top of page

Nationalteam: Bundestrainer Christian Wück setzt auf „Bestätigung“

  • 31. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Apr.

Christian Wück setzt auf Kontinuität statt Experimente: Der 23er-Kader wirkt wie ein geschlossenes System, neue Namen haben es schwer. Solange Ergebnisse und Auftritte stimmen, ist der Kurs kaum angreifbar. Spannend wird, was nach 2027 passiert.


Bundestrainer Christian Wück steht an der Seitenlinie und beobachtet das Spiel
Foto: Shutterstock/Marta Fernandez Jimenez

23 Kaderplätze sind nicht viel. Wer schon einmal sein „Wunsch-Nationalteam“ zusammengestellt hat, merkt das schnell. Entsprechend dürften auch Christian Wück und sein Trainerinnen- und Trainerteam intern einige Diskussionen geführt haben. Herausgekommen ist allerdings Altbekanntes: 23 Namen, die auch in der Vergangenheit schon auf der Kaderliste standen. Wücks Einstiegsstatement bei der Kader-Pressekonferenz verdeutlichte seinen Ansatz: „Wir wollten eine Bestätigung der vergangenen Monate. Daher sind es viele Gesichter, die wir natürlich kennen, die bewiesen haben, dass sie auf einem hohen Niveau Fußball spielen können.“


Die WM 2027 in Brasilien ist noch 16 Monate entfernt. Die Phase, in der man neue Spielerinnen in den DFB-Kreis einführt und testet, scheint der Bundestrainer jedoch zu überspringen. Wück ist schon jetzt im Feinschliff-Modus für die Weltmeisterschaft. Anders sind die vergangenen zwei Nominierungsphasen kaum zu deuten.


Christian Wück setzt auf Stabilität und Vertrautheit


Ich habe es schon zuvor geschrieben: Für mich wirkt das Nationalteam wie eine geschlossene Gesellschaft. Wer einmal drin ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut nominiert. Wer noch nicht dazugehört, darf kaum mit einer Berufung rechnen. Das Leistungsprinzip scheint teilweise außer Kraft gesetzt. Stattdessen wird die Auswahl als Team mit recht festem Kader verstanden – in dem sich einzelne Spielerinnen auch eine Leistungsdelle erlauben können. Wück setzt auf Stabilität und Vertrautheit. Daran ist grundsätzlich nichts falsch.



Alles steht und fällt am Ende mit den Ergebnissen und Auftritten – und die geben Wück aktuell Recht. Die ersten beiden Partien der WM-Qualifikation gewann Deutschland Anfang März mit 5:0 gegen Slowenien und 4:0 gegen Norwegen. Nun stehen die beiden Partien gegen Österreich an: Am 14. April in Nürnberg, am 18. April im österreichischen Ried.


Interessant ist, dass Wück zu Beginn seiner Amtszeit eher vorgeworfen bekam, er würde zu viele Spielerinnen ausprobieren: In seinen ersten sechs Spielen gab es gleich sieben Debütantinnen. Zuletzt wurden es dann deutlich weniger – unter anderem debütierten noch Camilla Küver und Shekiera Martinez. Inzwischen wirkt es so, als habe sich Wücks Ansatz verschoben: weniger Neues testen, mehr das Vorhandene stärken.


Kaum Diskussionen, aber zwei kleine Überraschungen


Spielerinnen wie Vanessa Fudalla oder Larissa Mühlhaus, die in der Bundesliga groß aufspielten, wurden in der vergangenen Länderspielphase Anfang März zunächst nicht berücksichtigt. Weitere Talente im Wartestand sind Vanessa Diehm, Katharina Piljic oder Melissa Kössler. Aufgrund von Ausfällen kamen Mühlhaus und die Frankfurter Innenverteidigerin Jella Veit dann allerdings doch zu ihrem DFB-Debüt.


Zur Wahrheit gehört aber auch: Der jetzige Kader gibt kaum Anlass zur Diskussionen. Dass Veit erneut nominiert ist, ist mich zumindest eine kleine Überraschung. Für mich hat sie in der Bundesliga in den vergangenen Wochen nicht immer überzeugt und braucht in ihrer Entwicklung noch etwas Zeit. Talent hat Veit aber allemal – und Wück offenbar eine hohe Meinung von der 20-Jährigen. Zumindest im Fall von Veit testet der Bundestrainer etwas. Cora Zicai drängte sich leistungsmäßig aus meiner Sicht ebenfalls nicht zwingend für das Nationalteam auf, scheint aber ihren festen Platz im Wück-Kreis zu haben.


Larissa Mühlhaus muss zur U23-Mannschaft


Mühlhaus ist hingegen wieder außen vor – für mich die zweite Überraschung. Immerhin erzielte sie bei ihrem Debüt direkt ein Tor und setzte als Einwechselspielerin frische Akzente. Ob es bei einer erneuten Nominierung zu Spielzeit gereicht hätte, ist fraglich. Aber allein das gemeinsame Training, spielerische Abstimmungen und die Integration ins Teamgefüge sind wichtige Bausteine, wenn eine Spielerin auf Sicht eine Rolle im Nationalteam spielen soll. Dass Mühlhaus dieses Mal nicht dabei ist, ist für mich ein Fingerzeig, dass Wück vorerst nicht mit ihr plant. Auch wenn Wück zur Personalie Mühlhaus sagt:

„Bei Larissa Mühlhaus haben wir uns - wie auch schon bei anderen Spielerinnen - dafür entschieden, sie in der U-23-Nationalmannschaft weiter Spielpraxis sammeln zu lassen. Wir stehen hier in engem Austausch mit dem Trainerteam der U23, sodass wir Larissa und selbstverständlich auch weitere Spielerinnen im Blick behalten.“

Wück und sein Team haben ihre Entscheidung getroffen: Der Kern des Nationalteams soll weiter zusammenwachsen, neue Impulse von außen hält das Trainerinnen- und Trainerteam offenbar nicht für notwendig. Und ja, die Qualität im nun nominierten Kader ist definitiv vorhanden. Solange die Ergebnisse stimmen, gibt es kaum Argumente, grundsätzlich etwas infrage zu stellen. Interessant wird jedoch, wie Wücks Ansatz nach der WM 2027 aussieht.

 
 
 

Kommentare


bottom of page