Gesprächsthemen 24. Spieltag: Große Kulisse, große Probleme, große Bedeutung
- 4. Mai
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Aktualisiert: vor 16 Stunden
Der 24. Spieltag der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Warum der 1. FC Köln in einem Punkt auf Augenhöhe mit Bayern München ist, beim verbesserten Hamburger SV ein Grundproblem auftritt - und bei Eintracht Frankfurt eine Spielerin mit einer starken Rückrundenserie überzeugt.

In dieser Woche gibt es eine verkürzte Form der Spieltagsanalyse. Denn bis zum Bayern-Spiel am Mittwoch gegen die TSG Hoffenheim will ich nicht warten. Für die Münchenerinnen stand am Sonntag Champions League statt Ligaalltag an. Der Traum vom Endspiel blieb jedoch unerfüllt: Bayern verlor das Rückspiel mit 2:4 gegen den FC Barcelona.
In der Bundesliga lockte der 1. FC Köln über 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer ins große Stadion und fand auf großer Bühne seine Köln-Qualitäten wieder. Der Hamburger SV zeigte ebenfalls ein neues Gesicht, verlor allerdings gegen Union Berlin – der Ball wollte nicht ins Tor geht. Eine Frage der Qualität? Der HSV bräuchte eine Spielerin wie Rebecka Blomqvist. Die Gesprächsthemen des Spieltags.
1.FC Köln: Auf Augenhöhe mit dem FC Bayern München
Wer es mit dem 1. FC Köln hält, hatte vor dem Spiel durchaus Gründe zur Skepsis. Die 2:6-Niederlage in Hoffenheim in der Vorwoche war nicht zwingend ein Mutmacher für das „Highlightspiel“ im großen Stadion. Am Ende erwies sich Werder Bremen allerdings als dankbarer Gegner für diesen Anlass – anders kann ich es nicht sagen. Trainerin Friederike Kromp brachte es anschließend auf den Punkt: „Der Akku war leer.“ Das dürfte sich sowohl auf die physische als auch die mentale Verfassung der Bremerinnen beziehen.
Köln wirkte wiederum von der großen Kulisse sichtbar beflügelt. Konsequente und enge Frau-gegen-Frau-Verteidigung, direkter Zugriff in Zweikämpfe, gute Pressingmomente und eine enorm hohe Laufleistung. Kurz: Ein ekliger Auftritt für jeden Gegner – genau das, was Köln sein will. An diesem Tag war es nahe am Ideal.
Zwei exemplarische Situationen, in denen Köln schlicht wacher und energischer auftrat. In der 16. Minute wurde Larissa Mühlhaus in der eigenen Hälfte früh unter Druck gesetzt, spielte einen zu langsamen Rückpass, den Lydia Andrade erlief und zum 1:0 einschob. Kurz darauf reagierte Michelle Ulbrich am Sechzehner bei einem abgefälschten Schuss zu langsam, sodass Anna-Lena Stolze in ihrem Rücken zuerst an den Ball kam und wuchtig aus 16 Metern zum 2:0 traf.
Insbesondere in der Spielfeldmitte standen Stolze und Laura Vogt ihren Gegenspielerinnen Lina Hausicke und Juliane Witz stets auf den Füßen, was Werder sichtlich im Aufbauspiel einschränkte. Vor dem Sechzehner räumte Marina Heggering mustergültig alles per Kopf oder Grätsche weg. Und vorne harmonierten Pauline Bremer als Zielspielerin und Andrade als schnelle Spielerin für Steckpässe.
Es war ein Auftritt, der an jene Phase zum Ende der Hinrunde erinnerte, als Köln zu den formstärksten Teams der Liga zählte – und der in Teilen der Rückrunde zwischenzeitlich verloren gegangen war. Dass die Kölnerinnen diese Stärke im Stadion-„Highlight“ wieder so klar auf den Platz brachten, rundet eine ohnehin ordentliche Saison für den „Effzeh“ passend ab.
Interessanter Aspekt zur Kulisse: Kölns Partie gegen Bremen zog mit 30.411 Zuschauerinnen und Zuschauer fast so viele Leute an wie eine Woche zuvor das Champions-League-Halbfinale in der Allianz Arena zwischen Bayern München und den FC Barcelona (31.000). Ein Punkt für den Standort Köln.
Hamburger SV: Große Probleme vor dem Tor
Jede Fußballanalyse tritt in den Hintergrund, wenn es um die Gesundheit einer Spielerin geht. Der Zusammenbruch von Magou Doucouré geht einem nahe. Umso erleichternder ist, dass es ihr nach Vereinsangaben inzwischen besser geht und sie wieder zu Hause ist. Zur Ursache machte der HSV bislang keine Angaben.
Zum Sportlichen: Der HSV wirkt wie ein anderes Team als noch vor wenigen Wochen.
Was sich seit der Trennung von Liése Brancão verändert hat, beschrieb Christoph Rohmer, Direktor NLZ und Sportstrategie beim HSV, im „Kicker“ auffallend deutlich:
„Wir sehen ein anderes Trainingsniveau, eine andere Einstellung, eine andere Ausstrahlung bei den Mädels. […] Der inhaltliche Aufhänger für die neue Trainerkonstellation war es, wieder alle mitzunehmen, um Geschlossenheit zu haben.“
Eine Spitze gegen die Arbeit von Brancão – anders kann ich die Worte kaum interpretieren.
Gegen Union trat der HSV vor allem defensiv gut geordnet auf: mit kurzen Abständen, einer stabilen Kompaktheit im Zentrum und einer insgesamt besseren Balance zwischen Defensive und Offensive. Union, zuletzt formstark, hatte trotz viel Ballbesitz zu selten Tempo und Ideen, um diese Struktur zu knacken. Auch das Umschaltspiel wirkte reifer, mit Ball war zudem etwas Spielkultur erkennbar. Mia Büchele fiel als Kombinationsspielerin positiv auf, Melina Krüger belebte das Spiel über außen mit Tempo – eine Rolle, die sie unter Brancão kaum hatte.
Der Knackpunkt allerdings: Der HSV verlor trotzdem mit 0:1. Fünfmal trafen die Hamburgerinnen Aluminium – das ist Pech. Es führt mich aber zum Kernpunkt dieses Abschnitts: der HSV hat ein Tore-erzielen-Problem. Unions Torhüterin Cara Bösl erwischte einen starken Tag, profitierte aber auch davon, dass viele Abschlüsse zu unplatziert waren. In Erinnerung bleibt ihre Parade in der 16. Minute, als sie einen Kopfball aus kurzer Distanz von Christine Meyer entschärfte. Als gute Torhüterin muss sie (meine Meinung) diesen Ball allerdings auch parieren.
Insgesamt verbuchte der HSV 16 Schusschancen. Bestwert der Rückrunde. Doch es fehlt eine konsequent abschlussstarke Stürmerin. Etwas, dass sich durch diese Saison zieht und ein Qualitätsproblem im Kader ist. Sophie Hillebrand kommt zwar als Mittelfeldspielerin auf sieben Saisontore. In der Sturmspitze hat Melanie Brunnthaler als Pressing- und Kombinationsspielerin gewiss ihre Vorzüge, steht aber erst bei drei Treffern; Meyer bei einem. Ein Bereich, auf dem der HSV künftig Verstärkung benötigt.
Eintracht Frankfurt: Rebecka Blomqvist und der Aufschwung
Was dem Hamburger SV fehlt, ist eine Spielerin wie Rebecka Blomqvist - auch wenn das für den HSV natürlich kaum darstellbar wäre. Schließlich ist Blomqvist eine internationale Topstürmerin, für die der derzeitige HSV wohl kaum infrage kommt.
Welchen Wert sie für eine Mannschaft hat, zeigt Blomqvist zunehmend bei Eintracht Frankfurt. Nicht immer auffällig, aber fast immer mit entscheidenden Aktionen: In jedem der sechs Liga-Heimspiele der Eintracht im Jahr 2026 sammelte sie mindestens einen Scorerpunkt - vier Tore und drei Assists. Beim 4:1-Sieg gegen Nürnberg spielte Blomqvist den Steckpass zum 1:0 von Nicole Anyomi.
Insgesamt steht Blomqvist in der Rückrunde bereits bei sechs Toren. Für die Verantwortlichen in Frankfurt erfüllt sich damit, was sie sich vom Transfer der 28-Jährigen im vergangenen Sommer versprochen hatten: Torgefahr und Spielintelligenz, mit der sie selbst Räume findet oder ihre Mitspielerinnen bedient.
Nur ein Randaspekt: Als Blomqvist im Dezember verletzt fehlte, durchlief die Eintracht ihren bisherigen Saisontiefpunkt mit drei sieglosen Ligaspielen in Serie - darunter das 0:5 gegen Bayern München und das 3:5 gegen den 1. FC Nürnberg.
Das sollte nicht überbewertet werden. Dennoch hat Blomqvist mit ihrem variablen Offensivspiel großen Anteil am Aufwärtstrend der Eintracht seit Beginn der Rückrunde. Der 4:1-Sieg gegen Nürnberg festigt zudem Platz drei: Bei noch zwei ausstehenden Spielen und fünf Punkten Vorsprung auf Leverkusen ist der Europacupplatz fast gesichert.
Nürnberg schlug sich derweil im ersten Spiel unter Interimstrainerin Isabel Bauer achtbar. Vor allem Mitte der zweiten Halbzeit erspielte sich der FCN gegen eine wackelige Frankfurter Defensive einige gute Chancen. Der Ausgleich wäre in dieser Phase verdient gewesen. Nun steht Nürnberg vor dem entscheidenden Duell in der kommenden Woche gegen Essen: Ein Sieg würde den vorzeitigen Klassenverbleib bedeuten, eine Niederlage ein Zittern bis zum letzten Spieltag.
Was war sonst noch?
Carl Zeiss Jena steht als erster Absteiger fest. Die 1:5-Heimniederlage gegen den SC Freiburg besiegelte den Gang zurück in die 2. Bundesliga.
Die SGS Essen verpasst es, an den 4:3-Erfolg gegen Carl Zeiss Jena anzuknüpfen und steckt nach dem 0:4 gegen Bayer Leverkusen wieder tiefer in den Abstiegssorgen. Denn im Grunde braucht es nun zwei Siege aus den verbleibenden beiden Ligaspielen. Der VfL Wolfsburg sicherte sich zudem einen 3:2-Erfolg gegen RB Leipzig und behauptete Rang zwei.



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