der Kontakt nur minimal ist und Pfister dafür umso spektakulärer zu Fall geht – der Griff von Stierli geht halt zum Arm. Das ist zu ahnden. Entscheidender ist jedoch: War es eine offensichtliche Torchance, die da per Foul gestoppt wurde?
Unstrittig ist, dass Stierli im Moment des Fouls die letzte Freiburger Verteidigerin war. Pfister schiebt in der Szene allerdings mit dem Ball gerade nach innen – und damit in Richtung der anderen beiden Freiburgerinnen, die mit etwas Abstand hinterherlaufen. Hätte eine der beiden Freiburgerinnen sie noch stellen können? Gut möglich. Immerhin wären für Pfister noch einige Meter bis zum sinnvollen Torabschluss zurückzulegen gewesen.

Linienrichterin Melissa Joos stand außen auf Höhe der Spielszene und hätte den Abstand zu den nachrückenden Freiburgerinnen aus besserer Perspektive beurteilen können. Inwiefern sie Kottmann bei deren Entscheidung für Rot bestätigt hat oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Kottmann zog zumindest relativ schnell die Rote Karte.
Ich kann das alles nun ausführlich bewerten, da ich Zeitlupen und Standbilder habe. Das alles hatte Kottmann am Freitag nicht. Sie musste sofort entscheiden. Umso interessanter wäre der Blick aus der Ref-Cam auf die Situation gewesen. Meine persönliche Meinung: Gelb hätte ausgereicht. Nicht wegen des frühen Zeitpunkts im Spiel. Davon darf sich eine Schiedsrichterin nicht beeinflussen lassen. Sondern weil ich glaube, dass eine der zwei weiteren Freiburgerinnen Pfister aufgrund ihrer Bewegung nach innen noch erreicht hätte. Ist Rot aber die falsche Entscheidung? Nein.
Für einen Aufschrei zum Thema „Der Frauenfußball braucht den VAR“ taugt die Szene daher nicht. Es ist kein klares Fehlurteil. Ergo hätte der VAR nichts revidieren dürfen.
In Überzahl dominierte Leipzig fortan das Spiel, kam allerdings erst in der zweiten Halbzeit zu Torerfolgen. Am Ende gewann Leipzig mit 3:0.
1.FC Köln: „Spezialtraining“ trägt Früchte
Gegen den SC Freiburg vor der Länderspielpause haderte Kölns Trainerin Britta Carlson noch deutlich mit der Abschlusseffizienz. Folge: „Wir haben bewusst mehr aufs Tor trainiert, gerade aufgrund der Freiburg-Geschichte“, sagte Carlson nun mit Bezug auf die vergangenen Trainingswochen. Dieses „Spezialtraining“ hat sich offenbar vor allem für Pauline Bremer ausgezahlt.
Beim 3:1-Sieg gegen den Hamburger SV erzielte sie in der Bundesliga drei Treffer in einer Partie. In ihrem 100. Bundesligaspiel. Wobei anzumerken ist, dass ihr erster Treffer in die Kategorie „Slapstick-Tor“ fällt, da ihre Flanke von links ohne Kontakt ins Tor flog. Gewollt war das nicht. Für Treffer Nummer eins lief sich Bremer hingegen im Stile einer Mittelstürmerin frei, bei Treffer Nummer zwei schlenzte sie den Ball gekonnt aus der Distanz ins Eck. Vielleicht war auch das ein Learning aus der Kölner Trainingswoche: mehr Abschlüsse wagen.
An Ehrgeiz und Fleiß fehlt es Bremer keinesfalls. Das bestätigte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel auch Carlsson: „Pauli hat einen sehr hohen Anspruch an sich selbst. Sie ist eine Spielerin, die in jedem Training ihre Tore zählt.“ Nur in der Torbilanz an Spieltagen gab es bislang überschaubar etwas zum Zählen für Bremer: ein Tor nach sechs Spieltagen. Als laufstarke Spielerin, die sich oft auf dem Flügel oder tiefer als Anspielstation anbietet, bringt Bremer auch andere Qualitäten mit. Treffer sind trotzdem bei einer Stürmerin nicht unwichtig.
Gegen Hamburg stimmte für Carlson nun das Gesamtpaket: „Sie hat extrem viele Wege für das Team gemacht und Bälle festgemacht. Das ist ihr sonst nicht so oft gelungen. Das ist die Pauline Bremer, die wir immer wieder mal gesehen haben, aber vielleicht nicht über 90 Minuten.“
Ein Pfund im Spiel der Kölnerinnen ist zudem das Mittelfeldzentrum. Laura Vogt und Laura Feiersinger sind Prototypinnen für das Verbindungsspiel. Immer anspielbar, immer gewinnbringend positioniert und immer mit dem Blick dafür, wo Räume bespielt werden können – gerade für scharfe Passspiele in die Tiefe. Insbesondere Vogts Assist zum 1:0 durch die Kette der Hamburgerinnen steht sinnbildlich dafür – auch wenn die HSV-Abwehr in der Szene unsortiert war. Das Auge für die Situation braucht es trotzdem. Auch Feiersinger bereitete einen Treffer von Bremer vor.
In Summe spielt Köln mit vier Siegen aus sieben Spielen aktuell den besten Saisonstart der eigenen Bundesligageschichte.
Werder Bremen: Spielausfall durch Krankheitswelle
Auf eine Partie musste an diesem Spieltag verzichtet werden. In Bremen konnte nicht gespielt werden. Und wer aufgrund der fehlenden Rasenheizung auf der Sportanlage Platz elf direkt beim Wetter ist, liegt dieses Mal falsch. Bremen fehlten krankheitsbedingt schlicht zu viele Spielerinnen, um einen Spieltagskader zu stellen. Denn laut DFB-Ordnung braucht es dafür mehr als 14 Spielerinnen gemäß Spielberechtigungsliste. Auf diese Zahl kam Bremen demnach nicht, auch, da ab Samstag offenbar weitere Krankheitsfälle hinzukamen. In der Reserve sollen laut Werder ebenfalls mehrere Spielerinnen von der Krankheitswelle erwischt worden sein.
Eine vergleichbare Situation ist mir aus der jüngeren Vergangenheit des Profifußballs tatsächlich nicht bekannt. Die Durchführungsbestimmungen in der DFB-Spielordnung geben für so einen Fall jedoch Möglichkeiten einer kurzfristigen Spielabsage. Davon hat Werder Gebrauch gemacht.
Dass die offizielle Absage erst zwei Stunden vor Spielbeginn verkündet wurde, sieht unglücklich aus – ist womöglich aber dem Prozedere dahinter geschuldet. Nach einem Bericht von „buten un binnen“ brauchte es erst ärztliche Atteste für alle erkrankten Spielerinnen. Ob eine Spielabsage früher hätte entschieden werden können, ist aus der Ferne schwierig zu beurteilen. Vor Samstag allerdings wohl kaum. Und dann wäre die TSG Hoffenheim ohnehin schon auf dem Weg nach Bremen gewesen. Mit den Gästen sei Werder seit Samstagabend im Austausch gewesen. Der DFB und die TSG stimmten dem „Antrag auf Absetzung“ schließlich zu. Wie vielen Spielerinnen insgesamt erkrankt seien, darüber machte Bremen keine Angaben.
Ein Nachholtermin ist noch nicht bekannt. Für Bremen steht das nächste reguläre Spiel am kommenden Sonntag in Freiburg an. Bis dahin, so werden sie in Bremen hoffen, ist ein Großteil des Kaders wieder gesund – oder hat sich bestenfalls nicht zusätzlich angesteckt.
Was war sonst noch?
Im Topspiel aus der Verfolgergruppe des FC Bayern gab es zwischen Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt keinen Sieger, dafür aber sehenswerte Tore. Zunächst traf Estrella Merino Gonzalez per direkt verwandelter Ecke zur Leverkusener Führung, später erzielte Laura Freigang nach einer Ballstafette den Ausgleich.
Der VfL Wolfsburg sicherte sich einen Pflichtsieg beim 5:0 in Mainz. Mit zwei Toren erhöhte Ella Peddemors ihr Trefferkonto auf sieben – und ist damit weiterhin die beste Torschützin der Liga. Auch der FC Bayern gewann ungefährdet mit 5:0 gegen den zweiten Aufsteiger, den VfB Stuttgart.
Der 1. FC Union Berlin ist mit dem dritten Sieg in Serie endgültig mit der Saison im Reinen und kann wieder zuversichtlich auf die Tabelle schauen. Gegen den 1. FC Nürnberg gab es einen 2:1-Erfolg. Nürnberg zeigt gute Ansätze und setzte vor allem in der Anfangsphase das Spiel der Berlinerinnen unter enormen Druck. Doch der Aufwand blieb einmal mehr unbelohnt. In der zweiten Halbzeit baute Nürnberg dann sichtbar ab. Ein wiederkehrendes Problem der Nürnbergerinnen in dieser Spielzeit.



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