Vivien Endemann: Hallo, 2023 ist zurück!
- 9. März
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Aktualisiert: 13. März
Bei der Nominierung von Vivien Endemann für das Nationalteam war ich skeptisch. Ein großer Fehler. Die 24-Jährige ist offenbar zurück auf Topniveau und die große Gewinnerin der Länderspielphase im DFB. Bundestrainer Christian Wück dürfte das einige Denkaufgaben mitgeben.

Dieser Text beginnt mit einem Eingeständnis. Ja, auch ich habe Vivien Endemann sportlich Unrecht getan und beziehe mich reumütig auf einen Text von vor einigen Wochen. Damals ging es um die Auswahl von Bundestrainer Christian Wück für die gerade beendete Länderspielphase: Ich plädierte für eine Nominierung von Vanessa Fudalla (was ich immer noch tue) und stellte die Frage, ob Endemann dem Nationalteam tatsächlich weiterhilft. Ups …
Von einem guten Champions-League-Auftritt gegen Juventus Turin wollte ich mich nicht blenden lassen – das Rückspiel stand damals noch aus. Denn bis dato stand zwar „Endemann“ auf dem Trikot des VfL Wolfsburg, fußballerisch steckte aber nicht dieselbe Spielerin darin, die in der Spielzeit 2023/24 für Wolfsburg fulminant aufgespielt hatte.
Vivien Endemann: Durchbruch 2023/24, Stagnation in der Folgezeit
Endemann kam damals von der SGS Essen in den Norden – ein Schritt, den einige als zu groß ansahen. Ihr Spiel setzte sie allerdings auf einem höheren Level bemerkenswert fort. Die Ausbeute in Zahlen: 15 Tore und vier Assists in 28 Spielen. Tempo, das Gespür für die richtigen Räume sowie ihre Abschlussstärke – Endemann entpuppte sich auf Anhieb als belebendes Element für den Topklub. Ins Nationalteam wurde sie ebenfalls erstmals berufen.
Diese Form hielt jedoch nicht an. Seitdem spielte Endemann gelegentlich gut, oft solide, selten schlecht, aber in Summe doch irgendwie verhalten – zumindest angesichts ihres vorhandenen Potenzials. In dieser Spielzeit kam eine Muskelverletzung im linken Oberschenkel hinzu. Im Wolfsburger Flügelspiel war Endemann zeitweise nicht mehr erste Wahl. Vom Bundestrainer erhielt sie ebenfalls keine Nominierung mehr.
Dann kam das Champions-League-Rückspiel gegen Turin. Endemann war Fixpunkt und Torschützin beim 2:0-Erfolg der Wolfsburgerinnen, der zum Einzug ins Viertelfinale berechtigte. Und dann kamen die beiden Länderspiele gegen Slowenien (5:0) und in Norwegen (4:0), in denen Endemann wie eine Spitzenspielerin in einem europäischen Spitzenteam auftrat. Zwei Tore und vier Vorlagen gingen auf ihr Konto.
Endemann tritt als Spitzenspielerin eines Spitzenteams auf
Die Zahlen sind das eine, der Augentest das andere: gutes Freilaufverhalten, stets anspielbar in gefährlichen Räumen, dazu ihre Tempostärke. Endemann gehört zu den Spielerinnen, die bei jeder Gelegenheit den Abschluss suchen – oft mit nur einem Kontakt. Gegen Norwegen traf sie zunächst den Außenpfosten, später dann zum 3:0 ins Netz. Mit Steckpässen bereitete sie zudem die Tore von Carlotta Wamser und Jule Brand vor.
Zur Wahrheit gehört: Endemann bekam diese Bühne vor allem, weil Selina Cerci bereits vorher absagen und Klara Bühl verletzungsbedingt aus dem Nationalteam abreisen musste. Was Endemann aber daraus gemacht hat: Das Fehlen von Bühl fiel nicht auf.
Das Jahr 2023 hat offenbar wieder angeklopft – mit einer Endemann, die sich ihrem damaligen Topniveau wieder annähert. Die vergangenen Wochen haben zumindest genügend Indizien geliefert, dass Endemanns Topleistungen wieder eher die Regel als die Ausnahme sind.
Endemann in Zukunft mehr als ein Backup im Nationalteam?
Für den VfL Wolfsburg ist das ebenso eine gute Nachricht wie für Wück: Eine bessere Backup-Spielerin für Bühl kann sich der Bundestrainer kaum wünschen. Oder kann Endemann sogar Bühls Partnerin auf dem rechten Flügel sein? Die 24-Jährige ist flexibel einsetzbar und hat ihr Potenzial angedeutet, auch in großen Spielen eine Stammkraft im DFB-Team sein zu können – statt Linda Dallmann oder Selina Cerci. Gedankenspiele, mit denen sich Wück nun beschäftigen muss.
Gute Leistungen – das hat die Vergangenheit gezeigt – belohnt der Bundestrainer zumindest mit Vertrauen. Endemann dürfte somit in Wücks „Inner Circle“ angekommen sein – mit Nominierungsgarantie für die kommenden Länderspielphasen.



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