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Frauen-Bundesliga: Mehr Fluktuation als Folge der steigenden Professionalität?

  • 15. März
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Mai

Ralf Kellermann, Birte Brüggemann oder Osman Cankaya: Binnen weniger Wochen häufen sich Wechsel, Rücktritte und Gerüchte bei den Führungspersonen der Frauenklubs. Zufall – oder ein Vorbote, was auf den Frauenfußball zukommt? Es könnte ein neuer Markt entstehen. Mit Chancen und Risiken.


Ralf Kellermann (mitte) unterschreibt seinen Vertrag bei Borussia Dortmund
Foto: Borussia Dortmund

Ralf Kellermann gibt seinen Abschied beim VfL Wolfsburg bekannt und unterschreibt kurz darauf als Sportdirektor bei Borussia Dortmund. In Wolfsburg wiederum steht Medienberichten zufolge Nürnbergs Sportdirektor Osman Cankaya nun ganz oben auf der Kandidatenliste. Die SGS Essen präsentiert zur gleichen Zeit mit Daniel Kraus einen neuen Sportlichen Leiter – er kommt aus Wolfsburg. Und bei Werder Bremen hört Abteilungsleiterin Birte Brüggemann auf.


Gab es innerhalb von drei Wochen schon einmal so viele Personalnews aus der Führungsebene der Frauenklubs? Ich kann mich nicht erinnern.


Zufall? Oder ein Vorbote dafür, dass der höhere Professionalitätsanspruch zu mehr personellen Veränderungen führt – sowohl von Vereinsseite als auch bei den Angestellten?


Bessere Gestaltungsmöglichkeiten in der Frauen-Bundesliga


Jede der oben genannten Personalmeldungen hat ihre eigene Geschichte. Kellermann suchte beispielsweise laut eigener Aussage nach 18 Jahren im Verein eine neue Herausforderung. Die bekommt er nun beim derzeitigen Regionalligisten BVB, der mit aller Macht eine große Nummer im Frauenfußball werden will – und Kellermann damit eine neue Karrieremöglichkeit bietet. Ähnliches dürfte auf Cankaya zutreffen, sofern er auf das vermeintliche Interesse aus Wolfsburg eingeht.


Mehr sportliche Verantwortung trägt künftig auch Kraus. Er kehrt nach Essen zurück, nachdem er das Team in der Bundesliga von 2016 bis 2019 trainiert hatte. Nun fragte Essen erneut bei ihm an, woraufhin Kraus seine Trainerstelle bei Wolfsburgs Reserve aufgab. Zu Brüggemanns sofortigem Rücktritt nach 19 Jahren in Bremen ist öffentlich hingegen noch wenig bekannt.


Die anderen drei Personalien haben eines gemeinsam: Beim neuen Klub bieten sich ihnen verbesserte Gestaltungsmöglichkeiten. Entsprechend verlockend waren und sind diese Vereinswechsel. In dieser Breite ist das durchaus neu im deutschen Frauenfußball. Überraschend aber keinesfalls.


Bislang stand die Frauen-Bundesliga für Kontinuität


Den Willen zur stärkeren Professionalisierung haben die Vereine nicht zuletzt mit ihrem Commitment zum Ligaverband FBL aufgezeigt. Das bringt selbstredend höhere Anforderungen mit sich, die – logischerweise – auch die Führungsebene betreffen. Was strategisch in den Frauenabteilungen künftig entschieden wird, trifft fortan auf mehr Beobachtung. Ergo: Die Klubs werden verstärkt erprobte Frauen und Männer für diese Aufgabe suchen; und Funktionärinnen und Funktionäre für sich das beste Umfeld.


Bislang stand der Frauenfußball in Führungspositionen für Kontinuität. Oft gab es in den Vereinen ohnehin nur eine hauptamtliche Stelle für diese Aufgabe. Selten wurde irgendwo eine Position frei, selten stand irgendwo eine Person zur Debatte – was sicherlich auch an der geringen öffentlichen Wahrnehmung liegt. Das verändert sich allmählich. Von der Meinungs- und Anprangerungskultur des Männerfußballs sind die Frauen (zum Glück) weit entfernt. Das gilt ebenso für die nicht nachahmenswerte „Hire-and-Fire“-Mentalität bei sportlichen Führungspersonen.


Trotzdem: Die Ambitionen im Frauenfußball steigen, vor allem in der Breite. Die Liga ist (hinter Bayern München) in dieser Spielzeit so ausgeglichen wie lange nicht. Eine gute Sportdirektorin oder ein guter Sportdirektor kann da den Unterschied machen. Und wer gute Arbeit abliefert, dürfte künftig umso stärker im Blickfeld anderer Klubs stehen - und neue, bessere Karrierechanen vorfinden. Osman Cankaya ist so ein Bespiel. Er hat den 1. FC Nürnberg mit sehr datenbasiertem Ansatz tauglich für die 1. Bundesliga gemacht. Auch Kellermann dürfte vor ein paar Jahren national kaum interessante Optionen vorgefunden haben. Das ist nun anders. Folge: Vereine müssen sich künftig mehr anstrengen, gute Leute zu halten. Andererseits steigt für Sportdirekorinnen und Sportdirektoren vermeintlich der Erwartungsdruck.


Wer ist seit wann in einer Leitungsfunktion?


Verein Leitung Seit wann?

FC Bayern München Bianca Rech Seit 2019 Leiterin der Frauen-Abteilung

VfL Wolfsburg Ralf Kellermann Seit 2017 Sportdirektor der Frauen, zuvor Trainer im Verein

Eintracht Frankfurt Katharina Kiel Seit 2022 Technische Direktorin/Direktorin Frauenfußball

Bayer Leverkusen Achim Feifel Seit 2022 Sportlicher Leiter der Frauenabteilung, zuvor Trainer im Verein

TSG Hoffenheim Ralf Zwanziger Seit 2007 Leiter des Frauen- und Mädchenfußballs

Werder Bremen Birte Brüggemann Seit 2007 Leiterin des Frauen- und Mädchenfußballs. Bis März 2026.

SC Freiburg Birgit Bauer-Schick Seit 1993 Bereichsleiterin des Frauen- und Mädchenfußballs

1.FC Köln Nicole Bender-Rummler Seit 2017 Sportliche Leiterin der Frauen

RB Leipzig Viola Odebrecht Seit 2019 Leiterin der Frauenfußballabteilung

Union Berlin Jennifer Zietz  Seit 2023 Sportliche Leiterin der Frauen- und Mädchenabteilung

1.FC Nürnberg Osman Cankaya Seit 2021 Sportlicher Leiter der Frauen, zuvor Trainer im Verein

Hamburger SV Saskia Breuer Seit 2024 Koordinatorin für Frauenfußball

SGS Essen Florian Zeutschler Seit 2019 Geschäftsführer

Carl Zeiss Jena Isabelle Knipp  Seit 2022 Sportliche Leiterin der Frauen


Viele Vereine haben das Führungspersonal bereits breiter aufgestellt


Ob Cankaya wirklich nach Wolfsburg geht, ist offen. Die Vereine werden sich – so ist zu vermuten – in der sportlichen Führung künftig jedoch breiter aufstellen. So hat Bayern München bereits seit 2023 mit Francisco De Sá Fardilha einen zusätzlichen Sportlichen Leiter für die Frauen – neben Frauendirektorin Bianca Rech. Im Dezember 2025 engagierte Eintracht Frankfurt mit Babett Peter eine Sportdirektorin als Verstärkung für Katharina Kiel, die Frauendirektorin.


Auch der SC Freiburg (Sportlicher Leiter André Malinowski) und Bayer Leverkusen (Frauenmanagerin Linda Schöttler) haben zusätzliches Personal für den sportlichen Bereich. Und die SGS Essen nun mit Daniel Kraus ebenfalls.


Werder Bremen soll nach Medienberichten eine externe Kandidatin oder einen externen Kandidaten für die Nachfolge von Britta Brüggemann bevorzugen. Sollte Cankaya nach Wolfsburg gehen, wäre in Nürnberg ebenfalls eine Führungsposition frei. Für einige Personen sind diese Posten gewiss eine Aufstiegschance – vielleicht auch für jemanden, der aktuell bei einem Konkurrenzklub angestellt ist.


Ein im Fußball abgedroschener Satz lautet: „Den nächsten Karriereschritt gehen.“ Er könnte womöglich bald auch für Funktionsstellen im Frauenfußball häufiger fallen.

 
 
 

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