Frauen-Bundesliga: Fünf Thesen für die Rückrunde
- 20. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Feb.
Am Freitag beginnt die zweite Saisonhälfte der Frauen‑Bundesliga. Was sie für uns bereithält? Fünf Prognosen über Bayern München, Alexandra Popp, die TSG Hoffenheim, den 1. FC Köln und die SGS Essen.

Die Meisterschaft ist im Prinzip entschieden. Der Kampf um Europacup-Platz drei ist hingegen so offen wie selten, und auch der Abstiegskampf verspricht Spannung. Es gibt also viele Gründe, sich auf die zweite Saisonhälfte zu freuen. Spekulieren macht daher besonders Spaß. Fünf Thesen für den Verlauf der Rückrunde.
Bayern München gewinnt alle Rückrundenspiele
Wow. Gewagte Prognose ... Bayern München hat die Liga bislang schließlich fast mühelos dominiert. Dass ausgerechnet gegen Schlusslicht Carl‑Zeiss Jena der einzige Nicht‑Sieg (0:0) heraussprang, wirkt für einige vermutlich zunächst wie ein statistischer Fehler. Es wäre keine Überraschung, wenn Bayern auch den Rest der Saison siegreich bestreitet – trotz der anspruchsvolleren Aufgaben in Champions League und DFB‑Pokal.
Ich möchte allerdings auf den historischen Kontext hinweisen: Ungeschlagene Teams gab es in der Bundesliga häufiger: Bayern München in den Spielzeiten 2023/24 und 2014/15, ebenso der 1. FFC Frankfurt 2006/07 und 2000/01 sowie der TSV Siegen in den beiden Premierenjahren der Bundesliga 1991/92 und 1990/91.
Mit Siegen in allen verbleibenden 13 Ligaspielen setzt Bayern jedoch eine neue Bestmarke: Denn alle Partien bis auf eine zu gewinnen – das ist bisher noch keinem Team gelungen.
Alexandra Popp verlässt Wolfsburg als Torschützenkönigin
Im Torranking zur Winterpause belegt Alexandra Popp gemeinsam mit Selina Cerci (TSG Hoffenheim) Platz eins. Beide stehen bei zehn Treffern. Popp liegt damit gut im Rennen um die Auszeichnung der besten Torjägerin – einen Titel, den sie trotz ihrer herausragenden Karriere bislang nur einmal, in der Saison 2022/23, gewonnen hat.
Ob Popp über den Sommer hinaus beim VfL Wolfsburg bleibt, ist derzeit offen. Ihr Vertrag läuft aus, ein Wegzug aus Wolfsburg scheint nicht unwahrscheinlich. Der Gewinn der Torjägerinnen‑Kanone ist der perfekte sportlicher Abschied für die dann 35‑Jährige nach 13 Jahren in Wolfsburg.
Ihre Laufbahn geht jedoch weiter. Als künftiger Arbeitgeber hält sich hartnäckig Borussia Dortmund als Gerücht. Die Frauen‑Abteilung des BVB befindet sich im Aufwind, womöglich ab Sommer als Zweitligist – und Popp ist seit ihrer Kindheit glühende Anhängerin des Vereins …
1. FC Köln spielt um den Einzug in den Europapokal mit
Unter Trainerin Britta Carlson gelang dem „Effzeh“ mit 18 Zählern die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte. Nach 14 Spieltagen steht Platz acht zu Buche. Klingt nicht zwingend nach Chancen auf den Europapokal.
Doch es gilt zu bedenken: Der 1. FC Köln verlor die ersten drei Saisonspiele, holte im Anschluss jedoch 21 Punkte aus den folgenden elf Partien – inklusive des Sieges zum Rückrundenauftakt gegen RB Leipzig (2:0). In dieser Phase sammelten nur Bayern München (33 Punkte) und der VfL Wolfsburg (27 Punkte) mehr Zähler. Das sieht dann schon deutlich mehr nach Spitzenteam aus.
Die Punkte sind das eine, die Auftritte das andere: Köln spielt inzwischen einen gut organisierten Fußball, mit gefestigten Abläufen. Die positive Entwicklung ist keine Überraschung – und meiner Meinung nach noch nicht abgeschlossen. Köln klettert in der Rückrunde tabellarisch weiter nach oben, lässt sogar den Rheinrivalen Bayer Leverkusen hinter sich und spielt bis zuletzt um den Europacup‑Platz drei mit.
Hoffenheim spielt kommende Saison international
Das Rennen um Platz drei – und die damit verbundene Qualifikationschance zur Champions League – gewinnt letztendlich jedoch die TSG Hoffenheim. Aktuell rangiert die TSG auf Platz vier, einen Zähler hinter Werder Bremen auf Position drei. Die neue Trainerin Eva‑Maria Virsinger übernimmt ein intaktes Team, das in der Hinrunde bereits beeindruckende Werte erzielte: die drittmeisten Abschlüsse, den viertbesten Expected‑Goals‑Wert, den drittbesten Expected‑Assists‑Wert sowie die drittbeste Passquote (79,3 Prozent) laut „fbref.com“.
Der Kader ist hochtalentiert, ausgeglichen und gleichzeitig erfahren. Selbst den Abgang von Melissa Kössler in die US‑Profiliga NWSL (Denver Summit FC) kann die Mannschaft kompensieren. Durch Virsinger erhält das Team zusätzliche Impulse, Selina Cerci dreht groß auf (wird aber nicht Torschützenkönigin!) und die TSG steigert sich insgesamt im Vergleich zur Hinrunde. Die Folge: Am Ende steht Platz drei in der Abschlusstabelle.
Die SGS Essen sichert sich frühzeitig den Klassenverbleib
Die Hinserie dürfte den Verantwortlichen der SGS etliche gedankengeplagte Nächte beschert haben. Ein Fehlstart samt einer überfordernden neuen Spielidee, eine frühe Trainerentlassung und verunsicherte Spielerinnen prägten die ersten Saisonwochen. An Erfolgserlebnisse war kaum zu denken. Erst langsam formte Interimstrainerin Jessica Wissmann daraus wieder ein konkurrenzfähiges Team – mit der typischen SGS‑DNA aus viel Laufarbeit, Defensivstärke und hoher Einsatzbereitschaft. Neun Punkte und Platz zwölf nach 14 Spieltagen waren der Lohn.
Die Tendenz stimmt, das Engagement der Spielerinnen sowieso. In der Rückrunde erkämpft sich die SGS auf diese Weise weitere Punkte. Denn das Team ist den Abstiegskampf größtenteils gewohnt und entsprechend widerstandsfähig. Zudem findet Natasha Kowalski ihre Form der vergangenen Jahre wieder. Mit wichtigen Toren führt sie die Essenerinnen vorzeitig zum Verbleib in der 1. Bundesliga.
Und wer steigt ab? Der Hamburger SV und Carl Zeiss Jena.



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