Eintracht Frankfurt: Ein Team für die „Oh ja“- und „Oh nein“-Momente
- 2. Apr.
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Aktualisiert: 14. Mai
Eintracht Frankfurt wirkt 2026 stabiler - und doch nie ganz berechenbar: mal dominant, mal schwerfällig und unentschlossen. Genau dieses „zwei Gesichter“-Problem wird vor dem Halbfinalrückspiel bei BK Häcken zur Schlüsselfrage. Ein großer Europapokalabend für Frankfurt ist nicht utopisch.

Inzwischen kann Niko Arnautis ja durchaus selbstbewusst über diese Spielzeit sprechen. So geschehen bei der Pressekonferenz im schwedischen Häcken vor dem Europacup-Halbfinalrückspiel gegen den BK Häcken. In der Bundesliga ist seine Eintracht zurück auf Platz drei – dem Mindeststandard für den Klub. In der Rückrundentabelle steht das Team mit sieben Siegen aus neun Spielen sogar auf Rang zwei, hinter den überlegenen Bayern. Eine „tolle Entwicklung“, so Arnautis. Und da ist ihm nicht zu widersprechen. In Frankfurt sieht es wieder deutlich mehr nach Spitzenteam aus – zumindest tabellarisch.
Ganz so leicht lässt sich das Hinrunden-Narrativ allerdings nicht abschütteln. Denn vor dem Rückspiel in Häcken geht es – wieder einmal – um die zentrale Frage: Was muss besser werden? Schließlich ging das Hinspiel zu Hause im Ergebnis deutlich mit 0:3 verloren. Ein Stimmungsdämpfer zur Unzeit: Gerade als diese Saison anfing, für alle Frankfurterinnen und Frankfurter wieder Spaß zu machen.
Frankfurts Hinspielniederlage gegen Häcken „brutal bitter“
Was im Hinspiel nicht funktionierte, fasste Arnautis direkt nach der Partie ungewöhnlich detailliert zusammen: „Wir waren nicht genau genug von der Passqualität, haben unnötige Fehler gemacht. Wenn wir durch waren, sind wir wieder abgedreht. Wir haben Flanken nicht gebracht – und wenn wir sie gebracht haben, hatten wir zu wenig Boxpräsenz.“ Der Trainer ordnete das 0:3 als „brutal bitter“ ein. Nachvollziehbar: In fast allen Statistiken war die Eintracht überlegen. Das cleverere Team an diesem Abend war aber Häcken – begünstigt durch zwei Kontertore nach Frankfurter Aufbaufehlern und einen überragenden Auftritt von Felicia Schröder.
Für mich bleiben daher mehr Fragezeichen, als dass nun mit Ausrufezeichen argumentiert werden kann. Die Auftritte der Eintracht liegen zwischen dominant und schwerfällig, zwischen Oh-ja- und Oh-nein-Momenten.
Anschauungsmaterial lieferte der vergangene Spieltag gegen den 1. FC Köln. Knapp 40 Minuten fand Frankfurt keinen Spielfluss, keine Kontrolle – das Team wirkte fahrig und spürbar beeindruckt vom hohen Pressing und der körperlichen Spielweise der Kölnerinnen. Nach der Pause wiederum trat die Eintracht druckvoll auf und drehte die Partie noch zum 2:1. Verdient, ja – aber mühsam. Es sind die zwei Gesichter, die die Eintracht oft in dieser Spielzeit zeigt. Auch in der Rückrunde, siehe Leipzig (2:2) oder Bremen (2:4).
Eintracht Frankfurt ist in vielen offensiven Statistiken schlechter geworden
Das Interessante ist: In vielen offensiven Kernstatistiken schneidet die Eintracht seit Jahresbeginn sogar minimal schlechter ab als in der Hinserie. Laut „Flashscore“ kommt Frankfurt in den acht Liga-Spielen 2026 im Schnitt auf 14,13 Abschlüsse pro Partie, in den 14 Spielen vor der Winterpause waren es 15,43. Die Quote der Schüsse aufs Tor liegt 2026 bei 45,13 Prozent, zuvor bei 46,3 Prozent.
Deutlicher wird es bei den Expected Goals: Seit dem Jahreswechsel steht Frankfurt bei 1,51 xG pro Spiel, im Jahr 2025 waren es 2,04. Ähnlich bei den Expected Assists: 1,16 seit Jahresbeginn, 1,27 im Schnitt in den 14 Spielen 2025. Die Unterschiede wirken auf den ersten Blick marginal. Es zeigt aber, dass Frankfurt nicht unbedingt besser geworden ist, nur eben mehr Punkte holt. Tore schießt die Eintracht unverändert: 2,5 im Schnitt pro Spiel in den bisherigen Spielen 2026, 2,42 in den vorherigen Partien 2025.
Es sticht etwas anderes heraus: Die Spiele der Eintracht wirken phasenweise kontrollierter. Daran hat Rückkehrerin Sara Doorsoun gewiss ihren Anteil. Die deutlichsten Veränderungen lassen sich daher in der Defensive ablesen. Der Expected-Goals-Wert der Gegnerinnen sank von 1,48 auf 1,06 pro Spiel – zweitbester Wert der Liga in der Rückrunde. Auch die Expected Assists der Gegnerinnen gingen zurück, von 1,03 auf 0,69. Und die Gegentore sanken von 2,0 pro Spiel auf 1,13.
Altes Manko: Viele Chancen, oft zu wenig Ertrag
Bedenkenlos bin ich bei dieser Eintracht trotzdem nicht. Die Ergebnisse stimmen inzwischen, die Leistungen aber nicht immer. Selbst die stabilisierte Abwehr um Sara Doorsoun und Jella Veit ist regelmäßig für Schnappatmung gut – und offensiv bleibt das alte Manko: Frankfurt macht aus guten Ansätzen oft zu wenig. Ein Abspiel zu viel, ein Gedanke zu viel, eine Sekunde zu lang gewartet.
Das beste Beispiel lieferte das DFB-Pokalviertelfinale gegen den VfL Wolfsburg. Frankfurt kam am Ende auf 27 Abschlüsse, nur vier gingen aufs Tor – ein Treffer fiel nicht. Wolfsburg gewann 1:0. Ein „Kopfproblem“ sieht Arnautis nach eigener Aussage nicht. Ist es eine Qualitätsfrage?
Damit sind wir wieder in Schweden und bei der Pressekonferenz vor dem Rückspiel in Häcken. Im Hinspiel war Frankfurt ebenfalls überlegen, kam auf 17 Abschlüsse, brachte aber erneut nur zwei davon aufs Tor. Das muss am Donnerstag (18.30 Uhr) aus Eintracht-Sicht anders werden.
Eintracht-„Wunder“, in Häcken? Warum nicht
„Es braucht Zielstrebigkeit, Effektivität, Stabilität. Im Endeffekt müssen wir den Gegner unter Dauerdruck setzen und dann unsere Möglichkeiten reinmachen“, sagt Arnautis. Ebenso wichtig ist indes die Bilanz, um den konterstarken Schwedinnen nicht wieder zu viele Räume zu öffnen.
Für den Einzug ins Endspiel braucht es letztlich nicht weniger als einen unvergesslichen Europacupabend. Für völlig utopisch halte ich das allerdings nicht. Grundsätzlich hat die Eintracht genug Potenzial, um sich Chancen zu erspielen. Siehe Hinspiel.
Remina Chiba steht nach dem Gewinn des Asiencups wieder zur Verfügung – und hat mit dem Siegtreffer gegen Köln schon gezeigt, dass sie eine Spielerin für die wichtigen Momente sein kann. Laura Freigang wiederum hat in der Liga bewiesen, dass sie wieder konsequent trifft. Anders als in der Hinrunde, als sie fast stellvertretend dafür stand, dass der Eintracht die Selbstverständlichkeit abhandengekommen war. Ganz zurück ist diese noch nicht. An einem guten Tag ist die Eintracht aber allemal zu drei oder mehr Toren fähig.
„Wenn wir uns vornehmen, das Spiel pro Halbzeit für uns zu entscheiden, dann fehlt nicht mehr viel zum Weiterkommen“, sagt Arnautis und fügt an: „In der Bundesliga haben wir jetzt geliefert. Und das ist ein Charaktermerkmal dieser Mannschaft, dass sie immer wieder zurückkommt.“
Der Beweis, dass das auch im Europapokal gilt, muss am Donnerstag folgen.



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