Frauen-Bundesliga: Ein Drittligist stiehlt die Show, Oldschool-Werder ist zurück und Redebedarf in Frankfurt
- 16. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Mai
Spieltag 20 in der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Was auf dem Platz passiert, ist durch einen medienwirksamen Transfer zeitweise nebensächlich. Frankfurt dürfte das ganz recht sein: Gegen Bremen liefert die Eintracht einen bedenklichen Auftritt – sagen selbst die Spielerinnen.

Ein Spieltag, geprägt von einem Team, das (noch) gar nicht zur Bundesliga gehört: Borussia Dortmund. Erst verkündet Alexandra Popp, dass sie den VfL Wolfsburg am Saisonende verlässt, kurz darauf laufen die sozialen Netzwerke beim BVB heiß – eine bemerkenswerte Medienkampagne, wie sie der Frauenfußball bislang selten gesehen hat.
Fußball wird auch noch gespielt: Viele Wendungen, viele Tore und alte Muster gibt es bei Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt zu sehen. Die Gesprächsthemen.
Borussia Dortmund: Die Schlagzeilen gehören einem Drittligisten
Bayern München hätte womöglich schon zweistellig gewinnen müssen, um Borussia Dortmund an diesem Spieltag noch zu überflügeln. Doch im Grunde war der BVB beim Medieninteresse an diesem Wochenende konkurrenzlos. Ralf Kellermann als Sportdirektor, Stürmerin Alexandra Popp als künftiges sportliches Aushängeschild – zwei Verpflichtungen mit greller Strahlkraft. Und wie der Verein den Transfer von Popp medial „inszenierte“ – holla, das war erstklassig.
Mehrere hochwertige Videos, von ersten Andeutungen bis zur emotionalen Bestätigung, dass sich Popp, seit ihrer Kindheit bekennender BVB-Fan, mit Dortmund einen Lebenstraum erfüllt, gehörten zum Repertoire. Auch Popps Einlauf ins volle Westfalenstadion beim Spiel der Männer samt erstem Hallo an die „Gelbe Wand“ durfte nicht fehlen. In Sachen Medienarbeit hat der BVB damit Maßstäbe gesetzt.
Am Commitment für die Frauenabteilung lässt der Klub derzeit keinen Zweifel. Eher klotzen als kleckern – ein Mantra, das andere Frauenabteilungen in der Vergangenheit und teils bis heute nur zaghaft verfolgen.
In vielen Bereichen tritt der BVB bereits wie ein Erstligist auf, sportlich hat er jedoch noch einige Ligastufen zu bewältigen. Nach vier Aufstiegen in Serie ist der Klub inzwischen in der drittklassigen Regionalliga angekommen. Der Sprung in die 2. Bundesliga ist allerdings nicht gesichert: Dortmund belegt aktuell nur Rang zwei. Dass der BVB auf Sicht jedoch Erstligist wird, ist schwer zu bestreiten. Wie ernst die Ambitionen sind, hat dieses Wochenende gezeigt – als der BVB die größten Schlagzeilen im Frauenfußball lieferte.
Werder Bremen: Mühlhaus und die Freistöße sind zurück
Ich bin ehrlich - bis zur 40. Minute hatte ich für Werder Bremen folgenden Plot im Kopf: Die frühere Effizienz als Stärke ist dahin, und Freistoßtore schießt inzwischen der Gegner. Der Hintergrund: Verena Wieder ließ in der 3. Minute das sichere 1:0 liegen, Frankfurt ging unter anderem durch ein Freistoßtor von Nicole Anyomi mit 2:0 in Führung. Der Flow an der Weser ist weg – so der Tenor meiner Gedanken. Zumal es 2026 noch keinen Sieg gab und im DFB-Pokal-Viertelfinale nun das Aus gegen die SGS Essen.
Tja, dann kamen die Freistöße – und Larissa Mühlhaus. Werder sah zumindest an diesem Nachmittag wieder aus wie in der Hinrunde. Am Ende stand ein 4:2-Erfolg, dank zwei Toren und einer Vorlage von Mühlhaus. Einen Treffer versenkte die 23-Jährige per Freistoß aus 25 Metern halblinker Position – ein klassischer Mühlhaus eben; ein weiteres Tor fiel nach einer Freistoßflanke von ihr.
Also alles wieder im grünen Bereich? Ja und nein. Zu berücksichtigen ist, dass Werder durch die Spielausfälle zuletzt womöglich der Rhythmus fehlt.
Offensiv fiel Bremen bis zum 1:2-Anschlusstreffer in der 44. Minute allerdings wenig ein. Die offensiven Abläufe bleiben die große Baustelle im Team von Trainerin Friederike Kromp. Erst als Frankfurt mehr wagen musste und die Partie offener wurde, erspielte sich Werder mehr Chancen. Die Folge: ein höherer Expected-Goals-Wert (2,41 zu 1,49) und mehr Torabschlüsse (neun zu fünf) als die Eintracht.
Die Frage muss erlaubt sein: Was wäre Werder ohne Mühlhaus und ihre Freistöße? Mit Mühlhaus hat Bremen zumindest einen unschätzbaren Vorteil – einen, der Siege gegen nominell stärkere Teams wie Frankfurt überhaupt möglich macht.
Eintracht Frankfurt: Bedenklich Aussagen aus dem Team
Es wäre jetzt einfach zu behaupten, dass die dreiwöchige Pause der Eintracht nicht gutgetan hat. Schließlich hatten die Frankfurter zuvor eine ihrer besten Saisonphasen: fünf Pflichtspielsiege in Serie. Nun, nach der Länderspielpause, gab es erst im DFB-Pokal-Viertelfinale ein 0:1 beim VfL Wolfsburg und drei Tage später das 2:4 gegen Werder Bremen.
Was auch immer die Pause damit zu tun hat: Im Spiel der Eintracht haben sich alte Schwächen eingeschlichen. Trotz höherer Spielanteile gelingt es dem Team gegen Werder zu selten, echte Torgefahr zu kreieren. Frankfurt hatte laut "FotMob" mehr Ballbesitz (59:41 Prozent), mehr Schüsse (21:17) und mehr erfolgreiche Pässe (305:199) – davon 168 in der Bremer Hälfte (Werder kam nur auf 62 Pässe in der gegnerischen Hälfte).
Doch die Zahlen sind das eine, der Eindruck das andere: Wirklich gefährlich waren die Abschlüsse selten, nur fünf gingen überhaupt aufs Tor. Insgesamt wirkte der Auftritt, insbesondere in der zweiten Halbzeit, fahrig, hektisch und oft planlos, wie Räume, Positionen und Gegner zu bespielen sind. Das war in dieser Saison schon häufiger zu beobachten. Hinzu kommen defensive Nachlässigkeiten: Bereits zum vierten Mal kassierte Frankfurt in einem Pflichtspiel vier oder mehr Gegentore. Einem vermeintlichen Spitzenteam sollte so etwas nicht passieren.
In den Vereinsmedien gaben Laura Freigang und Nina Lührßen bemerkenswerte Statements ab.
Freigang:
„Das war nicht genug. Wir waren in den wichtigen Situationen einfach nicht präsent. Wir sind gut gestartet – der Rest war leider zum Vergessen.“
Lührßen:
„Wir haben zum Teil arrogant gespielt und dachten, dass es ein leichtes Spiel werden wird. Ein Stück weit hat die Aggressivität gefehlt, das ‚über die Grenze gehen‘. Ich glaube, dass Werder den Sieg mehr wollte.“
Präsenz, Arroganz, fehlender Siegeswille – ein Dreiklang, der für jedes Team verheerend klingt. Solche Aussagen entstehen natürlich aus den Emotionen nach dem Spiel. Redebedarf gibt es offenbar trotzdem in Frankfurt.
Bremen nur ein Ausrutscher in alte Muster? Das zeigt sich bereits am Mittwoch im Nachholspiel der Eintracht gegen die TSG Hoffenheim.
Was war sonst noch
Bayern München hat beim 1. FC Köln keinerlei Probleme, nutzt Räume und individuelle Qualitäten – und siegt souverän mit 3:0. Dahinter gewinnt der VfL Wolfsburg das Duell gegen Bayer Leverkusen mit 2:1 und festigt Platz zwei. Einen Treffer erzielt – natürlich – Alexandra Popp.
Im Abstiegskampf geht Carl Zeiss Jena gegen den Hamburger SV bereits nach zwei Minuten durch Olivia Alcaida in Führung, muss sich am Ende jedoch in Überzahl mit einem 1:1 begnügen – ein Ergebnis, das den Thüringern kaum hilft. Die SGS Essen zeigt eine gute Halbzeit gegen Hoffenheim, ehe die TSG einige sehenswerte Tore erzielt und 4:0 gewinnt.
Am Freitag holt der SC Freiburg bereits drei Punkte mit 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg. Außerdem trennen sich die Tabellennachbarn RB Leipzig und Union Berlin 2:2.



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